Moderne Sanierung der Prostata: Ein Überblick über minimal-invasive Verfahren und operative Standards

Die gutartige Prostatavergrößerung (benignes Prostatasyndrom, BPS) betrifft eine große Anzahl von Männern in der zweiten Lebenshälfte. Das Wachstum des Prostatagewebes führt zu einer Einengung der prostatischen Harnröhre, was den Urinabfluss behindert. Typische Symptome sind häufiger Harndrang, erschwerte Blasenentleerung und Restharnbildung. Während Medikamente oft die erste Therapiestufe darstellen, sind bei fortgeschrittenen Beschwerden häufig operative Eingriffe oder minimal-invasive Verfahren zur Sanierung der Prostata erforderlich. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Methoden, die im medizinischen Bereich zur Anwendung kommen, und gibt einen Überblick über Vor- und Nachteile der einzelnen Verfahren.

Klassische operative Verfahren

Wenn Medikamente nicht mehr ausreichen, bleiben operative Eingriffe der Goldstandard in der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung. Diese Verfahren gelten als langfristig erprobt, sicher und effizient. Die Wahl der Methode hängt von der Größe der Prostata, eventuellen Begleiterkrankungen und der Erfahrung des Operierenden ab.

Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P)

Die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) ist das am häufigsten angewendete Verfahren und gilt als Standardmethode. Es handelt sich um die zweitälteste Operationsmethode beim BPS.

  • Vorgehen: Das überschüssige Gewebe wird mit einer Elektroschlinge in Narkose durch die Harnröhre (transurethral) unter Sicht (endoskopisch) entfernt.
  • Ergebnis: Die Methode bietet eine hervorragende und dauerhafte Verbesserung der Beschwerden und des Harnabflusses. Die Komplikationsrate ist bei richtiger Patientenauswahl und moderner Technik gering.
  • Weiterentwicklungen: Es gibt zahlreiche Weiterentwicklungen der TUR-P, die gleich gute Ergebnisse liefern und mit weniger Komplikationen verbunden sind. Dazu gehören Niederdrucksysteme und bipolare Resektionstechniken. Als schonende Variante bei schwerkranken Patienten existiert die Minimal-TUR-P, bei der nur teilweise Gewebe entfernt wird.

Adenomenukleation (AE)

Die Adenomenukleation, auch als offene Prostataoperation bekannt, ist die älteste Operationsmethode beim BPS.

  • Vorgehen: Die vergrößerten Prostatateile (das Adenom) werden in Narkose durch einen offenen Zugang entfernt. Dieser Zugang erfolgt durch die Bauchdecke und die Blase oder zwischen Blase und Schambein.
  • Indikation: Diese Methode ist angezeigt, wenn die Prostata sehr groß ist (meist ab 70 ml) und Begleiterkrankungen wie Harnblasensteine, Ausstülpungen der Harnblasenwand (Divertikel) oder ein Leistenbruch vorliegen.
  • Ergebnis: In geübter Hand sind die Ergebnisse und die Komplikationsrate etwa gleich wie bei der TUR-P.

Minimal-invasive und laserbasierte Verfahren

Seit wenigen Jahren stehen weitere Methoden zur Verfügung, die als minimalinvasive Therapien bezeichnet werden. Diese Verfahren werden meist in lokaler Betäubung und ambulant durchgeführt und verändern den Samenerguss kaum. Zu ihnen gehören das Rezūm-Verfahren, das UroLift-Verfahren und das iTIND-Verfahren.

Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP)

Die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) ist eine minimalinvasive Lasertechnik, die seit über 60 Jahren etabliert ist und verlässliche Ergebnisse liefert.

  • Vorgehen: Mithilfe eines Holmium-Lasers wird der Drüsenkörper der Prostata aus der Prostatakapsel herausgelöst und durch die Harnröhre entfernt.
  • Vorteile: Im Vergleich zur klassischen TUR-P hat die HoLEP-Methode vor allem Vorteile, wenn große Prostatageschwüre entfernt werden müssen.
  • Langzeitergebnisse: Das Risiko für die Notwendigkeit einer erneuten Operation wegen nachwachsenden Gewebes ist bei HoLEP deutlich geringer. Nach einem TUR-P-Eingriff liegt dieses Risiko bei zehn Prozent innerhalb der ersten zehn Jahre. Bei der HoLEP beträgt dieses Risiko nur ein Prozent innerhalb der ersten 15 Jahre nach dem Eingriff. HoLEP bietet zudem signifikante Vorteile hinsichtlich der Symptomlinderung.
  • Anforderung: Die Technik erfordert spezielles Training und wird daher nur in spezialisierten Zentren angewendet.

Rezūm-Wasserdampf-Verfahren

Beim Rezūm-Verfahren wird heißer Wasserdampf gezielt in bestimmte Bereiche der Prostata eingebracht.

  • Vorgehen: Die Behandlung führt über eine Schrumpfung des Drüsenparenchyms zu einer Abnahme der Kompression der Harnröhre.
  • Heilungsprozess: Der gesamte Heilungsprozess dauert erfahrungsgemäß etwa drei Monate. Die Größenabnahme der Prostata und die damit verbundene Weitung der prostatischen Harnröhre erfolgt schleichend. Der häufige Drang zum Wasserlassen nimmt im Verlauf ab und die Blasenentleerung bessert sich.
  • Einfluss auf die Funktion: Eine zusätzliche Medikamentengabe ist nicht erforderlich. Die Behandlung scheint darüber hinaus keinen signifikanten Einfluss auf die Erektionsfähigkeit zu haben.

Prostata-Arterien-Embolisation (PAE)

Die Prostata-Arterien-Embolisation (PAE) ist eine Methode, bei der versucht wird, die Prostata schonend zu verkleinern.

  • Ziel: Das Ziel der Methode ist es, der Prostata die Blutzufuhr abzuschnüren. Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend versorgt und schrumpft. Zusätzlich werden die Nerven in der Prostata nicht mehr gut versorgt.
  • Vorgehen: Die Blutzufuhr zur Prostata wird endoluminal unterbunden. Ein kleiner Katheter wird über die Femoralarterie an der Leiste des Patienten unter Röntgendurchleuchtung und Kontrastmitteldarstellung in die die Prostata versorgenden Blutgefäße eingebracht. Nach Identifikation der Blutgefäße wird über den Katheter eine die arteriellen Gefäße verklebende Substanz eingebracht, die die kleinen Arterien verschließt. Die Drosselung der Durchblutung führt im Ablauf weniger Wochen über eine Schrumpfung des Drüsenparenchyms zu einer Abnahme der Kompression der Harnröhre.
  • Katheter: Dieser Eingriff kann über die Harnröhre (transurethral) oder die Bauchdecke (suprapubisch) erfolgen. Der suprapubische Katheter hat den Vorteil, dass die Harnröhre frei bleibt und das Urinieren frühzeitig probiert werden und die Restharnmenge kontrolliert werden kann.

UroLift- und iTIND-Verfahren

Neben den bereits genannten Methoden werden auch das UroLift-Verfahren und das iTIND-Verfahren als minimalinvasive Optionen genannt. Konkrete Details zu diesen Verfahren wurden in den vorliegenden Quellen nicht explizit dargestellt.

Medikamentöse Therapie

Medikamente sind oft die erste Behandlungsstufe. Es gibt verschiedene Wirkstoffgruppen, die eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern oder das Wachstum der Prostata zu hemmen.

  • Alpha-1-Rezeptor-Antagonisten: Wirkstoffe wie Tamsulosin relaxieren die Prostata und den Harnblasenauslass. Es handelt sich um eine rein symptomatische Therapie, die bei längerfristiger Anwendung weder das Progressions- noch das Operationsrisiko reduziert.
  • 5-Alpha-Reduktasehemmer: Wirkstoffe wie Finasterid greifen in den Hormonhaushalt des Körpers ein. Sie reduzieren den Wachstumsreiz auf die Prostata, was zum Absterben von Zellen führt und die Prostata schrumpfen lässt. Dies hemmt die Progression und lindert die Symptome. Allerdings haben diese Medikamente auch Nebenwirkungen, die nicht zu vernachlässigen sind: Sie können zu erektiler Dysfunktion, Libidoverlust, Brustwachstum und psychischen Störungen wie Demenz oder Depression mit Suizidgedanken führen.

Vergleich der Verfahren und Langzeitdaten

Die Wahl der Therapie erfordert eine individuelle Entscheidung. Während die klassischen Verfahren wie TUR-P und AE über eine lange Historie und umfangreiche Langzeitdaten verfügen, ist bei den neueren minimal-invasiven Verfahren die Datenlage teilweise noch lückenhaft.

Insbesondere bei den minimal-invasiven Verfahren kann die Frage noch nicht ausreichend beantwortet werden, in welchem Umfang sich nach Jahren eine erneute Behandlungsbedürftigkeit ergibt und ob dann auf konventionelle Eingriffe zurückgegriffen werden sollte. Es besteht also Unsicherheit bezüglich der langfristigen Wirksamkeit und der Möglichkeit, bei einem eventuellen Rezidiv auf die neuen Methoden zurückzugreifen.

Bedeutung von Beratung und Nachsorge

Unabhängig von der gewählten Methode sind eine gründliche Untersuchung, Beratung und Nachsorge durch einen erfahrenen Urologen unerlässlich. Nur so können die bestmöglichen Ergebnisse erzielt und mögliche Komplikationen vermieden werden. Es ist ratsam, sich ausführlich mit den Operateuren auszutauschen und gegebenenfalls eine Zweitmeinung einzuholen, um die für den eigenen Fall beste Operationsmethode zu finden.

Fazit

Die Sanierung der Prostata bei gutartiger Vergrößerung bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, die von klassischen Operationen bis hin zu modernen, minimal-invasiven Verfahren reichen. Die klassischen Methoden wie TUR-P und Adenomenukleation sind erprobt und liefern dauerhafte Ergebnisse. Moderne Laserverfahren wie HoLEP bieten spezifische Vorteile, insbesondere bei großen Prostatagrößen, und sind mit einem sehr geringen Risiko für eine erneute Operation verbunden. Minimal-invasive Verfahren wie Rezūm oder PAE ermöglichen oft ambulante Eingriffe und schonen die Sexualfunktion, wobei die Langzeitdatenlage hier noch begrenzt ist. Die medikamentöse Therapie kann Symptome lindern, greift aber nicht immer progressiv in das Krankheitsbild ein und kann Nebenwirkungen haben. Die Entscheidung für eine Therapie sollte immer nach individueller Diagnostik und Beratung durch einen Spezialisten getroffen werden.

Quellen

  1. UK Köln - Therapie der gutartigen Prostatavergroesserung
  2. Urologische Stiftung Gesundheit - Minimal-invasive Verfahren BPH
  3. NDR - Gutartige Prostatavergroesserung behandeln und operieren
  4. Prostata.de - Operationsverfahren zur BPS-Behandlung
  5. Urologie Aarau - Prostata-Operation
  6. Apotheken-Umschau - Prostatavergroesserung was man ueber die Embolisation wissen sollte

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