Einleitung
Die Sanierung von Kanalsystemen in Altrohrzustand III stellt eine besondere Herausforderung dar. In diesem Zustand weisen die Rohre erhebliche Schäden auf, die nicht nur die Dichtheit, sondern auch die statische Stabilität beeinträchtigen können. Längsrisse, Scherbenbildung oder punktuelle Belastungen gefährden die Funktion der Kanalisation und können zu weiteren Schäden führen, wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die Sanierung solcher Rohre verlangt nach einer grabenlosen, schnell durchführbaren und gleichzeitig dauerhaften Methode.
Der BRAWOLINER® von KOB bietet eine bewährte Lösung für die Sanierung von defekten Kanalsystemen in Altrohrzustand III. Dieses System vereint eine hohe Nennsteifigkeit mit der nötigen Flexibilität, wodurch es auch bei komplexen Rohrsystemen mit Bögen und Dimensionsänderungen eingesetzt werden kann. In diesem Artikel wird die Funktionsweise, Anwendungsbereiche sowie die Vorteile des BRAWOLINER®-Systems detailliert erläutert.
Was bedeutet Altrohrzustand III?
Altrohrzustand III ist ein Begriff aus der Kanalinspektion und klassifiziert Kanalrohre nach deren Schadensgrad. Rohre in diesem Zustand weisen erhebliche Schäden auf, die sowohl die Dichtheit als auch die Tragfähigkeit beeinträchtigen können. Typische Schadensbilder im Altrohrzustand III sind:
- Längsrisse
- Scherbenbildung
- Punktueller Bruch
- Durchhängen oder Verformung des Rohrprofils
- Undichtigkeiten
Diese Schäden entstehen oft aufgrund unsachgemäßer Installation, starker punktueller Belastungen oder seismologischer Aktivitäten. In solchen Fällen ist nicht nur die Dichtheit zu gewährleisten, sondern auch die Stabilität der gesamten Rohrstruktur muss wiederhergestellt oder erhalten werden.
Der BRAWOLINER® XT: Eine Innovation in der Kanalsanierung
Der BRAWOLINER® XT ist ein Produkt der KOB (Kanalsanierungs- und Bausysteme GmbH) und wird speziell für die Sanierung von Kanalsystemen in Altrohrzustand III eingesetzt. Der XT-Typ verfügt über eine deutlich höhere Nennsteifigkeit als herkömmliche Liner, was ihn für den Einsatz in statisch gefährdeten Rohrsystemen besonders geeignet macht. Gleichzeitig bleibt das Material jedoch flexibel genug, um Bögen und Dimensionsänderungen problemlos zu überwinden.
Technische Daten
- Nennweiten: DN 150 und DN 200
- Standardlängen: 25 m, 50 m oder 100 m
- Material: Nahtloser Textilschlauch mit Folienbeschichtung
- Einsatzbereich: Altrohrzustand III, Bögen bis zu 90°, bis zu zwei Dimensionsänderungen
Vorteile des BRAWOLINER®-Systems
Die Sanierung mit dem BRAWOLINER® bietet zahlreiche Vorteile gegenüber konventionellen Tiefbauverfahren:
Grabenlose Sanierung: Es ist nicht notwendig, den Boden zu öffnen oder Rohre freizulegen. Dies spart Zeit, Kosten und minimiert den Störfaktor für die Umgebung.
Kurze Sanierungszeit: Der BRAWOLINER® kann in einem Arbeitsgang eingesetzt und härtet innerhalb weniger Stunden aus.
Geringe Störung für Umgebung und Nutzer: Durch die grabenlose Technik entstehen keine Baustellen auf Straßen oder in Privatbereichen.
Hohe Dauerhaftigkeit: Das System ist dicht, robust und langlebig. Es wird zertifiziert nach Güteschutz Kanalbau S27.1 Brawoliner Warmwasser und S27.3 LED-härtendes Linersystem.
Flexibilität bei der Anwendung: Das System kann in Rohren mit Bögen bis 90° und bis zu zwei Dimensionsänderungen eingesetzt werden.
Universelle Einsatzfähigkeit: Der BRAWOLINER® kann in fast allen Altrohrmaterialien verwendet werden, darunter PVC, PE, Beton, Ton und Stahl.
Ablauf der BRAWOLINER®-Sanierung
Der Einsatz des BRAWOLINER® erfolgt nach einem standardisierten Prozess, der sicherstellt, dass die Sanierung dauerhaft und zuverlässig ist.
1. Reinigung und Vorbereitung des Altrohres
Bevor die eigentliche Sanierungsmaßnahme beginnt, wird das Altrohr mit Hochdruck gereinigt. Dabei werden Ablagerungen, Schmutz und Hindernisse beseitigt. Robotertechnik wird eingesetzt, um Hindernisse im Rohr zu entfernen. Vor und nach der Reinigung werden TV-Dokumentationsvideos erstellt, um die Freiheit des Rohres zu bestätigen.
2. Imprägnierung und Einbau des Liners
Der Schlauchliner wird vor Ort in einem LKW mit Exporzidharz getränkt. Anschließend wird er über eine Wassersäule im Kanal inversiert – das bedeutet, der Liner wird umgestülpt und durch den Wasserdruck in das Altrohr verlegt. Das Wasser wird anschließend erhitzt, wodurch das Harz härtet und ein kraftschlüssiges System zwischen Altrohr und Liner entsteht.
3. Öffnung der Abzweige
Nachdem der Liner vollständig verlegt und ausgehärtet ist, werden die Abzweigstellen mit Fräsrobotern geöffnet. Bei defekten Stutzen oder Abzweigbereichen können diese mittels Hutprofiltechnik saniert werden.
4. Abschluss und Wiederinbetriebnahme
Nach Abschluss der Sanierung wird das System erneut untersucht, um die Dichtheit und Stabilität zu bestätigen. Das Rohrsystem ist danach wieder voll funktionsfähig und für viele Jahre dicht und belastbar.
Anwendungsbereiche des BRAWOLINER®
Der BRAWOLINER® eignet sich für eine Vielzahl von Anwendungen, insbesondere bei komplexen Rohrsystemen:
- Hausanschlüsse und Grundleitungen: Von der Kellerentwässerung bis zur Kanalisation.
- Fallstränge: Dachentlüftungssysteme bis hin zu Grundleitungen.
- Gewerbe- und Industrieleitungen: Unter Berücksichtigung der Abwasserzusammensetzung.
- Bögen und Dimensionsänderungen: Der BRAWOLINER® 3D und BRAWOLINER® XT sind für bis zu 90° Bögen und bis zu zwei Dimensionsänderungen geeignet.
- Einsatz durch Schächte und Revisionsöffnungen: Kein Ausgraben notwendig.
Produktvarianten des BRAWOLINER®
Zur Anpassung an unterschiedliche Sanierungsbedingungen bietet BRAWOSYSTEMS verschiedene Varianten des BRAWOLINER® an:
- BRAWOLINER® 3D: Für komplexe Rohrverläufe mit mehreren Bögen.
- BRAWOLINER® XT: Für statisch gefährdete oder nicht mehr tragfähige Rohrsysteme (Altrohrzustand III) mit Bögen und Dimensionsänderungen.
Die Produktentwicklung wurde von unabhängigen Tests bestätigt: Beim IKT-Warentest (Institut für Kanal- und Tiefbau) erreichte der BRAWOLINER® mehrfach den ersten Platz.
Kosten- und Zeitfaktoren
Die Sanierung mit dem BRAWOLINER® ist im Vergleich zu konventionellen Tiefbauverfahren in der Regel kostengünstiger. Die grabenlose Methode reduziert den Material- und Arbeitsaufwand erheblich. Zudem ist die Sanierung deutlich schneller durchzuführen, was zu einer geringeren Ausfallzeit führt und weniger Störungen für die Nutzer verursacht.
Im Durchschnitt kann eine Sanierungsmaßnahme mit dem BRAWOLINER® innerhalb weniger Stunden durchgeführt werden, abhängig von der Länge und Komplexität des Rohrsystems. Die Investition lohnt sich vor allem durch die Dauerhaftigkeit der Sanierung und die geringeren Wartungskosten im Vergleich zu herkömmlichen Methoden.
Fazit
Die Sanierung von Kanalsystemen in Altrohrzustand III ist eine Herausforderung, die sowohl die Dichtheit als auch die Stabilität der Rohre wiederherstellen muss. Der BRAWOLINER® bietet eine bewährte, grabenlose Lösung, die sich durch ihre Flexibilität, Dauerhaftigkeit und geringe Kosten hervorragend eignet.
Mit dem BRAWOLINER® XT ist es möglich, selbst schwierige Rohrverläufe mit Bögen und Dimensionsänderungen zu sanieren. Die grabenlose Technik, die kurze Durchführung und die dauerhafte Dichtigkeit machen das System zur ersten Wahl für Bauherren, Tiefbaubetriebe und Kanalbauunternehmen.
Durch die einfache Anwendung und die breite Anwendbarkeit in verschiedenen Altrohrmaterialien ist der BRAWOLINER® eine flexible und effektive Sanierungsvariante, die sowohl in der Wohnbaulandschaft als auch in der Industrie eingesetzt werden kann. Insgesamt ist das BRAWOLINER®-System eine moderne, zuverlässige und wirtschaftliche Alternative zum konventionellen Tiefbau.