Denkmalgerechte Sanierung von Hochhäusern: Modernisierung, Barrierefreiheit und Brandschutz am Beispiel des Philosophenturms der Universität Hamburg

Die Sanierung von denkmalgeschützten Hochhäusern stellt die Bauindustrie vor besondere Herausforderungen. Es gilt, historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig moderne Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Brandschutz zu erfüllen. Ein prominentes Beispiel für eine solche Revitalisierung ist der Philosophenturm der Universität Hamburg. Dieser 14-geschossige Bau aus dem Jahr 1962 wurde zwischen 2019 und 2023 umfassend saniert. Der folgende Artikel analysiert die durchgeführten Maßnahmen, die Kosten und die technischen Lösungen, die im Zuge dieses Projekts angewendet wurden.

Der denkmalgeschützte Bau: Ausgangslage und Bedarf

Der Philosophenturm, entworfen vom Architekten Paul Seitz, ist ein markantes Hochhaus auf dem Campus „Von-Melle-Park“ im Hamburger Grindelviertel. Mit seinen 14 Geschossen und einer Höhe von 52 Metern dominiert er die Skyline des Campus. Das Gebäude beherbergt die geisteswissenschaftlichen Fachbereiche Philosophie, Geschichte, Literatur, Sprachen, Medien und Kommunikation. Vor der Sanierung bot es Platz für rund 2.500 Studierende und 500 Universitäts-Arbeitsplätze.

Eine Bestandsaufnahme vor Beginn der Sanierung ergab gravierende Mängel. Das Gebäude war nach baulicher und technischer Bewertung deutlich in die Jahre gekommen. Der Brandschutz entsprach nicht mehr den aktuellen Standards, und auch die technische Infrastruktur war veraltet. Laut der Finanzbehörde Hamburg bestand vor allem seitens des Brandschutzes dringender Handlungsbedarf. Zudem wies das Gebäude erhebliche Defizite im Bereich des Schallschutzes und der Akustik auf.

Konzept und Planung

Die Sanierung wurde als umfassende Modernisierung konzipiert, die sowohl die Bausubstanz als auch die Haustechnik erneuerte. Ziel war es, ein modernes, energieeffizientes und barrierefreies Arbeits- und Lernumfeld zu schaffen, das den historischen Charme des Gebäudes bewahrt.

Das Projekt wurde im Jahr 2016 in einem VOF-Verfahren (Verfahren der Offenen Stellung) ausgeschrieben. Die Planung umfasste die Leistungsphasen 1 bis 9 der HOAI. Als Bauherr fungierte die Sprinkenhof GmbH, eine Tochtergesellschaft der Hamburger Wohnungsbaugesellschaft SAGA. Die Baukosten wurden zunächst mit 63 Millionen Euro veranschlagt, stiegen aber im Laufe des Projekts auf über 115 Millionen Euro an. Diese Kostensteigerung wurde auf unvorhergesehene Ereignisse, die Pandemie und einen Fachkräftemangel im Baugewerbe zurückgeführt.

Durchführung der Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierung begann im Jahr 2019 und sollte eigentlich bis zum Wintersemester 2021/2022 abgeschlossen sein. Aufgrund von Verzögerungen, darunter der Sanierung der denkmalgeschützten Hörsäle und Pandemie-bedingter Stillstände, zog sich das Projekt bis ins Jahr 2023. Die Arbeiten wurden in mehreren Bauabschnitten durchgeführt, während der universitäre Betrieb in Ausweichquartiere in die City Nord ausgelagert war.

Erneuerung der Gebäudetechnik und Aufzüge

Ein zentraler Bestandteil der Modernisierung war der Austausch der gesamten Haustechnik. Dies umfasste die Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäranlagen. Besondere Aufmerksamkeit galt dem Austausch der Aufzüge. Moderne Aufzüge sind nicht nur schneller und energieeffizienter, sondern ein essenzieller Baustein für die Barrierefreiheit. In diesem Kontext wurden Lösungen von Hewi eingesetzt, um ein ausgewogenes Verhältnis von Funktionalität und Design zu gewährleisten.

Brandschutz und Schallschutz

Die Anforderungen an den Brandschutz in Hochhäusern sind extrem hoch. Im Philosophenturm wurden umfangreiche Maßnahmen zur Erneuerung der Brandschutzsysteme implementiert. Dazu gehören neue Brandabschnitte, Notausgänge und Brandmeldeanlagen. Ebenfalls wurden Maßnahmen zum Schallschutz und zur Verbesserung der Akustik in den Büros und Seminarräumen getroffen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Barrierefreiheit

Ein wesentliches Ziel der Modernisierung war die Schaffung von Barrierefreiheit. Dies betrifft nicht nur die Aufzüge, sondern auch die Zugänge, die Toiletten und die gesamte Erschließung des Gebäudes. Durch den Einbau von ramponierten Türen und die Anpassung der Bodenbeläge wurde der Philosophenturm für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugänglich gemacht.

Neubauten und Erweiterungen

Im Zuge der Sanierung entstanden auch neue Bauteile. Ein Highlight ist der sogenannte „Cube“ im ehemaligen Innenhof des Gebäudes. Dieser zweistöckige Neubau bietet studentische Arbeitsplätze und Räume für das studentische Leben. Er dient als Erweiterung des Bestands und schafft neue, helle Kommunikationsflächen.

Zudem wurde eine neue Zentralbibliothek über mehrere Stockwerke eingerichtet. Vorher waren fünf Einzelbibliotheken im Gebäude verteilt; nun bündelt die neue Bibliothek die Medien an einem zentralen Ort. Die Sanierung der Mensa und der Hörsäle war ursprünglich nicht in der Planung vorgesehen, wurde aber im Laufe des Projekts notwendig.

Zusammenarbeit und Herausforderungen

Die Umsetzung des Projekts erforderte eine enge Zusammenarbeit zwischen Bauherr, Architekten und ausführenden Firmen. Laut Martin Görge, Geschäftsführer der Sprinkenhof GmbH, war die Sanierung eine anspruchsvolle Baumaßnahme, die viel Geduld und Engagement erforderte. Die COVID-19-Pandemie und unvorhersehbare Ereignisse stellten alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Der Fachkräftemangel im Baugewerbe führte zudem dazu, dass Arbeiten, wie die Sanierung der Hörsäle, verzögert begonnen werden konnten.

Analyse der Sanierungskosten

Die Sanierungskosten sind ein zentraler Faktor bei der Bewertung solcher Großprojekte. Die folgende Tabelle fasst die finanziellen Kennzahlen zusammen, die in den zur Verfügung stehenden Quellen genannt werden.

Position Kosten / Kennzahl Hinweis
Baukosten (veranschlagt) 63 Mio. € Laut Quelle [3] im Jahr 2016
Baukosten (realisiert) > 115 Mio. € Laut Quelle [4]
Brutto-Geschossfläche (BGF) 16.000 m² Laut Quelle [3]
Kostenmiete (KGR) 200 - 500 Laut Quelle [3]

Hinweis: Die endgültigen Gesamtkosten stehen laut Finanzbehörde erst nach Fertigstellung und Abrechnung der Schlussrechnungen fest.

Fazit: Ein Modellprojekt für die Zukunft?

Die Sanierung des Philosophenturms zeigt, wie historische Bausubstanz unter Denkmalschutz erfolgreich modernisiert werden kann. Durch die Kombination aus Erhalt der architektonischen Identität und dem Einbau modernster Technik wurde ein Gebäude geschaffen, das den aktuellen und zukünftigen Anforderungen einer Universität gerecht wird.

Für Bauherren und Projektentwickler bietet der Philosophenturm wichtige Lehren: 1. Frühzeitige Planung: Umfangreiche Sanierungen, insbesondere unter Denkmalschutz, benötigen eine lange Planungs- und Genehmigungsphase. 2. Flexibilität: Unvorhergesehene Ereignisse wie die Pandemie oder Lieferengpässe erfordern flexible Zeitpläne und Budgetpuffer. 3. Ganzheitlicher Ansatz: Sanierung beschränkt sich nicht auf Fassade und Statik, sondern umfasst die gesamte Haustechnik, Barrierefreiheit und neue Nutzungsformen (z.B. Bibliothek, Cube).

Der Philosophenturm ist nun ein moderner, barrierefreier und energiesparender Bau, der als zentraler Treffpunkt des akademischen Lebens in Hamburg dient. Die Investition von über 115 Millionen Euro mag hoch erscheinen, sichert aber die Nutzungsdauer des Gebäudes für weitere Jahrzehnte.

Quellen

  1. Denkmalgerechte Sanierung vereint historische Ästhetik und Barrierefreiheit
  2. Modernisierung des Philosophenturms der Uni Hamburg abgeschlossen
  3. Sanierung, Neu- und Umbau der Universität Hamburg
  4. Philosophenturm der Universität Hamburg: Campusleben kehrt zurück
  5. Übergabe Philturm
  6. Wiedereröffnung des Philosophenturms
  7. Finanzbehörde: Philosophenturm

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