Die Stadt Rastatt steht vor bedeutenden Bauvorhaben, die sowohl die Infrastruktur der Badner Halle als auch die historische Gartenanlage der Pagodenburg betreffen. Mit einem Budget von nahezu zehn Millionen Euro soll die Tiefgarage unter der Veranstaltungshalle saniert werden, während gleichzeitig umfangreiche Maßnahmen zur Erhaltung der barocken Freiflächen durchgeführt werden. Diese Projekte vereinen moderne Anforderungen an Barrierefreiheit und Sicherheit mit dem Schutz von Baudenkmalen und Naturschutzgebieten.
Die Sanierung der Tiefgarage der Badner Halle
Die Badner Halle in Rastatt ist ein zentraler Veranstaltungsort, dessen Tiefgarage dringend renovierungsbedürftig ist. Die gesamte Tiefgarage besteht aus Stahlbeton, der im Laufe der Jahre erhebliche Schäden davongetragen hat. Diese Schäden sind so fortgeschritten, dass eine Schließung der Halle drohen könnte, wenn keine umfassenden Sanierungsmaßnahmen erfolgen.
Finanzielle Rahmenbedingungen und Notwendigkeit der Sanierung
Die Stadt Rastatt hat ein Budget von fast zehn Millionen Euro für die Sanierungsarbeiten eingeplant. Laut den vorliegenden Informationen belaufen sich die Kosten auf 9,8 Millionen Euro. Diese Investition ist notwendig, weil der Stahlbeton der mehrgeschossigen Tiefgarage zunehmend geschädigt ist. Die Tiefgarage wurde 1989 fertiggestellt und verfügt über 272 PKW-Stellplätze auf einer Nutzfläche von ca. 10.226 m². Sie steht in einem unmittelbaren baulichen und funktionalen Zusammenhang mit der Versammlungsstätte und reicht unter der Freifläche Murgpark bis zu den Festungsmauern der Pagodenburg und an den Murgdamm.
Technische Aspekte der Tiefgarage
Ein besonderes technisches Merkmal der Tiefgarage ist der Fahrbahnbelag. Dieser besteht aus einer wasserdurchlässigen Asphaltdecke, die ohne Abdichtung auf die Stahlbetonbodenplatten aufgebracht ist. Diese Konstruktion aus den späten 1980er Jahren stellt eine Besonderheit dar, die bei der Sanierung berücksichtigt werden muss.
Maßnahmen zur Sicherheit und Barrierefreiheit
Neben der statischen Sicherung und der Beseitigung von Bauschäden umfasst das Sanierungskonzept auch Verbesserungen der Sicherheit und des Komforts. Ein zentraler Punkt ist die Erhöhung der Barrierefreiheit durch den Einbau eines Aufzugs. Diese Maßnahme ist nicht nur für die allgemeine Nutzbarkeit wichtig, sondern rückt auch im Kontext des Zivilschutzes in den Fokus. Die Tiefgarage könnte zukünftig auch für zivilschutzrelevante Zwecke genutzt werden, was die Notwendigkeit einer barrierefreien Erschließung unterstreicht.
Planungs- und Ausschreibungsverfahren
Die Sanierung erfolgt in mehreren Phasen, die durch Ausschreibungen realisiert werden. Für die Planungsleistungen wurde ein Verfahren nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) durchgeführt. Es wurden Leistungen der Objektplanung Gebäude (BETONSANIERUNG) für die Leistungsphasen 4 bis 8 sowie Leistungen der Technischen Ausrüstung (TGA-RLT) ausgeschrieben. Die Vergabe erfolgt durch die Stadt Rastatt, FB Sicherheit und Ordnung, KB Recht, Zentrale Vergabestelle. Die Auftragsvergabe ist stufenweise vorgesehen, wobei zunächst die Leistungsphasen 4 (Objektplanung) bzw. 1+2 (Technische Ausrüstung) beauftragt werden und die weiteren Phasen abgerufen werden.
Historische und ökologische Aspekte der Umgebung
Die Sanierung der Tiefgarage findet in einem historisch und ökologisch sensiblen Umfeld statt. Die Badner Halle liegt im Stadtteil Innenstadt-West zwischen dem barocken Residenzschloss im Osten und der Murg im Westen. Direkt angrenzend befindet sich die Pagodenburganlage mit der Einsiedelner Kapelle und dem Wasserturm.
Die Pagodenburg und ihre Gartenanlage
Die barocke Gartenanlage der Pagodenburg ist die älteste der Stadt Rastatt. Sie wurde von Markgräfin Franziska Sibylla Augusta (1675-1733) angelegt. Das ehemalige Teehaus, 1722 als "Spielhaus" für ihre Kinder erbaut, und die Einsiedelner Kapelle, die 1715 entstand, bilden das architektonische Zentrum. Die Anlage ist durch ein axiales Wegekreuz, symmetrische Treppenläufe und ein historisches Brunnenbecken geprägt. Das vorherrschende Baumaterial ist roter Sandstein aus der Umgebung Rastatts.
Im Jahr 2014 beschloss die Stadt Rastatt anlässlich des Jubiläumsjahres "300 Jahre Rastatter Frieden", die Freianlagen um dieses historische Ensemble zu sanieren. Die letzten umfassenden Sanierungen fanden 1955 statt. Seitdem war die Anlage stark vernachlässigt worden.
Sanierungsarbeiten an den Terrassen und Mauern
Die Terrassen über der Murg sind Teil der Gartenanlage und befinden sich in exponierter Lage. Eine untere Terrassenmauer wurde bereits in den 1990er Jahren neu aufgesetzt, als die Badner Halle und der Murgpark errichtet wurden. Die Sanierung der Mauern war dringend erforderlich, da die alten Abdeckplatten aus bröckelndem Beton waren und offene Mauerfugen die Standsicherheit gefährdeten. Bei den Sanierungsarbeiten wurden die alten Betonplatten durch Sandsteinplatten ersetzt und die Mauerfugen geschlossen.
Naturschutz und Eidechsenquartiere
Ein besonderes Augenmerk bei der Sanierung lag auf dem Naturschutz. Die alten Mauern mit offenen Fugen und schützendem Bewuchs beherbergten eine beachtliche Eidechsenpopulation. In Zusammenarbeit mit dem Fachbüro ILN (Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz) wurden Maßnahmen zum Artenschutz integriert. Es wurden sieben Steinschüttungen mit insgesamt 15 Kubikmeter grobem Schottermaterial hinter den Mauern als Eidechsenquartiere angelegt. Gezielt freigehalte Fugen ermöglichen den Tieren weiterhin den Zugang.
Synergieeffekte durch Leitungsverlegung
Ein Synergieeffekt entstand durch die Verlegung einer neuen Kälte-/Wärmetrasse durch den Energieversorger star.Energiewerke. Diese Leitung führt unter der Tiefgaragendecke der Badner Halle in Richtung des neuen Einkaufszentrums. Für die Leitungsverlegung war der Rückbau einer aus den 1990er Jahren stammenden Treppenanlage erforderlich, was gleichzeitig zur Aufwertung der Anlage beitrug.
Besitzverhältnisse und Koordination
Die Besitzverhältnisse sind komplex: Die Pagodenburganlage und der Wasserturm gehören der Stadt Rastatt, während die Einsiedelner Kapelle Eigentum des Landes Baden-Württemberg ist. In der Vergangenheit wurde das Grundstück der Kapelle durch eine Grenzmauer von der Pagodenburganlage getrennt, es existierten zwei Toranlagen. Die Koordination zwischen den Eigentümern und den Behörden (Denkmalschutzbehörde) ist für die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen essenziell.
Zusammenführung der Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierung der Badner Halle und die Revitalisierung der angrenzenden historischen Anlage zeigen, wie modernes Bauen mit Denkmalschutz und Naturschutz vereinbart werden kann. Die Investition von 9,8 Millionen Euro in die Tiefgarage sichert nicht nur die Nutzungsfähigkeit der Veranstaltungshalle, sondern schafft durch den Einbau eines Aufzugs auch bessere Zugänglichkeit und berücksichtigt mögliche zivilschutzrelevante Nutzungen.
Gleichzeitig wird durch die Sanierung der Terrassen und Mauern der Pagodenburganlage ein historisches Erbe erhalten und durch ökologische Ausgleichsmaßnahmen (Eidechsenquartiere) aufgewertet. Die stufenweise Planung und Durchführung der Arbeiten, dokumentiert in den Ausschreibungen, zeigt eine professionelle Herangehensweise der Stadt Rastatt an diese komplexen Bauaufgaben.
Die Verbindung der beiden Projekte über die unterirdische Tiefgarage und die oberirdischen Freiflächen verdeutlicht die Herausforderung, Infrastruktur und historische Bausubstanz in einer städtischen Umgebung in Einklang zu bringen. Die Maßnahmen sind für das Jahr 2026 geplant und stellen eine wesentliche Investition in die Zukunftsfähigkeit eines wichtigen städtischen Kultur- und Freizeitstandorts dar.
Fazit
Die Sanierung der Badner Halle in Rastatt ist ein vielschichtiges Bauvorhaben, das technische, finanzielle, rechtliche sowie denkmal- und naturschutzrelevante Aspekte umfasst. Mit einem Budget von 9,8 Millionen Euro soll die 1989 errichtete Stahlbeton-Tiefgarage saniert werden, um eine Schließung der Veranstaltungshalle zu verhindern und die Barrierefreiheit durch einen Aufzug zu verbessern. Die Arbeiten sind für das Jahr 2026 geplant und werden in Ausschreibungen nach der HOAI detailliert beschrieben.
Parallel dazu erfolgt die Sanierung der barocken Gartenanlage der Pagodenburg, die ebenfalls von Bauschäden betroffen war. Hier stehen der Erhalt historischer Bausubstanz und der Schutz bedrohter Tierarten im Vordergrund. Durch die Zusammenarbeit mit Fachbüros und die Berücksichtigung von Synergieeffekten bei der Leitungsverlegung zeigt die Stadt Rastatt einen modernen Ansatz im Städtebau. Die Projekte verdeutlichen, dass die Instandhaltung städtischer Infrastruktur immer auch den Schutz des kulturellen Erbes und der Umwelt einschließt.
Quellen
- Sanierung der Badner-Halle-Tiefgarage in Rastatt
- Stadt Rastatt setzt Budget für Sanierungsarbeiten in Badner Halle auf fast zehn Millionen Euro an
- Ausschreibung: Sanierung und barrierefreie Erschließung Tiefgarage Badner Halle Rastatt - Leistungen der Objektplanung Gebäude
- Ausschreibung: Sanierung und barrierefreie Erschließung Tiefgarage Badner Halle Rastatt - Leistungen der Technischen Ausrüstung TGA-RLT
- Freiflächen um Pagodenburg in Rastatt saniert: Barocke Gartenanlage in neuem Gewand