Sanierung der Güterstraße in Pforzheim: Moderne Loft-Wohnungen, Energieeffizienz und Infrastruktur-Erneuerung

Die Stadt Pforzheim steht an der Schwelle zu einer umfassenden städtebaulichen und energetischen Aufwertung. Insbesondere das Sanierungsgebiet „Nordstadt II“ und die angrenzenden Bereiche der Güterstraße stehen im Fokus von Baumaßnahmen, die nicht nur die Bausubstanz erneuern, sondern auch zukunftsweisende Standards in den Bereichen Energieeffizienz und Wohnqualität setzen. Zwei herausragende Projekte – die Umwandlung eines Gewerbegebäudes in hochwertige Lofts und die Generalsanierung eines Wohnhochhauses zum EffizienzhausPlus – sowie die dringend notwendige Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur verdeutlichen die Dynamik dieser Entwicklung. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und planerischen Aspekte dieser Vorhaben, die als Vorbild für Sanierungsmaßnahmen in Deutschland dienen können.

Das Sanierungsgebiet „Nordstadt II“: Ein städtebaulicher Wandel

Im neuen Sanierungsgebiet „Nordstadt II“ sind aktuell erste Baumaßnahmen zu beobachten, die den Startschuss für eine geplante Aufwertung über die nächsten acht Jahre markieren. Die Sanierungsstelle beim städtischen Planungsamt hat bereits acht Förderverträge mit privaten Gebäudeeigentümern abgeschlossen, was eine hohe Investitionsbereitschaft in diesem Stadtteil signalisiert.

Das Projekt Güterstraße 7: Transformation zu Lofts

Ein herausragendes Projekt in diesem Kontext ist die Umwandlung des Anwesens Güterstraße 7. Im Innenhof des Grundstücks wird ein seit Jahren leer stehendes Gewerbegebäude zu sechs hochwertigen Lofts umgebaut. Unter der Leitung von Bernd Ramms von BR Bauprojekte entstehen Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 50 und 160 Quadratmetern. Die Maßnahme umfasst nicht nur die Schaffung von Wohnraum in Bahnhofsnähe, sondern auch die Errichtung von acht Garagenplätzen und die Neugestaltung des Innenhofs, der begrünt wird.

Energetische Standards und Förderung

Besonders bemerkenswert sind die energetischen Zielvorgaben dieses Projekts. Laut Angaben der Sanierungsstelle wird das Bauprojekt den KfW-Effizienzhaus-70-Standard deutlich unterschreiten. Bauleiter Ramms bestätigt, dass hier Maßstäbe für das neue Sanierungsgebiet gesetzt werden. Diese hohe Effizienz ist ein wesentliches Kriterium für die Förderung. Die Stadt Pforzheim stellt in Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg und dem Bund bis zum Jahr 2028 rund 9 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ zur Verfügung. Diese Mittel dienen der Aufwertung der Nordstadt und unterstützen Eigentümer bei Investitionen, die über die reine Instandsetzung hinausgehen.

Ganzheitliche Betrachtung und soziale Flankierung

Die Aufwertung des Stadtteils beschränkt sich nicht auf reine Bauaktivitäten. Ein Entwicklungskonzept, das in Kooperation mit sozialen Akteuren, Institutionen und dem Nordstadt Bürgerverein e. V. entworfen wurde, flankiert die städtebaulichen und energetischen Maßnahmen. Ein Hauptziel ist die Einrichtung eines Quartiersmanagements als direkter Ansprechpartner der Verwaltung. Des Weiteren sollen die öffentlichen Bereiche aufgewertet werden. Das Sanierungsgebiet erstreckt sich geografisch von der Güterstraße im Süden bis zur Karolinger- und Friesenstraße im Norden, wobei im Osten die Anshelmstraße und im Westen die Salier- und Philippstraße die Grenzen bilden. In diesem Areal sind bis 2028 die Aufwertung mehrerer Plätze und Freiflächen sowie die Optimierung des fließenden und ruhenden Verkehrs geplant.

Infrastruktur-Erneuerung an der Güterstraße

Parallel zu den Wohnungsbauprojekten sind an der Güterstraße umfangreiche Arbeiten an der Netzinfrastruktur notwendig. Nachdem es Ende Mai im Bereich einer Baustelle in der Güterstraße zu Wasserrohrbrüchen gekommen war, leiten die Stadtwerke Pforzheim (SWP) umfassende Erneuerungsmaßnahmen ein.

Maßnahmen der Stadtwerke Pforzheim

Aufgrund der Wasserrohrbrüche verlegen die Stadtwerke Pforzheim neue Versorgungsleitungen. Es erfolgt eine Erneuerung des Wasser- und Gasnetzes auf einer Länge von 210 Metern in der Güterstraße. Diese Arbeiten führen zu einer Verlängerung der bereits bestehenden Baumaßnahme. Neben der Netzinfrastruktur werden auch die bestehenden Hausanschlüsse erneuert, um sie fit für die Zukunft zu machen. Ein wichtiger Aspekt für die Zukunftsfähigkeit ist zudem die Verlegung von Leerrohren für die spätere Glasfaseranbindung der Gebäude im Zuge dieser Baumaßnahme.

Leuchtturmprojekt: Generalsanierung zum EffizienzhausPlus

Ein besonderes Augenmerk verdient die Generalsanierung eines Wohnhochhauses an der Güterstraße, das als Vorbild für die energetische Sanierung von Hochbauten aus den 1970er Jahren dient. Das Gebäude wurde ursprünglich durch die Deutsche Bundesbahn als Wohnheim für Mitarbeiter errichtet.

Ausgangslage und Sanierungsbedarf

Das neunstöckige Hochhaus entstand in den Jahren 1970 bis 1972. Trotz einer soliden Bausubstanz wiesen Fassade und Fenster erhebliche Mängel auf. Der Jahresheizwärmebedarf betrug vor der Sanierung 195,7 kWh/m²a, was einem sehr hohen Standard entspricht und dringenden Handlungsbedarf signalisierte. Zudem waren die Bäder sanierungsbedürftig. Im Jahr 2011 erwarb die Pforzheimer Bau & Grund GmbH die Immobilie von der Bahn. Der Bauherr wünschte sich nicht nur eine bauliche Generalsanierung zur Verbesserung der Energiebilanz, sondern auch zusätzliche Wohnfläche durch eine Aufstockung sowie eine optische Aufwertung zur neuen Landmarke im städtebaulichen Umfeld.

Planung und Ausführung

Mit der Sanierung wurden Freivogel-Architekten aus Ludwigsburg beauftragt. Das Projekt wurde als Leuchtturmprojekt für das Modellvorhaben „zukunft haus“ der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) ausgewählt. Ziel war der Weg zum EffizienzhausPlus – klimaneutrales Bauen und Sanieren. Die Planung und Ausführung erfolgten durch ein interdisziplinäres Team: * Architekten: Freivogel Mayer Architekten, Ludwigsburg * Fassadenbau: Hemmerlein Ingenieurbau GmbH, Bodenwöhr * Tragwerksplanung: IFT Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, Mühlacker * Energiekonzept: Transsolar Energietechnik, Stuttgart * Gebäudetechnik: IGP Ingenieurgesellschaft für technische Ausrüstung, Pforzheim

Technische Umsetzung und Energiekonzept

Die zentrale Maßnahme zur Reduzierung des Energiebedarfs war die Optimierung der Gebäudehülle. Mithilfe einer hochwärmegedämmten neuen Gebäudehülle – realisiert durch eine vorgehängte Fassade aus Architekturbeton – reduzierten die Architekten und Fachplaner den Jahresheizwärmebedarf auf nur noch 12 kWh/m²a. Dieser massive Rückgang bildet die Grundlage für das innovative Energiekonzept.

Das Herzstück dieses Konzepts ist ein Eisspeicher-System der Firma Viessmann. Dieser Speicher wird über unsichtbar in die Fassade integrierte Solar/Luftabsorber mit Wärmeenergie gespeist. Die Wärmeerzeugung erfolgt mittels Wärmepumpen, deren Betriebsstrom dezentral auf dem Dach erzeugt wird. Die Energieautarkie des Gebäudes wird durch eine hauseigene Windkraftanlage und eine Photovoltaikanlage gewährleistet. Durch diese Kombination aus extremer Dämmung und regenerativer Energieerzeugung wurde das Ziel des EffizienzhausPlus erreicht, wodurch das Wohnhochhaus energieautark betrieben wird.

Zusammenfassung der Projektdaten

Projekt Wohnhochhaus Pforzheim (Güterstraße)
Baujahr (Alt) 1970 – 1972
Sanierung 2013 – 2014
Fertigstellung 2015
Bauherr Pforzheimer Bau & Grund GmbH
Energiestandard vorher 195,7 kWh/m²a
Energiestandard nachher 12 kWh/m²a (EffizienzhausPlus)
Energiekonzept Eisspeicher-System, PV, Windkraftanlage

Analyse der Projektdaten und Quellenlage

Die vorliegenden Informationen basieren auf mehreren Quellen, die einen umfassenden Einblick in die Entwicklungen an der Güterstraße und in der Nordstadt Pforzheims geben. Die Daten aus den Pressemitteilungen der Stadt Pforzheim (Source 1) und den Fachpublikationen zu den Bauprojekten (Source 3, 4) sind konsistent und stammen von direkten Beteiligten (Stadtverwaltung, Architekten, Bauherren).

Verlässlichkeit der Informationen

Die Informationen zum Sanierungsgebiet „Nordstadt II“ stammen direkt von der Sanierungsstelle der Stadt Pforzheim und sind als hochverlässig einzustufen. Ebenso sind die Angaben zu den Infrastrukturarbeiten der Stadtwerke Pforzheim (Source 2) als offizielle Stellungnahmen verlässliche Primärquellen.

Bei dem Wohnhochhaus-Projekt liegen detaillierte technische Beschreibungen vor, die durch die Projektbeteiligten (Architekten, Ingenieure) validiert wurden. Die Nennung der spezifischen kWh/m²a-Werte und der verwendeten Systeme (Viessmann Eisspeicher) belegt eine fundierte fachliche Grundlage. Es liegen keine widersprüchlichen Informationen vor; die Quellen ergänzen sich in der Darstellung der technischen und städtebaulichen Aspekte. Die Bewertung der energetischen Maßnahmen als „Leuchtturmprojekt“ durch die dena unterstreicht zudem die überregionale Bedeutung und Verlässlichkeit der Angaben.

Fazit

Die Entwicklungen an der Güterstraße in Pforzheim sind ein Paradebeispiel für eine gelungene Verzahnung von städtebaulicher Aufwertung, energetischer Sanierung und Infrastrukturerneuerung.

  1. Städtebauliche Aufwertung: Durch die Umwandlung von Nutzungsbrachen in hochwertigen Wohnraum, wie im Fall der Lofts in der Güterstraße 7, wird die Attraktivität des Stadtteils gesteigert. Die Förderung durch das Programm „Soziale Stadt“ zeigt, dass private Investitionen gezielt unterstützt werden, um städtebauliche Ziele zu erreichen.
  2. Energetische Vorreiterrolle: Die Generalsanierung des Wohnhochhauses demonstriert das enorme Potenzial bei der Sanierung von Bestandsgebäuden. Der Rückgang des Heizwärmebedarfs von 195,7 auf 12 kWh/m²a belegt, dass durch eine hochwertige Gebäudehülle und innovative Energiekonzepte (Eisspeicher, regenerative Stromerzeugung) selbst große Gebäude energieautark und klimaneutral betrieben werden können.
  3. Notwendige Infrastruktur: Die Erneuerung der Versorgungsleitungen und der Einbau von Glasfaserrohren sind essentielle Begleitmaßnahmen, um die technische Versorgung sicherzustellen und die digitalen Anforderungen der Zukunft zu erfüllen.

Für Eigentümer, Planer und Bauinteressierte in Deutschland bieten diese Projekte wertvolle Erkenntnisse: Die energetische Sanierung lohnt sich nicht nur ökologisch, sondern wird durch staatliche Förderprogramme auch ökonomisch attraktiv. Zudem zeigt die hohe Nachfrage nach modernen Wohnungen in sanierten Gebäuden, dass Investitionen in die Bausubstanz und den Klimaschutz zugleich die Marktwertigkeit der Immobilie steigern.

Quellen

  1. Pforzheim integriert: Neue Lofts und modernes Flair für die Nordstadt
  2. PZ News: Bauarbeiten an der Güterstraße in Pforzheim werden verlängert
  3. Viessmann: Wohnhochhaus Pforzheim
  4. Punktum Betonbauteile: Sanierung Wohnhochhaus Pforzheim

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