Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden und die städtebauliche Aufwertung ganzer Quartiere sind zentrale Herausforderungen im deutschen Bauwesen. Ein herausragendes Beispiel für eine solche integrierte Herangehensweise ist das Projekt „InnovationCity Recklinghausen-Hillerheide“. Dieses Vorhaben verbindet die technische Modernisierung von Gebäuden mit einer umfassenden stadtteilweisen Entwicklung, um langfristig Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Lebensqualität zu verbinden. Der folgende Artikel beleuchtet die Struktur, die Maßnahmen und die Fördermöglichkeiten dieses Projekts, wobei sich die Darstellung ausschließlich auf die in den zur Verfügung gestellten Kontextdokumenten enthaltenen Informationen stützt.
Einführung: Das Konzept integrierter Stadtteilentwicklung
Das Projekt „InnovationCity Recklinghausen-Hillerheide“ ist ein Vorreiter für die Transformation von Stadtteilen im Ruhrgebiet. Ausgangspunkt ist das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK), das die Stadt Recklinghausen für den Stadtteil Hillerheide erarbeiten ließ. Hillerheide befindet sich im Süden der Kreisstadt Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen und umfasst über 110.000 Einwohner. Der Stadtteil wird als Pilotareal ausgewählt, da er besonders stark von Verkehr belastet ist und in seinem Zentrum eine stadtweit bedeutende, politisch und öffentlich umstrittene Brachfläche aufweist: das ehemalige Trabrennbahnareal.
Ziel des ISEK Hillerheide ist es, eine Zukunftsvision für den Stadtteil zu entwerfen und langfristig eine hohe Lebensqualität zu schaffen. Die konzeptionelle Arbeit wurde durch umfangreiche Dialogverfahren ergänzt, darunter ein Steuerungskreis, ein Stadtteil- und Bürgerforum sowie ein Wiki-Map-Verfahren zur digitalen Bürgerbeteiligung. Diese Verfahren ermöglichten es den Bürgern, Vorschläge und Anregungen einzubringen, die in die Erstellung des ISEK einfließen konnten.
Auf Grundlage des ISEK hat der Rat der Stadt Recklinghausen die Umsetzung von fünf Leitprojekten beschlossen, die den Kern der Transformation bilden: 1. Zukunftskonzept ehemalige Trabrennbahn 2. Städtebauliche Integration Blitzkuhlenstraße 3. Attraktive Mitte Gertrudisplatz 4. Stadtteilleben – vorhandenes vernetzen und ergänzen 5. Energetische Quartierssanierung
Für die Abwicklung dieser Projekte wurde die Stadtentwicklungsgesellschaft Recklinghausen mbH (SER) beauftragt, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt. Die Umsetzung des ISEK Hillerheide wurde im Herbst 2017 zur Förderung bei der Bezirksregierung Münster angemeldet, und der Zuwendungsbescheid für den ersten Förderabschnitt wurde Ende 2018 erteilt.
Das Leitprojekt „Energetische Quartierssanierung“
Ein zentraler Baustein der Transformation ist das Leitprojekt „Energetische Quartierssanierung“, das im Rahmen des „InnovationCity roll out“ Projektes verankert ist. Die Innovation City Management GmbH (ICM) erarbeitete 2017 ein Integriertes energetisches Quartierskonzept (IEQK), dessen Umsetzung 2018 im Umweltausschuss der Stadt Recklinghausen beschlossen wurde. Dieses Konzept bildet die Grundlage für die Sanierungsmaßnahmen im Quartier.
Im April 2020 wurde die ICM mit der Umsetzung des Konzeptes beauftragt, unterstützt durch ein KfW-gefördertes Sanierungsmanagement. Für die Bürgerinnen und Bürger ergeben sich daraus konkrete Vorteile: Zum einen profitieren sie von einem umfangreichen Beratungs- und Veranstaltungsangebot rund um das Thema „Energetische Sanierung“. Zum anderen führen die Maßnahmen langfristig zu sinkenden Energiekosten und reduzierten CO2-Emissionen, was sowohl dem Klimaschutz als auch der Steigerung der Lebensqualität dient.
Förderung durch die kommunale Förderrichtlinie
Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist ein wichtiger Bestandteil der klimagerechten Quartiersentwicklung. Um die Umsetzung zu unterstützen, hat die Stadt Recklinghausen eine kommunale Förderrichtlinie aufgelegt. Diese soll Bürgern finanzielle Unterstützung für Sanierungsmaßnahmen bieten, sofern diese im Einklang mit dem Quartierskonzept stehen.
Voraussetzung für die Beantragung dieser kommunalen Fördermittel war eine unabhängige Energieberatung. Diese musste vor dem 31. März 2025 erfolgen. Die Beratung fand im Sanierungsbüro im Stadtteilbüro Hillerheide (Heidestraße 6, 45659 Recklinghausen) statt. Ansprechpartner vor Ort waren Steffen Wüller und Lily Sondermann.
Im Sanierungsbüro konnte bis Ende März 2025 eine umfassende und kostenlose Erstberatung in Anspruch genommen werden. Im Rahmen dieser Beratung wurden Sanierungsmaßnahmen besprochen und erläutert, welche Förderprogramme zum jeweiligen Vorhaben passten. Dabei wurden konkrete Handlungsvorschläge vor dem Hintergrund der technischen und wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit sowie der individuellen Möglichkeiten der Eigentümer gegeben.
Solardachkataster und Potenzialanalyse
Ein wesentlicher Bestandteil der energetischen Sanierung ist die Nutzung erneuerbarer Energien. Im Kontext des Projekts wurde ein Solardachkataster erstellt. Hierbei werden Einflussfaktoren wie Dachflächengröße, Ausrichtung, Neigung und Verschattung durch umliegende Bäume und Bauwerke sowie die mittlere Sonneneinstrahlung berücksichtigt, um das Potenzial für Photovoltaik-Anlagen zu bewerten.
Das städtebauliche Leitprojekt: Die Transformation des Trabrennbahnareals
Parallel zur energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden schreitet die städtebauliche Entwicklung des ehemaligen Trabrennbahnareals voran. Seit 2014 bemüht sich die Stadt Recklinghausen um eine Revitalisierung dieser Brachfläche. Das Rahmenplanungskonzept „Wohnen am Wasser“ konkretisiert die Vision für dieses Areal.
Rückbau und Baufeldfreimachung
Die Umsetzung des Areals erfordert umfangreiche vorbereitende Maßnahmen. Im Herbst 2020 starteten die Rückbauarbeiten zur Baufeldfreimachung. Laut Stand Juni 2020 wurden bereits die ehemaligen Stallanlagen auf der Ostseite sowie Wohn-, Werkstatt- und Lagergebäude auf der Westseite zurückgebaut.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem großen Tribünenkomplex. Hier erfolgt aktuell die Entkernung und Schadstoffsanierung. Diese Arbeiten sind notwendig, um das Areal für die neue Bebauung vorzubereiten und sicherzustellen, dass keine schädlichen Substanzen in den Boden oder die Umgebung gelangen. Die SER dokumentiert diese Schritte auf ihrer Homepage mit entsprechenden Bildergalerien, um die Bürgerschaft über den Fortschritt zu informieren.
Zeitplanung und Vermarktung
Die Planungen für das neue Wohnquartier schreiten voran. Nach Angaben aus dem Juli 2025 rechnet die Stadt Recklinghausen aktuell damit, dass voraussichtlich 2028 die ersten Häuser auf dem einstigen Trabrennbahn-Areal entstehen könnten. Die Umgestaltung der Hillerheide gilt derzeit als größtes Städtebauförderprojekt in Nordrhein-Westfalen (NRW).
Neben den technischen Aspekten spielt auch die Vermarktung eine Rolle. Längst gehen bei der SER Anfragen von Bürgerinnen, Bürgern oder Investoren ein, die an einem der entstehenden Wohnbaugrundstücke interessiert sind. Über den Menüpunkt „Vermarktung“ auf der Projekthompage können sich Interessierte in eine Liste eintragen lassen, um bei Beginn der Vermarktungsaktivitäten informiert zu werden.
Weitere Leitprojekte: Blitzkuhlenstraße und Gertrudisplatz
Die Entwicklung des Trabrennbahnareals ist eng mit der Aufwertung der umliegenden Infrastruktur verknüpft. Das Leitprojekt „Städtebauliche Integration Blitzkuhlenstraße“ und „Attraktive Mitte Gertrudisplatz“ zielen darauf ab, die Verkehrsführung und die Aufenthaltsqualität im Umfeld der Brachfläche zu verbessern. Konkrete Planungen für die Umgestaltung der Blitzkuhlenstraße/Herner Straße und des Gertrudisplatzes sind in Arbeit. Noch im Jahr 2025 sollen die Arbeiten an zwei Stellen vorangehen, um die Vision eines lebenswerten Quartiers Schritt für Schritt zu realisieren.
Informationsmanagement und Bürgerbeteiligung
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines solch umfangreichen Projekts ist die transparente Kommunikation. Die SER hat hierfür eine eigene Hompage eingerichtet: www.isek-hillerheide.de.
Auf dieser Plattform finden interessierte Bürgerinnen und Bürger Informationen zu: - Laufenden Baumaßnahmen - Planungsprozessen zur Stadtteilentwicklung - Der Historie der Trabrennbahn - Den Leitprojekten des ISEK Hillerheide - Dem Menüpunkt „Vermarktung“ für Interessenten
Zusätzlich wird über eine Verlinkung zur Facebookseite des Caritasverbandes, der mit dem Stadtteilmanagement beauftragt wurde, über geplante Angebote und Aktionen im Stadtteil informiert.
Fazit
Das Projekt „InnovationCity Recklinghausen-Hillerheide“ demonstriert auf eindrucksvolle Weise, wie eine integrierte Planung von städtebaulicher Entwicklung und technischer Gebäudesanierung erfolgen kann. Durch die Verknüpfung von fünf Leitprojekten – angefangen bei der energetischen Quartierssanierung über die Revitalisierung des Trabrennbahnareals bis hin zur Aufwertung von Verkehrswegen und Plätzen – entsteht ein ganzheitliches Konzept zur Steigerung der Lebensqualität und zum Klimaschutz.
Für Eigentümer von Bestandsgebäuden im Quartier bietet das Projekt konkrete Unterstützung durch kostenlose Energieberatungen und finanzielle Fördermittel. Für die gesamte Stadtentwicklung dient das Vorhaben als Modellfall für die Transformation von Stadtteilen im Ruhrgebiet. Mit dem Ziel, im Jahr 2028 die ersten Häuser im neuen Wohnquartier „Wohnen am Wasser“ zu übergeben, befindet sich das Projekt auf einem vielversprechenden Kurs. Die kontinuierliche Information der Bürgerschaft über die Projekthompage gewährleistet dabei die notwendige Transparenz und Einbindung aller Beteiligten.