Einleitung
Die Stadt Frankfurt am Main steht vor einem bedeutenden Infrastrukturprojekt, das weit über eine bloße Sanierung hinausgeht. Mit dem Abriss des 1982 eröffneten und mittlerweile maroden alten Rebstockbads und dem Neubau an gleicher Stelle entsteht eines der modernsten und größten Schwimmbäder Deutschlands. Dieser Ersatzneubau markiert einen Wendepunkt in der Frankfurter Bäderlandschaft. Während das alte Rebstockbad über vier Jahrzehnte als zentrale Sport- und Freizeiteinrichtung diente, aber den modernen Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Besuchererlebnisse nicht mehr gerecht werden konnte, setzt der Neubau auf innovative Architektur, Nachhaltigkeit und ein breites, generationenübergreifendes Angebot.
Das Projekt wird von den Bäder-Betrieben Frankfurt GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadt, als wichtigstes Element der Bäderentwicklung realisiert. Mit einer geschätzten Investitionssumme von bis zu 130 Millionen Euro und einer geplanten Fertigstellung Mitte 2027 handelt es sich um eine der größten Bäder-Baustellen Deutschlands. Der Neubau gliedert sich in drei separate Gebäudeteile, die ein 50-Meter-Becken, ein Erlebnisbad und eine Saunalandschaft beherbergen werden, um die Badelust der Frankfurter Bevölkerung nachhaltig zu sichern und zu erweitern.
Die Notwendigkeit des Neubaus: Vom Sanierungsfall zum Megaprojekt
Die Entscheidung für einen kompletten Neubau anstelle einer bloßen Sanierung wurde durch den baulichen Zustand des Vorgängerbades getroffen. Das bestehende Rebstockbad litt unter erheblichen Altersschäden, die eine Sanierung wirtschaftlich und technisch unattraktiv machten. Laut den Betreibern, den Bäder-Betrieben Frankfurt GmbH, bestand aufgrund des Alters des Gebäudes und des baulichen Zustandes zwingender Handlungsbedarf (Quelle 6). Eine Untersuchung verschiedener Entwicklungsmöglichkeiten für den Standort ergab, dass der Abriss des Bestandsbades und die Errichtung eines Ersatzneubaus in vergleichbarer Größe die optimale Lösung darstellt (Quelle 6).
Das ursprüngliche Rebstockbad wurde 1982 eröffnet und prägte über vier Jahrzehnte die Freizeitgenerationen in Frankfurt. Es war ein Ort, an dem viele Frankfurter ihre ersten Schwimmzüge machten. Doch die Anlage zeigte über die Jahre deutliche Defizite. Die Anforderungen an moderne Schwimmbäder haben sich gewandelt: Energieeffizienz, Barrierefreiheit und hochwertige Besuchererlebnisse stehen heute im Vordergrund. Diese Anforderungen konnte das alte Bauwerk nicht mehr erfüllen, was den Weg für ein „Megabaustelle“-Projekt frei machte (Quelle 4).
Konzeption und Architektur: Drei Gebäudeteile für ein Gesamterlebnis
Das neue Rebstockbad ist als multifunktionales Areal konzipiert, das sich in drei klar getrennte, aber miteinander verbundene Gebäudeteile gliedert. Diese Strukturierung ermöglicht eine effiziente Nutzung und ein diversifiziertes Angebot für verschiedene Zielgruppen.
Gebäudeteil A: Sport und Leistungsschwimmen
Der erste Gebäudeteil (A) ist dem klassischen Schwimmsport gewidmet. Hier entstehen ein 50-Meter-Becken, ein Sprungturm, ein Lehrschwimmbecken und eine Rutsche (Quelle 1). Das 50-Meter-Becken stellt eine Besonderheit dar, da es in dieser Form in Frankfurt einzigartig sein wird. Es richtet sich an ambitionierte Schwimmer und Vereine, die hochwertige Trainingsbedingungen benötigen. Der Einbau eines Sprungturms unterstreicht den Anspruch, auch den Breitensport und den Schulsport optimal zu unterstützen.
Gebäudeteil B: Das Erlebnisbad für die ganze Familie
Gebäudeteil B (B) widmet sich dem Erlebnisbereich. Dieser Teil des Komplexes beherbergt das eigentliche Erlebnisbad mit einer Vielzahl an Wasserflächen und Attraktionen. Geplant sind unter anderem ein Wellenbecken und vier verschiedene Rutschen (Quelle 3). Zielgruppe sind hier Familien, Kinder und alle Besucher, die Erholung und Spaß in den Vordergrund stellen. Der Bereich soll durch eine 20 Meter hohe Wendeltreppe und ein kreisrundes Oberlicht architektonisch besonders hervorgehoben werden (Quelle 7).
Gebäudeteil C: Wellness und Saunalandschaft
Der dritte Gebäudeteil (C) ist der Saunalandschaft vorbehalten. Er bietet einen Rückzugsort für Erwachsene, die auf Entspannung und Wellness Wert legen. Die Kombination aus Sportbad, Erlebnisbad und Saunalandschaft in einem Komplex ermöglicht es den Besuchern, einen ganzen Tag im Bad zu verbringen und unterschiedliche Bedürfnisse zu befriedigen.
Technische Daten und Umfang der Anlage
Das Ausmaß des Projekts wird anhand konkreter technischer Daten deutlich, die den Umfang der Bauleistung verdeutlichen.
- Wasserfläche: Insgesamt sind rund 3.000 Quadratmeter Wasserfläche geplant (Quelle 1, 2). Diese Fläche verteilt sich auf 13 verschiedene Wasserflächen (Quelle 1).
- Gebäudegröße: Die Bruttogrundfläche des Komplexes beträgt rund 23.000 Quadratmeter (Quelle 1).
- Materialverbrauch: Der Rohbau erfordert enorme Mengen an Material. Es wurden 20.200 Kubikmeter Beton verbaut, was einer Reihe von Würfeln mit einer Meter Seitenlänge entspricht, die bis nach Rüsselsheim reichen würden. Zudem wurden 3.200 Tonnen Betonstahl und 400 Tonnen Stahlkonstruktion verbaut. Die benötigte Schalung beläuft sich auf 68.000 Quadratmeter (Quelle 7).
- Kosten: Die Investitionssumme wird unterschiedlich beziffert. Während ursprünglich von rund 100 Millionen Euro die Rede war (Quelle 1), bewegen sich die Schätzungen später zwischen 100 und 130 Millionen Euro (Quelle 2). In der jüngsten Berichterstattung wird explizit darauf hingewiesen, dass keine konkreten Angaben zu den Baukosten gemacht werden (Quelle 5). Oberbürgermeister Mike Josef versicherte jedoch, dass sich die Kosten „im Rahmen“ halten (Quelle 4).
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Ein zentraler Aspekt des Neubaus ist die Nachhaltigkeit. Das Projekt soll deutlich energieeffizienter sein als sein Vorgänger. Geplant ist, dass das Rebstockbad zwischen 30 und 40 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien decken wird (Quelle 3). Um dieses Ziel zu erreichen, werden verschiedene Technologien geprüft.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Nutzung von Erdwärme. Um die Machbarkeit zu prüfen, wurden Tiefbohrungen bis zu 1.000 Meter Tiefe im Rebstockpark durchgeführt (Quelle 5). Die Heizungsplanung ist jedoch noch nicht abgeschlossen; die Stadt befindet sich noch in Ausschreibungen für diese Gewerke (Quelle 5). Die finale Entscheidung darüber, wie Erdwärme zum Heizen des Bades genutzt werden kann, steht noch aus, eine Machbarkeitsstudie wurde in Auftrag gegeben (Quelle 5).
Projektmanagement und Bauablauf
Die Realisierung des Projekts erfolgt nach einem speziellen Management-Ansatz. Entgegen üblicher Praxis bei Großprojekten verzichtet die Stadt Frankfurt auf einen Generalunternehmer. Stattdessen werden die Gewerke einzeln an Firmen vergeben. Dieses Vorgehen soll Flexibilität beim Verhandeln ermöglichen und es ermöglichen, kurzfristige Änderungen vorzunehmen, wie es beispielsweise bei der Außenfassade der Fall war (Quelle 4).
Der aktuelle Baufortschritt ist zufriedenstellend. Laut Boris Zielinski, Geschäftsführer der Bäder-Betriebe, liegt das Projekt voll im Zeit- und Kostenplan (Quelle 5). Der Rohbau ist inzwischen fast fertig gestellt (Quelle 7). In Gebäudeteil A sind Fassade und Wände bereits fertig, während in den Gebäudeteilen B und C die Arbeiten an Bodenplatten und Deckenuntergeschoss abgeschlossen sind (Quelle 5). Die Bauarbeiten für die Stahl- und Betonarbeiten haben begonnen, und die Montage der Stahlträger für das Dach des 50-Meter-Beckens ist im Gange (Quelle 7).
Zeitplan und Eröffnung
Der Zeitplan für die Fertigstellung ist ambitioniert, aber nach aktuellen Angaben realistisch. Die Bauarbeiten befinden sich im Zeitplan (Quelle 7). Die Eröffnung des neuen Rebstockbads ist für Mitte 2027 geplant (Quelle 1, 3, 5). Oberbürgermeister Mike Josef zeigte sich beim Richtfest zuversichtlich, dass dieser Termin eingehalten werden kann (Quelle 3).
Gesellschaftliche Bedeutung und Erwartungen
Das neue Rebstockbad wird nicht nur als Sportstätte, sondern als wichtiger sozialer Treffpunkt für die Frankfurter Bevölkerung erwartet. Oberbürgermeister Mike Josef betonte, dass das Rebstockbad ein Stück Stadtgeschichte sei und kaum einen Frankfurter gebe, der nicht hier seine ersten Schwimmzüge gemacht habe (Quelle 3). Er hofft, dass dies auch für zukünftige Generationen gilt.
Bäderchef Boris Zielinski kündigte zudem an, dass das neue Bad „das modernste Schwimmbad der Republik“ werden solle (Quelle 4). Mit Attraktionen wie vier verschiedenen Rutschen, einem 5-Meter-Turm und einem Wellenbecken will man Adrenalin-Junkies und Familien gleichermaßen begeistern (Quelle 3). Das alte Bad wurde jährlich von ca. 600.000 Gästen besucht (Quelle 6). Mit dem neuen, moderneren und vielfältigeren Angebot wird erwartet, dass diese Besucherzahlen stabilisiert oder sogar gesteigert werden können.
Fazit
Der Neubau des Rebstockbads in Frankfurt ist ein Mammutprojekt, das die Bäderlandschaft der Stadt revolutionieren wird. Es ist mehr als nur eine Sanierung; es ist ein vollständiger Ersatzneubau, der auf modernster Architektur, hoher Energieeffizienz und einem breiten, generationenübergreifenden Angebot basiert. Die Aufteilung in drei Gebäudeteile ermöglicht eine professionelle Trennung von Sport, Erlebnis und Wellness.
Trotz der Komplexität des Vorhabens und der immensen Materialmengen verläuft der Bau nach aktuellen Angaben planmäßig. Die Investition von bis zu 130 Millionen Euro soll eine nachhaltige und zukunftsfähige Infrastruktur schaffen, die den Anforderungen einer modernen Großstadt gerecht wird. Wenn der Zeitplan eingehalten wird, können die Frankfurter ab Mitte 2027 wieder vollumfänglich baden gehen – in einer Anlage, die sportliche Höchstleistungen mit familiärem Spaß und modernem Wellness verbindet. Das Projekt dient als Vorbild für die Sanierung und den Neubau von Großbaden in Deutschland und zeigt, wie durch strategische Planung und Investitionen die öffentliche Freizeitinfrastruktur gesichert werden kann.