Die sanierungs- und modernisierungsmaßnahmen in der Ostsee-Gemeinde Damp stellen ein herausragendes Beispiel für die Bewältigung komplexer Bauvorhaben im laufenden Betrieb dar. Zwei Großprojekte prägen das Bild der vergangenen Jahre: die Umwandlung des Ostsee-Resorts in ein Wikinger-Themenhotel und die vollständige Modernisierung des Haus Pamir der VAMED Rehaklinik Damp. Diese Projekte demonstrieren nicht nur handwerkliche Exzellenz, sondern liefern auch wertvolle Erkenntnisse über innovative Konzepte in der Touristik- und Gesundheitsimmobilienbranche. Für Bauherren, Projektentwickler und Handwerker sind die hier angewandten Methoden von hohem Interesse, insbesondere im Hinblick auf die Herausforderung, Sanierungen bei laufendem Betrieb durchzuführen.
Das Ostsee-Resort Damp: Konsequente Neukonzeption
Die Transformation des ehemaligen Ostsee-Resorts zum „Ostseehotel Midgard“ unterstreicht die Bedeutung einer durchdachten strategischen Neuausrichtung im Tourismussektor. Nach einer siebenmonatigen intensiven Bauphase wurde das Haus am 15. Mai 2020 als Vier-Sterne-Superior-Hotel wiedereröffnet. Das zentrale Konzept bildet eine durchgängige Wikinger-Storyline, die bereits in der Lobby mit einem kolossalen Baum als zentralem Element eines umgesetzten Wikingerdorfs beginnt. Zielgruppe sind vor allem Familien, die in der norddeutschen Region attraktive Urlaubsangebote suchen.
Technische Umsetzung und Materialien
Die technische Realisierung des Themenhotels erforderte den Einsatz moderner Trockenbau-Technologien. Um die filigranen Gestaltungen des Wikinger-Motivs schnell und präzise umzusetzen, wurden insgesamt ca. 4,2 km Trockenbau-Wände und ca. 6.700 m² Trockenbau-Decken installiert. Verarbeitet wurden rund 50.000 m² Trockenbau-Gipskartonplatten. Diese Bauweise ermöglichte eine zügige Fertigstellung und hohe gestalterische Flexibilität.
Ein ebenso wichtiger Faktor war die Verlegung von ca. 17.000 m² neuen Bodenbelägen. Die Auswahl funktionaler und hochwertiger Materialien war entscheidend für die Wahrnehmung von Komfort und Modernität. Das Ziel war die Schaffung eines hellen, modernen und komfortablen Umfelds, das sich nahtlos in das Wikinger-Design einfügt. Die Möblierung wurde ebenfalls komplett erneuert, um den Vier-Sterne-Superior-Ansprüchen gerecht zu werden.
Die VAMED Rehaklinik Damp: Modernisierung im laufenden Betrieb
Während das Hotelprojekt auf die touristische Nutzung ausgerichtet ist, stellt die Sanierung des Hauses Pamir der VAMED Rehaklinik Damp eine der komplexesten Aufgaben im modernen Bauwesen dar: die vollständige Modernisierung eines 15-stöckigen Gebäudes aus den späten 1960er Jahren innerhalb von nur sieben Monaten – und das bei laufendem Klinikbetrieb.
Ausgangslage und medizinische Infrastruktur
Die VAMED Rehaklinik Damp (bzw. Vitrea Rehaklinik Damp) verfügt über 731 Betten und ist eine führende Einrichtung für Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung. Jährlich werden etwa 9.950 stationäre Patienten behandelt. Das Spektrum umfasst orthopädische, neurologische, kardiologische, psychosomatische und nephrologische Erkrankungen sowie die Behandlung nach Operationen, Organtransplantationen und Unfällen.
Die Sanierung galt als notwendig, um die bauliche Substanz mit der medizinischen Exzellenz des Hauses in Einklang zu bringen. Wie Dr. John Näthke, Geschäftsführer der Klinik, betonte, waren die Damper Kliniken medizinisch schon seit Jahren ganz vorne, und mit dem Umbau galt dies nun auch für den Großteil der Räumlichkeiten am Standort.
Umfang der Sanierungsarbeiten
Die Modernisierungsarbeiten im Haus Pamir waren umfassend und betrafen nahezu alle technischen und funktionalen Bereiche. Folgende Bereiche wurden erneuert oder saniert:
- Tragende Leitungen: Rohr- und Elektroleitungen sowie Abwasser-, Heizungs- und Lüftungsschächte.
- Gebäudehülle: Fenster, Türen und Balkone.
- Innenausbau: Böden und die komplette Möblierung der 280 Patientenzimmer sowie 120 Büro- und Funktionsräume.
- Sicherheits- und Kommunikationstechnik: Brandmeldeanlagen und Telefonanlagen.
- Klima- und Umwelttechnik: Installation einer kontrollierten Be- und Entlüftungsanlage sowie neuer Heizkörper.
Besonders hervorzuheben ist die Anpassung an den aktuellen Stand der Umwelttechnik. Durch den Einbau moderner Lüftungs- und Heizsysteme wurde das Gebäude energetisch aufgewertet, was für die Langzeitkosten und Nachhaltigkeit der Immobilie entscheidend ist.
Herausforderung: Sanierung bei laufendem Betrieb
Die größte Herausforderung dieses Projekts war die Durchführung der Arbeiten, ohne den Klinikbetrieb zu unterbrechen. Für Patienten und Personal durfte die Belastung nicht zu hoch werden. Dies erforderte eine exzellente Planung und Koordination aller Beteiligten.
Lösungsansatz: Temporäre Ausweichquartiere
Die Lösung für dieses Problem war die vorübergehende Unterbringung von Patienten und Mitarbeitern in einem Flügel des benachbarten Ostseehotel Midgard während der intensivsten Bauphasen. Diese räumliche Trennung ermöglichte es den Handwerkern, ungestört und effizient zu arbeiten, während die Klinikbetreiber die medizinische Versorgung sicherstellen konnten.
Koordination und Teamarbeit
Die Koordination dieser komplexen Maßnahme erforderte Teamwork über alle Berufsgruppen hinweg. Wie Dr. Anja Spies, Ärztliche Direktorin der Rehaklinik, anerkannte, war allen Beteiligten klar, dass der Umbau eine Herausforderung darstellen würde. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sorgfältige Planung und Umsetzung Modernisierung und laufenden Betrieb nicht nur als Widerspruch erscheinen lassen, sondern durchaus gegenseitig unterstützen können. Die Fähigkeit, in schwierigen Phasen die Ruhe zu bewahren, war hierbei ein entscheidender Faktor für den Erfolg.
Vergleich der technischen Ansätze und Materiallösungen
Die beiden Sanierungsprojekte in Damp demonstrieren unterschiedliche technische Ansätze, die sich an der jeweiligen Nutzung orientieren.
Trockenbau im Hotelbau
Im Hotelbereich stand die Geschwindigkeit und Designflexibilität im Vordergrund. Die Verwendung von Trockenbau-Wänden und -Decken erlaubte es, das komplexe Wikinger-Theme schnell umzusetzen. Die Menge von über 50.000 m² Gipskartonplatten unterstreicht das Ausmaß des Innenausbaus.
Funktionalität und Haltbarkeit im Klinikklima
In der Klinik lag der Fokus auf Haltbarkeit, Hygiene und technischer Funktionalität. Die Erneuerung der gesamten Rohr- und Elektroleitungen sowie der Schächte war zwingend notwendig, um den modernen medizinischen Anforderungen gerecht zu werden. Die Installation neuer Heizkörper und einer Lüftungsanlage verbessert zudem das Raumklima für Patienten und Personal erheblich.
Bodenbeläge
In beiden Gebäuden spielte die Verlegung neuer Bodenbeläge eine zentrale Rolle. Im Hotel sorgen ca. 17.000 m² neue Beläge für den gewünschten Wohlfühlfaktor. In der Klinik werden Bodenbeläge gewählt, die hohen Belastungen standhalten und hygienischen Anforderungen genügen.
Fazit
Die Sanierungsprojekte in Damp, insbesondere die Modernisierung der VAMED Rehaklinik Damp und des Ostsee-Resorts, bieten wertvolle Lehren für die Bau- und Immobilienwirtschaft. Sie belegen, dass selbst umfangreiche Sanierungen mit hohem technischen Standard in kurzen Zeitfenstern realisierbar sind. Der Schlüssel zum Erfolg lag in einer detaillierten Vorplanung, dem Mut zu innovativen Lösungen (wie der temporären Ausweichquartiere) und dem engen Teamwork über alle Berufsgruppen hinweg.
Für Bauherren und Projektmanager bleibt festzuhalten, dass die Integration moderner Umwelttechnik und die strikte Einhaltung von Zeitplänen bei laufendem Betrieb machbar sind. Die Modernisierung des Hauses Pamir zeigt, dass es kein Widerspruch sein muss, Bestehendes zu sanieren, während der Betrieb weiterläuft – vorausgesetzt, die Koordination sitzt.