Die Stadt München steht vor der Herausforderung, wachsende Schülerzahlen in einem städtisch verdichteten Umfeld zu bewältigen. Ein exemplarisches Projekt für diese Entwicklung ist der Erweiterungsbau des Asam-Gymnasiums im Stadtteil Obergiesing. Dieser Bauvoranschlag und dessen spätere Umsetzung bieten tiefgreifende Einblicke in moderne Planungsstrategien, architektonische Innovationen und die Komplexität von Bauprojekten im laufenden Schulbetrieb. Der folgende Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Projektdetails die technischen und konzeptionellen Aspekte dieses Vorhabens.
Ausgangslage und städtebauliche Notwendigkeit
Das Asam-Gymnasium, benannt nach den barocken Künstlern Cosmas Damian und Egid Quirin Asam, verbindet künstlerisches Erbe mit moderner Bildungsarchitektur. Die Schule litt unter den Gegebenheiten der 1960er-Jahre, als sie errichtet wurde. Ein zentrales Problem war der Mangel an Platz: „Wir hatten stets mehr Schüler als Räume da waren“, erklärte der Schulleiter Peter Heinz Rothmann. Hinzu kam, dass beim Erstbau 1964 eine Aula vergessen worden war.
Die städtische Schulbauoffensive, die laut Medienberichten im zweiten Quartal 2017 beschlossen wurde, sah vor, alte Schulen zu sanieren und zu erweitern. Für das Asam-Gymnasium ergab sich die Notwendigkeit einer Erweiterung aufgrund erwarteter, steigender Schülerzahlen. Ziel war es, die Schule auf einen sieben-zügigen Betrieb auszuweiten, um 900 Personen nach Versammlungsstättenverordnung unterbringen zu können. Städtebaulich sollte zudem eine Lücke an der Kreuzung Werinher-Schlierseestrasse geschlossen und ein markanter Hochpunkt gesetzt werden, der den Straßenraum neu fasst und eine Torsituation schafft.
Planung und Projektsteuerung unter erschwerten Bedingungen
Die Planung und Durchführung des Projekts gestaltete sich komplex. Architektonisch war das Büro Hirner & Riehl aus München verantwortlich, das die Leistungsphasen 1 bis 9 übernahm. Die Bauherrin war die Landeshauptstadt München. Für die Projektsteuerung und Bauüberwachung wurde das Unternehmen Drees & Sommer beauftragt, welches die Ausschreibung und den Vergabeprozess unterstützte.
Eine besondere Herausforderung stellte der Standort in der Innenstadt dar. Die Baustelle war räumlich stark eingeschränkt, bedingt durch den Straßenverkehr und eine Straßenbahnlinie. Gleichzeitig musste der Schulbetrieb regulär weiterlaufen. Dies erforderte eine präzise Logistik und Sicherheitsmaßnahmen, um den Unterricht möglichst ungestört zu ermöglichen. Zudem musste eine Interimsnutzung geplant werden, um die Nutzer während der Bauphase angemessen unterzubringen.
Die architektonische Lösung: Intelligent Bauen in die Höhe und Tiefe
Da das Grundstück ursprünglich als zu klein für eine Erweiterung galt, setzte das Planungsteam auf eine Verdichtung durch Höhen- und Tiefenentwicklung. Diese Strategie lässt sich als „intelligentes Bauen“ charakterisieren.
Tiefgarage und Rückbau
Ein zentraler Bestandteil war der Rückbau der alten, flachen Sporthalle aus den 1960er-Jahren. An deren Stelle entstand ein 5-geschossiger Erweiterungsbau. Um den Platzbedarf zu decken, wurde der ehemalige Lehrerparkplatz durch eine Tiefgarage ersetzt. Diese Tiefgarage dient der Erfüllung der Stellplatzverordnung und weist die erforderlichen 42 Stellplätze nach.
Der neue Baukörper
Der neue Baukörper ist als grüner „Turm“ konzipiert und gliedert sich funktional in mehrere Ebenen: * Erdgeschoss (ehemaliger Parkplatz): Hier entstand eine Mensa mit angeschlossener Lounge, die der Pausengestaltung dient. * Obergeschosse: Die Unterrichtsräume sind nach dem modernen Lernhauskonzept angeordnet. Dieses Prinzip sieht vor, dass mehrere Klassen sich um einen zentralen Multiraum gruppieren, der als Mittelzone dient. Die Klassenzimmer liegen außen und können je nach Bedarf geöffnet oder verändert werden. Auf einer Etage bilden Lehrer ein Team, und die Klassen interagieren miteinander. * Dachgeschoss: Die lang ersehnte Aula wurde nun realisiert und befindet sich über der Mensa.
Sport- und Freiflächen
Eine weitere Innovation betrifft die Sportinfrastruktur. Wo einst ein Sportplatz lag, wurde eine Dreifach-Turnhalle in die Höhe gebaut. Um die bebaute Fläche zu kompensieren, wurde auf dem Dach der Sporthalle ein Allwetterplatz angelegt, der den Schülern Raum für Bewegung und Begegnung bietet. Zudem wurden im Zuge des Baus Teile der Freisportflächen wiederhergestellt und Pausenhofbereiche neu angelegt.
Technische Spezifikationen und Leistungsmerkmale
Das Projekt weist bemerkenswerte technische Parameter auf, die die Komplexität des Vorhabens unterstreichen:
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Gesamtfläche | Die bearbeitete Fläche beläuft sich laut Architektenangaben auf ca. 11.600 qm. |
| Gebäudetyp | Fünfgeschossiger Neubau (Erweiterungsbau) inklusive Tiefgarage. |
| Funktionen | Klassenräume (Lernhaus), Mensa, Aula, Dreifach-Sporthalle, Allwetterplatz (Dach), Tiefgarage. |
| Kapazität | Auslegung auf einen 7-zügigen Betrieb (ca. 900 Personen). |
| Bauzeitraum | Der Zeitraum der Planung und Ausführung erstreckte sich laut Quellenlage von 2015 bis 2022. |
| Verkehrsflächen | Integration der Tiefgarage zur Sicherung der Stellplatzpflicht. |
Bauausführung und Projektablauf
Der Bau wurde in mehreren Phasen realisiert. Nachdem der Stadtrat im Sommer 2017 die Erweiterung bewilligt hatte, begannen 2018 die Arbeiten am Neubau. Während dieser Phase lief der Unterricht im sanierten Altbau weiter. Diese Parallelität von Sanierung und Neubau erforderte eine hohe organisatorische Disziplin.
Die Bauausführung stieß jedoch auf Schwierigkeiten. Laut Medienberichten kam es zu Verzögerungen, sodass die Fertigstellung eigentlich zum Beginn des Schuljahrs 2021/2022 geplant war, sich aber verzögerte. Zudem wurde im Dezember 2023 über „Pfusch am Gymnasiums-Neubau“ berichtet. Es gab also offensichtlich Mängel und Sicherheitsprobleme, die über einen Zeitraum von gut einem Jahr bestanden. Diese Berichte unterstreichen die Notwendigkeit einer strengen Objektüberwachung, wie sie von Drees & Sommer wahrgenommen wurde.
Das Lernhausprinzip als didaktischer Ansatz
Ein Kernstück des Projekts ist die Implementierung des Lernhausprinzips. Dieses Konzept bricht mit der traditionellen Vorstellung von abgeschlossenen Klassenzimmern. Stattdessen werden flexible Lernlandschaften geschaffen. * Zentrale Mittelzone: Dient als Aufenthaltsort und Lernort für mehrere Klassen gleichzeitig. * Außenliegende Räume: Die eigentlichen Klassenzimmer bieten Rückzugsmöglichkeiten. * Flexibilität: Räume können nach außen geöffnet werden, was eine Anpassung an verschiedene Unterrichtsformen ermöglicht.
Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Interaktion zwischen Schülern und Lehrern zu fördern und eine modernere Form des Unterrichts zu ermöglichen.
Herausforderungen und Kritik
Trotz der innovativen Planung gab es auch kritische Stimmen. Im Vorfeld der Planung gab es Unstimmigkeiten bezüglich der Ausstattung. So wurde im Juli 2015 berichtet, dass das Referat für Bildung und Sport überraschend auf die Zusage für Aula und Bühne verzichten wollte. Dies führte zu Diskussionen zwischen Schulleitung und Stadtverwaltung. Letztendlich wurde die Aula jedoch realisiert. Auch die Notwendigkeit, Aufenthaltsräume Klassenzimmern weichen zu lassen („Der Rotstift regiert die Planung“), zeigt den Druck, unter dem die Planung stattfand.
Die erwähnten Baumängel und Sicherheitsprobleme, die Ende 2023 publik wurden, sind ein weiterer kritischer Punkt. Sie belegen, dass auch bei guter Planung die Bauausführung Risiken birgt, die zu Nachbesserungen führen können.
Fazit
Der Erweiterungsbau des Asam-Gymnasiums in München ist ein Paradebeispiel für modernen Stadtschulbau unter beengten Verhältnissen. Durch die Kombination aus Tiefgarage, hochgeschossigem Neubau und der Nutzung von Dachflächen als Freisportfläche wurde eine maximale Ausnutzung des Grundstücks erreicht. Das Lernhauskonzept setzt zudem architektonische Maßstäbe für eine zeitgemäße Pädagogik.
Das Projekt verdeutlicht jedoch auch die Herausforderungen solcher Großvorhaben: Die Notwendigkeit der Projektsteuerung in der Innenstadt, die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs während der Bauzeit und das Auftreten von Mängeln in der Bauphase erfordern ein hohes Maß an Professionalität aller Beteiligten. Für Bauherren und Planer bleibt festzuhalten, dass eine intelligente Höhen- und Tiefenentwicklung eine effektive Strategie zur Grundstücksverdichtung in städtischen Gebieten darstellt.