Einleitung
Das Bauhaus-Archiv in Berlin, ein bedeutendes Museum für Gestaltung, befindet sich derzeit in einer tiefgreifenden Transformation. Seit 2018 wird das 1979 eröffnete und von Walter Gropius entworfene Gebäudeensemble am Lützowufer im Stadtteil Tiergarten denkmalgerecht saniert und durch einen modernen Erweiterungsbau ergänzt. Diese umfassende Baumaßnahme zielt darauf ab, die wachsende Sammlung und die steigenden Besucherzahlen zu bewältigen, die das ursprüngliche Gebäude an seine Kapazitätsgrenzen brachten. Der Komplex gliedert sich in zwei Hauptnutzungen: Das Bestandsgebäude wird zukünftig als Archiv, Bibliothek, Verwaltung und Veranstaltungsort fungieren, während der neue Erweiterungsbau das Museum für Gestaltung mit Dauer- und Wechselausstellungen, Besucherservice, Shop und Museumspädagogik aufnehmen soll. Die Bauarbeiten, die von dem Architekturbüro Staab Architekten geleitet werden, sind von erheblichen Herausforderungen geprägt, darunter Kostensteigerungen und terminliche Verzögerungen, die im Folgenden detailliert analysiert werden.
Die Notwendigkeit der Sanierung und Erweiterung
Das Bauhaus-Archiv besitzt die weltweit umfangreichste Sammlung zur Geschichte des Bauhauses. Diese umfasst Unterrichtsergebnisse, Werkstattarbeiten, Architekturpläne und -modelle, Fotografien, Dokumente sowie eine umfangreiche Bibliothek. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1979 hat das Haus jedoch ein erhebliches Wachstum erlebt, sowohl in der Anzahl der Kunstwerke und Dokumente als auch in der Zahl der Besucher. Die Quellen legen dar, dass das Gebäude aufgrund des Wachstums der Sammlung und der seit Jahren steigenden Besucherzahlen seit langem zu klein ist und den gestiegenen Anforderungen an ein Museum mit Archivfunktion nicht mehr gerecht wird. Fehlender Platz für Ausstellungen und Service sowie altersbedingte Baumängel machten eine Sanierung sowie eine bauliche Erweiterung des renommierten Hauses notwendig. Ziel ist es, eine zeitgemäße Bibliotheks- und Archivnutzung sowie ein innovatives Museumskonzept mit moderner Kunstvermittlung zu schaffen.
Konzept und Architektur: Trennung von Archiv und Museum
Das zentrale Konzept der Baumaßnahme ist die funktionale Trennung von Archiv und Museum in zwei getrennten Gebäudekomplexen.
Das Bestandsgebäude (Sanierung)
Das unter Denkmalschutz stehende Bestandsgebäude aus dem Jahr 1979 wird einer denkmalgerechten Sanierung unterzogen. Dabei erfolgt eine technische und energetische Ertüchtigung, um die Bausubstanz zu erhalten und den aktuellen Standards anzupassen. Zukünftig wird dieses Gebäude die Bibliotheks- und Verwaltungsnutzung aufnehmen und zudem als Veranstaltungsort dienen. Die architektonische Gestaltung des ursprünglichen Gropius-Baus mit seinen für die Industriearchitektur typischen Shed-Dächern bleibt dabei ein prägendes Merkmal.
Der Erweiterungsbau (Neubau)
Der Neubau, entworfen von Staab Architekten, ist als eigenständiger, aber sich architektonisch in den Gropius-Komplex einfügender Bau geplant. Er wird das Museum für Gestaltung inklusive Besucherservice, Shop und Museumspädagogik beherbergen. Ein markantes Element des Erweiterungsbaus ist ein 20 Meter hoher Turm aus Glas und Stahl, der den Haupteingang bildet. Dieser Turm ist dem Programm für Bildung und Vermidlung gewidmet und beinhaltet unter anderem einen Studiensaal. Der Neubau bietet insgesamt etwa 4.200 Quadratmeter neue Fläche und soll sich durch innovative, energie- und kosteneffiziente Bauweise auszeichnen.
Baufortschritt und Aktueller Status
Die Baustelle am Lützowufer ist seit fast sechs Jahren eine Großbaustelle. Sichtbare Fortschritte sind bereits erkennbar, insbesondere durch den markanten gläsernen Eingangsturm.
Der Eingangsturm
Der 20 Meter hohe Turm aus Glas und Stahl ist ein zentrales Element des Projekts. Laut den vorliegenden Informationen ist dieser Turm inzwischen fertiggestellt. Er wurde für seine konstruktive Gestaltung ausgezeichnet: Im Jahr 2025 erhielt der Turmbau den Österreichischen Stahlbaupreis. Die Errichtung des Turms beinhaltete eine komplexe Stahl-Holz-Konstruktion.
Zeitplan und Verzögerungen
Das Projekt unterliegt erheblichen terminlichen Verschiebungen. Ursprünglich war geplant, den Turm bereits 2021 fertigzustellen und das gesamte Museum 2022 zu eröffnen. Diese Termine konnten nicht eingehalten werden. Als Hauptgründe für die Verzögerungen werden die COVID-19-Pandemie sowie Lieferschwierigkeiten genannt. Aktuell (Stand September 2025) ist das Ziel, die Bauarbeiten bis Herbst 2025 abzuschließen. Ob dieser Termin realistisch ist, wird in den Quellen hinterfragt, da das restliche Ensemble (neben dem fertigen Turm) noch nicht fertiggestellt ist. Als ein Indiz für den bevorstehenden Abschluss dient das Festival "Kommt auf die Baustelle!", das vom 19. bis 21. September 2025 stattfindet und erste Einblicke in den Neubau ermöglichen soll.
Aktueller Nutzungsstatus
Während der Bauarbeiten ist das Bauhaus-Archiv und Museum für Gestaltung vollständig geschlossen. Die Baustelle prägt das Gelände seit über eineinhalb Jahren sichtbar.
Kostenentwicklung und Finanzierung
Die Finanzierung des Projekts stellt eine weitere Herausforderung dar. Die geplanten Kosten haben sich signifikant erhöht.
- Ursprüngliche Kostenschätzung: 64 Millionen Euro.
- Aktuelle Kostenschätzung: Mehr als 90 Millionen Euro (laut einer Quelle genau 91 Mio. €). Eine andere Quelle nennt bereits verbaut 92 Millionen Euro.
Die Kostensteigerung ist erheblich und übersteigt die ursprüngliche Planung um fast 50 Prozent. Finanziert wird das Projekt durch den Bund und das Land Berlin, die sich die Kosten teilen. Bauherrin ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Organisatorischer Rahmen und Beteiligte
Die Durchführung der Baumaßnahme obliegt einem komplexen Netzwerk aus Planern, Handwerkern und Auftraggebern.
- Architektur: Das Berliner Büro Staab Architekten setzte sich 2015 im Wettbewerb um die Erweiterung und Sanierung durch.
- Bauherrin: Land Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
- Projektsteuerung: Laut Quelle [4] umfasst die Projektsteuerung PS 1-5, A-E.
- Beteiligte Gewerke: Am Neubau und an der Instandsetzung sind fast 60 verschiedene Gewerke beteiligt. Zu Spitzenzeiten sind ca. 130 Arbeitskräfte gleichzeitig auf der Baustelle tätig.
- Ingenieurwesen: Das Ingenieurbüro Hitzler ist in das Projekt involviert.
Das Festival "Kommt auf die Baustelle!"
Ein besonderes Event markiert den Übergang von der Bauphase zur Nutzung: Das dreitägige Festival vom 19. bis 21. September 2025. Es bietet nicht nur Rundgänge durch den Museumsneubau, sondern auch ein kulturelles Programm mit Symposien (z.B. zum Thema "Bauhaus und die Oper"), Performances, Installationen und Live-Musik. Dies unterstreicht die Bedeutung des Projekts als kulturellen Beitrag zur Berliner Landschaft.
Fazit
Die Sanierung und Erweiterung des Bauhaus-Archivs Berlin ist ein ambitioniertes Kulturprojekt von internationalem Rang. Es adressiert dringende Kapazitätsprobleme und modernisierungsbedarf an einem historisch bedeutsamen Gebäudeensemble. Die Architektur des Erweiterungsbaus, insbesondere der 20 Meter hohe Glasturm, setzt neue Maßstäbe und wurde bereits prämiert. Gleichzeitig ist das Projekt von erheblichen Schwierigkeiten geprägt: Die Kosten stiegen von geplanten 64 Mio. € auf über 90 Mio. €, und der Zeitplan verzeichnet Verzögerungen von mehreren Jahren, bedingt durch Pandemie und Lieferschwierigkeiten. Trotz dieser Herausforderungen ist die Fertigstellung nunmehr in greifbarer Nähe, symbolisiert durch das Festival im September 2025. Für die Bauwirtschaft zeigt das Projekt exemplarisch die Komplexität von Denkmalsanierungen in großem Maßstab unter Einbindung moderner Energieeffizienz- und Baukonzepte.
Quellen
- Bauhaus-Archiv
- Modernisierung und Erweiterung - Baufortschritt am Bauhaus Museum
- Tiergarten: Wird die Erweiterung des Bauhaus-Archivs bis Herbst 2025 fertig?
- Berlin Bauhausarchiv
- Tiergarten: Wird die Erweiterung des Bauhaus-Archivs bis Herbst 2025 fertig?
- Über uns - Architektur & Gebäude
- Festival um das neue Archivgebäude