Moderner Campusneubau an der RUB: Eine Bestandsaufnahme des GC-Komplex-Rückbaus und Ersatzneubaus

Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) befindet sich in einem umfassenden Modernisierungsprozess. Ein zentrales Element dieser Campussanierung ist das Projekt „ENB GC“ (Ersatzneubau GC). Dieses Vorhaben umfasst den Abriss des alten GC-Komplexes und den Bau eines zeitgemäßen Studien- und Forschungsumfelds an gleicher Stelle. Für Immobilieninteressierte, Bauexperten und planende Architekten bietet der Verlauf dieses Projekts wertvolle Einblicke in die Planung, Durchführung und Zukunft von Großbauprojekten im universitären Kontext.

Projektübersicht und Ausgangslage

Der GC-Komplex an der Ruhr-Universität Bochum stammt aus der Gründungsphase der Universität in den späten 1960er Jahren. Er umfasst das Hochhaus GC, die Flachbauten GCFW und GBCF (Nord und Süd) sowie das Hörsaalgebäude HGC. Mit einer Gesamtnutzfläche von rund 20.000 Quadratmetern war das Gebäude über Jahrzehnte ein prägender Bestandteil des Campus.

Eine Untersuchung der Bausubstanz ergab jedoch, dass eine Sanierung des Komplexes nicht mehr wirtschaftlich oder technisch sinnvoll ist. Die Gebäude waren nicht mehr zeitgemäß, und die Anpassung an moderne Anforderungen von Studium, Forschung und Lehre war nur durch einen Neubau zu realisieren. Zudem enthalten die Gebäude aus den 60er Jahren eine Vielzahl von Stoffen, die nach heutigen Erkenntnissen als Schadstoffe einzustufen sind. In Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg und den Denkmalschutzbehörden des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) wurde daher der Entschluss zum Rückbau und zum Ersatzneubau gefasst.

Der Rückbau: Präzision und Sicherheit

Der Rückbau des GC-Komplexes ist ein komplexes Logistik- und Sicherheitsprojekt, das im Mai 2023 startete und laut Planung im Januar 2025 abgeschlossen wurde. Ziel der Maßnahme ist es, das Baufeld für den Neubau vorzubereiten.

Schadstoffsanierung als Priorität

Bevor die eigentlichen Abbrucharbeiten beginnen können, muss eine umfangreiche Schadstoffsanierung durchgeführt werden. Diese Aufgabe obliegt Fachleuten, die die gefährlichen Materialien mit besonderer Sorgfalt entfernen und fachgerecht entsorgen. Um die Nutzung angrenzender Gebäude und Hörsäle während der Sanierungsphase zu gewährleisten, werden regelmäßig Messungen durchgeführt. Ziel ist es, Schall- und Erschütterungswerte zu überwachen und sicherzustellen, dass der Campusbetrieb so wenig wie möglich gestört wird. Eine große Infoveranstaltung im August 2023, organisiert vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) gemeinsam mit der RUB, diente der Aufklärung über das Schall- und Erschütterungs-Monitoring sowie das Kommunikationskonzept.

Schrittweises Abtragungsverfahren

Der Rückbau erfolgt nicht durch einen groben Abbruch, sondern durch einen sorgfältigen, stockwerkweisen Abbau. Dieses Verfahren ist für das direkte Umfeld deutlich schonender als andere Abbruchvarianten. Der Ablauf gliedert sich wie folgt:

  1. Öffnung des Baufeldes: Zuerst werden die Flachbauten GCFW Süd und GBCF Süd abgetragen.
  2. Rückbau des Hochhauses: Das 13-geschossige Hochhaus GC wird Stück für Stück abgetragen.
  3. Abschluss: Zum Schluss folgen die Flachbauten GCFW Nord und GBCF Nord sowie das Hörsaalgebäude HGC.

Besondere technische Herausforderungen stellen die Demontage von 364 vorgehängten Balkonen sowie die Entsorgung des Erdaushubs im felsigen Boden dar. Als Baugrubensicherung kommen eine Spundwand und Berliner Verbau zum Einsatz.

Der Ersatzneubau: Architektur und Technik

Während der Rückbau noch andauert, stehen die Planungen für den Neubau bereits in den Startlöchern. Der Ersatzneubau GC soll bis Ende 2028 fertiggestellt und nach einer Inbetriebnahmephase im Frühjahr 2029 an die RUB übergeben werden. Die Aufnahme des ersten Betriebs wird für das Wintersemester 2029/30 angestrebt.

Architektonische und technische Daten

Der Neubau wird auf dem gleichen Grundriss wie der Vorgänger errichtet, aber mit modernster Technologie ausgestattet. Er wird sich nahtlos in das Gesamtbild des denkmalgeschützten Campus einfügen.

Die geplanten Abmessungen und Kennzahlen sind imposant: * Länge: 100 m * Breite: 66 m * Höhe: 25 m * Umbauter Raum (BRI): 156.000 m³ * Bruttogrundfläche (BGF): 36.000 m²

Nutzung und Ausstattung

Das neue Gebäude soll eine leistungsfähige Infrastruktur für die Universität bereitstellen. Die Nutzungsplanung umfasst: * Lehr- und Vortragsbereich: Drei große Hörsäle mit insgesamt 1.200 Plätzen. * Büro- und Arbeitsbereich: 550 Büroräume für Verwaltung und Wissenschaftler. * Seminare und Lehre: 35 Seminarräume. * Spezialbereiche: Eine Bibliothek, ein Gerichtslabor und ein Gerichtssaal (letztere deuten auf eine Nutzung durch rechtswissenschaftliche Fakultäten hin).

Als Hauptnutzer ist die Fakultät für Philologie mit ihrer Fachbibliothek vorgesehen. Zusätzlich werden das Institut für Deutschlandforschung, das Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) und der Optionalbereich Räume im Gebäude ihren Platz finden. Für die Bauausführung zeichnet die Ed. Züblin AG (Köln) verantwortlich, die Architekturplant stammt von HENN Architekten (München).

Zeitplan und Projektstatus

Das Projekt ist in klar definierte Phasen unterteilt, die eine lückenlose Umsetzung gewährleisten sollen.

  • Vorbereitende Maßnahmen (Juli 2023): Sperrung von Parkplätzen und Straßen, Übergabe der Flächen an die Baufirma, Errichtung eines Container-Dorfs.
  • Rückbau (Mai 2023 – Januar 2025): Schadstoffsanierung und Abbruch der Gebäude.
  • Vorbereitung Neubau (ab Anfang 2025): Profilierung der Baugrube, Unterfangungen an der Nachbarbebauung, Sanierung der Betonmauer entlang der G-Nordstraße (Träger der Verbindungbrücken).
  • Kernbauzeit (2025 – 2028): Errichtung des Neubaus.
  • Fertigstellung und Übergabe (Ende 2028 / Frühjahr 2029): Inbetriebnahme und Übergabe an die RUB.
  • Erste Nutzung (Wintersemester 2029/30): Geplante Aufnahme des Betriebs.

Die beteiligten Akteure

Ein Großprojekt dieser Größe erfordert eine professionelle Steuerung durch erfahrene Institutionen.

  • Bauherr: Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) in Dortmund ist verantwortlich für die Planung und Durchführung. Der BLB NRW fungiert als Initiator und koordiniert die Zusammenarbeit mit der Universität und den Behörden.
  • Nutzer: Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) als Eigentümerin und späterer Betreiber des Gebäudes.
  • Planer und Ausführende:
    • Architektur: HENN Architekten.
    • Bauausführung: Ed. Züblin AG.
    • Statik und Überwachung: Für das Vorgängerprojekt „GD“ (das Ersatzgebäude für die Geisteswissenschaften, das 2018 fertiggestellt wurde) wurden baustatische Prüfungen und Bauüberwachungen durchgeführt. Es ist zu erwarten, dass ähnliche Fachleute auch beim GC-Neubau involviert sind.
  • Behörden: Die Bezirksregierung Arnsberg und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sind als zuständige Denkmalschutz- und Genehmigungsbehörden in den Prozess eingebunden.

Einordnung in die Campussanierung

Das Projekt ENB GC ist kein isoliertes Vorhaben, sondern Teil einer umfassenden Campussanierung der RUB. Ein vergleichbares Projekt war der Bau des Gebäudes GD (Geisteswissenschaften D), das von 2014 bis 2018 errichtet wurde. Dieses Gebäude (36.000 m² BGF, 90 Mio. Euro Baukosten) diente als Zwischenlösung, um die Fakultäten für Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften aufzunehmen, während die alten Gebäude der G-Reihe saniert werden konnten. Der Neubau GC setzt diese Strategie der „rollierenden Sanierung“ fort und schließt den Kreislauf für die Geisteswissenschaften.

Fazit

Der Rückbau des GC-Komplexes und der geplante Ersatzneubau an der Ruhr-Universität Bochum stehen exemplar für moderne Sanierungsstrategien im Hochschulbau. Die Entscheidung für den Abbruch anstelle einer Sanierung wurde auf Basis fundierter Untersuchungen getroffen, die den hohen Schadstoffgehalt und die Unzulänglichkeiten der alten Bausubstanz offenlegten. Die Umsetzung geschieht unter strenger Einhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards, um die Funktionalität des Campus zu erhalten.

Das neue Gebäude GC verspricht ein hochwertiges, flexibles und technisch modernes Umfeld für Lehre und Forschung. Mit einer Bruttogrundfläche von 36.000 m² und einer hochwertigen Ausstattung wird es die geisteswissenschaftlichen Fakultäten zukunftssicher unterbringen. Für Bauinteressierte zeigt das Projekt zudem die Bedeutung von Langzeitplanung: Zwischen der Entscheidung für den Abriss und der vollständigen Nutzungsaufnahme liegen mehr als sechs Jahre. Die Fertigstellung ist für Ende 2028 geplant, die Vollnutzung ab dem Wintersemester 2029/30.

Quellen

  1. BLB NRW - Rückbau des GC-Gebäudes am Campus Bochum beginnt
  2. KUP Ingenieurgesellschaft - Neubau Gebäude GD Ruhr-Universität Bochum
  3. Becker-UG - Ruhruniversität Bochum GC-Komplex
  4. RUB - Ersatzneubau GC Übersicht
  5. RUB - Über das Projekt ENB GC

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