Modernisierung und Neubau der B 111: Instandsetzung der Peenebrücke Wolgast und Bau der Ortsumgehung

Die Bundesstraße B 111 ist eine lebenswichtige Verkehrsader im Osten Mecklenburg-Vorpommerns. Sie verbindet das Bundesland über die A 20 mit der Insel Usedom und dem wichtigen Hafen- und Industriestandort Wolgast. Aufgrund ihrer hohen Verkehrslast und der touristischen Bedeutung, insbesondere in den Sommermonaten, stehen die Infrastruktur und die baulichen Anlagen im Fokus permanenter Überprüfung und Erneuerung. Die vorliegenden Informationen aus offiziellen Pressemitteilungen und Projektdokumentationen beleuchten zwei zentrale Bauvorhaben entlang dieser Route: die umfassende Instandsetzung der Peenebrücke in Wolgast sowie den ambitionierten Neubau einer Ortsumgehung Wolgast mit einer neuartigen Zügelgurtbrücke. Für Bauherren, Immobilienbesitzer und Fachplaner sind diese Maßnahmen nicht nur im Hinblick auf die Verkehrslage relevant, sondern liefern auch Einblicke in moderne Bauverfahren, die Sicherung von Ingenieurbauwerken und die langfristige Verkehrswegeplanung.

Die Instandsetzung der Peenebrücke Wolgast: Erhaltung einer kritischen Infrastruktur

Die Peenebrücke in Wolgast, Teil der B 111, ist ein prägendes Bauwerk der Region. Erbaut und 1996 fertiggestellt, besteht sie aus fünf Teilbauwerken, wobei der Überbau C als klappbare Brücke für den Schiffsverkehr auf der Peene dient. Aufgrund ihrer Funktion ist sie für den Verkehrsfluss zur Insel Usedom unverzichtbar.

Schadensbild und Notwendigkeit der Sanierung

Im Zuge von Bauwerksprüfungen in den Jahren 2016 und 2019 wurden erhebliche Schäden festgestellt. Diese betrafen sowohl die Überbauten als auch die Unterbauten des Bauwerks. Die Konsequenzen waren gravierend: Die Standsicherheit, die Dauerhaftigkeit und die Verkehrssicherheit waren nicht mehr in vollem Umfang gewährleistet. Eine umfassende Instandsetzung war daher zwingend erforderlich, um die Substanz der Brücke zu sichern und Gefahren für den Verkehrsteilnehmer auszuschließen.

Bauabschnitte und Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierung wurde in mehrere Bauabschnitte unterteilt, um den Verkehr so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. * Erster Bauabschnitt (2018): Schwerpunkt war die Erneuerung der Unterbauten. * Zweiter Bauabschnitt (2022 und 2023): Hier lag der Fokus auf den Überbauten. Zu den durchgeführten Arbeiten gehörten: * Austausch defekter Fahrbahnübergänge. * Erneuerung des Brückengeländers. * Sanierung des abgenutzten Fahrbahnbelags.

Logistische Herausforderungen und Verkehrsführung

Aufgrund der hohen Verkehrsbedeutung der Brücke wurde ein umfassendes Konzept für den Bauablauf entwickelt. Ziel war es, den Verkehrsfluss trotz der Baumaßnahmen bestmöglich zu gewährleisten. Besonders sensibel war die Planung für die Ferienreisezeit, in der auf Verkehrsraumeinschränkungen verzichtet wurde. Um die Arbeiten dennoch durchführen zu können, waren nächtliche Vollsperrungen notwendig, die jedoch aufgrund der Witterung immer wieder angepasst werden mussten.

Der Zeitplan des zweiten Bauabschnitts zeigt die Intensität der Arbeiten: * Mai bis Juni 2022: Einleitung der neuen Bauphase, Wechsel der Verkehrsführung in den „Sommermodus“. * August 2022: Geplante nächtliche Vollsperrungen zur Durchführung von Arbeiten. * Oktober 2022: Wiedereröffnung der Brücke nach ersten Abschlussarbeiten. * Januar 2023: Fortsetzung der Sanierung. * Mai 2023: Einwöchige Sperrung für Instandsetzungsarbeiten an den Zufahrten. * August 2023: Vorzeitige Freigabe der Brücke. * September 2023: Fortführung von Restarbeiten. * Mai 2024: Abschluss der letzten Arbeiten auf der Brücke.

Diese detaillierte Chronologie unterstreicht den komplexen Charakter von Brückensanierungen. Für Bauinteressenten in der Region zeigt dies, dass die Instandhaltung von Infrastruktur ein kontinuierlicher Prozess ist, der weitreichende Planungen und temporäre Verkehrsbeeinträchtigungen nach sich zieht.

Der Neubau der Ortsumgehung Wolgast: Ein Megaprojekt zur Entlastung und Verbindung

Parallel zur Instandsetzung bestehender Strukturen plant der Straßenbau Mecklenburg-Vorpommern einen strategisch bedeutsamen Neubau. Die Ortsumgehung Wolgast soll den Verkehr der B 111 künftig südlich um die Stadt Wolgast herumführen. Das Projekt ist Teil der Bundesverkehrswegeplanung zur Beseitigung von Engpässen im Nordosten Deutschlands und ist als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft.

Ziele und Dimensionen des Projekts

Das wesentliche Ziel ist die Verbesserung der Verbindung zwischen der A 20 und den touristischen Zielen auf Usedom sowie dem Hafen Wolgast. Die Umgehung soll eine Länge von ca. 6,8 Kilometern (nach anderen Angaben 6,3 km) haben und den Durchgangsverkehr um die Stadt Wolgast herumführen, was die Innenstadt entlastet.

Die neue Peenestrombrücke: Technische Meisterleistung

Das Kernstück der Ortsumgehung ist die neue Brücke über die Peene. Es handelt sich um eine sogenannte Zügelgurtbrücke. Diese Konstruktionsart zeichnet sich durch spezielle Tragseile (Zügel) aus, die die Brückentafel tragen. * Technische Daten: * Gesamtlänge: 1,4 Kilometer. * Lichtes Profil über dem Peenestrom: 42 Meter. * Pylonhöhe: 70 Meter. * Bedeutung: Bei Fertigstellung wird dies die größte Zügelgurtbrücke Europas sein. Dieses Bauwerk demonstriert den Einsatz modernster Ingenieurstechnik im Straßenbau.

Begleitende Infrastrukturmaßnahmen

Der Bau der Ortsumgehung umfasst weit mehr als nur die Hauptbrücke. Um die neue Trasse funktional und sicher in das bestehende Netz zu integrieren, sind zahlreiche weitere Bauwerke geplant: * Brücken und Überführungen: Die Ziesebrücke sowie Überführungen für die Kreisstraße VG 26 und die Kreisstraße 27. Auch ein Wirtschaftsweg an der Kompostieranlage wird überführt. * Lärmschutz und Umwelt: Der Bau von Lärmschutzwänden und einer Sedimentationsanlage (zur Reinigung des Niederschlagswassers) sowie eines Regenrückhaltebeckens. * Erschließung: Der Ausbau der „Neuen Bahnhofstraße“ in Wolgast und eines Radweges an der Kreisstraße 26 auf Usedom.

Bauablauf und aktueller Stand (2021–2025)

Das Projekt befindet sich in der aktiven Bauphase. Nach der Baurechtsschaffung Anfang 2021 wurde das Projekt an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr übergeben. * Baubeginn: August 2021. * Vorarbeiten: Ab Mai 2021 begannen die Vorbereitungen für den Ersatzneubau der Ziesebrücke. * Behelfsbrücken: Um den Verkehr während des Baus der eigentlichen Brücken aufrechtzuerhalten, wurden Behelfsbrücken über die Ziese errichtet und im April/Mai 2023 freigegeben. * Aktuelle Arbeiten (2024): Im Jahr 2024 fanden Anpassungen an Kreuzungen zwischen Wolgast und Ziesebrücke sowie die Anbindung der Baustraße statt.

Kosten und wirtschaftliche Aspekte

Die Pressemitteilung vom November 2023 weist auf „Kostensteigerungen im Bauwesen“ hin, die sich auch bei der Ortsumgehung Wolgast zeigen. Dies ist ein wichtiger Hinweis für Bauherren und Projektentwickler: Auch große Infrastrukturprojekte sind von den allgemeinen Marktentwicklungen im Bauwesen (Materialpreise, Lohnkosten) betroffen.

Verkehrliche Auswirkungen auf die B 111 (Züssow)

Ein weiterer Abschnitt der B 111 erfordert ebenfalls Sanierungsarbeiten. Zwischen Ranzin und Züssow, ca. 2,4 Kilometer südlich der Anbindung an die A 20, soll ein Streckenabschnitt erneuert werden. * Maßnahme: Erneuerung des 2,4 km langen Abschnitts. * Zeitplan: Baubeginn am 1. April (Jahr nicht explizit genannt, aber Kontext 2025), voraussichtliche Fertigstellung bis Juni 2025. * Auswirkung: Eine mehrtägige Vollsperrung ist notwendig. Diese betrifft Pendler und Urlauber gleichermaßen, da dies eine Hauptzufahrtsstraße zur A 20 und weiter nach Usedom ist.

Zusammenhang und Ausblick

Die Maßnahmen auf der B 111 zeigen eine zweigleisige Strategie des Straßenbaus: 1. Erhalt: Die Sanierung der Peenebrücke Wolgast sichert die bestehende, unverzichtbare Verbindung. 2. Ausbau: Die Ortsumgehung Wolgast schafft eine neue, leistungsfähigere und städtebaulich entlastende Trasse.

Für die Zukunft ist zu erwarten, dass nach Abschluss der Ortsumgehung die Verkehrsbelastung auf der alten Strecke durch Wolgast abnehmen wird. Die geplante Grundsanierung der Autobahn A 111 (frühestens 2026 bis ca. 2034), bei der auch 39 Brücken erneuert werden müssen, zeigt zudem, dass der Infrastrukturerhalt im gesamten Bundesgebiet eine Daueraufgabe ist.

Fazit

Die Entwicklungen entlang der B 111 in Mecklenburg-Vorpommern sind beispielhaft für den modernen Straßenbau. Es geht nicht nur um einfache Reparaturen, sondern um strategische Sicherung und den Ausbau von Verkehrswegen unter Einhaltung strenger technischer Standards und unter Berücksichtigung von Umwelt- und Lärmschutz. Die Instandsetzung der Peenebrücke Wolgast beweist, dass auch etablierte Bauwerke regelmäßig modernisiert werden müssen, um Sicherheit und Funktionalität zu gewährleisten. Gleichzeitig setzt der Neubau der Ortsumgehung mit der größten Zügelgurtbrücke Europas Maßstäbe in der Ingenieurskunst. Für Anwohner, Pendler und die Bauwirtschaft bedeuten diese Projekte zwar kurzfristige Belastungen durch Baustellen, langfristig jedoch eine verbesserte Verkehrsführung und eine gesicherte Infrastruktur für die wirtschaftlich und touristisch bedeutsame Region.

Quellen

  1. Straßen MV - Peenebrücke Wolgast
  2. Ostsee Zeitung - Vollsperrung B 111
  3. rbb24 - A111 Sanierung
  4. DEGES - B 111 Ortsumgehung Wolgast
  5. Straßen MV - Ortsumgehung Wolgast

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