Städtebauliche Erneuerung und Sanierungsförderung in Pforzheim: Ein Leitfaden für Eigentümer und Investoren

Die Innenstadt von Pforzheim steht aktuell vor tiefgreifenden Veränderungen. Nach Jahren der Planung und Vorbereitung beginnt nun die Umsetzung großer städtebaulicher Projekte, die darauf abzielen, die Lebens- und Wohnqualität in der Kernstadt nachhaltig zu steigern. Für Eigentümer von Immobilien, Investoren und Bauinteressenten eröffnen sich dabei nicht nur Chancen zur Modernisierung, sondern auch Möglichkeiten der staatlichen Förderung. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Situation, die geplanten Maßnahmen und die Förderinstrumente, die Eigentümern in den festgelegten Sanierungsgebieten zur Verfügung stehen.

Analyse der städtebaulichen Missstände und Ziele der Stadterneuerung

Vorbereitende Untersuchungen in der Pforzheimer Innenstadt haben erhebliche städtebauliche Missstände identifiziert, die einen Handlungsbedarf erfordern. Dazu zählen unter anderem überdimensionierte Verkehrsflächen, die als Barrieren wirken, sowie negative Entwicklungstrends in der östlichen Karl-Friedrich-Straße, die sich durch einen sogenannten „Trading-down-Effekt“ auszeichnen. Ebenso wurde ein Mangel an Aufenthaltsorten für verschiedene Altersgruppen, fehlende Fuß- und Radwege sowie ein unzureichender Zugang zum Fluss Enz festgestellt.

Darüber hinaus weist der Gebäudebestand erheblichen Sanierungsbedarf auf, was sich in Leerständen und der Notwendigkeit zur Instandsetzung äußert. Besonders hervorzuheben sind das denkmalgeschützte Technische Rathaus, das stark sanierungsbedürftig ist, sowie die KiTa am Schlossberg mit schlechter Bausubstanz. Auch Areale wie die ehemalige Alfons-Kern-Schule liegen brach, und der Rathaushof sowie das Quartier um das Emma-Jaeger-Bad werden mindergenutzt. Ziel der Maßnahmen ist es, durch die Umgestaltung und Reaktivierung von Flächen die Wohn- und Lebensqualität wieder entscheidend zu steigern.

Großprojekte: Revitalisierung durch Neubau und Quartiersentwicklung

Ein zentraler Motor der Erneuerung ist das 100-Millionen-Euro-Bauvorhaben „Innenstadt Ost“. Im Rahmen dieses Projekts wurde der Spatenstich für das neue Technische Rathaus auf dem jetzigen Rathausparkplatz vollzogen. Bis 2026 soll hier auf 30.000 Quadratmetern ein multifunktionales Gebäude entstehen, das neben Büros eine Kita, Gastronomie, Geschäfte und einen Kulturraum beherbergen wird. Ziel ist die Revitalisierung der östlichen Innenstadt mit ihren zahlreichen Nachkriegsbauten.

Parallel dazu entsteht im östlichen Teil der Innenstadt das Wohnquartier „Schlossberghöfe“. Dieses Projekt umfasst Wohnungen mit Einzelhandel im Erdgeschoss, Kitas, Gastronomie und eine neue Tiefgarage mit knapp 200 Stellplätzen. Die Stadtverwaltung erhofft sich davon eine Aufwertung der gesamten Pforzheimer Innenstadt. Diese Vorhaben sind Teil eines umfassenden Konzepts, das in fünf Bausteine gegliedert ist und die Innenstadt aufwerten, die Quartiere nördlich und südlich der Enz besser vernetzen und neue Veranstaltungsformate etablieren soll.

Förderinstrumente für Sanierung und Modernisierung

Für Eigentümer von Immobilien in den festgelegten Sanierungsgebieten existieren attraktive Fördermöglichkeiten. Die Stadt Pforzheim hat Sanierungsgebiete festgelegt, in denen umfassende Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden mit einem Zuschuss von bis zu 35 % der Baukosten gefördert werden. Die maximale Fördersumme beträgt dabei 70.000 Euro bzw. 100.000 Euro.

Voraussetzung für die Gewährung dieser Förderung ist, dass die Maßnahmen im Vorfeld mit der Sanierungsstelle der Stadt Pforzheim abgestimmt wurden und ein Vertrag zwischen Investor und Stadt abgeschlossen wird. Neben direkten Zuschüssen ergeben sich interessante Steuererleichterungen bei Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen in Sanierungsgebieten, entsprechend dem Einkommenssteuergesetz (§7h EStG). Auch hier ist die Abstimmung mit der Sanierungsstelle und der Abschluss eines Vertrages vor Baubeginn zwingend erforderlich.

Private Bauvorhaben können unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich aus dem Bundes-/Länder-Sanierungs- und Entwicklungsprogramm gefördert werden. Wichtig ist, dass ein Sanierungsvertrag vor Baubeginn mit der Stadt abgeschlossen wird. Nach der förmlichen Festlegung eines Sanierungsgebietes wird bei allen Grundstücken im Grundbuch ein Sanierungsvermerk eingetragen. Veränderungen bezüglich des Grundstücks (z. B. Kauf-, Miet- und Pachtverträge, bauliche Vorhaben) sind nach § 144 Baugesetzbuch (BauGB) genehmigungspflichtig, und der Stadt steht ein Vorkaufsrecht zu.

Beratung und Unterstützung für Hauseigentümer

Um Eigentümer zu unterstützen, bietet die Stadt Pforzheim eine professionelle Beratung an. Bereits seit 2019 können Hauseigentümer durch die städtische Sanierungsstelle beim Planungsamt im Hinblick auf die Modernisierung ihrer Gebäude im Fördergebiet beraten werden. Diese Beratungen sind gebührenfrei und ohne weitere Verpflichtung für die Eigentümer. Bis ins Jahr 2023 hinein konnten rund 160 Vor-Ort-Termine mit interessierten Immobilienbesitzern erfolgen, was die hohe Nachfrage und den Engagement der Stadt unterstreicht.

Ergänzend dazu hat im Mai 2022 das Quartiersmanagement Nordstadt seine Arbeit aufgenommen. Kooperationspartner sind die Pforzheimer Stadtmission e.V. und die Stadt Pforzheim. Die sozialraumorientierte Arbeit im Quartiersbüro „Café Daheim“ in der Wittelsbacher Straße 3 wird durch einen Sozialarbeiter betreut. Ziel ist die Einbindung der Bewohner, Gewerbetreibenden und Gebäudeeigentümer in die Planungs- und Entscheidungsprozesse. Auch eine Quartierversammlung ist gestartet, um die Anwohner aktiv einzubeziehen. Zusätzlich wurde ein Pop-up-Raum in der Güterstraße 37 eingerichtet, der als Anlaufstelle dient und dessen Eröffnung für den 25. Oktober 2025 geplant ist.

Belebung und Vernetzung der Innenstadt

Neben baulichen Maßnahmen zielen auch konzeptionelle Initiativen auf die Belebung der Innenstadt ab. Ein Förderprogramm des Bundes namens „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ hat Pforzheim 2,32 Millionen Euro zugesprochen, wobei die Stadt selbst 350.000 Euro beisteuert. Mit diesem Geld sind 35 geplante Projekte zur Aufwertung der Innenstadt und zur Entwicklung neuer Veranstaltungsformate vorgesehen.

Ein Baustein hierbei ist die Einrichtung eines Verfügungsfonds, der es Bürgern, Vereinen, Kulturschaffenden und Gewerbetreibenden ermöglicht, ihre Ideen zur Belebung der Innenstadt einzubringen. Zudem sollen Machbarkeitsstudien und Beratungsleistungen erbracht werden, um unter anderem Besucherströme zu messen und künftige Aktionen darauf auszurichten. Ein digitales Fußgänger-Leitsystem soll in Echtzeit Orte und Veranstaltungen anzeigen.

Ein etabliertes Ereignis ist das Kulturfest Nordstadt auf dem Pfälzerplatz. Nach einer pandemiebedingten Pause fand es 2023 wieder mit großem Erfolg statt und wird nun jährlich angeboten. Für den Pfälzerplatz ist zudem ab Herbst 2024 eine umfassende Neugestaltung geplant.

Fazit

Die Stadt Pforzheim befindet sich in einer Phase der intensiven städtebaulichen Erneuerung. Durch massive Investitionen in neue Infrastruktur, Wohnraum und kulturelle Angebote sowie durch umfangreiche Förderprogramme für Sanierungsmaßnahmen wird die Innenstadt nachhaltig aufgewertet. Für Eigentümer von Immobilien in den Sanierungsgebieten ergeben sich daraus erhebliche Chancen, den Wert ihrer Objekte zu steigern und von finanziellen Zuschüssen sowie steuerlichen Vergünstigungen zu profitieren. Die enge Zusammenarbeit mit der Sanierungsstelle und die Nutzung der kostenlosen Beratungsangebote sind dabei entscheidende Schritte, um die Fördermöglichkeiten voll auszuschöpfen und die bauliche Substanz der Stadt nachhaltig zu sichern.

Quellen

  1. Stadtentwicklungsmanager-im-dialog.de
  2. Pforzheim.de
  3. Meinenzkreis.de
  4. Nachrichten-pforzheim.de

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