Sanierung und Neubau bei Asklepios: Ein umfassender Überblick über Baumaßnahmen und Modernisierungsstrategien

Einführung

Die Modernisierung von Krankenhäusern stellt eine der komplexesten Aufgaben im Bauwesen dar, da sie unter strengen Auflagen erfolgen muss und den laufenden Betrieb nicht gefährden darf. Im Fokus der aktuellen Entwicklungen bei der Asklepios Klinikgruppe stehen zwei bedeutende Projekte in Hamburg: die umfassende Sanierung der Asklepios Klinik Wandsbek und die Planungen für einen kompletten Neubau der Asklepios Klinik Altona. Beide Vorhaben verdeutlichen den immensen Investitionsbedarf in die medizinische Infrastruktur und die Notwendigkeit, energetische sowie funktionale Defizite alter Bausubstanz zu beheben.

Die Sanierungsmaßnahmen bei Asklepios zeigen auf, wie altgediente Krankenhausgebäude aus den 1960er und 1970er Jahren durch moderne Technik und Baudämmung auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden können. Gleichzeitig offenbaren die Planungen für das Klinikum Altona die Grenzen der Sanierbarkeit bei vertikalen Baustrukturen, die heutigen medizinischen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, energetischen und logistischen Aspekte dieser Bauprojekte.

Die Sanierung der Asklepios Klinik Wandsbek

Die Asklepios Klinik Wandsbek unterzog sich einer achtjährigen Umbau- und Modernisierungsphase, deren symbolische Beendigung durch Hamburgs Ersten Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher markiert wurde. Mit Gesamtinvestitionen in Höhe von rund 160 Millionen Euro, wovon 90,3 Millionen Euro vom Förderanteil der Freien und Hansestadt Hamburg stammen, handelt es sich um eines der größten Sanierungsvorhaben im Osten der Stadt.

Sanierung im laufenden Betrieb

Eine der größten Herausforderungen war die Sanierung des großen Haupt- und Bettenhauses, das in den Mitte der 1970er Jahre errichtet wurde. Die Maßnahmen mussten „Stockwerk für Stockwerk im laufenden Betrieb“ durchgeführt werden. Dies erfordert eine präzise Logistik und Absprache, um den Patientenbetrieb aufrechtzuerhalten.

Zu den abgeschlossenen Maßnahmen gehören: * Fassadenerneuerung: Die komplette Hochhaus-Fassade wurde erneuert und wärmegedämmt. * Eingangsbereich: Ein neuer, „lichtdurchfluteter“ Eingangsbereich wurde geschaffen. * Technische Modernisierung: Die Aufzugstechnik wurde neu installiert.

Medizinische und funktionale Highlights

Neben der reinen Bausubstanz wurden die medizinischen Einrichtungen massiv modernisiert. Die Investitionen dienten der Versorgung von jährlich rund 21.000 stationären und 26.000 ambulanten Patienten. Hervorzuhebende technische Ausbauten sind: * Notaufnahme und Intensivstation: Eine deutlich vergrößerte Zentrale Notaufnahme und eine neu gebaute Intensivstation mit erweiterten Kapazitäten. * Operationssäle: Errichtung von neun Operationssälen mit fortschrittlichster, vierfacher Full-HD-Bildauflösung. Besonders erwähnenswert ist ein Hightech-Hybrid-OP samt robotergestütztem Röntgenarm. * Geburtshilfe: Drei neue Kreißsäle, ein moderner Sectio-OP und Familienapartments. * Radiologie: Installation einer state-of-the-art Angiographieanlage, die exzellente Bildqualität bei besonders geringer Strahlenbelastung bietet.

Patientenorientierung und Wohnkomfort

Ein Kernanliegen der Sanierung war die Verbesserung des Patientenwohns. Alle Stationen des Bettenhauses wurden so umgebaut, dass Patienten nun ausschließlich in Ein- und Zwei-Bett-Zimmern mit eigenem Bad untergebracht werden. Dies entspricht dem heutigen Standard für Krankenhausunterkünfte und verbessert die Privatsphäre und den Komfort der Genesenden.

Energetische Sanierung bei Asklepios Harburg

Während die Klinik Wandsbek medizinisch und baulich saniert wurde, stehen bei anderen Standorten, wie der Asklepios Klinik Harburg, spezifisch energetische Sanierungen im Vordergrund. Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen wird durch die enormen Energiebedarfe von Krankenhäusern begründet, die mit einer Kleinstadt vergleichbar sind.

Fassadensanierung und Energieeinsparung

Am Beispiel des Bettenhauses in Harburg, das 1969 in Betrieb genommen wurde, wird der Sanierungsbedarf alter Bausubstanz deutlich. Die rotbraune Klinkerfassade wurde saniert, indem eine neue energetisch ertüchtigte Außenfassade angebracht wurde. Diese Konstruktion besteht aus einer Metall-Glasfassade mit Teilbereichen in Wärmedämmverbundsystem. Durch diese Maßnahme kann der Energiebedarf der Klinik um bis zu ein Fünftel (20 %) reduziert werden.

Technisches Vorgehen einer Fassadensanierung

Die Sanierung in Harburg folgt einem strukturierten Plan, der auch für andere Bestandsgebäude relevant sein kann: 1. Austausch der Fenster: Zunächst werden die über 50 Jahre alten Fenster durch moderne Fenster ersetzt. 2. Dämmung der Fassaden: Anschließend wird die gesamte Fassadenkonstruktion mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Wichtig ist hierbei die Zulassung unter Brandschutzbestimmungen für Kliniken. 3. Verputzung: Als letzter Schritt wird ein mineralischer Putz aufgetragen, der für ein einheitliches Erscheinungsbild sorgt.

Interne Berechnungen der Klinik gehen bei solchen Maßnahmen von einer Einsparung von ca. 20 % des Energiebedarfs aus. Allerdings zeigen die Erfahrungen in der Branche, dass solche Investitionen nicht immer direkt über die Energieeinsparung refinanziert werden. So wurde für eine Fassadensanierung in Lich ein Investitionsaufwand von 2,81 Mio. Euro genannt, der sich über die Reduzierung des Wärmeverbrauchs selbst über eine langfristige Betrachtung nicht vollständig abdecken lässt. Dennoch sind solche Maßnahmen oft aus Komfort- und Klimaschutzgründen notwendig.

Die Asklepios Klinik Altona: Neubau statt Sanierung

Ein anderes Szenario als die reine Sanierung stellt die Asklepios Klinik Altona dar. Hier entschied man sich aufgrund der spezifischen Gegebenheiten des Gebäudes für einen kompletten Neubau.

Gründe für den Neubau

Das derzeit genutzte Gebäude ist ein 23-geschossiges Scheibenhochhaus, das 1971 eingeweiht wurde. Die Entscheidung für einen Neubau wird von Asklepios wie folgt begründet: * Logistik und Bauweise: Das Gebäude weist eine „logistisch unkomfortable vertikale Bauweise“ auf. Solche Hochhäuser erschweren den medizinischen Workflow und die Materiallogistik erheblich. * Denkmalgeschützter Status und Alter: Das Gebäude ist über 50 Jahre alt und zudem denkmalgeschützt. Eine Sanierung wäre mit enormen Aufwand verbunden. * Ökologische und medizinische Anforderungen: Die alte Bausubstanz entspricht weder modernen medizinischen Abläufen noch ökologischen Anforderungen.

Planung und Umsetzung

Der Neubau soll in direkter Nachbarschaft zum bestehenden Krankenhaushochhaus an der Autobahn-Anschlussstelle Othmarschen entstehen. Der 2019 prämierte Siegerentwurf eines Berliner Planungsbüros sieht drei sechsgeschossige Gebäude auf einem langgestreckten Sockel vor. Diese Bauweise ermöglicht eine deutlich bessere Erreichbarkeit der Stationen und eine flexiblere Raumgestaltung im Vergleich zum vertikalen Hochhaus. Die Bauzeit wird auf bis zu fünf Jahre geschätzt, wobei der Neubau frühestens 2027 starten soll. Bis zur Fertigstellung kann der bestehende Altbau weiterhin vollumfänglich genutzt werden.

Rechtliche und vergabetechnische Aspekte

Die Planung eines Klinikneubaus ist auch mit juristischen Hürden verbunden. Im Fall von Asklepios Altona gab es ein Vergabeverfahren, das bis vor das Oberlandesgericht (OLG) ging. Das OLG entschied am 24. März 2023, dass die Art und Weise des Vergabeverfahrens durch Asklepios als Vorhabenträgerin nicht zu beanstanden sei. Lediglich die Bewertung der bereits eingereichten Angebote musste neu erfolgen. Dies zeigt, wie komplex die rechtlichen Rahmenbedingungen bei Großprojekten sind.

Zusammenfassung der Baustellen-Logistik

Die Sanierungs- und Neubauprojekte bei Asklepios verdeutlichen drei zentrale Strategien im modernen Klinikbau:

  1. Stockwerksweise Sanierung (Wandsbek): Ermöglicht die Weiterbetreibung der Klinik, erfordert aber hohe Disziplin im Bauprozess.
  2. Fassaden-Retrofit (Harburg/Lich): Fokus auf Energieeffizienz durch Wärmedämmverbundsysteme und Fenstertausch, um den enormen Energieverbrauch zu senken.
  3. Neubau bei strukturellen Defiziten (Altona): Wenn die vertikale Bauweise und das Alter eine Sanierung unwirtschaftlich oder funktional unmöglich machen, ist der Neubau die einzige Zukunftsoption.

Die Investitionssummen, die hier fließen (allein 160 Mio. € in Wandsbek), zeigen das wirtschaftliche Gewicht solcher Projekte. Sie sind Investitionen in die Zukunft der medizinischen Versorgung, die ohne moderne, energetisch sanierte und technisch hochwertige Gebäude nicht gewährleistet werden kann.

Fazit

Die Baumaßnahmen der Asklepios Klinikgruppe in Hamburg sind eindrucksvolle Beispiele für die Transformation alter Krankenhaussubstanz in moderne Gesundheitszentren. Während die Sanierung der Klinik Wandsbek zeigt, wie man durch massive Investitionen und eine geschickte Durchführung im laufenden Betrieb ein Haus auf Spitzenniveau heben kann, verdeucht die Planung für die Klinik Altona die Grenzen solcher Sanierungen.

Für Bauherren und Planer im weiteren Sinne lassen sich aus diesen Projekten wichtige Lehren ziehen: Die energetische Sanierung von Fassaden (WDVS) bietet signifikante Einsparpotenziale, ist aber mit hohen Investitionskosten verbunden, die sich nicht immer kurzfristig amortisieren. Die Logistik im Baubetrieb, insbesondere bei Sanierungen im laufenden Betrieb, erfordert extrem präzise Planung. Und schließlich: Manchmal ist der Neubau wirtschaftlicher und funktionaler als der Erhalt eines denkmalgeschützten, aber veralteten Gebäudes.

Die Freie und Hansestadt Hamburg fördert diese Entwicklungen massiv, was die Bedeutung der Krankenhäuser für die Stadtgesellschaft unterstreicht. Die Modernisierung der medizinischen Infrastruktur ist ein fortlaufender Prozess, der technisches Know-how, finanzielle Mittel und Geduld aller Beteiligten erfordert.

Quellen

  1. Management Krankenhaus - Asklepios Klinik Wandsbek
  2. Asklepios - Neue Fassade Harburg
  3. Asklepios - Fassadensanierung Lich
  4. t-online - Neubau Asklepios Altona
  5. Presseportal - Asklepios Altona

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