Sanierung und Modernisierung der 68. Schule in Leipzig: Ein Fallbeispiel für Bildungsinfrastruktur

Die Modernisierung von Bildungseinrichtungen stellt eine zentrale Aufgabe für Städte und Gemeinden dar, um zeitgemäße Lernbedingungen zu gewährleisten und Energieeffizienz zu steigern. Ein prominentes Beispiel für eine solche umfassende Baumaßnahme ist die Sanierung der 68. Oberschule in Leipzig, auch bekannt als Schule Breitenfelder Straße. Dieser Artikel beleuchtet die Planung und Umsetzung des Projekts, das zwischen 2013 und 2014 realisiert wurde. Er analysiert die architektonischen Entscheidungen, die energetischen Aspekte sowie die finanziellen Rahmenbedingungen und zieht Parallelen zu aktuellen Entwicklungen in der Leipziger Baustrategie.

Hintergrund und Ausgangslage des Projekts

Die 68. Schule in Leipzig, eine 3-zügige Mittelschule mit rund 500 Schülern, befindet sich in einem gründerzeitlichen Gebäudekomplex. Ursprünglich wurde der Bau in den Jahren 1890/1891 nach Plänen des Architekten Franz Hannemann als Volksschule im Leipziger Stadtteil Gohlis errichtet. Über die Jahrzehnte entwickelte sich der Komplex zu einer städtebaulichen Dominante entlang der Georg-Schumann-Straße.

Mit fortschreitendem Alter des Gebäudes und veränderten Anforderungen an den Schulbetrieb ergab sich die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Erneuerung. Ziel der Maßnahme war es, einerseits die denkmalgeschützte Bausubstanz zu erhalten und andererseits die räumlichen Voraussetzungen für eine moderne Mittelschule mit Ganztagsangebot zu schaffen. Ein besonderer Kritikpunkt war die Eignung der historischen Turnhallen für den zeitgemäßen Sportunterricht, die als unzureichend eingestuft wurde.

Umfassende Sanierung und denkmalgerechte Instandsetzung

Die Sanierung des Bestandsgebäudes war als komplexe Aufgabe konzipiert. Neben der energetischen Modernisierung galt es, das Raumprogramm für eine dreizügige Mittelschule umzusetzen. Ein zentrales Ziel war der Abbau eines bestehenden Flächendefizits, um die Anforderungen an Ganztagsschulen zu erfüllen.

Eine entscheidende Maßnahme war der Umbau der alten Turnhallen. Anstatt diese abzureißen, entschieden sich die Planer für eine Umnutzung zu einem Mehrzweckgebäude. In diesem neuen Gebäudebereich wurden eine Schulspeisung (Mensa), eine Bibliothek sowie ein Informationsbereich und sogenannte „Ganztagsschulen-Attraktive“ (GTA) untergebracht. Diese Entscheidung war nicht nur funktional, sondern trug auch dazu bei, die Wirkung des historischen Schulkomplexes im Straßenraum zu erhalten.

Neubau einer modernen Zweifeld-Sporthalle

Da die historischen Turnhallen den Anforderungen des modernen Sportunterrichts nicht mehr genügten, wurde ein Neubau notwendig. Im nördlichen Grundstücksbereich entstand eine moderne Zweifeld-Sporthalle. Diese wurde nicht nur funktional gestaltet, sondern setzte auch Maßstäbe in der Energieeffizienz. Der Neubau wurde im energetischen Standard eines Passivhauses umgesetzt, was einen extrem geringen Energiebedarf für Heizung und Kühlung garantiert.

Gestaltung der Außenanlagen und Barrierefreiheit

Neben den Gebäudearbeiten umfasste das Projekt die Neugestaltung der Schulhoffläche von etwa 3.200 m². Die Planung legte Wert auf die Integration vorhandener Bäume. Diese erhielten große Pflanzscheiben, die von Viereck-Bänken umgeben sind und als Aufenthaltsräume für die Schüler dienen.

Eine besondere Herausforderung stellte das topografische Gefälle des Geländes dar. Das Gelände steigt zur neuerrichteten Sporthalle um 1,40 Meter an. Um nutzbare, ebene Flächen zu schaffen, wurde das Gelände terrassiert. Um die Verbindung zwischen dem Schulgebäude und der Sporthalle sicherzustellen und Barrierefreiheit zu gewährleisten, wurde eine fußläufige Verbindung als Rampenweg ausgebaut.

Finanzielle Rahmenbedingungen und Förderung

Die Finanzierung des Projekts setzte sich aus verschiedenen Quellen zusammen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 10,4 Millionen Euro. Für die energetische Sanierung, die umfassende Modernisierung des Hauses und den Bau der Zweifeld-Sporthalle investierten der Freistaat Sachsen und der Bund insgesamt 6,9 Millionen Euro an Fördermitteln. Die verbleibenden Kosten wurden durch die Stadt Leipzig als Bauherrin getragen.

Die Bedeutung dieser Investition wurde von Seiten der Politik betont. Es wurde argumentiert, dass Investitionen in die Bildung eine hohe Rendite für die Gesellschaft brächten und beste Lernbedingungen unerlässlich seien.

Inklusion und Pädagogik im modernisierten Gebäude

Ein weiterer Aspekt der Modernisierung war die Schaffung von Räumlichkeiten, die inklusive Ansätze ermöglichen. Im Schuljahr 2013/2014 nahm die 68. Oberschule am Schulversuch „ERINA“ (Erprobung von inklusiven Ansätzen in Modellregionen) teil. In einer fünften Klasse wurden 15 Oberschüler gemeinsam mit neun Förderschülern (Schwerpunkt geistige Entwicklung) unterrichtet. Für die notwendige Ausstattung erhielt die Schule 15.000 Euro vom Kultusministerium.

Aktuelle Entwicklungen in der Leipziger Schulbaupolitik

Die Sanierung der 68. Schule ist ein Beispiel für die Bemühungen der Stadt Leipzig, ihre Bildungsinfrastruktur zu modernisieren. Aktuelle Daten zeigen, dass diese Bemühungen anhalten und sich sogar intensivieren. Die Stadt Leipzig hat eine Schul- und Kitabaustrategie für das Jahr 2022 beschlossen, die einen massiven Ausbau und die Sanierung von Bildungseinrichtungen vorsieht.

Laut aktuellen Berichten hat die Stadt seit dem Beschluss der Strategie in 32 neue Schulen, Schulerweiterungen oder Sanierungen investiert. Zusätzlich wurden sechs Bauprojekte für Kindertageseinrichtungen und sieben für Schulsporthallen abgeschlossen. Für das Jahr 2025 sind Baubeginne für 27 Projekte geplant, und elf weitere Projekte befinden sich aktuell in der Planungs- und Beschlussphase.

Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Sanierung. Laut Baubürgermeister Thomas Dienberg wird sich der Schwerpunkt der Baumaßnahmen in den kommenden Jahren zunehmend vom Neubau hin zu Erhalt und Sanierung verlagern. Dies unterstreicht die Relevanz von Bestandsmodernisierungen, wie sie an der 68. Schule durchgeführt wurden. Im kommenden Jahr sollen allein an Schulen rund 200 Millionen Euro investiert werden.

Um die Transparenz über diese umfangreichen Maßnahmen zu gewährleisten, hat die Stadt Leipzig ein Dashboard online gestellt. Unter www.leipzig.de/schul-kitabaustrategie können Bürger, Eltern und Stadtratsmitglieder die aktuellen und geplanten Baumaßnahmen auf einer Stadtkarte einsehen. Dieses Informationsangebot soll dazu beitragen, die Übersicht über die vielen Baustellen zu behalten und die Öffentlichkeit in den Prozess einzubeziehen.

Fazit

Die Sanierung der 68. Schule in Leipzig zwischen 2013 und 2014 dient als ein lehrreiches Beispiel für die erfolgreiche Verbindung von Denkmalschutz, modernen Anforderungen an den Schulbetrieb und hoher Energieeffizienz. Durch den Umbau der historischen Hallen und den Neubau einer Passivhaus-Sporthalle konnte ein Gebäudekomplex erhalten und gleichzeitig auf ein zukunftsfähiges Niveau gehoben werden. Die finanzielle Unterstützung durch Bund und Land unterstreicht die Bedeutung solcher Projekte. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Baustrategie der Stadt Leipzig, dass die Modernisierung der Bildungsinfrastruktur ein Dauerthema bleibt, bei dem Sanierung und Erhalt eine immer wichtigere Rolle spielen.

Quellen

  1. Amin La - Projekte
  2. Medienservice Sachsen
  3. Hoffmann & Hofmann - Referenzen
  4. Kommune 21 - Dashboard
  5. L-IZ - Leipzig Bildet

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