Sanierung des Bauhauses Dessau: Historische Rekonstruktion und moderne Energieeffizienz

Das Bauhaus in Dessau, ein Meisterwerk der modernen Architektur und seit 1996 Teil des UNESCO-Welterbes, steht exemplarisch für die Herausforderung, historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig an die Anforderungen einer nachhaltigen Nutzung anzupassen. Die Sanierungsgeschichte des Gebäudes ist geprägt von verschiedenen Phasen, die von Notwendigkeiten der Nachkriegszeit bis hin zu hochtechnisierten Konzepten der Gegenwart reichen. Insbesondere die Maßnahmen in den 1970er Jahren sowie die jüngsten energetischen Optimierungen spielen eine zentrale Rolle für den Fortbestand dieses ikonischen Bauwerks. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und denkmalpflegerischen Aspekte der Sanierung, basierend auf verfügbaren Informationen.

Die Baugeschichte und die Notwendigkeit der Sanierung

Das Bauhausgebäude wurde zwischen 1926 und 1928 nach Plänen von Walter Gropius errichtet und diente bis 1933 als Kunst-, Design- und Architekturschule. Nach der Schließung der Institution wurde das Gebäude bis 1945 unter anderem durch die Landesfrauen-Arbeitsschule genutzt, was seinen Erhalt in der Zeit des Nationalsozialismus sicherstellte.

Ein entscheidender Einschnitt in die Bausubstanz erfolgte im Zweiten Weltkrieg. Am 7. März 1945 wurde Dessau durch Brandbomben schwer getroffen. Das Bauhausgebäude wurde teilweise zerstört, insbesondere die charakteristische Vorhangfassade aus Stahl und Glas konnte der Hitze nicht standhalten. In der unmittelbaren Nachkriegszeit, in einer Phase der Knappheit und Notwendigkeit, wurde die Außenwand provisorisch mit kleinen Lochfenstern wieder aufgemauert. Später, in der DDR-Zeit, wurden horizontale Stahlfenster eingesetzt, die zwar dem ursprünglichen Erscheinungsbild näherkamen, aber nicht die ursprüngliche Konzeption einer durchgehenden Glasfassade widerspiegelten. Die horizontalen, gemauerten Brüstungen blieben erhalten und widersprachen dem Konzept der Vorhangfassade.

Erst 1974 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Dies war der Auftakt für eine Phase grundlegender Sanierungsmaßnahmen.

Die Rekonstruktion 1976: Ein Meilenstein der Bauhaus-Restaurierung

Die Jahre 1974 bis 1976 markieren eine der ersten grundlegenden Sanierungsmaßnahmen an prominenten Bauhaus-Bauten überhaupt. Im Vergleich dazu begannen vergleichbare Sanierungen am Stuttgarter Weißenhof erst in den frühen 1980er Jahren. Diese Maßnahme, oft als „Reko 76“ bezeichnet, zielte darauf ab, die äußere Gestaltung des Bauhauses wiederherzustellen und das Gebäude für eine neue Nutzung als Wissenschaftlich-Kulturelles Zentrum mit Sammlung und Archiv zur Bauhausgeschichte zu ertüchtigen.

Die Planung und Durchführung erfolgten unter der Leitung des Bauhäuslers Konrad Püschel in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar. Eine umfangreiche Bestandserfassung bildete die Grundlage für diese Rekonstruktion, die Restaurierung, Konstruktion, Instandhaltung und technische Verbesserungen umfasste.

Ein zentrales Element war die Wiederherstellung der Vorhangfassade. Da die originale Stahlkonstruktion verloren war und die Materialverarbeitung im Vergleich zu den 1920er Jahren kostspieliger geworden war, entschied man sich für eine Nachstellung in Aluminium. Diese Entscheidung spiegelt den denkmalpflegerischen Anspruch wider, das Erscheinungsbild zu rekonstruieren, ohne den Originalzustand vollständig nachbauen zu müssen. Die Gestaltung der Fassade wurde jedoch angepasst: Während die Stahlstege zur Bauzeit außen dunkelgrau und innen weiß gestrichen waren, wurden die Aluminiumstege einheitlich schwarz eloxiert.

Ebenfalls im Rahmen der Reko 76 wurden die Fenster auf der Brücke und im Nordflügel durch vereinfachte Nachbauten ersetzt. Einige der 1976 entfernten Originalfenster fanden eine sekundäre Verwendung in Gartengewächshäusern in Dessau und Umgebung. Diese Fenster wurden um das Jahr 2000 im Rahmen einer Generalsanierung wiederentdeckt, restauriert und erfolgreich wieder am Gebäude eingesetzt – ein eindrucksvolles Beispiel für Kreislaufdenken im Denkmalschutz, das zeigt, was heute als Abfall gilt, morgen wieder wertvoller Originalbestandteil sein kann.

Herausforderungen der Energieeffizienz und moderne Sanierungskonzepte

Mit dem Aufkommen des Themas energetischer Ertüchtigung im Jahr 2010 rückte die Funktionalität des Bauhauses erneut in den Fokus. Die Stahl-Glas-Fassade, einst revolutionär, führt zu hohen Energieverlusten. Gleichzeitig prägt sie das Erscheinungsbild des Gebäudes fundamental. Eine Umrüstung auf thermisch getrennte Profile und Isolierverglasung hätte die Transparenz und die charakteristischen Reflexionen der Fassade verändert. Daher suchten die Verantwortlichen, darunter die GFE (Gesellschaft für Energieeffizienz), nach Lösungen, die nicht im Baulichen, sondern in der Nutzung und der Anlagentechnik liegen.

Das Ziel war es, denkmalpflegerische Ansprüche des Weltkulturerbes mit den Anforderungen einer nachhaltigen Nutzung zu vereinbaren und die Energieeffizienz des Gebäudes zu optimieren. Die Gebäude des Welterbes „Staatliches Bauhaus“ in Dessau sowie seine Außenanlagen wurden in den letzten Jahren grundlegend saniert und ertüchtigt, teilweise mit Mitteln des Konjunkturpaketes II.

Für diese bauphysikalisch sehr diffizilen Gebäude arbeitet die GFE folgende Konzepte der energetischen und funktionalen Optimierung heraus:

  • Klimatisierung des Sockelgeschosses: Im Werkstattflügel und im Kunstausstellungsraum wurde eine Präzisionsklimaanlage (Vollklimatisierung) installiert, um die sensiblen Ausstellungsbedingungen zu gewährleisten.
  • Erneuerung der Lüftungsanlage: Die Lüftungsanlage in der Mensa wurde erneuert, um den Luftwechsel und das Raumklima zu verbessern.
  • Instandsetzung der gebäudetechnischen Anlagen: Eine umfassende Sanierung der Anlagen für Heizung, Lüftung, Klima (HLK) und Sanitär sowie der Gebäudeleittechnik wurde durchgeführt.
  • Klimatisierung der ehemaligen Brauerei: Der Kellerbereich, einst eine Brauerei, wird nun unter anderem für die Papierlagerung genutzt und klimatisiert. Für die Geschosse darüber, die für diverse Ausstellungen genutzt werden, wurde die Altanlage auf ihre Verwendbarkeit geprüft.
  • Integration erneuerbarer Energien: Es wurden Planungsansätze zur Integrierung einer Solarthermieanlage in die bestehende Anlage erarbeitet.
  • Forschung und Förderung: Ein Sachverständigengutachten im Rahmen des Beweissicherungsverfahrens wurde erstellt, um Mängel an einer automatisierten Bestands-Heizungsanlage zu dokumentieren. Zudem wurde ein Förderantrag im Zuge der Forschung für energieoptimiertes Bauen der Bundesregierung (EnOB) gestellt, um finanzielle Unterstützung für innovative Projekte wie eine Inselheizung oder Fassadenheizung sowie ein intensives Monitoring durch die BTU Cottbus zu erhalten.

Jüngste Maßnahmen: Fassadensanierung und Wiederherstellung des Schriftzugs

Eine aktuelle Maßnahme im Jahr 2024 betrifft die Wiederherstellung des markanten vertikalen „BAUHAUS“-Schriftzugs am südlichen Treppenhaus. Der Schriftzug war im Sommer 2021 aufgrund von Renovierungsarbeiten abgenommen worden. Nach fast drei Jahren kehrte er im Mai 2024 zurück, als Handwerker die sieben Buchstaben erneut an der Fassade befestigten. Diese Arbeiten sind Teil eines umfassenderen Pakets zur Sanierung der historischen Liegenschaften der Stiftung Bauhaus Dessau.

Im Zuge dieser Sanierung wurden weitere wichtige Maßnahmen an der Bausubstanz durchgeführt. Auf dem Ziegelmauerwerk aus den 1920er Jahren und dem Bestandsputz aus den 1970er-Jahren wurde ein besonderer Edelputz mit Glimmeranteilen aufgebracht. Weiterhin wurden der Sockelputz, die Steinholzestriche und die Fenster der Ostfassade saniert. Zudem wurden Sonnenschutzvorhänge angebracht, die einen Beitrag zur Reduzierung der solaren Einstrahlung und damit zur Energieeffizienz leisten, ohne die Fassadenoptik zu verändern.

Das Denkmal-Management und die Zukunft der Instandhaltung

Die Sanierung des Bauhauses ist kein abgeschlossenes Ereignis, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Die Stiftung Bauhaus Dessau hat ein Facility-Management-System eingeführt, das es ermöglicht, Wartungspläne zu erstellen, Aufträge zu verfolgen und Störungen zu melden. Ein spezieller Baustein „Denkmal-Management“ wurde an dieses System angedockt. Das Ziel ist es, alle Beteiligten am Bauhaus-Gebäude in einem System zusammenzuführen und so eine planbare, nachhaltige Instandhaltung der denkmalgeschützten Substanz zu gewährleisten. Diese strukturierte Herangehensweise ist essenziell, um die Lebensdauer des Gebäudes auch für zukünftige Generationen zu sichern.

Fazit

Die Sanierung des Bauhauses Dessau ist ein komplexes Zusammenspiel aus historischer Rekonstruktion und modernster Gebäudetechnik. Die Maßnahmen der 1970er Jahre (Reko 76) haben den Weg für die Wiederherstellung des äußeren Erscheinungsbildes gewiesen, indem sie Aluminium als Ersatz für verlorenen Stahl nutzten und dabei die Optik streng rekonstruierten. Heutige Sanierungen konzentrieren sich darauf, die hohen energetischen Anforderungen an ein modernes Gebäude zu erfüllen, ohne die denkmalpflegerischen Vorgaben des UNESCO-Welterbes zu verletzen. Durch den Einsatz von Präzisionsklimatisierung, innovativen Heizkonzepten und der Nutzung von Fördermitteln wird versucht, eine Balance zwischen Erhalt und Nachhaltigkeit zu finden. Die jüngste Rückkehr des Schriftzugs und die Sanierung der Fassade unterstreichen, dass der Erhalt dieses Gebäudes ein fortlaufender Prozess ist, der technische Präzision und Respekt vor der Architekturgeschichte erfordert.

Quellen

  1. Radiosaw
  2. Kohle Dampf Licht Seen
  3. Gesellschaft für Energieeffizienz
  4. Moderne Regional
  5. Denkmalpraxis Moderne

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