Sicherung und Revitalisierung: Die Sanierung der Zeche Königsgrube und die Bewältigung von Altbergbau in Nordrhein-Westfalen

Einleitung

Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet hinterlässt auch nach der Stilllegung der letzten Zechen zahlreiche Spuren in der Landschaft und unter der Erde. Eines der sichtbarsten Zeugnisse dieser Ära sind die sogenannten Tagesöffnungen, darunter Schächte, die einst in tiefere Erdschichten führten. Die Sanierung und Sicherung dieser Hinterlassenschaften stellt eine der größten Herausforderungen für die heutige Bau- und Immobilienbranche sowie für die kommunale Planung dar. Ein prominentes Beispiel für die moderne Bewältigung dieses Erbes ist die Sanierung der alten Schächte Gustav, Luise und Ernestine im Königsgruber Park in Röhlinghausen, durchgeführt von der RAG. Dieser Vorgang verdeutlicht nicht nur die technischen Verfahren der Schachtsicherung, sondern auch die enge Verzahnung von Infrastruktursanierung, Naturschutz und städtebaulicher Aufwertung.

Im Zuge der Transformation der Region gewinnen Themen wie die Sicherung von Altbergbau, das Wassermanagement stillgelegter Bergwerke und die Revitalisierung von Industrieflächen für Eigentümer, Bauinteressierte und Fachplaner an Bedeutung. Die vorliegenden Informationen beleuchten die Maßnahmen der RAG (RAG Aktiengesellschaft) zur Sicherung von Gefahren aus der Vergangenheit, die technischen Details der Schachtsanierung und die daraus resultierenden Chancen für die Naherholung und die städtebauliche Entwicklung.

Altbergbau: Ein flächendeckendes Risikomanagement

Das Thema Altbergbau ist in Nordrhein-Westfalen von großer Bedeutung. Laut den vorliegenden Daten existieren allein in diesem Bundesland rund 60.000 alte Tagesöffnungen, Schächte und Stollen. Ein Teil dieser Strukturen liegt im Zuständigkeitsbereich der RAG, die aktuell für einen Bereich von 25.000 Hektar mit oberflächen- und tagesnahem Abbau sowie circa 7.250 alten Tagesöffnungen verantwortlich zeichnet.

Die Verantwortung der RAG

Die RAG hat sich zum Ziel gesetzt, Gefahren, die vom Altbergbau ausgehen, proaktiv zu begegnen. Dies geschieht durch den Einsatz modernster Technologie zur Lokalisierung der Standorte. Die Altschächte der RAG sind kartiert und werden regelmäßig nach den Vorgaben eines zertifizierten Managementsystems befahren. Ziel ist es, die Standorte bei Bedarf zu sichern und in ein Monitoring zu überführen.

Eine Priorität bei der Sicherung genießen Bereiche, die sich im Umfeld von Schulen, öffentlichen Gebäuden sowie Kinderspielplätzen befinden. Hier ist das Gefährdungspotenzial am höchsten, weshalb Sanierungsmaßnahmen mit höchster Dringlichkeit behandelt werden. Waldgebiete, in denen ehemalige Schächte liegen, werden hingegen abgezäunt und mit Gefahrenbeschilderung versehen, um Unfälle zu verhindern. Derzeit werden von der RAG etwa fünf Schächte pro Jahr saniert, was die langfristige Natur dieser Aufgabe unterstreicht.

Zusammenarbeit und Dienstleistungen

Sollte es um die Standsicherheit von Schächten gehen, die nicht im direkten Zuständigkeitsbereich der RAG liegen, steht das Unternehmen mit seinem Expertenwissen zur Verfügung. Die RAG agiert hier auch als Dienstleister, um die Sicherheit in der gesamten Region zu gewährleisten. Dieses kooperative Vorgehen ist essenziell, um die Vielzahl der altbergbaulichen Risiken zu beherrschen.

Die Sanierung im Königsgruber Park: Technische Details

Ein konkreter Anwendungsfall der Sicherungsstrategie ist die Sanierung der Schächte Gustav, Luise und Ernestine im Königsgruber Park in Röhlinghausen. Diese Schächte sind historisch tief verwurzelt; sie wurden zwischen 1855 und 1888 abgeteuft. Mit einem Durchmesser von fünf Metern und einer Tiefe von bis zu 700 Metern stellen sie ein erhebliches Risiko dar, obwohl sie bereits 1970 verfüllt wurden.

Der Sanierungsprozess

Aufgrund regelmäßiger Überprüfungen wurde die Notwendigkeit einer erneuten Sicherung erkannt. Die RAG Montan Immobilien GmbH beauftragte eine Sanierung nach neuen, modernen Sicherheitsmaßnahmen. Das technische Verfahren umfasst folgende Schritte:

  1. Aushub: Die Schächte werden bis zu einer Tiefe von 30 Metern ausgehoben.
  2. Verstärkung: Der bestehende Ausbau wird mit einer Betonschale verstärkt. Dieser Vorgang der Betonverstärkung sichert die strukturelle Integrität des Schachtes.
  3. Deckelung: Abschließend wird eine neue Schachtabdeckung installiert.

Diese Maßnahmen stellen sicher, dass die Oberfläche auch in Zukunft sicher betreten werden kann und keine Gefahr von Bodenabsenkungen oder Einstürzen ausgeht. Die Arbeiten, die im Januar begannen, sollten laut Planung bis Oktober andauern.

Auswirkungen auf die Umgebung

Die Sanierung fand in einem Naherholungsgebiet statt, das seit 2004 unter Landschaftsschutz steht. Der Königsgruber Park dient der Bevölkerung als lokale Klimaausgleichsfläche und wichtige Verbindung zum Stadtteilzentrum. Besonders Radfahrer nutzen die Grünanlage, da sie am Emscher Park Radweg R27 liegt, der durch das Ruhrgebiet führt.

Integration von Naturschutz und Landschaftspflege

Die Sanierung bot die Gelegenheit, nicht nur die Infrastruktur, sondern auch die lokale Natur aufzuwerten. Auf Initiative von SPD-Vertretern und einem engagierten Imker wurde eine Wildblumenwiese als Ersatz für eine zuvor genutzte Rasenfläche angelegt. Diese Einsaat soll im Herbst erfolgen.

Bedeutung für die Biodiversität

Diese Maßnahme ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern erfüllt auch einen ökologischen Zweck. Der Schutz heimischer Insekten, insbesondere Wild- und Honigbienen, war ein zentrales Anliegen. Eine Wildblumenwiese bietet deutlich mehr Nahrung und Lebensraum für Bestäuber als ein klassischer Rasen. Dies zeigt, dass Infrastrukturmaßnahmen und Naturschutz Hand in Hand gehen können.

Erneuerung der Wegesysteme

Parallel zu den Sicherungsarbeiten an den Schächten wurde auch das Wegesystem im Park erneuert. Ein Ortstermin im Juli 2019 präsentierte die Pläne für die Erneuerung der wassergebundenen Decke. Die Wege waren nach über 20 Jahren dringend sanierungsbedürftig geworden. Das Ziel war es, trockenen Fußes gerade in der Herbst- und Winterzeit die Wege nutzen zu können. Diese Verbesserung der Verkehrssicherheit ist für Eigentümer von Immobilien in der Umgebung und für die allgemeine Nutzbarkeit des Parks essenziell.

Wassermanagement und Ewigkeitsaufgaben

Ein oft übersehener, aber kritischer Aspekt des Bergbaus ist das Grubenwasser. Selbst nach der Schließung eines Bergwerks bleibt die Verpflichtung, das anfallende Wasser zu pumpen und zu管理ieren. Die RAG definiert das systematische Wassermanagement als eine der wichtigsten Ewigkeitsaufgaben.

Die Herausforderung

In Nordrhein-Westfalen und an der Saar muss die RAG jährlich rund 110 Millionen Kubikmeter Grubenwasser fördern. Dies geschieht, um zu verhindern, dass sich das Grubenwasser mit dem darüber liegenden Grundwasser mischt. Ein Anstieg des Grubenwassers würde nicht nur die Pumpleistung und den CO2-Ausstoß erhöhen, sondern auch die Konzentration von Schadstoffen im Wasser reduzieren, wie ein Gutachten aus dem Jahr 2017 bestätigte.

Technische Infrastruktur

An 12 Wasserhaltungsstandorten wird das Wasser aus aktiven und stillgelegten Bergwerken gesammelt. Sollte eine Pumpe ausfallen, greifen Reservepumpen, um die Leistungsfähigkeit zu sichern. Das geförderte Wasser gelangt in den nächsten größeren Fluss.

Intelligente Nutzung: Geothermie

Ein besonderes Potenzial liegt in der Nutzung der Wärme des Grubenwassers. Da das Wasser Temperaturen von 20 bis 30 Grad erreicht, kann es energetisch genutzt werden. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Bochum. Dort wird Grubenwasser aus der stillgelegten Zeche Robert Müser genutzt, um drei Gebäude (eine Gesamtschule, eine Grundschule und eine Feuerwehrhauptwache) klimaschonend zu beheizen. Dieses Geothermie-Projekt reduziert den CO2-Ausstoß um mindestens 245 Tonnen pro Jahr und zeigt, wie altbergbauliche Infrastruktur in moderne Energiekonzepte integriert werden kann.

Zusammenfassung der technischen Verfahren

Für Bauherren und Planer, die sich mit den Folgen von Altbergbau beschäftigen, bieten die beschriebenen Maßnahmen wichtige Anhaltspunkte:

  • Schachtsicherung: Die Methode des Aushebens und der Betonverstärkung bis zu einer Tiefe von 30 Metern ist ein Standardverfahren, um die Standsicherheit alter Schächte wiederherzustellen.
  • Monitoring: Regelmäßige Befahrungen und kartografische Erfassung sind notwendig, um Gefahren frühzeitig zu erkennen.
  • Priorisierung: Sanierungen sollten sich primär an der Bebauung und der Nutzungsdichte der Umgebung orientieren.

Fazit

Die Sanierung der Schächte im Königsgruber Park ist ein Musterbeispiel für die erfolgreiche Bewältigung des bergbaulichen Erbes im Ruhrgebiet. Es zeigt sich, dass die Sicherung von Altbergbau nicht nur eine technische Notwendigkeit darstellt, sondern auch eine Chance für die Aufwertung von Naherholungsgebieten bietet. Durch die Kombination aus moderner Schachtverstärkung, der Anlage einer Wildblumenwiese zur Förderung der Biodiversität und der Erneuerung der Wege wird ein hoher Nutzen für die lokale Bevölkerung geschaffen.

Darüber hinaus verdeutlichen die Ausführungen zum Wassermanagement und zur Geothermie, dass die Verantwortung der RAG über die reine Sicherung hinausgeht. Die Bewirtschaftung von Grubenwasser ist eine Daueraufgabe, die sowohl den Umweltschutz als auch die Energieversorgung der Zukunft beeinflusst. Für Eigentümer von Immobilien in Regionen mit Bergbauhistorie bedeutet dies, dass die Überprüfung der Standort Sicherheit und die Information über bestehende Sanierungsmaßnahmen ein wichtiger Teil der Immobilienverwaltung ist. Die Vorgehensweise der RAG setzt hier einen hohen Standard, der auch für private Bauvorhaben in betroffenen Gebieten als Leitfaden dienen kann.

Quellen

  1. WAZ: RAG lässt alte Schächte im Königsgruber Park sanieren
  2. Unser Quartier: Erneuerung der Wege im Königsgruber Park
  3. RAG: Wasserhaltung
  4. RAG: Altbergbau

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