Analyse und Sanierung einer historischen Betonradrennbahn: Planung, Finanzierung und technische Umsetzung am Beispiel Chemnitz

Die Sanierung von historischen Sportanlagen stellt Bauingenieure und Planer vor spezifische Herausforderungen. Insbesondere bei Radrennbahnen, die hohen mechanischen Belastungen und extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt sind, ist die Substanz des Tragwerks entscheidend. Der folgende Artikel beleuchtet den Sanierungsprozess der Chemnitzer Radrennbahn im Sportforum. Er dient als Fachbeitrag für Bauherren, Sanierer und Immobilienverwalter, die sich für die Instandhaltung von Betonkonstruktionen und die Organisation komplexer Baumaßnahmen interessieren. Die Analyse basiert ausschließlich auf den vorliegenden Informationen zu den Sanierungsarbeiten, die zwischen 2016 und 2017 durchgeführt wurden.

Die historische Bausubstanz: Ausgangslage und Baumängel

Die Radrennbahn im Chemnitzer Sportforum wurde im Jahr 1950 in Betrieb genommen. Sie war ursprünglich ausschließlich für Steherrennen konzipiert und bot Platz für rund 15.000 Zuschauer. Der Grundaufbau der Anlage besteht aus einer 333 Meter langen Bahn, die auf einem Fundament aus Trümmerschutt liegt, welches mit Beton abgedeckt wurde.

Im Laufe der Jahrzehnte zeigten sich jedoch erhebliche Baumängel. Eine gravierende Maßnahme wurde bereits in Vorbereitung der Steherweltmeisterschaft im Jahr 1960 durchgeführt: Um weitere Rissbildungen zu beseitigen, wurde eine zweite, zehn Zentimeter dicke Betonschicht auf die vorhandene Fahrfläche aufgebracht. Dennoch wurden in den folgenden Jahrzehnten keine weiteren grundhaften Sanierungen an der Bahn oder an den Traversen für die Zuschauer durchgeführt.

Nach der Wende nutzte der Chemnitzer Polizeisportverein die Anlage weiter. Umfangreiche Betonabplatzungen und Risse auf der Fahrfläche machten jedoch dringenden Handlungsbedarf notwendig. In den Jahren 2005/2006 erfolgte eine Rissanierung mit anschließender Epoxidharzbeschichtung, um die Nutzung vorübergehend zu sichern. 2007 wurde die Fahrbahn komplett neu beschichtet. Zwischen 2010 und 2011 wurde zumindest ein Teil der Zuschauertraverse am Start- und Zielbereich erneuert.

Trotz dieser punktuellen Eingriffe blieb der Zustand der Anlage kritisch. In jüngster Zeit bildeten sich Risse auf fast allen Segmenten der Fahrfläche bzw. vergrößerten sich bestehende Risse. Besonders der Bahnradkopf und die Brüstung wiesen massive Schäden auf. Zudem war der größte Teil der Traversen aufgrund des maroden Zustands gesperrt, was die Funktionalität der Anlage als Veranstaltungsort stark einschränkte.

Analyse der Schäden: Notwendigkeit einer Vollsanierung

Die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung ergab sich aus der Analyse der strukturellen Schäden. Die Hauptprobleme lagen im Bereich der Fahrbahn und des Bahnradkopfes (Brüstung).

  1. Schäden am Bahnradkopf/Brüstung: Die Brüstung, die die Fahrbahn umschließt, wies massive Schäden auf. Eine Variantenuntersuchung ergab, dass nur ein Teilabbruch und ein Neuaufbau die Anforderungen an eine sichere Brüstung erfüllen könnten. Eine bloße Reparatur schied aus.
  2. Schäden an der Fahrbahn: Die Rissbildung auf der Fahrfläche machte eine Erneuerung der Oberfläche unumgänglich. Die vorhandene Betonsubstanz und die Beschichtung waren nicht mehr in der Lage, die hohen Belastungen durch Rennräder sicher aufzunehmen.
  3. Zustand der Infrastruktur: Die Besuchertribünen (Traversen) waren größtenteils gesperrt. Für einen Wettkampfbetrieb wäre eine Sanierung dieser Bereiche notwendig gewesen, jedoch fehlten hierfür in der betrachteten Phase die finanziellen Mittel. Auch die Entwässerungseinläufe waren zu erneuern.

Eine Sanierung der reinen Oberfläche hätte die strukturellen Mängel des Unterbaus nicht behoben. Daher wurde ein zweiphasiger Ansatz beschlossen, der sowohl die Sicherheit der Sportler als auch die Stabilität der Konstruktion gewährleisten sollte.

Finanzierung und Förderung: Ein komplexes Gefüge

Die Finanzierung einer solchen Sanierung ist für Kommunen oft eine Hürde. Bei der Chemnitzer Radrennbahn konnte die Finanzierung durch mehrere Förderstufen gesichert werden.

Die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme beliefen sich auf 1.390.240,54 Euro. Die Finanzierung setzte sich wie folgt zusammen:

  • Fördermittel des Landes Sachsen: 834.000 Euro (bzw. 30 % der Gesamtkosten laut einer Quelle).
  • Fördermittel des Bundes: 30 % der Gesamtkosten.
  • Eigenmittel der Stadt Chemnitz: 556.096,54 Euro.

Die Sicherung der Fördermittel erfolgte durch einen Fördermittelbescheid des Freistaats Sachsen. Die Übergabe des entsprechenden Checks an die Oberbürgermeisterin markierte den Startschuss für die geplanten Baumaßnahmen. Dieses Vorgehen zeigt auf, wie wichtig frühzeitige Anträge und die Abstimmung mit Fördergebern für die Realisierung von Sanierungsprojekten sind.

Zeitplanung und Organisation der Baumaßnahmen

Ein entscheidender Faktor bei der Planung war die Rücksichtnahme auf den Leistungssport. Die Radrennbahn wird von Athleten wie Joachim Eilers und Max Niederlag für ihre Olympiavorbereitungen genutzt. Um diese Trainingsphasen nicht zu stören, wurde der Zeitplan der Bauarbeiten genau abgestimmt.

Die Sanierung wurde in zwei Bauabschnitte unterteilt:

1. Bauabschnitt: Bahnradkopf und Brüstung * Beginn: Ab September 2016 (Abbrucharbeiten). * Durchführung: Zunächst wurde der Bahnradkopf komplett abgerissen. Ab Frühjahr 2017 erfolgte der Neuaufbau der Bande. * Konkrete Arbeitsschritte: * Demontage des Geländers. * Abriss des oberen Teils der Brüstung. * Teilabriss im unteren Teil und im Bereich der Rinne. * Einbau von Bewehrung. * Verpressen von vorhandenen Rissen. * Betonage der neuen Brüstung. * Einbau eines neuen Geländers. * Beschichtung der neuen Brüstung auf der Bahnseite. * Aufbringen der Markierung. * Erneuerung der Entwässerungseinläufe.

2. Bauabschnitt: Erneuerung der Fahrbahnoberfläche * Zeitpunkt: Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts. * Fertigstellung: Geplant für den Sommer 2017.

Die Gesamtdauer der Baumaßnahme wurde auf das zweite Quartal 2017 terminiert. Diese klare zeitliche Aufteilung minimierte die Stillstandzeiten der Anlage und ermöglichte eine kontinuierliche Nutzung für Trainingsezwecke, soweit dies baulich möglich war.

Technische Details der Sanierung

Die Sanierung der Chemnitzer Radrennbahn beinhaltete mehrere technische Komponenten, die für die Langlebigkeit der Anlage entscheidend sind.

Die Fahrbahn (Oberfläche): Die Erneuerung der Fahrbahnoberfläche war ein Kernstück der Sanierung. Quellen sprechen von einer Investitionssumme von rund 1,4 Millionen Euro, wobei der Großteil der Mittel in den Belag floss. Nach der Fertigstellung des Neubaus im Jahr 2017 wurde berichtet, dass die Bahn mit einem neuen Belag glänzte. Allerdings zeigten sich auch nach der Sanierung sofortige Nachbesserungsbedarfe: Da die Bahn die Sonnenstrahlen reflektierte und die Sportler blendete, musste ein transparenter, mattierender Anstrich aufgebracht werden. Dieser diente dazu, die Reflexion zu minimieren und einen sicheren Halt der Rennradreifen zu gewährleisten. Dies zeigt, dass selbst nach einer kompletten Erneuerung Feinjustierungen an der Oberfläche notwendig sein können, um die Funktionalität im sportlichen Einsatz zu optimieren.

Die Brüstung (Bahnradkopf): Der Neubau der Brüstung folgte strengen Sicherheitsvorgaben. Durch den Einbau von Bewehrung und das Verpressen von Rissen im verbliebenen Unterbau wurde die Stabilität gesichert. Die neue Betonage musste zudem eine Beschichtung auf der Bahnseite erhalten, um die Gleiteigenschaften und die Haltbarkeit zu schützen.

Entwässerung: Die Erneuerung der Entwässerungseinläufe wurde explizit als Teil der Arbeiten genannt. Eine funktionierende Entwässerung ist für Betonflächen im Außenbereich essenziell, um Staunässe und daraus resultierende Frostschäden zu verhindern.

Aktueller Status und Einschränkungen (Stand der Quellen)

Obwohl die Arbeiten an der Bahn und dem Belag 2017 abgeschlossen wurden, ist der Zustand der Gesamtanlage differenziert zu betrachten.

Die Sanierung konzentrierte sich auf die Fahrbahn und den Bahnradkopf. Die Besuchertribünen waren jedoch Teil einer gesonderten Betrachtung. Quellen aus dem Jahr 2017 deuteten darauf hin, dass für einen vollumfänglichen Wettkampfbetrieb die Sanierung der heruntergekommenen Zuschauertribünen notwendig wäre. Hierfür fehlte jedoch zum damaligen Zeitpunkt das Geld.

Neuere Informationen (basierend auf der Quellenlage, die bis ins Jahr 2019 reicht) deuten auf eine Veränderung der Perspektive hin. Der Belag wurde 2017 erneuert. Doch die Zukunft der Radrennbahn als Ganzes ist Teil des Sportentwicklungsplans der Stadt. Konkrete Planungen für weitere Sanierungen (insbesondere der Tribünen) waren nach Aussage der Sportbürgermeisterin im Jahr 2019 nicht in Sicht. Es wurden Anforderungen seitens des nationalen und internationalen Radsports geklärt, um festzulegen, welche Standards zukünftig erfüllt werden müssen.

Interessant ist auch ein Aspekt aus dem Jahr 2019, der aufzeigt, dass Pflegearbeiten auch nach Abschluss der Großsanierung notwendig bleiben: Es wurde berichtet, dass die Bahn nach dem neuen Anstrich gereinigt und nachgebessert werden musste, da Reflexionen die Sportler blendeten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Instandhaltung, auch wenn die Substanz saniert wurde.

Fazit: Lehren aus der Sanierung einer Spezialanlage

Die Sanierung der Chemnitzer Radrennbahn ist ein instruktives Beispiel für die Sanierung von Sonderbauten im kommunalen Bestand. Der Prozess lässt sich in mehrere Schlüsselerkenntnisse unterteilen, die für Bauherren und Planer relevant sind:

  1. Analyse vor Maßnahme: Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus einer jahrzehntelangen Vernachlässigung der Substanz. Die Erkenntnis, dass Teilreparaturen (wie 2005/2006) nur kurzfristige Lösungen sind, führte zum Entschluss des Teilabbruchs und des Neuaufbaus.
  2. Fördermittel als Katalysator: Ohne die Finanzspritze des Landes und des Bundes in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro wäre das Projekt in dieser Dimension nicht realisierbar gewesen. Die Beantragung und Zusage der Mittel war entscheidend.
  3. Zeitmanagement und Nutzeranspruch: Die Aufteilung in zwei Bauabschnitte und die Terminierung außerhalb der intensiven Olympia-Vorbereitungsphasen zeigen eine hohe Rücksichtnahme auf die Nutzer. Dies ist bei Sanierungen von Genossenschaften oder Mietobjekten vergleichbar.
  4. Nachbesserungsbedarf auch nach Abschluss: Der Fall des matten Anstrichs (Reflexionsminimierung) lehrt, dass selbst nach einer generalsanierung die direkte Anwendung im Praxistest Optimierungen erfordern kann. Qualitätssicherung endet nicht mit der Abnahme.
  5. Gesamtanlage vs. Teilbereich: Die Finanzierung konzentrierte sich auf die sicherheits- und funktionstechnisch relevanten Teile (Bahn). Infrastruktur wie Tribünen blieben aufgrund von Kosten außen vor. Dies ist eine strategische Entscheidung, die bei Budgetengpässen getroffen werden muss.

Für Immobilienverwalter und Bauherren bleibt festzuhalten, dass die Sanierung von Betonkonstruktionen, die hohen Belastungen ausgesetzt sind, eine detaillierte Bestandsaufnahme und eine langfristige Finanzplanung erfordert. Die Chemnitzer Lösung – Teilabbruch, Neubau des kritischen Bereichs und Erneuerung der Oberfläche – ist ein Paradebeispiel für eine nachhaltige Instandhaltung von Baudenkmälern im Sportbereignis.

Quellen

  1. Chemnitzer Radrennbahn wird saniert
  2. Sanierung der Chemnitzer Radrennbahn vorerst nicht in Sicht
  3. Neuer Anstrich für Chemnitzer Radrennbahn
  4. Radrennbahn glänzt mit neuem Belag
  5. Finanzspritze für Sanierung der Radrennbahn

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