Das Bahnhofstor Neubrandenburg: Eine integrierte Stadtsanierung zwischen Denkmalschutz und moderner Infrastruktur

Einleitung

Die Umgestaltung des Bereichs um den Neubrandenburger Bahnhof stellt ein komplexes städtebauliches Projekt dar, das weit über eine rein ästhetische Aufwertung hinausgeht. Es handelt sich um eine integrierte Maßnahme, die die historischen Wallanlagen, die mittelalterliche Stadtmauer, den öffentlichen Verkehr sowie kulturelle und digitale Infrastruktur miteinander verknüpft. Die Sanierung des sogenannten „Bahnhofstors“ zielt darauf ab, den Übergang vom Bahnhof in die historische Altstadt funktional und repräsentativ zu gestalten. Dabei müssen vielfältige Anforderungen aus Denkmalschutz, Verkehrsplanung und städtischer Entwicklung in Einklang gebracht werden.

Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Baumaßnahmen, die von der Restaurierung von Denkmälern über die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes bis hin zur Entwicklung des ehemaligen Lokschuppenareals reichen. Basierend auf den vorliegenden Informationen aus Planungs- und Projektdokumenten wird ein detaillierter Überblick über den Stand der Arbeiten, die geplanten Veränderungen und die damit verbundenen Investitionen gegeben.

Die Sanierung der Freianlagen am Bahnhofstor

Ein zentraler Bestandteil der Gesamtmaßnahme ist die Neugestaltung der Freiflächen entlang der Stargarder Straße bis zum Bahnhofstor. Ziel dieser Arbeiten ist es, den historischen Charakter des Walls und der Stadtmauer mit modernen Nutzungsanforderungen zu verbinden.

Der Mudder-Schulten-Brunnen

Ein prominentes Element der Neugestaltung ist der Mudder-Schulten-Brunnen. Die denkmalpflegerische Sanierung dieser historischen Brunnenanlage war ein wesentlicher Schritt. Nach umfangreichen Arbeiten an der Wassertechnik und der Substanz wurde der Brunnen an einem neuen Standort im Bereich des Bahnhofstors in Szene gesetzt. Die Kosten für die Restaurierung und die neue Wassertechnik beliefen sich auf rund 250.000 Euro. Die Wiederinbetriebnahme des Brunnens markiert einen wichtigen Meilenstein, auch wenn die Gesamtbaumaßnahmen in diesem Bereich damit noch nicht abgeschlossen sind.

Integration historischer Elemente

Neben dem Brunnen wurden auch andere Denkmäler aufgewertet. Das Fritz-Reuter-Denkmal wurde in ein neu gestaltetes Umfeld integriert und präsentiert sich nun mit einer neuen Umrandung präsenter. Die Gestaltung des gesamten Bahnhofstors ist Teil eines umfassenden Sanierungskonzepts, das auch die Wallanlagen, die Stadtmauer und das nahegelegene Franziskanerkloster einbezieht.

Moderne Gestaltungselemente: Cortenstahl-Stelen

Ein wesentliches Gestaltungselement der Neugestaltung sind moderne Stahl-Stelen. Laut den Planungen sind rund 20 dieser Stelen geplant, die etwa sechs Meter hoch sind. Sie sollen die Form der historischen Stadtmauer aufnehmen und so den Verlauf der ehemaligen Befestigungsanlage im heutigen Stadtbild sichtbar machen. In einem konkreten Entwurf, der von einer Jury begutachtet wurde, wurden Stelen aus Cortenstahl vorgeschlagen. Diese Stelen verdichten sich zur Stargarder Straße hin und markieren so den Zugang in die Stadt. Dieser Ansatz wird als mutiger und konsequenter Versuch der „Stadtreparatur“ mit Mitteln der Landschaftsarchitektur bewertet. Ergänzt wird diese Gestaltung durch Bänke, Fahrradständer und eine Freilegung des Fritz-Reuter-Denkmals.

Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes

Parallel zu den Arbeiten am Bahnhofstor erfolgt die komplette Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Hier steht die Transformation von einem reinen Verkehrsknotenpunkt zu einem repräsentativen und aufenthaltsqualitätsstiftenden Stadtraum im Vordergrund.

Das Konzept: „Visitenkarte der Stadt“

Der neue Bahnhofsvorplatz soll laut der Stadtverwaltung die „Visitenkarte der Stadt“ und das „Eingangsportal für Besucher“ werden. Der Entwurf sieht vor, den Verkehr effizient zu bündeln und gleichzeitig großzügige Flächen für Fußgänger zu schaffen. Ein Siegerentwurf für diese Neugestaltung wurde bereits gekürt.

Funktionale Zonierung

Die Planungen unterteilen den Vorplatz in verschiedene Funktionsbereiche: * Östlicher Bereich: Hier ist ein großzügiges Platzgefüge mit einem Wasserspiel als Kernelement geplant. Des Weiteren sind hochwertige Sitzmöglichkeiten, große Pflanzinseln und ein gastronomisches Angebot (z.B. Kiosk, Café) vorgesehen. Ein Fontänenfeld mit Stadtlogo, Fahrradboxen und ein barrierefreies WC sind ebenfalls Teil der Planungen auf dieser Seite. * Westlicher Bereich: Dieser Bereich dient der Verkehrsbündelung. Geplant sind Taxistände, eine neue Busspur und Kurzzeitparkplätze. Eine Busspur führt westlich vom Bahnhofsgebäude entlang zum neu gestalteten Busbahnhof. Auch ein Radweg und Infotafeln sind hier vorgesehen.

Veränderungen der Infrastruktur

Im Zuge der Neugestaltung werden bestehende, temporäre Strukturen entfernt. Das derzeitige Toiletten-Häuschen am Busbahnhof sowie die Imbiss-Buden sind in den neuen Plänen nicht mehr enthalten. Besonders erwähnenswert ist das Schicksal des Imbisses „Monika“, der 2021 abbrannte und nur unter der Auflage, im Zuge der Umgestaltung zu weichen, als mobile Lösung wiedereröffnet wurde. Der geplante Busbahnhof ist ebenfalls in Planung.

Das Lokschuppenareal: Denkmalschutz und digitale Innovation

Ein weiteres, zukunftsweisendes Projekt im Umfeld des Bahnhofs ist die Sanierung und der Umbau des denkmalgeschützten Lokschuppenareals. Dieses Areal gewinnt durch seine Nähe zum Bahnhof und zur Innenstadt eine hohe städtebauliche Relevanz.

Auswahl des Architekten

Nach einer Begutachtung mehrerer Entwürfe durch eine Jury wurde das Berliner Architekturbüro AFF Architekten mit der Planung beauftragt. Der Entwurf überzeugte durch eine als „optimale Mischung“ bewertete Kombination aus zukunftsweisender Neugestaltung und dem Schutz des Denkmals. Die Jury lobte den Ansatz einer zurückhaltenden, aber modernen Neuordnung von Fassaden und Innenräumen.

Bauweise und Nutzung

Besonders positiv wurde das vorgeschlagene modulare und hochflexible Holzbausystem für den Innenausbau bewertet. Diese Bauweise ermöglicht eine flexible Anpassung der Nutzung. Auf dem Areal entsteht ein modernes Areal für Jung und Alt. Ein zentraler Bestandteil ist das „Digitale Innovationszentrum“, das künftig das digitale Zentrum der Stadt bilden soll. Ziel der Planung ist es, die Freiflächen so zu gestalten, dass der Raum öffentlich erlebbar wird und eine neue Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Vogelviertel entsteht.

Verkehrsinfrastruktur und technische Anbindung

Die Umgestaltung des Bahnhofsbereichs ist eng mit der Modernisierung der übergeordneten Verkehrsinfrastruktur verbunden. Die Bahnarbeiten beeinflussen die städtischen Maßnahmen und umgekehrt.

Bahnsteigsanierungen und Stellwerkstechnik

Laut den vorliegenden Informationen sollen bis zum März Bahnsteige in fünf Orten saniert sein. Ein wesentlicher technischer Fortschritt ist der Neubau der Stellwerke in Neubrandenburg, Altentreptow und Sternfeld. Die digitale Steuerung des Bahnverkehrs wird künftig aus Burg Stargard erfolgen. Dies erfordert eine umfassende Softwaretests, die derzeit noch laufen.

Entlastung des Verkehrsknotenpunkts

Ein konkretes Datum für die Fertigstellung der Bahnarbeiten ist genannt: Ab dem 1. März soll das Bahnkreuz Neubrandenburg wieder frei sein. Diese Freigabe ist entscheidend für die Entlastung des gesamten Verkehrssystems im Bereich des Bahnhofs und ermöglicht den Fortschritt der städtischen Umgestaltungsmaßnahmen.

Investitionen und Förderung

Die Finanzierung der Projekte erfolgt durch städtische Mittel und staatliche Förderungen. Die Gesamtinvestitionen unterstreichen das Engagement der Stadt, den Bahnhofsbereich aufzuwerten.

  • Gesamtkosten Bahnhofstor: Für die Gestaltung des gesamten Bahnhofstors im Bereich des Walls (Stargarder Straße – Bahnhofstor) werden rund 1,3 Millionen Euro investiert.
  • Fördermittel: Die Stadt kann dabei auf Städtebaufördermittel in Höhe von 763.000 Euro zurückgreifen.
  • Brunnensanierung: Die Sanierung des Mudder-Schulten-Brunnens kostete allein 250.000 Euro.

Diese Zahlen belegen das erhebliche finanzielle Engagement, das in die Aufwertung dieses Stadtbereichs fließt.

Fazit

Die Sanierung und Neugestaltung des Bahnhofstors und des Bahnhofsvorplatzes in Neubrandenburg ist ein Paradebeispiel für eine integrierte Stadtentwicklung. Es gelingt, historische Substanz wie die Stadtmauer und den Mudder-Schulten-Brunnen zu bewahren und durch moderne Gestaltungselemente wie Cortenstahl-Stelen zu ergänzen. Gleichzeitig wird die Verkehrsinfrastruktur modernisiert und durch die Entwicklung des Lokschuppenareals mit einem digitalen Innovationszentrum ein neuer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Impuls gesetzt.

Die Planungen zeigen eine klare Vision: Einen repräsentativen und funktionalen Übergang zwischen dem Verkehrsknotenpunkt Bahnhof und der historischen Altstadt zu schaffen, der sowohl Einheimischen als auch Besuchern einen hohen Aufenthaltswert bietet. Die Umsetzung erfordert eine präzise Abstimmung zwischen Denkmalschutz, Verkehrsplanung und städtebaulicher Ästhetik, die in den vorliegenden Konzepten erkennbar ist.

Quellen

  1. Wir sind Müritzer
  2. Nordkurier
  3. DIZnb
  4. NDR
  5. Baukultur MV

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