Die Modernisierung von Bildungseinrichtungen stellt eine zentrale Herausforderung für Kommunen und Bauherren dar. Im Zuge der Sanierung der Viktor-von-Scheffel-Schule, einer Staatlichen Realschule in Bad Staffelstein, wird aufgezeigt, wie umfangreiche Baumaßnahmen – bestehend aus Teilersatzneubau, Teilsanierung des Bestandsgebäudes und Umbau einzelner Trakte – organisiert und durchgeführt werden. Der folgende Artikel beleuchtet die strategische Planung, die technischen Spezifikationen der Ausführung sowie die logistischen Herausforderungen, die sich aus einem solchen Großprojekt ergeben. Er dient als Fachbeitrag für Bauinteressenten, Projektverantwortliche und an der Bauwirtschaft interessierte Kreise, die sich über aktuelle Standards und Vorgehensweisen im modernen Schulbau informieren möchten.
Ausgangslage und Projektziel
Das Vorhaben in Bad Staffelstein umfasst eine grundlegende Sanierung und Modernisierung der Viktor-von-Scheffel-Schule. Der Schulträger, die Staatliche Realschule mit Sitz in der St.-Veit-Straße 10, 96231 Bad Staffelstein, hat sich zum Ziel gesetzt, die Bausubstanz zu erneuern und zeitgemäße Lernumgebungen zu schaffen. Die Maßnahmen sind nicht als kompletter Abriss und Neubau konzipiert, sondern als eine intelligente Mischung aus Erhalt, Ergänzung und Modernisierung.
Zentraler Bestandteil ist der sogenannte Teilersatzneubau sowie die Teilsanierung des Bestandsgebäudes. Besonders der Nordtrakt des Gebäudes steht im Fokus der Umbaumaßnahmen. Ziel ist es, die Funktionalität der Schule zu erhalten und gleichzeitig durch energetische und technische Aufwertung die Nutzungsbedingungen signifikant zu verbessern. Ein solches Vorgehen ist typisch für denkmalgeschützte oder noch intakte Gebäudebestände, bei denen eine vollständige Sanierung wirtschaftlicher und nachhaltiger ist als ein kompletter Neubau.
Projektmanagement und Koordination
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg einer solchen Baustelle ist die strukturierte Kommunikation zwischen allen Beteiligten. An der Viktor-von-Scheffel-Schule hat man hierfür ein etabliertes Instrument genutzt: die sogenannten „Bausitzungen“.
Seit dem Schuljahr 2022/23 finden diese Treffen im 14-tägigen Rhythmus statt, entweder online oder direkt vor Ort an der Realschule. An diesen Sitzungen nimmt die Architektin Corina Langhans vom Architekturbüro BAURCONSULT teil, um über den Stand der Planungen zu informieren. Diese Form der regelmäßigen Abstimmung ist für die Bauüberwachung und Projektsteuerung unerlässlich.
An den Gesprächen nehmen zudem die am Teilersatzneubau beteiligten Unternehmen teil. Dazu gehören Fachplaner wie ecoplan sowie Tragwerksteams (z. B. Sailer Stapan). Ebenfalls eingebunden sind Vertreter des Landratsamtes Lichtenfels (Herr Weisser und Herr Schmitt) sowie die Schulleitung. Diese Runde gewährleistet, dass bauliche Entscheidungen nicht isoliert getroffen werden, sondern stets im Einklang mit den schulischen Abläufen und den behördlichen Vorgaben stehen. Die Einbindung des Landratsamtes unterstreicht zudem, dass es sich um ein Projekt von überregionaler Bedeutung handelt, das in die Struktur der staatlichen Schulen integriert ist.
Logistische Herausforderungen: Der Betriebsunterricht während der Bauphase
Ein Kernproblem bei der Sanierung von Schulen ist die Aufrechterhaltung des regulären Unterrichtsbetriebs. In Bad Staffelstein hat man eine pragmatische Lösung gewählt, um die Auswirkungen auf die Schüler und Lehrer so gering wie möglich zu halten: den Einsatz von Containerklassenzimmern.
Konkret wurde der Umzug von sechs Klassen in diese provisorischen Räumlichkeiten am 08.01.2024 realisiert. Die Container wurden neben dem oberen Schulhofgelände, in der Nähe der Mensa, aufgestellt. Diese Maßnahme war zwingend notwendig, da zuvor eine Ausräumung der Fachräume sowie ein Abbau bestehender Einrichtungen erfolgen musste (Zeitraum: 18.12.2023 bis 05.01.2024).
Die Qualität dieser Provisorien spielt eine entscheidende Rolle für die Akzeptanz. Laut Berichten fühlen sich die Sechst- und Zehntklässler in den geräumigen und digital voll ausgestatteten Containerklassenzimmern sehr wohl. Die Bereitstellung moderner Infrastruktur auch in den Übergangsräumen zeigt das Bemühen um eine durchgängige Qualität der Lehre. Sogar ein „exklusiver Blick auf den Staffelberg“ wird den Schülern geboten, was die Standortwahl und die Ausrichtung der Container positiv beeinflusst.
Diese Vorbereitungsphase, die mit der Anlieferung der Container am 24.11.2023 begann, demonstriert die Notwendigkeit einer präzisen Terminplanung, um Unterrichtsausfälle zu minimieren.
Technische Spezifikationen und Umfang der Bauarbeiten
Die eigentlichen Bauarbeiten, die nach der Freigabe der Flächen beginnen, zeichnen sich durch einen hohen Detaillierungsgrad und eine Vielzahl von Gewerken aus. Eine detaillierte Ausschreibung gibt Aufschluss über den Umfang der Leistungen. Diese ist in verschiedene Leistungsbereiche (KG 300 und KG 400) unterteilt, wie sie in der Vergabe von Bauleistungen üblich sind.
Rohbau und Tragwerk (KG 300)
Der Schwerpunkt im Rohbau liegt auf der Errichtung und Sanierung von Strukturen. * Bodenplatten und Decken: Es sind Flächen von ca. 2.000 m² zu realisieren. * Wände: Der Einsatz von Mauerwerk (MW) und Stahlbeton ist vorgesehen. * Dacharbeiten: Ein wesentlicher Teil ist der Dachstuhl für gegenläufige Pultdächer auf einer Fläche von ca. 600 m² im Erdgeschoss (GF). * Estrich und Bodenbelag: Es müssen ca. 1.750 m² CT-Estricharbeiten ausgeführt werden. Darauf folgen Bodenbelagsarbeiten, wobei Kautschuk als Material genannt wird, was auf eine hohe Belastbarkeit und Schalldämmung hindeutet. * Fassade: Die Fassadenverkleidung ist ein zentraler Bestandteil der Modernisierung. * Fenster und Türen: Geplant sind Holz-Alu-Fenster. Diese Materialkombination bietet Vorteile in puncto Wärmedämmung und Langlebigkeit. * Trockenbau, Putz- und Malerarbeiten: Diese umfassen Wände und Decken im gesamten Bereich. * Gerüstbau und Zimmererarbeiten: Diese sind notwendig, um die Arbeiten an den höheren Geschossen sicher durchzuführen. * Aufzug: Die Installation eines Aufzugs für 4 Geschosse ist vorgesehen, was die Barrierefreiheit sicherstellt.
Haustechnik (KG 400)
Der Bereich der Haustechnik umfasst eine umfassende Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung (TGA).
- Sanitärinstallation:
- Wasser und Abwasser: Anschluss an den Hausanschluss, Verlegung von ca. 350 m Schmutzwasserleitung (Kunststoffrohr DN 50 bis DN 110) und ca. 650 m Rohrleitung aus Edelstahl (DN 12 bis DN 50).
- Armaturen: Montage von ca. 35 Armaturen und ca. 60 Einrichtungsgegenständen, darunter Ausgussbecken, Waschbecken, WCs (inkl. behindertengerechter WC-Anlagen und Waschtische).
- Wärmeversorgung:
- Heizung: Eine zentrale Pelletskessel-Anlage mit einer Leistung von ca. 100 kW ist geplant. Dies unterstreicht den Fokus auf regenerative Energien. Die Anlage wird durch Sacksilo-Pufferspeicher ergänzt.
- Verteilung: Die Wärme wird über ca. 1.900 m Edelstahlrohrleitungen verteilt. Die Regelung erfolgt über 4 Heizkreisregelgruppen mit Pumpen und 3-Wege-Ventilen.
- Wärmeverteilung im Raum: Einsatz von ca. 80 Deckenstrahlplatten (Einlegeplatten 625 x 625 mm). Diese Form der Heizung/Kühlung bietet eine sehr gleichmäßige Raumtemperatur.
- Lüftung:
- Es sind ca. 500 m Verlegesysteme für die Lüftung zu installieren.
- Elektroinstallation:
- Geräte: Ca. 800 Installationsgeräte (Unterputz und Aufputz) mit Zubehör.
- Beleuchtung: Ca. 400 Leuchten in LED-Technik sowie 25 Sicherheits- und Rettungszeichenleuchten.
- Daten und Kommunikation: Ein Daten- und Telekommunikationsnetz sowie eine Fernmelde- und informationstechnische Anlage sind zu errichten.
Diese detaillierten Spezifikationen zeigen, dass es sich nicht nur um einen reinen Kosmetik-Eingriff handelt, sondern um eine tiefgreifende Modernisierung, die den aktuellen Standards in der Gebäudeautomation und Energieeffizienz entspricht.
Vergabe und Finanzierung
Die Vergabe der Bauleistungen erfolgt über ein offenes Verfahren. Die Stadt Bad Staffelstein tritt hier als öffentlicher Auftraggeber auf (Rechtsform: Lokale Gebietskörperschaft).
Ein interessanter Aspekt in der heutigen Zeit ist die Prüfung von Lieferketten. Die Ausschreibung fordert von den Bietern eine „Eigenerklärung Bezug Russland“. Dies dient der Transparenz und der Einhaltung geopolitischer Vorgaben.
Der geschätzte Auftragswert ohne MwSt. beläuft sich auf 5.865.000,00 EUR. Dieser Betrag unterstreicht das Gewicht des Projekts als Großbaustelle. Finanziert wird das Projekt voraussichtlich nicht aus EU-Mitteln, sondern fällt unter das Übereinkommen über das öffentliche Beschaffungswesen. Zudem wird klargestellt, dass die Vergabe nicht explizit für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geeignet ist, was auf den hohen technischen Anspruch und die notwendige Kapazität der Bieter hindeuten mag.
Zeitplanung
Die Dauer des Projekts ist in der Ausschreibung klar definiert. * Beginn: 01.08.2025 * Ende: 31.03.2027
Dieser Zeitrahmen von gut 20 Monaten spiegelt den Umfang der geplanten Arbeiten wider, der eine Koordination vieler Gewerke über einen längeren Zeitraum erfordert. Die Planungsleistungen im Vorfeld (erkennbar an der Erwähnung der HOAI – Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) sind bereits abgeschlossen oder befinden sich in der finalen Phase, sodass die Ausführung planbar starten kann.
Fazit
Die Sanierung der Viktor-von-Scheffel-Schule in Bad Staffelstein ist ein Paradebeispiel für die moderne Instandhaltung und Aufwertung öffentlicher Gebäude. Das Projekt zeigt, wie durch eine Kombination aus Teilersatzneubau, Teilsanierung und energetischer Sanierung nachhaltige Werte geschaffen werden.
Zentrale Erkenntnisse für Bauherren und Projektverantwortliche sind: 1. Strukturierte Planung: Die Einbindung aller Stakeholder (Architekten, Ingenieure, Bauherr, Nutzer) in regelmäßigen Bausitzungen ist essenziell für den Projekterfolg. 2. Nutzerfreundliche Provisorien: Der Einsatz hochwertiger, digital ausgestatteter Containerklassen ermöglicht den nahtlosen Betriebsunterricht und erhöht die Akzeptanz bei Schülern und Lehrern. 3. Technische Tiefe: Die detaillierte Ausschreibung zeigt, dass moderne Schulbauten hohe Anforderungen an Barrierefreiheit, Energieeffizienz (Pellets, LED) und digitale Infrastruktur stellen. 4. Logistische Komplexität: Die Abstimmung der Bauphasen mit den Schulferien und die Organisation der Materialanlieferung sind kritische Erfolgsfaktoren.
Das Projekt mit einem Volumen von fast 6 Millionen Euro und einer Laufzeit bis 2027 dient als Leuchtturmprojekt für die Notwendigkeit, Bausubstanz im öffentlichen Sektor aktiv zu pflegen und an heutige Standards anzupassen. Für die Bauwirtschaft bietet sich hier die Möglichkeit, ihre Kompetenzen in der Sanierung von Komplexen unter laufendem Betrieb unter Beweis zu stellen.
Quellen
- Mercell Ausschreibung: Generalsanierung Viktor von Scheffel Realschule
- Mainpost: Die Realschule Bad Staffelstein ist eine Großbaustelle
- Ausschreibungen Deutschland: Sanierung Schule Unnersdorf Neubau Hort
- Fränkischer Tag: Umbau der Realschule liegt im Zeitplan
- RS Staffelstein: Bauliche Schritte zum Teilersatzneubau