Die Sanierung von Wohnsiedlungen, die unter den Herausforderungen eines hohen Grundwasserspiegels leiden, stellt eine komplexe Aufgabe für Bauunternehmen, Kommunalverwaltung und Anwohner dar. Am Beispiel der Siedlung Rislerdyk in Krefeld lässt sich exemplarisch aufzeigen, wie langfristige Planungen, technische Maßnahmen zur Grundwasserabsenkung und die tägliche Lebensqualität der Bewohner in einem empfindlichen Gleichgewicht stehen. Der folgende Artikel beleuchtet die strategischen, technischen und sozialen Aspekte dieses Sanierungsprojekts, basierend auf den vorliegenden Informationen aus öffentlichen Quellen.
Die Ausgangslage: Eine Siedlung im Kampf mit dem Wasser
Die Siedlung Rislerdyk, ergänzt durch die angrenzenden Straßen Bönnersdyk und Wallenburgdyk, umfasst 47 Häuser, die von der LEG Wohnen NRW GmbH (ehemalige Landesentwicklungsgesellschaft) errichtet wurden. Das Kernproblem dieser Siedlung ist das sogenannte drückende Grundwasser. Hierbei handelt es sich um Grundwasser, dessen hydrostatischer Druck so hoch ist, dass es unter Umgehen der Bodenplatten und Fundamente in die Kellerräume der Häuser eindringt. Ohne Gegenmaßnahmen führt dies zu dauerhafter Feuchtigkeit, Schimmelbildung und Bauschäden.
Seit den späten 1970er-Jahren setzte die LEG auf eine mechanische Lösung: den Betrieb von drei Pumpen. Diese förderten jährlich rund zehn Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Untergrund und leiteten es in die Niepkuhlen ab. Diese Maßnahme war über Jahrzehnte hinweg die einzige Möglichkeit, die Häuser trocken zu halten. Die wasserrechtliche Genehmigung für diesen Betrieb war jedoch an eine Bedingung geknüpft: Die Siedlung sollte langfristig saniert und der dauerhafte Pumpbetrieb überflüssig gemacht werden.
Strategische Planung und Verzögerungen in der Umsetzung
Die Notwendigkeit einer dauerhaften Lösung war den Verantwortlichen bereits 2015 bewusst. Zu diesem Zeitpunkt herrschte bei der LEG die Zuversicht, dass die Sanierungsarbeiten im Jahr 2016 beginnen könnten. Die Realität sah jedoch anders aus. Die Verhandlungen mit den privaten Hauseigentümern gestalteten sich als zäh.
Die Herausforderung lag in der Abstimmung zwischen einem großen Wohnungsbauunternehmen und den individuellen Eigentümern. Es handelte sich nicht um Standardmodernisierungen, sondern um tiefgreifende bauliche Eingriffe. Die LEG musste die Eigentümer von der Notwendigkeit und der Durchführbarkeit der Maßnahmen überzeugen, was zu erheblichen Verzögerungen führte.
Erst im Frühjahr des Berichtszeitraums einigten sich die LEG und die Eigentümer der Siedlung Rislerdyk "einvernehmlich". Dieser Abschluss der Verhandlungen markierte den Startschuss für die eigentliche Sanierung, die nun in mehreren Bauabschnitten erfolgen soll. Ziel ist es, die 47 Häuser so nachträglich abzudichten, dass kein Grundwasser mehr eindringt.
Die Technik der Sanierung: Abdichtung und Probephase
Die Sanierung ist ein umfangreiches Unterfangen, das weit über das Streichen von Wänden hinausgeht. Um die Häuser gegen das drückende Grundwasser abzudichten, müssen umfassende bautechnische Maßnahmen ergriffen werden.
- Abdichtung der Keller: Der Schutz vor Feuchtigkeit erfordert den Einbau spezieller Dichtungsschichten an den Außenwänden und der Bodenplatte.
- Trockenlegung des Wohnbereichs: Die Keller müssen komplett ausgeräumt werden. Sowohl Waschmaschinen als auch Heizungen müssen demontiert werden, um eine vollständige Abdichtung zu gewährleisten.
- Abtrennung vom Wohnraum: Der Keller wird zum Wohnbereich hin abgedichtet, sodass selbst bei einem eventuellen Totalausfall der Dichtung kein Feuchtigkeit in die nutzbaren Wohnräume eindringen kann.
Eine zentrale Rolle bei der Beendigung des Pumpbetriebs spielt eine sogenannte Probephase. Sobald die Sanierung abgeschlossen ist, werden die Pumpen nicht sofort dauerhaft abgestellt. Stattdessen wird über einen gewissen Zeitraum beobachtet, ob die Abdichtung unter realen Bedingungen dicht bleibt und der Grundwasserspiegel die Keller nicht erreicht. Er wenn diese Phase erfolgreich ist und die Abdichtung sich bewährt, wird der Pumpbetrieb endgültig eingestellt. Die LEG versichert, dass die Eigentümer nach erfolgreichem Abschluss der Arbeiten nicht mehr von der Grundwasserabsenkung abhängig sein werden.
Wirtschaftliche Aspekte und die Rolle der LEG
Für die LEG Wohnen NRW GmbH ist dieses Projekt eine immense finanzielle Belastung. Bereits vor Jahren wurde intern von einem "wirtschaftlichen Totalschaden" gesprochen. Die Kosten für die Sanierung von 47 Häusern, inklusive der aufwendigen Abdichtungsarbeiten und der Koordination mit den Eigentümern, belaufen sich auf Millionenbeträge.
Trotz dieser wirtschaftlichen Herausforderung hat sich die LEG verpflichtet, die Maßnahme durchzuführen. Axel Felke, Geschäftsführer der LEG Solution GmbH, betonte nach der Einigung mit den Eigentümern, dass der Dialog mit den Eigentümern, deren Rechtsbeiständen und der Stadt Krefeld entscheidend für den Erfolg war. Die Zusammenarbeit war notwendig, um die komplexen rechtlichen und technischen Hürden zu überwinden.
Die Perspektive der Anwohnerschaft: Angst vor dem steigenden Wasser
Während die Sanierung der 47 Häuser der LEG ein abgeschlossenes Projekt ist, sorgt sie bei den Anwohnern im Umfeld für große Unruhe. Der Bürgerverein Kliedbruch und zahlreiche Anwohner haben sich organisiert. Zu Beginn der Proteste sammelten sie rund 280 Unterschriften, später stieg die Zahl auf knapp 400.
Die Sorge der Anwohner ist real und begründet sich auf die Hydrologie des Gebiets. Die Argumentation ist logisch: Das Grundwasser, das bisher durch die drei Pumpen abgepumpt wurde, stieg nach der Abschaltung wieder an. Bisher wurde dieses Wasser in die Niepkuhlen geleitet. Die Anwohner fürchten, dass das steigende Grundwasser nicht Halt an den sanierten 47 Häusern machen wird, sondern dass die Hauskeller des gesamten Umfeldes gefährdet sind.
Die Anwohner fordern den Stadtrat, die Bezirksvertretung Nord und die Stadtverwaltung auf, dafür zu sorgen, dass ihr Stadtviertel auch nach dem Abschalten der Pumpen nicht vom Grundwasser bedroht wird. Sie sehen sich als Benachteiligte, weil sie nicht unter das Sanierungsprogramm der fallen, aber unter den Folgen der geänderten Wasserwirtschaft leiden könnten. In den öffentlichen Sitzungen, wie der der Bezirksvertretung Nord im Mai, forderten sie Lösungen ein, die ihre Immobilien schützen.
Soziale Konflikte und Alltagsbeeinträchtigungen durch die Baumaßnahmen
Die Sanierung wirkt sich nicht nur auf den Grundwasserspiegel aus, sondern verändert auch den Alltag in der Siedlung massiv. Die Quellen berichten von erheblichen Konflikten im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen, die als "Parkchaos" bezeichnet werden.
Da die beauftragten Baufirmen ihre Fahrzeuge, Materialien und Container in dem engen Wohngebiet abstellen, sind die Parkbereiche für die Anlieger stark blockiert. Dies führt zu einer Situation, in der Anwohner gezwungen sind, ihre Autos verkehrswidrig abzustellen, was wiederum zu Verwarnungen (Knöllchen) durch den Ordnungsdienst führt.
- Fehlende Stellplätze: Container und Baumaterial blockieren die eigentlichen Stellplätze der Anwohner.
- Ungleiche Behandlung: Anwohner berichten, dass an manchen Fahrzeugen Bußgeldbescheide angebracht wurden, an direkt danebenparkenden Fahrzeugen jedoch nicht.
- Dauer der Beeinträchtigung: Die Anwohner fordern eine Lösung für den Zeitraum von voraussichtlich eineinhalb Jahren, in dem die Sanierung aller Voraussicht nach dauern wird.
Die Situation spitzt sich dadurch zu, dass Anwohner, die selbst von den Sanierungen nicht betroffen sind (z.B. Häuserreihe Rislerdyk 34 bis 40), dennoch unter den Baustellenbelästigungen und Parkproblemen leiden. Das Ordnungsamt der Stadt Krefeld reagierte zwar auf die Beschwerden, aber die Antworten wurden von den Bürgern als nicht unbedingt verständlich empfunden.
Die Rolle der Kommunalpolitik und Verwaltung
Die Stadt Krefeld und die Bezirksvertretung Nord stehen im Zentrum der Koordination. Sie müssen die Interessen der LEG, der Eigentümer der Sanierungshäuser und der übrigen Anwohner in Einklang bringen.
Wichtiges Instrument der politischen Steuerung sind Beschlüsse, wie der Beschlussentwurf (Vorlage-Nr. 2264 /16V) des Ausschusses für Umwelt, Energie, Ver- und Entsorgung sowie Landwirtschaft zeigt. Hier geht es um die "Sicherung der LEG-Siedlung Rislerdyk, Bönnersdyk und Wallenburgdyk sowie der Häuser in den umliegenden Wohngebieten gegen drückendes Grundwasser". Die Tatsache, dass die CDU-Fraktion einen gesonderten Bericht über den aktuellen Sach- und Verfahrensstand anforderte, unterstreicht die Komplexität und die politische Relevanz des Themas.
Die Stadtverwaltung muss zudem die wasserrechtlichen Genehmigungen koordinieren. Die ursprüngliche Genehmigung für den Pumpbetrieb endete am 31. Dezember 2018. Da die Sanierung zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war, musste eine Lösung für die Übergangszeit gefunden werden. Expertenschätzungen zufolge wurde die Genehmigung vermutlich um ein bis zwei Jahre verlängert, um der LEG Zeit für die Fertigstellung der Sanierung zu geben.
Zusammenfassung der technischen und organisatorischen Herausforderungen
Die Sanierung der Siedlung Rislerdyk ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen der modernen Baupraxis in bebautem Gebiet.
| Aspekt | Herausforderung | Maßnahme / Status |
|---|---|---|
| Wassermanagement | Drückendes Grundwasser führt zu Feuchtigkeit in Kellern. | Drei Pumpen leiten jährlich 10 Mio. m³ Wasser in die Niepkuhlen. |
| Sanierungstechnik | Notwendigkeit der dauerhaften Abdichtung ohne dauerhafte Pumpen. | Nachträgliche Abdichtung von 47 Häusern; Keller werden ausgeräumt und abgedichtet. |
| Planung | Verzögerungen durch komplexe Verhandlungen mit Eigentümern. | Start der Arbeiten erst nach einvernehmlicher Einigung im Frühjahr (nach 2016). |
| Recht & Genehmigung | Ablauf der wasserrechtlichen Genehmigung (Stand 31.12.2018). | Verlängerung des Pumpbetriebs wahrscheinlich bis zum Abschluss der Sanierung. |
| Logistik & Alltag | Blockade von Parkplätzen durch Baufahrzeuge und Material. | Hoher Konfliktgrad mit Anwohnern; Forderung nach Parkregelungen für 1,5 Jahre. |
| Nachbarschaft | Angst umliegender Anwohner vor steigendem Grundwasser. | Bürgerinitiativen mit fast 400 Unterschriften; politische Forderungen an die Stadt. |
Ausblick: Das Leben nach der Sanierung
Wenn die Sanierung abgeschlossen ist und die Pumpen endgültig abgestellt werden können, verändert sich das Risiko für die Siedlung grundlegend. Für die 47 sanierten Häuser bedeutet dies eine deutliche Wertsteigerung und die Beseitigung eines jahrzehntelangen Problems. Für die Anwohnerschaft hängt die Sicherheit ihrer Keller von der hydrologischen Entwicklung ab und möglichen weiteren Schutzmaßnahmen, die die Stadt ergreifen muss.
Die Erfahrungen aus dem "Parkchaos" zeigen zudem, dass bei Großbaustellen in Wohngebieten die Logistik und die Kommunikation mit den Anwohnern von Anfang an eine ebenso große Rolle spielen müssen wie die technischen Lösungen am Bauwerk selbst. Die Siedlung Rislerdyk wird nach Abschluss der Arbeiten nicht nur physisch, sondern auch sozial und von der Infrastruktur her ein veränderter Ort sein.
Fazit
Die Sanierung der Siedlung Rislerdyk in Krefeld ist ein komplexes Projekt, das die Schnittstelle zwischen technischer Notwendigkeit, wirtschaftlicher Last und sozialer Verantwortung bildet. Die LEG beweist durch die Durchführung der Abdichtungsmaßnahmen, dass langfristige Bauplanung auch die Beseitigung von Umweltbelastungen beinhalten muss. Die Technik der Grundwasserabsenkung durch Pumpen war ein temporärer Behelf, der nun durch eine dauerhafte bauliche Lösung ersetzt wird.
Gleichzeitig offenbart der Fall die Sensibilität solcher Vorhaben. Die Unruhe unter den Nachbarn, die Sorge um den steigenden Grundwasserspiegel und die täglichen Beeinträchtigungen durch die Baustelle machen deutlich, dass Sanierung immer auch ein Kommunikationsprozess ist. Für Bauherren und Immobilienbesitzer bleibt die Erkenntnis: Investitionen in die Bausubstanz, insbesondere im Umgang mit Wasser, sind unverzichtbar, erfordern aber oft Geduld und den Mut, auch unbequeme Übergangsphasen zu bewältigen. Die politische und administrative Verantwortung liegt nun darin, die Sicherheit des gesamten Gebiets zu gewährleisten, sobald die Pumpen schweigen.
Quellen
- WZ: Leg beginnt mit Sanierung der Siedlung Rislerdyk
- WZ: Grundwasser in der Siedlung Rislerdyk - fast 280 Unterzeichner gegen Abstellen der Pumpen
- WZ: Parkärgernis im Rislerdyk - Anwohner sind uneins über Knollenpolitik
- Politik bei uns: Vorlage des Oberbürgermeisters der Stadt Krefeld - Sicherung der LEG-Siedlung Rislerdyk
- WZ: Wasserpumpen am Rislerdyk - heisse Diskussion um Grundwasser