Sanierung des Bewegungsbades in Bad Zwesten: Planung, Finanzierung und technische Umsetzung einer komplexen Modernisierung

Einleitung

Die Sanierung von öffentlichen Gebäudekomplexen, insbesondere von Schwimmbädern aus den 1970er Jahren, stellt Kommunen vor erhebliche Herausforderungen in Bezug auf Planung, Finanzierung und technische Umsetzung. Am Beispiel des Bewegungsbades in Bad Zwesten lässt sich eine exemplarische Darstellung eines solchen Sanierungsprojekts aufzeigen. Das in den 1970er Jahren errichtete Bewegungsbad bildet zusammen mit dem Kurhaus ein architektonisches und soziales Zentrum der Gemeinde. Die Notwendigkeit der Sanierung ergab sich aus dem Alter der Bausubstanz und dem Bedarf, die Einrichtung an moderne Anforderungen in Bezug auf Komfort, Barrierefreiheit und Energieeffizienz anzupassen.

Die folgende Analyse beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Sanierungsvorhabens. Sie behandelt die historische Bedeutung der Anlage, die Herausforderungen bei der Projektsteuerung und den Planungsprozess, die komplexe Finanzierungslage, die technische Gebäudeausrüstung sowie die gestalterischen und funktionalen Anpassungen im Innenbereich. Die Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Berichten und Projektunterlagen, die einen detaillierten Einblick in die Abläufe und Entscheidungsprozesse einer mittelständischen Gemeinde geben.

Historischer Kontext und Bedeutung der Anlage

Das Bewegungsbad in Bad Zwesten wurde im Jahr 1978 errichtet und ist seitdem ein fester Bestandteil der örtlichen Infrastruktur. Es ist nicht nur eine Einrichtung für Breitensport und Erholung, sondern auch touristisch relevant. Die Anlage ist als Wahrzeichen der Stadt anerkannt und liegt in unmittelbarer Nähe zum Kurhaus, eingebunden in die Anlagen des südlichen Kurparks. Die Sanierung dient dazu, diese soziale und gesundheitliche Infrastruktureinrichtung langfristig zu erhalten. Dies ist für den Erhalt des Prädikats als Kurort von hoher Wichtigkeit. Neben dem Bad wird in diesem Zusammenhang auch der südliche Kurpark neu gestaltet, unter anderem durch die Anlage eines Mehrgenerationen-Spielplatzes, der auch für Menschen mit Beeinträchtigungen nutzbar sein soll.

Herausforderungen in Projektplanung und -steuerung

Die Sanierung des Bewegungsbades erwies sich als komplexes Vorhaben, das mit erheblichen Verzögerungen und planerischen Schwierigkeiten konfrontiert war. Ein zentraler Kritikpunkt war die Zusammenarbeit mit dem beauftragten Planungsbüro. Laut Berichten fehlten es an aktuellen Plänen bezüglich der Bauzeit und der Abrechnung, was die Projektsteuerung erschwerte.

Zusätzliche Verzögerungen entstanden durch die schwierige Suche nach Fachfirmen. Sowohl die Vergabe von Aufträgen an einen Dachdecker als auch die Beauftragung eines Gerüstbauers verzögerten sich um rund zwei Monate. Diese Engpässe im Baugewerbe führten dazu, dass der ursprünglich geplante Fertigstellungstermin Anfang Januar 2022 nicht eingehalten werden konnte. Stattdessen wurde mit einer Fertigstellung erst zum 1. März 2022 oder später gerechnet.

Ein weiterer Faktor, der die Planung beeinflusste, war der Wechsel des Förderprogramms. Ursprünglich war eine Förderung im Rahmen des Programms „Stadtumbau West“ vorgesehen. Im Verlauf des Projekts erfolgte eine Umstellung auf das Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramm (SWIM). Dieser Wechsel brachte zwar eine gesicherte Förderung in Höhe von 961.000 Euro, verzögerte aber erneut die Beauftragung der Fachplaner.

Finanzierung und Kostenmanagement

Die Finanzierung des Projekts stellt ein zentrales Element der Sanierung dar. Die Gesamtinvestitionssumme beträgt laut Zuwendungsbescheid 3.961.158 Euro. Ein wesentlicher Teil der Finanzierung wird durch Landesmittel gesichert. Der Europastaatssekretär Mark Weinmeister überreichte der Gemeinde einen Zuwendungsbescheid über 961.000 Euro aus dem SWIM-Programm des Landes Hessen. Diese Förderung wird als entlastend für kleinere Kommunen beschrieben, da der Betrieb und Ausbau von Schwimmbädern sehr teuer ist.

Um die Finanzierungslücke zu schließen, hat der Landkreis Schwalm-Eder ein großes Darlehen in Höhe von über 2,2 Millionen Euro aufgenommen. Dies unterstreicht das Engagement der übergeordneten Verwaltungsebene.

Im Verlauf der Projektplanung wurde eine Entscheidung über den Umfang der Sanierung getroffen. Eine umfangreichere Sanierung wäre mit Kosten in Höhe von sechs Millionen Euro verbunden gewesen. Letztendlich entschied man sich für eine Sanierung in einer Sparversion mit einem Budget von rund drei Millionen Euro. Diese Variante umfasst die Erneuerung von Dach, Fassaden und Teilen der Technik, während umfangreichere bauliche Veränderungen entfielen.

Die Kostenkontrolle erwies sich als dynamischer Prozess. Im Zuge der Planung stellte sich die Frage, ob die Fliesen im Foyer ausgetauscht werden sollten. Das Planungsbüro empfahl den Austausch, da durch das Versetzen des Windfanges und den Austausch der Glaswand zwischen Foyer und Schwimmhalle Fliesen beschädigt würden und die alten Fliesen nicht mehr lieferbar seien. Der Austausch wäre mit geschätzten 60.000 Euro verbunden gewesen. Die Gemeindevertretung musste hier abwägen: Ein Austausch hätte den finanziellen Spielraum von 10.000 Euro aufgebraucht, während man bei Beibehaltung der alten Fliesen 70.000 Euro unter dem Budget blieb. Politische Vertreter äußerten sich dahingehend, dass die Kosten im Auge behalten werden müssen und man nicht zusätzlich investieren solle, nur um ein ästhetisch ansprechenderes Ergebnis zu erzielen.

Technische Gebäudeausrüstung (TGA)

Die technische Erneuerung bildet das Herzstück der Sanierung. Die Sanierung der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) für die etwa 800 m² große Anlage wurde auf ca. 1.200.000 Euro netto veranschlagt. Ziel war es, die Energieeffizienz zu steigern und den Betrieb zu modernisieren. Folgende technische Systeme wurden umgesetzt:

  • Sanitäre Einrichtungen: Erneuerung der sanitären Einrichtungsgegenstände und des Rohrleitungsnetzes.
  • Wärmeerzeugung und Lüftung: Austausch der Wärmeerzeuger und Lüftungsgeräte mit Kompaktregelungen, die auf eine Gebäudeleittechnik aufgeschaltet sind.
  • Energiezentrale: Einbau einer Nahwärmezentrale mit Gas-Brennwertkesseln.
  • Blockheizkraftwerk (BHKW): Installation eines BHKWs mit einer Feuerungsleistung von ca. 450 kW und einer Regelspeicherkaskade mit einem Volumen von ca. 6.000 Litern.
  • Raumlufttechnik (RLT): Einbau von RLT-Anlagen mit Wärmerückgewinnung.
  • Beleuchtung: Umstellung auf LED-Technologie.
  • Blitzschutz: Ertüchtigung des Gebäude-Blitzschutzes.
  • Wasseraufbereitung: Modernisierung der Aufbereitungskreisläufe der Becken durch Ultrafiltrationsanlagen.

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Energieverbrauch zu senken und eine moderne, sichere und hygienische Betriebsumgebung zu schaffen.

Gestaltung und Funktionalität des Innenbereichs

Neben den technischen Aspekten wurden auch die optische Gestaltung und die Funktionalität des Innenbereichs modernisiert. Die Sanierung des Bewegungsbades sollte dazu führen, dass die Anlage optisch und funktional überzeugt. Durch den Einsatz moderner, pflegeleichter Materialien und eine durchdachte Gestaltung entstand ein einladender Raum, der den speziellen Anforderungen eines Bewegungsbades gerecht wird.

Konkrete bauliche Veränderungen umfassten den Abriss der Empore im Innenbereich, um den Raum offener wirken zu lassen. Zudem wurde der Boden im Kurhaus erneuert. Die ursprünglich in zwei Schritte aufgeteilte Sanierung (zuerst Dach/Fassade, später Innenbereich) wurde aufgehoben, um Verzögerungen zu vermeiden. Hätte man die Ausschreibung der Innenarbeiten zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen, wäre eine Verzögerung von rund sechs Monaten die Folge gewesen, was zu einer Kostensteigerung von ca. 10 Prozent geführt hätte. Daher entschied man sich für eine parallele oder zeitlich näher beieinander liegende Umsetzung der Arbeiten.

Ein spezifischer Punkt der Innengestaltung war die Entscheidung gegen eine neue Theke für 30.000 Euro, wie in der Quelle erwähnt. Auch die Frage des Fliesenaustauschs im Foyer wurde intensiv diskutiert. Letztendlich war das Ziel, eine moderne Ästhetik zu erreichen, ohne das Budget zu sprengen.

Zusammenfassung der Projektdetails

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Sanierung des Bewegungsbades in Bad Zwesten ein umfassendes Modernisierungsvorhaben darstellt, das die energetische Sanierung von Dach und Fassade, eine komplette Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung sowie Anpassungen im Innenbereich beinhaltet. Trotz erheblicher Herausforderungen in der Projektsteuerung und Verzögerungen durch Fachkräftemangel und Programmwechsel bleibt das Ziel, eine öffentliche Infrastruktur für den Kurort langfristig zu sichern.

Die Investitionssumme von knapp vier Millionen Euro wird durch Landesmittel und Darlehen abgesichert. Die Entscheidungen im Gemeinderat zeigen den Balanceakt zwischen Modernisierungsbedarf, Kostenkontrolle und Ästhetik. Die Fertigstellung war zum Zeitpunkt der Berichterstattung für das Jahr 2022 geplant.

Fazit

Die Sanierung des Bewegungsbades Bad Zwesten ist ein Paradebeispiel für die Modernisierung alter Bausubstanz im öffentlichen Bereich. Die Analyse der zur Verfügung stehenden Informationen zeigt einen komplexen Prozess, der weit über einfache Reparaturen hinausgeht. Die technische Aufrüstung, insbesondere im Bereich der Energieerzeugung und -verteilung durch den Einbau eines BHKWs und Brennwertkesseln, sowie die Nutzung von Ultrafiltration für die Beckenwasserqualität spiegeln den Stand der Technik wider.

Finanziell bewegt sich das Projekt an der Grenze des Machbaren für eine kleine Gemeinde, was die Bedeutung von Landesförderungen und übergeordneten Darlehen unterstreicht. Die Diskussionen um den Austausch von Fliesen oder den Verzicht auf eine neue Theke verdeutlichen die Notwendigkeit strikter Kostenkontrolle. Die Entscheidung, die Sanierung nicht in zwei Phasen aufzuteilen, war aus Sicht der Projektverantwortlichen notwendig, um zusätzliche Kostensteigerungen durch Verzögerungen zu vermeiden. Insgesamt dokumentieren die Quellen einen Modernisierungsprozess, der durch Planungsunsicherheiten und externe Faktoren beeinflusst wurde, dessen Ziel jedoch die Sicherung einer wichtigen sozialen und touristischen Infrastruktur ist.

Quellen

  1. Stadtumbau in Bad Zwesten
  2. Sanierung des Bewegungsbades in Bad Zwesten läuft nicht nach Plan
  3. Bad Zwesten: Bewegungsbad soll moderner aussehen
  4. BAD ZWESTEN. Europastaatssekretär Mark Weinmeister hat am Freitag der Gemeinde Bad Zwesten einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 961.000 Euro überreicht
  5. Technische Gebäudeausrüstung für die Sanierung des in den 70er und 80er Jahren entstandenen Bewegungsbades in Bad Zwesten
  6. Für das Bewegungsbad Bad Zwesten haben wir eine Sanierung umgesetzt, die sowohl optisch als auch funktional überzeugt

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