Renovierung historischer Scheunen: Das Beispiel Rainhofscheune als Leitfaden für eine gelungene Umnutzung

Einführung

Die Sanierung und Umnutzung von historischen Scheunen stellt eine besondere Herausforderung und zugleich eine Chance für die Bau- und Immobilienbranche dar. Diese Gebäude, oft jahrhundertealte Zeugnisse ländlicher Architektur und Kultur, stehen häufig vor dem Verfall, da ihre ursprüngliche landwirtschaftliche Nutzung wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist. Der vorliegende Artikel beleuchtet exemplarisch die Restaurierung der Rainhofscheune in Kirchzarten-Burg, ein Projekt, das als vorbildlich für den Erhalt von Baudenkmälern durch innovative Nutzungskonzepte gilt. Basierend auf den vorliegenden Informationen wird analysiert, wie durch behutsame Sanierung, energetische Optimierung und kreative Raumaufteilung ein historisches Gebäude revitalisiert und in einen modernen, wirtschaftlich erfolgreichen Komplex transformiert werden kann. Die Rainhofscheune dient hierbei als Fallstudie für Bauherren, Investoren und Planer, die sich für die Revitalisierung von Baudenkmälern interessieren.

Die Bausubstanz und die historische Bedeutung der Rainhofscheune

Die Rainhofscheune ist ein repräsentatives Wirtschaftsgebäude, das im Jahr 1790 erbaut wurde. Sie ist Teil eines historischen Hofensembles, das einst an einer bedeutenden Reiseroute von Frankreich nach Österreich lag und als Umspannstation für Kutschen diente. Mit einer Fläche von ca. 2000 Quadratmetern ist sie eine der größten Scheunen ihrer Art im südbadischen Raum. Das Gebäude ist ein Massivbau, konstruiert in altbewährter Bauweise vor dem Einsatz maschinell hergestellter Nägel und Schrauben. Es verfügt über gemauerte Außenwände, Steilgiebel, Werksteingewände und ein hölzernes Innengerüst.

Die ursprüngliche Nutzung im Erdgeschoss war quergeteilt und gliederte sich in mehrere Viehställe mit Futtergängen, eine hohe Tenne hinter dem großen Tor sowie wahrscheinlich einen Schopf und Pferdestall. Im Obergeschoss befanden sich einfache Knechtskammern und ein Heulager. Trotz des Alters von über 150 Jahren blieb das Gebäude in seiner historischen Substanz sehr gut erhalten und erfuhr kaum Veränderungen. Seine ortsbildprägende Stellung macht es zu einem Kulturdenkmal von hohem Wert.

Die Sanierung: Erhalt der alten Bausubstanz

Im Jahr 2008 kaufte die Rainhof GbR das Gebäude und leitete eine behutsame Sanierung ein. Ein zentrales Ziel war es, möglichst viel der alten Bausubstanz zu erhalten und den historischen Charakter zu wahren. Diese Philosophie des „Denkmalgerechten Sanierens“ ist entscheidend für die Authentizität und die bauliche Qualität des Ergebnisses.

Im Zuge des Umbaus achteten die Verantwortlichen darauf, dass die historische Bausubstanz so weitestgehend wie möglich erhalten blieb. Dies umfasste die Substanz des Massivbaus sowie die hölzernen Innengerüste. Die Sanierung wurde 2010 abgeschlossen, wobei der Denkmalstatus des Gebäudes berücksichtigt wurde. Die Bemühungen um den Erhalt wurden durch Auszeichnungen gewürdigt, darunter der Architekturpreis in der Rubrik „Baukultur Schwarzwald“ im Jahr 2010, vergeben vom Bauwerk Schwarzwald e.V., sowie die Aufnahme in die Architekturroute 2022.

Das Nutzungskonzept: Gastronomie, Einzelhandel und Kultur

Die Umnutzung der Rainhofscheune folgt einem integrierten Konzept, das verschiedene Funktionen miteinander verbindet. Im Mai 2010 wurde das Gebäude eröffnet und beherbergt seitdem im Erdgeschoss eine Gastronomie mit Terrasse und Gartenwirtschaft. Hinzu kommt eine 450 Quadratmeter große „Marktscheune“, in der regionale Produzenten ihre Waren anbieten. Eine Buchhandlung mit Wohnaccessoires hat ebenfalls im Erdgeschoss Platz gefunden; in deren Nebenraum finden regelmäßig Lesungen, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen statt. Diese Vielfalt an Nutzungen macht das Gebäude zu einem sozialen und kulturellen Treffpunkt.

Im Obergeschoss entstand ein Hotel mit 16 Zimmern sowie ein Wellnessbereich mit Dampfbad und Sauna. Diese Aufteilung nutzt die räumlichen Gegebenheiten des historischen Gebäudes optimal aus und schafft eine Mischung aus Gastronomie, Einzelhandel, Kultur und Beherbergung, die wirtschaftlich tragfähig ist.

Energetische Sanierung und Nachhaltigkeit

Ein entscheidender Aspekt moderner Sanierungen ist die energetische Optimierung. Die Rainhofscheune dient hier als exzellentes Beispiel für nachhaltiges Bauen im Bestand. Durch eine umfassende energetische Sanierung wurde der Energieverbrauch drastisch reduziert. Laut Informationen aus dem Fachbereich verbrauchen die Scheune und das dazugehörige Wohngebäudeteil für insgesamt 3400 Quadratmeter beheizte Fläche lediglich 9000 Euro jährlich für Heizung und Warmwasser. Dieser Wert wird als „phänomenal gut“ bezeichnet und unterstreicht die Effizienz der durchgeführten Maßnahmen.

Diese energetische Leistung ist ein Kernbestandteil der Sanierung historischer Gebäude, um deren Zukunftsfähigkeit zu sichern. Die Sanierung durch das Unternehmen Sutter3KG, das sich auf die Sanierung historischer Gebäude spezialisiert hat, zeigt, dass Denkmalschutz und moderne Energiestandards vereinbar sind.

Finanzielle Förderung und Rolle der Kommune

Für Bauherren und Investoren ist die Finanzierung von Sanierungsprojekten oft ein entscheidender Faktor. Die Sanierung der Rainhofscheune erhielt Unterstützung durch die Gemeinde Kirchzarten. Der Gemeinderat beschloss einstimmig einen Investitionskostenzuschuss für die Sanierung. Die genaue Höhe des Betrages wurde zwar noch nicht final veröffentlicht, doch die Beteiligung der Kommune unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Region.

Als Gegenleistung für die Förderung wird die Gemeinde im Gebäude einen Versammlungsraum erhalten. Dieses Modell einer Public-Private-Partnership kann für andere Projekte als Vorbild dienen, bei denen private Investoren den Erhalt von Denkmälern mit öffentlichen Interessen verbinden.

Planung und Ausführung: Das Planungsbüro Sutter3KG

Für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts war das Planungsbüro Sutter3KG verantwortlich. Das Unternehmen hat sich auf die Sanierung historischer Gebäude spezialisiert und realisierte weitere Projekte wie den Farrenstall in Waltershofen, die Alte Schule in Haslach und die Goldene Krone in St. Märgen. Die Expertise von Sutter3KG liegt darin, historische Bausubstanz zu erhalten und moderne Nutzungen zu integrieren.

Das Unternehmen agiert als Generalplaner und hat im Fall der Rainhofscheune ein Konzept entwickelt, das den Erhalt des Denkmals mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbindet. Die Architektur und Planung orientieren sich an den vorhandenen Strukturen, um den historischen Charakter nicht zu beeinträchtigen. Die Sanierung der Rainhofscheune wird als „Naturparkscheune“ des Naturparks Südschwarzwald geführt, was die Einbettung in den regionalen Kontext und den Fokus auf Nachhaltigkeit betont.

Zusammenfassung und Fazit

Die Sanierung der Rainhofscheune in Kirchzarten-Burg zeigt eindrucksvoll, wie historische Bausubstanz durch ein durchdachtes Nutzungskonzept und energetische Sanierung erfolgreich revitalisiert werden kann. Das Projekt vereint den Erhalt eines Kulturdenkmals mit modernen Anforderungen an Gastronomie, Beherbergung und Energieeffizienz. Die Zusammenarbeit mit der Kommune und die Nutzung von Fördermitteln spielten eine wichtige Rolle. Für Bauherren und Investoren in der Region Schwarzwald und darüber hinaus liefert die Rainhofscheune wertvolle Erkenntnisse darüber, dass der Denkmalschutz keine Einschränkung, sondern eine Chance für innovative Bauvorhaben sein kann. Durch den behutsamen Umgang mit der historischen Substanz und die Integration moderner Technologien entsteht ein Gebäude, das sowohl wirtschaftlich erfolgreich als auch kulturell wertvoll ist.

Quellen

  1. Schwarzwald-Tourismus
  2. Freiburg-Schwarzwald
  3. Badische Zeitung
  4. Wochenblatt Reporter

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