Historische Alexander-Barracks in Berlin-Spandau: Analyse der Bausubstanz und Konzepte für eine zukünftige Nutzung

Die Transformation historischer Militäranlagen in zivile Wohn- und Gewerbegebiete stellt Bauherren, Planer und Denkmalpfleger vor besondere Herausforderungen. Ein herausragendes Beispiel für diese Entwicklung ist das Areal der ehemaligen Alexander-Barracks im Norden von Berlin-Spandau. Der Komplex, der einst als preußische Artillerie- und Garnisonskaserne diente und nach dem Zweiten Weltkrieg von britischen Streitkräften genutzt wurde, befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen.

Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen die historische Bausubstanz, den aktuellen Denkmalstatus und die konkreten Bauvorhaben, die eine Sanierung und Umnutzung des Geländes vorgeben. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Schnittstellung zwischen Erhalt historischer Substanz und modernen Anforderungen an den Wohnungsbau sowie die Infrastruktur.

Historischer Kontext und architektonische Bedeutung

Die bauliche Struktur des Areals geht auf das späte 19. Jahrhundert zurück und ist eng mit der militärischen Geschichte Spandaus verbunden. Die Entwicklung des Gebiets begann 1869 mit dem Bau eines Artilleriewagenhauses, nachdem der Sand des Geländes abgetragen worden war. Im Jahr 1881 folgten weitere Wagenhäuser, bevor zwischen 1877 und 1879 ein eigentlicher Kasernenbau für das 3. Garde-Grenadier-Regiment Königin Elisabeth errichtet wurde (Quelle 5).

Diese historische Bausubstanz ist bis heute erhalten. Die strukturgebenden, historischen Kasernengebäude befinden sich laut der Bestandsaufnahme in einem „passablen Zustand“ und stehen vorwiegend unter Denkmalschutz (Quelle 6). Die Architektur spiegelt den repräsentativen Charakter preußischer Militärbauten wider: Ein viergeschossiger Mittelbau, der durch einen Risalit hervorgehoben wird, flankiert zwei Türme, die zu viergeschossigen Seitenflügeln überleiten. Sämtliche Bauten sind mit Zinnen bekrönt und mit aufwendigen Gesimsen verziert. Während die Verbindungsbauten mit Satteldächern eingedeckt sind, besitzen alle anderen Gebäude Walmdächer (Quelle 5).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage von den britischen Streitkräften beschlagnahmt und zu Ehren des britischen Feldmarschalls Harold Alexander in „Alexander Barracks“ umbenannt. Bis zum Abzug der Briten im Jahr 1994 waren hier neben verschiedenen Transporteinheiten (Royal Corps of Transport) auch die Werkstatteinheit „Field Workshop, Royal Electrical and Mechanical Engineers“ (REME) stationiert (Quelle 5).

Denkmalgeschützte Substanz und Erhaltungsmaßnahmen

Für Bauherren und Investoren ist der Denkmalschutz ein entscheidender Faktor bei der Planung von Sanierungen. Das Bezirksamt Spandau hat ein Integriertes Standortentwicklungskonzept in Auftrag gegeben, um eine langfristig tragfähige Gestaltung, Nutzung und Entwicklung des Geländes der ehemaligen Alexander-Barracks-Kaserne sowie des angrenzenden Gewerbequartiers Neuendorfer Straße zu gewährleisten (Quelle 6).

Die denkmalgerechte Sanierung erfordert eine detaillierte Analyse der vorhandenen Bausubstanz. Da die historischen Gebäude unter Schutz stehen, sind Eingriffe in die Bausubstanz nur unter Einhaltung strenger Vorgaben möglich. Dies betrifft insbesondere die Fassaden, die Dachformen und die historischen Innenstrukturen. Die Tatsache, dass die Gebäude in einem passablen Zustand sind (Quelle 6), deutet darauf hin, dass eine Sanierung zwar notwendig, aber ohne Substanzverlust machbar ist.

Im Zuge der geplanten Entwicklung wurden verkehrsplanerische und schalltechnische Untersuchungen durchgeführt. Diese sind für die Beurteilung der Sanierungswürdigkeit und -fähigkeit von zentraler Bedeutung, da sie Aufschluss darüber geben, inwieweit die historische Bausubstanz den modernen Anforderungen an Lärmschutz und Verkehrssicherheit genügen kann (Quelle 3).

Moderner Neubau und modularer Baustil als Ergänzung

Parallel zur Sanierung der historischen Bausubstanz entstehen auf dem westlichen Grundstücksbereich, angrenzend an die Wohnbebauung der Schönwalder Straße, moderne Neubauten. Diese Entwicklung zeigt die Dualität von Denkmalschutz und modernem Bedarf. Ein zentrales Projekt ist der Neubau durch die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte auf einem Grundstück an der Ecke Askanierring und Schülerbergstraße (Quelle 4).

Besonders bemerkenswert ist hier die Bauweise: Es handelt sich um einen Neubau in modularer Bauweise. Modulares Bauen gewinnt insbesondere im Kontext von dringend benötigtem Wohnraum an Bedeutung, da es schnelle Bauzeiten und hohe Flexibilität ermöglicht. Der Neubau ist so konzipiert, dass er in der Erstnutzung als Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (GU 3) dient, in der Nachnutzung jedoch als Wohngebäude für den allgemeinen Wohnungsmarkt vorgesehen ist (Quelle 2).

Dieser Ansatz einer „flexiblen Nachnutzung“ ist ein zentrales Konzept der aktuellen Bauplanung in Berlin. Die beiden Baukörper des Neubaus entstehen auf dem westlichen Grundstücksbereich und bilden eine architektonische Ergänzung zur historischen Bebauung im Osten.

Konkrete Nutzungspläne: Zwischen temporärer Unterbringung und Dauerwohnen

Die Sanierung und Entwicklung des Areals verfolgt klare soziale und wirtschaftliche Ziele. In der Phase der Erstnutzung bietet der neue, in modularer Bauweise errichtete Komplex 128 Wohnungen für bis zu 570 geflüchtete Menschen (Quelle 4). Die Wohnungen sind für Familien mit Kindern, Wohngemeinschaften und Alleinstehende ausgelegt.

Für die Versorgung und Integration der Bewohner sind Gemeinschaftseinheiten und Sondernutzflächen geplant. Im Erdgeschoss der Neubauten sollen Räume entstehen, die voraussichtlich gemeinsam mit der lokalen Volkshochschule (VHS) für Sprachintegration und Gesundheitsbildung der Geflüchteten genutzt werden. Zudem ist ein großer Multifunktionsraum für bis zu 100 Personen vorgesehen (Quelle 2).

Diese Mischung aus Unterbringung und Infrastruktur zeigt, dass die Sanierung des Areals nicht nur bauliche Aspekte umfasst, sondern auch eine soziale Komponente integriert. Nach der Phase der Unterbringung von Geflüchteten sollen die Ein- bis Fünf-Zimmerwohnungen dem allgemeinen Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen (Quelle 4). Dies stellt sicher, dass die errichtete Bausubstanz langfristig genutzt wird und der Investitionsschutz gewährleistet ist.

Verkehrstechnische und schalltechnische Herausforderungen

Die Umnutzung einer ehemaligen Kaserne, die mitten in einem Wohngebiet liegt, bringt verkehrstechnische Herausforderungen mit sich. Eine verkehrsplanerische Untersuchung war daher ein integraler Bestandteil der Planung (Quelle 3). Das Areal befindet sich in einem hauptsächlich gewerblich genutzten Großblock, der vorwiegend von Wohnbauflächen umgeben ist und im Süden an das Vivantes Klinikum Spandau grenzt (Quelle 6).

Die Erhöhung der Einwohnerdichte durch den Neubau und die Nutzung der historischen Gebäude erfordert eine Anpassung der Verkehrsinfrastruktur. Ebenso wurde eine schalltechnische Untersuchung durchgeführt. Diese ist essenziell, um die Auswirkungen des Verkehrslärms auf die neuen Wohnungen zu bewerten und ggf. Schallschutzmaßnahmen für die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude zu planen.

Analyse der Sanierungspotenziale und Herausforderungen

Für Bauinteressenten und Fachleute ergeben sich aus der vorliegenden Datenlage folgende zentrale Punkte zur Sanierung des Areals:

1. Denkmalgerechte Sanierung vs. Neubau

Die historischen Gebäude (Alexander-Barracks) stehen unter Denkmalschutz. Eine Sanierung muss die architektonischen Details (Zinnen, Gesimse, Dachformen) erhalten. Der Neubau erfolgt hingegen in moderner modularer Bauweise, was eine klare Trennung zwischen Alt und Neu ermöglicht. * Altbausubstanz: Preußischer Ziegel- und Putzbau aus dem späten 19. Jahrhundert. * Neubau: Modulare Bauweise, flexibel anpassbar.

2. Nutzungskonzepte

Die Umnutzung folgt einem gestuften Konzept: * Phase 1 (Erstnutzung): Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (GU 3). * Phase 2 (Nachnutzung): Allgemeiner Wohnraum (Wohnungsmarkt). * Begleitende Infrastruktur: VHS-Räume, Multifunktionsräume.

3. Planerische Rahmenbedingungen

Die Entwicklung erfolgt auf Basis eines Bebauungsplanes (VIII-B11b) und eines Integrierten Standortentwicklungskonzepts. Verkehrs- und Schallschutzuntersuchungen sind bereits durchgeführt.

Fazit

Die Sanierung und Entwicklung des Alexander-Barracks-Areals in Berlin-Spandau ist ein Musterbeispiel für die Revitalisierung historischer Militärstandorte. Der Erhalt der denkmalgeschützten, historischen Bausubstanz aus dem 19. Jahrhundert steht hier im Einklang mit der Errichtung modernen, dringend benötigten Wohnraums in modularer Bauweise.

Für Bauherren und Planer zeigt das Projekt, wie durch ein abgestimmtes Konzept aus Denkmalschutz, temporärer Sozialnutzung und langfristiger Wohnbebauung städtebauliche Lücken geschlossen werden können. Die Integration von Infrastrukturmaßnahmen wie VHS-Räumen und die verkehrstechnische Einbindung in das umgebende Wohngebiet sind dabei ebenso entscheidend wie die bauliche Sanierung der historischen Substanz. Das Areal entwickelt sich von einer ehemaligen britischen Kaserne zu einem gemischten Wohn- und Gewerbequartier, das die historische Identität des Ortes mit den modernen Anforderungen an den Wohnungsmarkt verbindet.

Quellen

  1. BSP Schmidt - Alexander-Barracks
  2. WBM - Neubau Berlin Spandau Askanierring
  3. Hoffmann & Leichter - Verkehrliche und schalltechnische Untersuchung
  4. Immobilien Aktuell Magazin - WBM Neubau in modularer Bauweise
  5. Berlin.de - Landesdenkmalamt Alexander Barracks
  6. FJP Berlin - Landschaftsarchitektur Alexander Barracks

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