Serielle Sanierung in München-Fürstenried West: Konzepte, Energiestandards und Mobilität

Die Sanierung von Wohnquartieren aus den 1960er und 1970er Jahren stellt eine der zentralen Aufgaben der modernen Stadtentwicklung in Deutschland dar. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Großbaustelle ist das Quartier Fürstenried West in München. Unter der Leitung der Bayerischen Versorgungskammer und in Zusammenarbeit mit internationalen Projektentwicklern und lokalen Fachplanern wird hier ein einzigartiges Sanierungsprojekt umgesetzt, das weit über das reine Renovieren von Bausubstanz hinausgeht. Ziel ist die Entwicklung eines zukunftsfähigen, energieeffizienten und sozial durchmischten Stadtteils.

Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtigen Aspekte der Sanierung in Fürstenried West, basierend auf den vorliegenden Projektbeschreibungen, Machbarkeitsstudien und Veröffentlichungen. Der Fokus liegt dabei auf den angewandten Bauweisen, den energetischen Standards, der Energieversorgung sowie den innovativen Mobilitätskonzepten.

Das Quartier Fürstenried West: Ausgangslage und Ziele

Das Quartier Fürstenried West wurde in den 1960er und 1970er Jahren errichtet und beherbergt aktuell etwa 2.500 Einwohner. Der Bedarf an einer umfassenden Erneuerung ist gegeben, da die Bausubstanz und die Infrastruktur dem heutigen Standard oft nicht mehr entsprechen.

Das übergeordnete Ziel des Projekts, das unter dem Begriff „FÜRstenried West“ läuft, ist die Sanierung des Bestands und die Nachverdichtung durch Neubauten. Bis 2030 soll hier ein modernes Gesamtquartier entstehen. Die Bayerische Versorgungskammer als Eigentümer plant, 1.500 Bestandswohnungen zu sanieren und zusätzlich circa 600 Wohnungen neu zu errichten. Ein Kernanliegen ist dabei der Erhalt bezahlbaren Wohnraums. Insgesamt sind in diesem Areal rund 650 dringend benötigte, bezahlbare Mietwohnungen geplant, wovon etwa ein Drittel sozial gefördert wird.

Die Entwicklung folgt einem Leitbild des zukunftsfähigen Wohnens, das den Erhalt des bestehenden Quartiers mit gezielten Modernisierungsmaßnahmen verbindet. Dies beinhaltet nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern auch die Etablierung eines ganzheitlichen Quartiersmanagements.

Strategien der Sanierung: Von der Machbarkeitsstudie zur seriellen Fassadensanierung

Die Sanierung in Fürstenried West erfolgt nach durchdachten Planungen, die sowohl die technische Machbarkeit als auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit prüfen.

Machbarkeitsstudien und Planungsphasen

Vor Beginn der eigentlichen Baumaßnahmen wurden detaillierte Machbarkeitsstudien durchgeführt. Ein Beispiel für diesen Planungsansatz ist die energetische Sanierung einer Doppelhaushälfte im Quartier, die als Pilotprojekt für familienfreundliches und modernes Wohnen dient. Hier wurde mithilfe einer Machbarkeitsstudie ein Konzept mit zwei Bauphasen entwickelt. Die erste Phase umfasst die Sanierung von Erd- und Obergeschoss (inklusive Fensteraustausch, Sanierung Küche und Sanitärbereich), während sich die zweite Phase auf das Unter- und Dachgeschoss konzentriert. Eine solche Phasenplanung ermöglicht es, die Bausubstanz schrittweise zu erneuern und die Erschließung (z. B. Treppen) effizient zu gestalten. Diese Arbeiten werden zwingend von Statikern und Energieberatern begleitet, um statische Sicherheit und energetische Optimierung zu gewährleisten.

Serielle Sanierung in Holzbauweise

Ein besonders innovativer Ansatz in Fürstenried West ist die Anwendung der seriellen Sanierung. Im Rahmen dieses Konzeptes werden zwei Bestandsgebäude mit insgesamt 77 Mietwohnungen saniert. Es handelt sich dabei um ein viergeschossiges Gebäude (24 WE) und ein neungeschossiges Gebäude (53 WE).

Bei der Sanierung kommt Holzbauweise zum Einsatz. Dies ist in der Bestandssanierung eine effiziente Methode, um die Gebäudehülle schnell und mit präziser Vorfertigung zu erneuern. Die Maßnahmen umfassen: * Eine energetische Optimierung bis hin zum Effizienzstandard EH 55 (Effizienzhaus 55). * Den Einbau von Photovoltaikanlagen auf Dach und Fassade zur Eigenstromerzeugung.

Zusätzlich gibt es Hinweise auf Sanierungen mit auskragenden Holzrahmenbau (HRB) Elementen, die bis zu 3,80 Meter auskragen. Solche konstruktiven Lösungen erlauben eine Erweiterung der Wohnfläche oder die Gestaltung von Balkonen ohne den Einsatz von klassischen Stahlbetonvorsprüngen, was das Gewicht reduziert und die Montage beschleunigt.

Energieversorgung: Das Machbarkeitskonzept für ein nachhaltiges Quartier

Die Energieversorgung eines so großen Quartiers erfordert eine sorgfältige Überprüfung bestehender und zukünftiger Systeme. Fürstenried West verfügt aktuell über eine Fernwärmeversorgung durch den lokalen Energieversorger.

Im Vorfeld der Sanierung wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um die Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit zu evaluieren. Das Ziel war der Vergleich der bestehenden Fernwärme mit alternativen, nachhaltigen Konzepten. Die Studie, die von dem international agierenden Projektentwickler Hines im Auftrag der Bayerischen Versorgungskammer durchgeführt wurde, identifizierte als vielversprechendste Energieträger für die Zukunft: * Erd- bzw. Biogas * Grundwasser- bzw. Luftwärmepumpen

Die Entscheidung für eine zukünftige Versorgung muss hier abwägen, ob eine zentrale Lösung (Fernwärme) oder dezentrale Systeme (Wärmepumpen) im Zuge der Ver- und Entsorgung des gesamten Quartiers wirtschaftlicher und ökologischer sind. Die Integration von Photovoltaikanlagen, wie sie bereits in den Neubauten und sanierten Gebäuden geplant ist, unterstützt die Elektrifizierung der Wärmeversorgung durch Wärmepumpen erheblich.

Mobilitätskonzept: Reduzierter Stellplatzschlüssel und Quartiersmanagement

Ein wesentlicher Aspekt moderner Quartiersplanung ist die Verkehrswende. In Fürstenried West wird dieser Ansatz konsequent verfolgt. Die Planungsgesellschaft „stattbau münchen“ wurde beauftragt, ein umfassendes Mobilitätskonzept zu erstellen.

Besonders bemerkenswert ist die Festlegung eines reduzierten Stellplatzschlüssels von 0,6 für den gesamten Geltungsbereich des Bebauungsplans. Das bedeutet, dass auf zehn Wohnungen nur sechs Stellplätze für PKW vorgesehen sind. Dieser Wert wurde bereits auf der Ebene des Bebauungsplans festgesetzt, um eine abwägungssichere Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs zu erreichen.

Ziel des Konzepts ist nicht nur die Reduzierung der Stellplätze, sondern auch die Etablierung eines Betreibermodells für ein umfassendes Mobilitätsmanagement. Dieses beinhaltet vermutlich Carsharing-Angebote und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie die Förderung der Fahrradnutzung. Die Planungen begannen bereits 2017, was die Vorausschau der Maßnahmen unterstreicht.

Bauausführung und Handwerk: Referenzen und Praxisbeispiele

Die Umsetzung der Sanierung und des Neubaus in Fürstenried West obliegt verschiedenen Fachfirmen, die über Referenzen ihre Expertise nachweisen.

Ein lokaler Akteur, der in diesem Kontext genannt wird, ist die Firma SMG Baumanagement. Laut ihrer Referenzliste realisierte das Unternehmen 2024 den Neubau von 18 Wohneinheiten in Forstenried. Solche Neubauten ergänzen die Sanierungsmaßnahmen und tragen zur Nachverdichtung bei. Die Referenzen des Unternehmens zeigen zudem die Vielfalt der angewandten Techniken, darunter: * Aufstockungen in Holzrahmenbau (z. B. in Darmstadt oder Alsbach) nach KfW 40-Standard. * Sanierungen mit auskragenden HRB-Elementen. * Neubauten von Doppelhaushälften und Mehrfamilienhäusern.

Auch architektonische Büros wie FV2 Architektur sind in die Detailplanung involviert, wie die Sanierung einer Doppelhaushälfte zeigt. Hier standen familienfreundliche Aspekte im Mittelpunkt, wie die Öffnung einer Fensterfront nach Süden zum Garten.

Ein weiteres Praxisbeispiel einer Sanierung in Fürstenried (REH) aus dem Jahr 2017 listet konkrete Gewerke auf, die für eine energetische Sanierung typisch sind: * Statische Ertüchtigung (wichtig für die Aufbringung neuer Dämmungen oder Veränderungen an der Bausubstanz). * Dämmung des Daches und Fassadendämmung. * Einbau von Dachflächenfenstern. * Verarbeitung von Holz für Fassaden, Laibungen und Balkone. * Spenglerarbeiten (metallene Abdeckungen und Rinne).

Diese detaillierten Aufzählungen belegen, dass in Fürstenried West Wert auf eine handwerklich hochwertige und denkmalpflegerisch anspruchsvolle Sanierung gelegt wird, die die Substanz erhalten und modernisieren.

Energieberatung und Förderung

Für private Eigentümer und Bauherren in der Region Forstenried, Fürstenried und Solln ist die Einbindung von Energieberatern entscheidend, um die wirtschaftlichen Vorteile der Sanierung zu nutzen. Lokale Energieberater bieten eine erste Beratung kostenlos und unverbindlich an.

Ein wichtiger Aspekt ist die Antragstellung und Abwicklung von Fördermitteln. Laut den vorliegenden Informationen können Zuschüsse für Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle und der Anlagentechnik in Höhe von 20% erlangt werden. Für Fachplanung und Baubegleitung sind sogar 50% Zuschuss möglich. Transparente Kostenaufstellungen und Festpreisgarantien sind dabei Kriterien für eine verlässliche Zusammenarbeit.

Fazit

Die Sanierung des Quartiers Fürstenried West in München ist ein Musterbeispiel für eine zukunftsorientierte Stadterneuerung. Der Ansatz verbindet den Erhalt bezahlbaren Wohnraums mit modernsten energetischen Standards und innovativen Mobilitätskonzepten.

Zentrale Erfolgsfaktoren sind: 1. Strategische Planung: Durch Machbarkeitsstudien werden technische und wirtschaftliche Konzepte vorab gesichert, sei es für die Energieversorgung (Erdgas/Wärmepumpen) oder für die Sanierung von Einzelobjekten (z. B. Phasenweise Sanierung von Doppelhaushälften). 2. Moderne Bauweisen: Der Einsatz von Holzrahmenbau (HRB) und serieller Sanierung ermöglicht eine energetische Aufwertung auf hohem Niveau (EH 55) bei schneller Bauausführung. 3. Nachhaltige Infrastruktur: Die Festlegung eines Stellplatzschlüssels von 0,6 und die Entwicklung eines Quartiersmanagements zeigen, dass Verkehrswende und soziale Aspekte fest in der Planung verankert sind. 4. Fachliche Exzellenz: Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Baumanagern, Architekten und Energieberatern sichert die Qualität der Umsetzung.

Für Bauherren, Eigentümer und Interessenten bietet Fürstenried West eine Vision davon, wie Altbausubstanz durch gezielte Maßnahmen energetisch, ästhetisch und sozial aufgewertet werden kann.

Quellen

  1. SMG Baumanagement - Referenzen
  2. ECB Concept - Quartier Fürstenried West: Machbarkeitsstudie Energieversorgung
  3. FV2 Architektur - Projekt Froh
  4. GE Architekten - Neues Projekt: Serielle Sanierung in Fürstenried West
  5. Stattbau München - Referenzen: Fürstenried West Mobilitätskonzept
  6. FS Energieberater - Forstenried-Fürstenried-Solln
  7. Holz-Bau-Wagen - Sanierung Fürstenried

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