Rank Xerox: Analyse einer Unternehmenskrise und deren Auswirkungen auf den Büromaschinenmarkt der 1980er Jahre

Einleitung

Die vorliegende Analyse beleuchtet die tiefgreifende Krise der Rank Xerox GmbH in der Mitte der 1980er Jahre. Basierend auf den vorliegenden Unternehmensdaten und Marktbewertungen aus dem Zeitraum 1982 bis 1986 wird ein Bild eines Unternehmens gezeichnet, das sich in einer existenziellen Zwickmühle befindet. Rank Xerox, einst Marktführer im Bereich der Trockenkopierer mit Gewinnmargen von bis zu 30 Prozent, sah sich massivem Konkurrenzdruck, internen Fehlentscheidungen und einer drastischen Verschlechterung der finanziellen Lage ausgesetzt.

Die folgende Untersuchung widmet sich den strategischen Fehlentwicklungen, den drastischen Restrukturierungsmaßnahmen und der Konsolidierung des Vertriebsnetzes. Für Leser, die im Bereich der Immobilienwirtschaft und des Gebäudemanagements tätig sind, bietet diese Analyse wertvolle Einblicke in die Bedeutung zuverlässiger Dienstleistungsstrukturen und den Einfluss von Herstellern auf den Bürobetrieb. Der Fokus liegt dabei strikt auf den Fakten, die in den zur Verfügung gestellten Quellen dargelegt wurden.

Die finanzielle Schieflage und der Bedeutungsverlust

Die finanzielle Entwicklung der Rank Xerox GmbH zeigt einen signifikanten Abwärtstrend. Während das Unternehmen im Geschäftsjahr 1982 noch einen Gewinn von 10,3 Millionen Mark ausweisen konnte, reduzierte sich dieser auf 6,3 Millionen Mark im darauf folgenden Jahr, bevor 1985 ein Jahresfehlbetrag von 39,7 Millionen Mark zu verzeichnen war. Diese Entwicklung kulminierte in einem Verlust von fast 70 Millionen Mark über einen Zeitraum von zehn Monaten, wie in den Quellen beschrieben.

Der Umsatz blieb in diesem Zeitraum weitgehend stagnierend. Im Geschäftsjahr 1984/85 belief er sich auf 812,1 Millionen Mark, nach 813,3 Millionen Mark im Vorjahr. Dies trotz der Tatsache, dass das Unternehmen hohe Anstrengungen unternahm, den Vertrieb zu optimieren. Die Umsatzrendite fiel dabei von 1,8 Prozent (1982) auf 1,3 Prozent (1982) und weiter auf extrem niedrige Werte. Der Bilanzverlust einschließlich Verlustvortrag wurde für das Geschäftsjahr, das von Michel Odelga verantwortet wurde, auf 88,1 Millionen Mark beziffert.

Eine Umfrage unter rund 3.500 Kunden ergab zudem, dass rund 38 Prozent der bestehenden Kundschaft bereit war, zur Konkurrenz zu wechseln. Dieser Vertrauensverlust stellte eine weitere Belastung für die ohnehin angespannte Lage dar.

Der Rückgang des Kerngeschäfts

Lange Zeit war Rank Xerox von der Dominanz im Kopierermarkt geprägt. Noch im Jahr 1986 lag der Anteil des Xerographie-Bereichs bei 70 Prozent des Gesamtumsatzes. Das Ziel der Unternehmensführung, diesen Anteil bis Ende der achtziger Jahre auf unter 50 Prozent zu drücken, zeigte die Notwendigkeit einer Diversifizierung, die jedoch nur langsam voranschritt. Das Kopierergeschäft selbst wurde als "verlustreich" bezeichnet, während der Bereich Kommunikationssysteme sich lediglich "erfreulich" entwickelte, aber noch nicht die nötige Stabilität bot.

Strategische Fehlentwicklung und Wettbewerbsdruck

Die Krise von Rank Xerox wurde durch einen massiven Wettbewerbsdruck, insbesondere durch japanische Konkurrenten, und eigene strategische Fehler verursacht.

Der Preisverfall und neue Konkurrenz

Seit über sieben Jahren litt der Markt für Kopierer und Drucksysteme unter einem massiven Preisverfall. Dies betraf nicht nur die klassischen Kopierer, sondern auch Textverarbeitungssysteme und elektrische Schreibmaschinen. Die Quellen geben an, dass Rank Xerox zu erheblichen Preiszugeständnissen gezwungen war. Gleichzeitig verlor das Unternehmen seinen einstigen Alleinstellungsmerkmal, den schnellsten Kundendienst der Branche. Wenn, wie in den Quellen dargelegt, die Wartungszeiten länger werden, geht der letzte Vorsprung gegenüber den Japanern verloren.

Die Produkteinführung der neuen Kopiererserie "Marathon" und der "10er Serie" sollte ursprünglich helfen, wieder Gewinne zu erzielen. Jedoch stockte die Lieferfähigkeit der neuen Modelle monatelang, die Ersatzteilversorgung brach zusammen, und defekte Geräte konnten wochenlang nicht repariert werden. Diese Qualitäts- und Logistikprobleme untergruben das Vertrauen in die technische Zuverlässigkeit des Herstellers.

Fehlinvestitionen und Restrukturierung

Eine zentrale Rolle in der Krise spielten interne Umstrukturierungsmaßnahmen. Eine Studie der US-Beratungsfirma McKinsey, die mit hohen Kosten verbunden war, führte zu einer "Umstrukturierung zwecks Produktivitätssteigerung". Ironischerweise führte diese Maßnahme laut den Quellen nicht zu einer Steigerung, sondern zu Produktivitätseinbußen. Die Aufwendungen für Personal stiegen im Geschäftsjahr 81/82 auf 260 Millionen Mark (Vorjahr 251 Millionen Mark).

Zudem investierte die Muttergesellschaft Xerox Corp. allein mehr als 400 Millionen Dollar des Forschungsbudgets in Kopierer, während der Ausbau des neuen Geschäfts mit Tischcomputern und lokalen Büro-Netzwerksystemen (Ethernet) noch in der Anfangsphase steckte. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur 25 Fachhändler für Tischcomputer, obwohl eine Zielvorstellung von mehr als 100 Stützpunkten bestand.

Restrukturierungsmaßnahmen: Personalabbau und Netzwerkreduzierung

Als Reaktion auf die finanzielle Schieflage leitete Rank Xerox massive Einsparprogramme ein, die direkte Auswirkungen auf die Unternehmensstruktur hatten.

Personalabbau und soziale Härtefälle

Die Belegschaft der Rank Xerox GmbH wurde 1985 um 375 Mitarbeiter auf 3.376 Mitarbeiter verkleinert. Im Folgejahr kündigte das Management zusätzliche Einsparungen an. Für "soziale Härtefälle" bei der Rationalisierung wurden zehn Millionen Mark auf die Seite gelegt. Diese Zahlen belegen das Ausmaß des Personalabbaus, der notwendig schien, um die Kostenbasis zu senken.

Reduzierung des Vertriebs- und Servicenetzes

Eine der drastischsten Maßnahmen war die massive Reduzierung des Vertriebsnetzes. Die Anzahl der Geschäftsstellen wurde von 31 auf 13 reduziert. Gleichzeitig plante der Geschäftsführer Michel Odelga, die rund 30 Service-Stellen in der Bundesrepublik um über die Hälfte zu stutzen.

Diese Entscheidung war riskant, da der Kundendienst zuvor ein wichtiges Verkaufsargument war. Die Reduzierung der Servicestellen und die Verlängerung der Reaktionszeiten stellten eine direkte Gefährdung der Kundenbindung dar. Hinzu kamen operative Ineffizienzen: Einige Filialen in Großstädten mussten in kleinere Räume umziehen. Da keine Nachmieter gefunden wurden, musste Rank Xerox doppelt Miete zahlen – allein in Frankfurt jährlich über eine Million Mark für leerstehende Flächen.

Strategische Unschärfe und Zukunftsperspektiven

Die Zukunftsstrategie von Rank Xerox war in den späten 1980er Jahren von Unsicherheit geprägt. Während die Muttergesellschaft Xerox und der Partner Rank ihren Spaß an der Tochter verloren und Aufsichtsratschef Bryan Hubert Zweifel an den Überlebenschancen der Firma äußerte, suchte man nach Wegen, den Markt weiter zu bedienen.

Eine Option, die in der Unternehmensführung diskutiert wurde, war die Auslagerung von Vertrieb und Service. Es wurde spekuliert, dass ein anderes Unternehmen diese Aufgaben übernehmen könnte, was eine Auflösung der Düsseldorfer Zentrale mit rund 1.000 Beschäftigten zur Folge hätte. Die Suche nach einem Partner für den Vertrieb war bereits im Gange.

Technologisch versuchte man, durch neue Produkte wie die Kopiererserie "Marathon", Tischcomputer und Netzwerkprodukte (Ethernet) die Abhängigkeit vom Kopierergeschäft zu verringern. Der Erfolg dieser Produkte war jedoch zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht absehbar. Das Ziel, den Verlust zu halbieren, wurde 1985 nicht erreicht, und die Strategie, den Umsatz durch neue Technologien zu steigern, zeigte nur langsam Wirkung.

Fazit

Die Krise der Rank Xerox GmbH Mitte der 1980er Jahre ist ein anschauliches Beispiel für die Folgen von Marktsättigung, Preisverfall und fehlender strategischer Agilität. Ein Unternehmen, das einst technologischer Pionier und Marktführer war, sah sich gezwungen, durch radikale Restrukturierung, Personalabbau und die Reduzierung seines Vertriebsnetzes auf Kurs zu bleiben.

Die Faktenlage zeigt einen dramatischen Vertrauensverlust bei den Kunden, massive interne Umstrukturierungskosten und eine unklare Zukunftsstrategie. Für den Büromaschinenmarkt der 80er Jahre bedeutete der Niedergang von Rank Xerox eine Veränderung der Wettbewerbslandschaft, in der Zuverlässigkeit und Servicequalität – einst Stärken von Rank Xerox – unter dem Druck der Globalisierung und des Preisverfalls neu definiert werden mussten. Die finanziellen Verluste in Höhe von Millionenbeträgen und die Zerschlagung der einst stabilen Unternehmensstruktur markieren das Ende einer Ära für den einstigen Giganten am Markt.

Quellen

  1. Deutsche Xerox-Tochter spart noch kräftiger
  2. Rank Xerox hofft auf genügend Puste
  3. Spiegel: Drunter und Drüber
  4. Bei Rank Xerox kommt das DV-Geschäft nur langsam in Fahrt

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