Einleitung
Die Modernisierung der Polizeiinfrastruktur in Oberhausen stellt einen signifikanten Schritt in der Entwicklung einer zeitgemäßen Sicherheitsarchitektur dar. Nach jahrelangen Diskussionen und Planungen, die von der Notwendigkeit einer Sanierung bestehender Gebäude geprägt waren, hat die Stadt Oberhausen nun eine Entscheidung für einen vollständigen Neubau getroffen. Der Fokus verschiebt sich dabei von einer bloßen Instandsetzung hin zum Bau eines hochmodernen, funktionalen und architektonisch anspruchsvollen Präsidiums. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe des Projekts, die technischen und architektonischen Anforderungen, den gewählten Standort sowie die Auswirkungen auf die Stadtentwicklung und die örtliche Kfz-Zulassungsstelle. Die Informationen basieren auf den offiziellen Veröffentlichungen der Stadt Oberhausen, der Polizei NRW sowie Presseberichten aus dem Jahr 2025.
Hintergrund: Vom Sanierungswunsch zum Neubaubeschluss
Die Notwendigkeit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Polizei Oberhausen war bereits Jahre vor dem endgültigen Beschluss ein diskutiertes Thema. Wie aus einer parlamentarischen Anfrage im Jahr 2019 hervorgeht, herrschte unter den damaligen politischen Vertretern Unzufriedenheit über den Zustand der Liegenschaft und das Fehlen eines klaren Zeitplans für Sanierungsmaßnahmen. Der damalige SPD-Abgeordnete Stefan Zimkeit kritisierte, dass die räumliche Unterbringung der Polizei „kaum noch hinnehmbar“ sei und nach einem „ewigen Stillstand der Sanierungsarbeiten“ kein wirklicher Terminplan vorlag. Das NRW-Finanzministerium äußerte sich damals vage bezüglich eines möglichen Starts im Jahr 2020, jedoch ohne bindende Zusagen.
Dieser Hintergrund verdeutlicht die Dringlichkeit, die schließlich zum Entscheid führte, nicht nur zu renovieren, sondern ein komplett neues Gebäude zu errichten. Der Fokus liegt nun auf einer zukunftsfähigen Lösung, die den gestiegenen Anforderungen an die Polizeiarbeit gerecht wird.
Der neue Standort: Strategische Bedeutung für Oberhausen
Eine zentrale Entscheidung im Bauprojekt war die Wahl des Standorts. Nach umfangreichen Planungen fiel die Wahl auf das Concordia-Gelände, gelegen zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bero-Zentrum an der Concordiastraße. Dieser Standort bietet strategische Vorteile für die Polizei und die Stadt.
Der Oberbürgermeister Daniel Schranz bezeichnete die Wahl als „Dreifach-Gewinn“ für die Stadt. Er betonte, dass das neue Präsidium nicht weiter vom Hauptbahnhof entfernt sein wird als das historische Gebäude am Friedensplatz, das vor fast 100 Jahren errichtet wurde. Diese Nähe zur Infrastruktur ist essenziell für die Erreichbarkeit der Polizei für die Bürger und für die tägliche Arbeitsweise der Beamten.
Darüber hinaus wird der Neubau als ein Meilenstein für die Stadtentwicklung im Stadtteil Lirich-Süd gesehen. Er soll einen „echten Brückenschlag zur Alt-Oberhausener Innenstadt“ darstellen und das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung durch einen zentralen, sichtbaren Polizeistandort stärken. Das Grundstück, auf dem das Gebäude errichtet wird, befindet sich im Besitz der Stadt Oberhausen, was die Realisierung des Projekts erleichtert.
Architektonische und technische Anforderungen an das neue Präsidium
Der Neubau des Polizeipräsidiums Oberhausen wird als moderner, heller Bau mit großzügigen Glaselementen geplant. Die Architektur verfolgt dabei zwei Hauptziele: eine ansprechende Optik und höchste Sicherheitsstandards.
Sicherheitsaspekte
Angesichts der sensiblen Aufgaben einer Polizeibehörde ist die Bausubstanz ein zentraler Punkt. Das Gebäude wird schusssicher und einbruchshemmend ausgeführt. Diese Anforderungen sind nicht nur für die Sicherheit der Mitarbeiter, sondern auch für die Sicherheit von Beweismitteln und sensiblen Daten von entscheidender Bedeutung.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Ein besonderer Wert wird auf Nachhaltigkeit gelegt. Die Planungen sehen eine Photovoltaikanlage auf dem Dach vor. Zudem soll das Gebäude maximal begrünt werden. Diese Maßnahmen dienen der Energieeffizienz und tragen zu einem positiven ökologischen Fußabdruck des Gebäudes bei. Die Integration einer Tiefgarage direkt in den Bau ist ebenfalls vorgesehen, was die Verkehrsführung und Parkplatzsituation für Mitarbeiter und Besucher optimiert.
Funktionalität und Flächennutzung
Das Gebäude soll auf einer Gesamtfläche von rund 13.500 Quadratmetern entstehen. Diese Fläche wird genutzt, um Büros, Besprechungsräume und Aufenthaltsräume für die rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei Oberhausen zu schaffen. Ziel ist es, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die allen modernen Anforderungen gerecht wird, wie es Polizeipräsidentin Dr. Sylke Sackermann formulierte: „Die Anforderungen an die Polizei sind im Laufe der vergangenen Jahre gestiegen. Ein Grund mehr, weshalb wir ein modernes und zukunftsfähiges Polizeipräsidium benötigen.“
Das Vergabeverfahren und die Realisierung
Der Weg zum Neubau war ein formaler und langwieriger Prozess. Ein entscheidender Meilenstein war der Abschluss des Vergabeverfahrens im März 2025. Nach einem langen und formal erforderlichen Auswahlprozess, bei dem Bieter ihre individuellen Vorschläge für den Neubau vorlegten, erhielt die Bietergemeinschaft aus der Ten Brinke Projektentwicklung GmbH & Co. KG und JBR Partner offiziell den Zuschlag.
Am 11. März 2025 unterzeichneten die Vertreter der Bietergemeinschaft und Polizeipräsidentin Dr. Sylke Sackermann den Mietvertrag für den Neubau an der Concordiastraße. Dieser Schritt unterstreicht, dass es sich um einen Mietkauf oder ein Mietmodell handelt, bei dem die private Wirtschaft das Gebäude errichtet und vermietet.
Die Bietergemeinschaft bringt relevante Erfahrungen mit, da sie bereits den Neubau des Hauptgebäudes der Kreispolizeibehörde Rhein-Erft-Kreis und die Polizeidienststelle Emmerich realisiert hat. Die Unterstützung durch das Ministerium des Innern NRW und das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD NRW) war für den Erfolg des Prozesses entscheidend.
Begleitende Maßnahmen: Die Verlegung der Kfz-Zulassungsstelle
Der Umzug der Polizei vom bisherigen Standort am Friedensplatz (bzw. Straße Am Förderturm 28) auf das Concordia-Gelände hat Auswirkungen auf die dort untergebrachten Bürgerdienste. Die Kfz-Zulassungsstelle und die Führerscheinstelle, die sich derzeit noch im alten Gebäude befinden, werden umgezogen.
Sie werden in barrierefreie Räume im Technischen Rathaus verlegt. Dort ist perspektivisch ein Service-Center für Bürgerinnen und Bürger geplant. Diese Verlagerung zielt darauf ab, die Servicequalität für die Bürger zu erhalten und möglicherweise zu bündeln, während die Polizei in ihre neuen, spezialisierten Räumlichkeiten zieht.
Fazit
Der Bau des neuen Polizeipräsidiums an der Concordiastraße in Oberhausen markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung der lokalen Polizeiinfrastruktur. Die Entscheidung für einen Neubau anstelle einer Sanierung reagiert auf die jahrelangen Kritiken an den Zuständen und die gestiegenen Anforderungen an die Polizeiarbeit. Das Projekt vereint architektonische Ansprüche (moderner, heller Bau), funktionale Notwendigkeiten (13.500 m² Fläche, Schusssicherheit) und Nachhaltigkeitsaspekte (Photovoltaik, Begrünung).
Strategisch gewinnt die Stadt durch die zentrale Lage am Concordia-Gelände, die sowohl die Erreichbarkeit der Polizei als auch die Stadterneuerung im Süden Oberhausens fördert. Durch den Mietvertrag mit der erfahrenen Bietergemeinschaft Ten Brinke/JBR Partner ist die Finanzierung und Realisierung gesichert. Parallel dazu profitieren die Bürger von einer barrierefreien Verlegung der Kfz-Zulassungsstelle ins Technische Rathaus. Das Projekt ist somit ein umfassendes Modernisierungsprojekt, das über den reinen Baubereich hinausgeht und die Sicherheitsarchitektur der Stadt neu definiert.