Die Sanierung und der Neubau von Brücken sind komplexe Bauvorhaben, die nicht nur die technische Umsetzung, sondern auch die Organisation des Verkehrs und die Kommunikation mit den Anwohnern und Gewerbetreibenden vor große Herausforderungen stellen. Die Gemeinde Allershausen und der Landkreis Freising stehen derzeit im Mittelpunkt mehrerer solcher Infrastrukturprojekte, die das Ampertal und die Anbindung an die A9 betreffen. Von der Autobahnbrücke über die A9 bis hin zu Fuß- und Radwegbrücken über Glonn und Aiterbach sind diverse Maßnahmen geplant oder bereits in Umsetzung. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Notwendigkeiten, die Verkehrsführung und die Auswirkungen auf den lokalen Gewerbeverkehr basierend auf den verfügbaren Informationen.
Aktuelle Brückenbauprojekte in Allershausen
In der Gemeinde Allershausen und dem Umland finden derzeit mehrere signifikante Baumaßnahmen an Brücken statt, die den Verkehrsfluss und die Infrastruktur nachhaltig beeinflussen. Diese Projekte reichen von der Sanierung von Autobahnzubringern bis zum Neubau lokaler Fuß- und Radwegbrücken.
Sanierung der Autobahnbrücke über die A9
Ein zentrales Projekt ist die Sanierung der Autobahnbrücke in Allershausen über die A9. Um den Abbruch der alten Brücke und den Bau einer neuen Struktur zu ermöglichen, ohne den Verkehr vollständig zum Erliegen zu bringen, wurde eine Behelfsbrücke errichtet. Diese Maßnahme dient dazu, ein Verkehrschaos zu vermeiden und das Ampertal nicht abzuhängen. Die Behelfsbrücke über die A9 ist bereits fertiggestellt, und der Verkehr wird nun umgelegt. Für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer ergeben sich daraus erhebliche Umleitungen und Behinderungen.
Die Vorbereitungen für den Abbruch der alten Brücke begannen mit der Demontage der Schutzeinrichtungen am Mittelstreifen. Laut Angaben der Autobahndirektion Südbayern führte dies zu Sperrungen der linken Fahrspuren in Richtung München zwischen 14 und 5 Uhr sowie in Richtung Nürnberg von 20 bis 14 Uhr.
Die eigentlichen Abrissarbeiten sind an zwei Wochenenden im Februar geplant. Im ersten Zeitraum, von Freitag, 7. Februar, 22 Uhr, bis Montag, 10. Februar, 5 Uhr, wird der Teil der Brücke über der A 9 in Fahrtrichtung München abgerissen. Die Autobahn bleibt zwar befahrbar, jedoch wird die Anzahl der Fahrspuren reduziert und die Spuren werden verengt. Für Verkehr aus Richtung Nürnberg ist in dieser Zeit keine Ausfahrt in Allershausen möglich. Die groben Arbeiten sollen bis Sonntagnachmittag, 16 Uhr, erledigt sein. Seitenstreifen und Ausfahrt bleiben auf dieser Seite der Autobahn für den Rückbau des Widerlagers bis Montagfrüh gesperrt. Eine Woche später, von Freitag, 14. Februar, 22 Uhr, bis Montag, 17. Februar, 5 Uhr, folgen weitere Sperrungen und Umleitungen.
Technisch ist dieses Vorhaben anspruchsvoll. Die Planung umfasst den Verschub und die Absenkung der Behelfsbrücke. Es handelt sich um eine Zweifeldbrücke mit 2x31 m Stützweite, einer schiefwinkligen Zwischenunterstützung und einer Querneigung im Endzustand. Der Absenkweg beträgt 1,4 m, da Zufahrt und Widerlager bereits vor Montagebeginn fertiggestellt waren. Diese detaillierte Planung unterstreicht die Komplexität der Bauausführung im laufenden Verkehr.
Neubau der Fuß- und Radwegbrücke über die Glonn
Parallel zu den Arbeiten an der Autobahnbrücke erfolgt in Oberallershausen der Neubau einer Fuß- und Radwegbrücke über die Glonn. Die Gemeinde Allershausen hat informiert, dass die Bauarbeiten bereits begonnen haben und – je nach Witterung – bis Juli 2026 andauern werden. Im Zuge dieser Maßnahme muss die bestehende Brücke vollständig zurückgebaut und durch einen Neubau ersetzt werden. Für die Durchführung der Arbeiten ist eine Vollsperrung des betroffenen Bereichs erforderlich. Die Gemeinde appelliert an die Anwohner und Verkehrsteilnehmer, die geltenden Regeln einzuhalten und Verständnis für die Beeinträchtigungen zu zeigen.
Erneuerung der Brücke in Aiterbach
Eine weitere Maßnahme betrifft die kleine Brücke über den Aiterbach in Aiterbach, einem Ortsteil von Allershausen. Diese Brücke muss erneuert werden, was zu einer großräumigen Umleitung führt. Die Arbeiten haben vor einer Woche begonnen und sorgen für erhebliche Aufregung im Ampertal, insbesondere bei den ansässigen Handwerkern.
Das Problem liegt in der Unterbrechung der direkten Verbindung. Auf der vier Kilometer langen Strecke von Kirchdorf nach Allershausen ist keine Durchfahrt mehr möglich, was eine Umfahrung von 31 Kilometern zur Folge hat. Diese massive Verlängerung der Strecke stellt für Handwerker, die in Kirchdorf ansässig sind und Aufträge in München erledigen, eine erhebliche Belastung dar. Franz Kreitmair, Vorstandsmitglied der Bauinnung Erding-Freising und selbst Fliesenleger in Allershausen, beschreibt die Situation als „Irrsinn“ und „riesige Umleitung“.
Technische Notwendigkeiten und ökologische Aspekte
Die Entscheidung für einen Neubau anstelle einer Sanierung basiert oft auf technischen und ökologischen Notwendigkeiten, die im Vorfeld geprüft werden.
Sanierungsbedarf vs. Neubau
Das Staatliche Bauamt Freising hat sich auf Nachfrage zur Notwendigkeit des Neubaus der Brücke in Aiterbach geäußert. Die Frage, ob eine Erneuerung des Rohrdurchlausses nicht ausgereicht hätte, wird klar verneint. Der bestehende, 2,50 Meter breite, kreisförmige Wellstahldurchlass ist verrostet und kann nicht saniert werden. Ein reiner Austausch oder eine Sanierung wäre hier technisch nicht möglich gewesen.
Ein entscheidender Faktor ist die Verbreiterung auf vier Meter. Aus Gründen der Wasserwirtschaft wird mit dem Neubau die Brückenbreite deutlich erhöht, um das natürliche Bachbett unter der Straße durchführen zu können. Diese Maßnahme dient der Verbesserung der Gewässerökologie. Eine solche Verbreiterung ist mit einem Wellstahldurchlass nicht umsetzbar, da bei solchen Bauwerken die Höhe und Breite in direktem Zusammenhang stehen. Ein breiterer Durchlass würde eine größere Höhe erfordern, was in der bestehenden Situation oft nicht machbar ist. Daher ist der Neubau einer konventionellen Brücke die einzige Lösung, um die ökologischen Anforderungen zu erfüllen und die Stabilität zu gewährleisten.
Planung und Umsetzung von Umleitungen
Die Organisation des Verkehrs während der Bauphase ist ein kritischer Erfolgsfaktor. In Aiterbach hat die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Allershausen versucht, eine praktikable Lösung zu finden. Für Landwirte wurde beispielsweise eine Regelung getroffen, die es ihnen erlaubt, einen Teil des Rad- und Fußwegs zu nutzen.
Allerdings ist die Akzeptanz der Umleitung entscheidend. Die Gemeinde Kirchdorf weist darauf hin, dass diese Lösung nur aufrechterhalten werden kann, wenn alle fahrzeugführenden Verkehrsteilnehmer (Pkw, Lkw, Motorrad etc.) die geltende Umleitung beachten. Sollte dies nicht der Fall sein, wäre eine beidseitige Absperrung des Rad- und Fußweges mit Betonpollern oder anderen Barrieren kurzfristig unabdingbar. Ein solches Szenario würde die Situation für Radfahrer und Fußgänger weiter verschlechtern und ist nicht das Ziel der Gemeinde. Daher wird ein starkes Appell an die Disziplin der Verkehrsteilnehmer gerichtet.
Auswirkungen auf den lokalen Gewerbeverkehr
Die Baumaßnahmen haben direkte ökonomische Auswirkungen, insbesondere auf das Handwerk und den Güterverkehr.
Belastung für Handwerksbetriebe
Die massive Umleitung in Aiterbach führt zu einer Verlängerung der Fahrstrecke von vier auf 31 Kilometer. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Kosten und die Zeitplanung von Handwerksbetrieben. Längere Fahrten bedeuten höheren Kraftstoffverbrauch, mehr Fahrzeugverschleiß und einen erheblichen Zeitverlust, der nicht für die eigentliche Arbeit genutzt werden kann. Für Betriebe, die regelmäßig Aufträge im weiteren Umfeld erledigen, kann dies die Wirtschaftlichkeit stark beeinträchtigen. Franz Kreitmair betont, dass diese Umleitung ein großes Problem für viele Handwerker ist, die in Kirchdorf ansässig sind und Aufträge in München haben.
Notwendigkeit der Kommunikation
Die Situation verdeutlicht die Wichtigkeit einer frühzeitigen und transparenten Kommunikation zwischen den Bauverantwortlichen, der Gemeinde und den betroffenen Gewerbetreibenden. Während die technischen Notwendigkeiten des Brückenbaus (Rostschaden, ökologische Verbesserung) klar sind, sind die logistischen Folgen für die Anwohner und das Gewerbe oft gravierend. Die Appelle der Gemeinde an die Einhaltung der Umleitungsregeln sind ein Versuch, die negativen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, solange keine physischen Barrieren errichtet werden müssen.
Zukunftsperspektiven und Radverkehrskonzepte
Neben den akuten Sanierungsmaßnahmen gibt es auch langfristige Planungen zur Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere für den Radverkehr.
Schließung von Lücken im Radwegenetz
Ein Beispiel für eine solche langfristige Planung ist die Brücke über den Amper-Werkkanal bei Hagenau. Die Gemeinden Kranzberg und Allershausen setzen sich gemeinsam mit der SPD-Kreisfraktion für eine Sanierung dieser Brücke ein, wobei eine integrierte Radspur ein wichtiges Ziel ist. Die Brücke liegt an der Kreisstraße FS 24 und könnte eine Lücke im Radwegenetz des Landkreises schließen. Ein direkt hinter der Brücke abzweigender Feldweg könnte Teil einer durchgehenden Radwegeverbindung zum Gewerbegebiet in Oberallershausen mit seinen Einkaufsmärkten werden.
Diese sechs Kilometer lange Verbindung zwischen der Kreisstraße FS 6 und der Autobahn ist bereits im „Radverkehrskonzept light“ der Gemeinden Kranzberg und Allershausen verankert. Zudem zählt sie zu den Projektideen der Internationalen Bauausstellung (IBA) zur Mobilität in der Metropolregion München, für die es Zuschüsse geben könnte. Diese Planungen zeigen, dass der Radverkehr zunehmend als wichtiger Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur anerkannt wird, um die Sicherheit für Radfahrer, insbesondere mit Kindern, auf der viel befahrenen FS 6 zu erhöhen.
Fazit
Die Brückensanierungen und -neubauten in Allershausen sind notwendige Investitionen in die Sicherheit und die Zukunftsfähigkeit der lokalen Infrastruktur. Obwohl die technischen Notwendigkeiten – wie der Rostschäden an Wellstahldurchlässen oder die ökologische Verbesserung durch Verbreiterungen – unstrittig sind, stellen die damit verbundenen Verkehrsbeeinträchtigungen eine erhebliche Herausforderung für die Gemeinde, Anwohner und Gewerbetreibende dar. Die Errichtung einer Behelfsbrücke für die A9 ermöglicht zwar die Aufrechterhaltung des Verkehrs, führt aber zu Engpässen und Sperrungen. Die Umleitungen im ländlichen Raum belasten insbesondere Handwerksbetriebe durch enorme Fahrstrecken.
Der Erfolg dieser Projekte hängt nicht nur von der technischen Qualität der Bauausführung ab, sondern maßgeblich von der Disziplin der Verkehrsteilnehmer bei der Einhaltung der Umleitungsregeln und einer kontinuierlichen Kommunikation der Verantwortlichen. Langfristig versprechen Projekte wie die Schließung von Lücken im Radwegenetz am Amper-Werkkanal eine Verbesserung der Mobilität und Sicherheit für den sanften Verkehr.
Quellen
- Süddeutsche Zeitung: Radweg Kranzberg Allershausen Brücke Sanierung
- Gemeinde Allershausen: Fuß- und Radwegbrücke über die Glonn
- Süddeutsche Zeitung: Umwege in Allershausen Autobahnbrücke wird abgebrochen
- Gemeinde Allershausen: Sperrung Fuß- und Radwegbrücke Oberallershausen
- Merkur: Grossräumige Umleitung Ein Irrsinn für viele Handwerker
- DBK OST: Planung Referenzen Verschub- und Absenkplanung Behelfsbrücke A9 Allershausen