Modellprojekt Passivhaus: Energetische Sanierung der Bergschule in Weißenfels

Die energetische und bauliche Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden stellt die Bauindustrie vor immense Herausforderungen. Insbesondere bei Schulen, die oft über 100 Jahre alt sind und über eine historische Bausubstanz verfügen, müssen modernste Energiewirtschaftsstandards mit den Anforderungen des Denkmalschutzes in Einklang gebracht werden. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Transformation ist die Sanierung der Bergschule in Weißenfels. Dieses Projekt dient als Modellvorhaben des Landes Sachsen-Anhalt und zeigt auf, wie durch innovative Planung und umfangreiche Förderung selbst in einer gründerzeitlichen Klinkerbauweise der Passivhausstandard erreicht werden kann.

Der folgende Artikel beleuchtet die technischen, finanziellen und organisatorischen Aspekte dieses komplexen Vorhabens, das als Leuchtturmprojekt für die zukünftige Sanierungstätigkeit in der Region und darüber hinaus gilt.

Das Projekt und seine Zielsetzung

Die Bergschule in Weißenfels ist ein historisches Gebäude mit einer neogotischen Klinkerfassade, das über mehr als ein Jahrhundert seine ursprüngliche Substanz bewahrt hat. Aufgrund des erheblichen Alters und des zunehmenden Verfalls war eine umfassende Sanierung unumgänglich. Ziel des Projekts war es nicht nur, die Bausubstanz zu erhalten, sondern das Gebäude in ein modernes, energieeffizientes Schulgebäude zu überführen.

Als Teil des Förderprogramms „Stark III“ wurde die Bergschule als Modellvorhaben ausgewählt. Der primäre technische Anspruch bestand darin, den Passivhausstandard in einer gründerzeitlichen Baustruktur zu verwirklichen. Dies bedeutet eine drastische Reduzierung des Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser, was für die zukünftigen Betriebskosten der Schule von entscheidender Bedeutung ist. Das Projekt umfasste dabei eine integrierte Grundschule mit einem zweizügigen Hort, was die Anforderungen an die Raumnutzung und die Haustechnik weiter komplexifizierte.

Herausforderungen bei der Denkmalsanierung

Die Sanierung eines denkmalgeschützten Backsteinbaus erfordert eine besonders sorgfältige Planung. Die Herausforderung lag darin, die charakteristische neogotische Fassade zu erhalten und gleichzeitig die Energieverluste durch das Mauerwerk zu minimieren. Die Datenlage zeigt, dass die Sanierung unter strenger Aufsicht des Denkmalschutzes erfolgen musste, wobei der Erhalt der historischen Klinkerfassade oberste Priorität hatte.

Ein zentraler Aspekt war die Integration moderner technischer Anlagen in die historische Bausubstanz. Dies betraf nicht nur die energetische Hülle, sondern insbesondere die Haustechnik. Die Installation einer komplexen Lüftungsanlage sowie einer Deckenheizung war notwendig, um die hohen Anforderungen an das Raumklima und die Energieeffizienz zu erfüllen, ohne die historische Architektur zu beeinträchtigen. Zudem musste das Gebäude barrierefrei ausgestattet werden, was die Integration eines Aufzugs erforderte.

Technische Umsetzung und Haustechnik

Die technische Ausstattung der Bergschule nach der Sanierung spiegelt den Stand der Technik wider. Neben der energetischen Hülle, die durch eine umfassende Dämmung und moderne Fenster verbessert wurde, ist insbesondere die Haustechnik hervorzuheben.

  • Lüftungstechnik: Die Installation einer komplexen Lüftungsanlage ist essenziell für den Passivhausstandard. Sie sorgt für eine kontrollierte Luftzufuhr und -abfuhr, wodurch ein hohes Maß an Luftdichtheit des Gebäudes ermöglicht wird, ohne auf das Lüften durch die Nutzer angewiesen zu sein. Dies ist in Schulgebäuden mit hohen Personendichten besonders wichtig.
  • Heizung: Der Einsatz einer Deckenheizung sorgt für eine gleichmäßige Wärmeverteilung und bietet bei niedrigen Vorlauftemperaturen eine hohe Effizienz, was ideal mit den Anforderungen eines Passivhauses zusammenpasst.
  • Barrierefreiheit: Die Installation eines Aufzugs machte das Gebäude für alle Nutzergruppen zugänglich und erfüllt heutige normative Anforderungen an öffentliche Gebäude.

Die Planung und Ausführung dieser Gewerke oblag einem Generalplaner, der die Objektplanung für die Grundschule mit integriertem Hort übernahm. Laut den Projektdaten war das Büro aus Leipzig für die umfassende Planung verantwortlich, wobei die Bauherrschaft bei der Stadtverwaltung Weißenfels lag. Die Architekturleistung wurde durch Auspurg Borchowitz + Partner aus Leipzig erbracht, die das Projekt seit dem Jahr 2013 begleiteten. Zu den planerischen Leistungen gehörten die Grundleistungen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) Teil IX, Leistungsphasen 1 bis 8, was die volle Bandbreite der Planung von der Vorplanung bis zur Objektüberwachung abdeckt.

Finanzierung und Kostenentwicklung

Ein zentraler und komplexer Aspekt des Projekts war die Finanzierung. Die Sanierung der Bergschule stand wiederholt im Fokus der politischen Diskussion, da sich die Kosten im Laufe der Zeit deutlich entwickelten.

Ursprünglich wurde das Projekt mit einem Volumen von etwa 3,6 Millionen Euro kalkuliert. Im Laufe der Planung und Ausschreibung stellte sich jedoch heraus, dass die Kosten deutlich höher ausfallen würden. Die mit der Projektierung beauftragten Architekten kalkulierten in einem späteren Stadium mit rund 5,9 Millionen Euro. Nach intensiven Verhandlungen und der Suche nach Einsparpotenzialen einigte man sich auf einen Gesamtaufwand von knapp 5,5 Millionen Euro.

Die Finanzierung erfolgt zu einem Großteil durch Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt. Im Rahmen des Programms „Stark III“ beträgt der Förderanteil 70 Prozent der Gesamtkosten. Dies entspricht einem Betrag von rund 3,5 Millionen Euro, wie im Fördermittelbescheid bestätigt wurde. Für den verbleibenden Eigenanteil von etwa 1,6 Millionen Euro kann die Stadt Weißenfels ein zinsloses Darlehen aufnehmen.

Trotz der hohen Förderquote entstand eine finanzielle Deckungslücke. Ursprünglich war geplant, dass die Stadt den Eigenanteil von 1,6 Millionen Euro stemmen müsste. Durch die gestiegenen Gesamtkosten musste die Stadt jedoch 1,9 Millionen Euro Eigenmittel bereitstellen. Dies bedeutet eine Mehrbelastung von einer halben Million Euro gegenüber der ursprünglichen Planung bei 70-prozentiger Förderung. Diese Diskrepanz führte zu politischen Auseinandersetzungen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung lehnte einen Beschlussvorschlag ab, der vorsah, die Deckungslücke von rund 500.000 Euro durch zusätzliche Eigen- oder Kreditmittel zu schließen. Die endgültige Entscheidung über die Finanzierung musste letztlich vom Weißenfelser Stadtrat getroffen werden.

Trotz der finanziellen Herausforderungen betonte der Oberbürgermeister, dass eine Sanierung ohne die Förderung des Landes gar nicht möglich gewesen wäre. Er bezeichnete den Druck des Landes, das Projekt zu realisieren, als „positive Erpressung“, da sonst die Chance auf die umfangreiche Sanierung verpasst worden wäre.

Zeitplan und Umsetzung

Die Sanierung zog sich über einen längeren Zeitraum hin. Die Planungs- und Genehmigungsphase begann bereits 2013. Die Diskussionen über die Kostenentwicklung und die Finanzierung nahmen fast ein Jahr in Anspruch. Die Stadt Weißenfels hatte sich als Ziel gesetzt, die Übergabe der Grundschule an den Schuljahresbeginn 2015. Dieser Termin wurde als sehr sportlich bewertet.

Während der Sanierungsarbeiten waren die Schüler provisorisch in der Altstadtschule untergebracht. Trotz der Verzögerungen und der Unsicherheiten bezüglich der Kosten zeigte sich die Schulleitung verständnisvoll und freute sich auf die innovativen Methoden und die moderne Ausstattung, die den Schülern nach Abschluss der Arbeiten geboten werden sollten. Das Ziel, die Bergschule als eine der modernsten Schulen im Land mit dem Status eines Passivhauses zu etablieren, rechtfertigte aus Sicht der Verantwortlichen die Anstrengungen und die verlängerte Wartezeit.

Bedeutung als Modellprojekt

Die Bergschule in Weißenfels ist nicht nur ein Schulgebäude, sondern ein Leuchtturm für die zukünftige Bauwirtschaft in der Region. Als eines von acht ähnlichen Projekten in Sachsen-Anhalt zeigt es Wege auf, wie historische Bausubstanz energetisch saniert werden kann. Die Erkenntnisse aus der Planung und Umsetzung fließen in zukünftige Sanierungsprojekte ein.

Das Projekt beweist, dass es machbar ist, den Passivhausstandard auch in anspruchsvollen, denkmalgeschützten Altbauten zu erreichen. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudebereich. Die hohe Förderquote durch das Land unterstreicht zudem die politische Bedeutung solcher Vorhaben. Für Bauherren und Kommunen, die vor ähnlichen Aufgaben stehen, bietet die Bergschule wertvolle Erkenntnisse über die Notwendigkeit einer frühzeitigen und detaillierten Kalkulation sowie über die Bedeutung der Fördermittelakquise.

Fazit

Die energetische Sanierung der Bergschule in Weißenfels ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Verbindung von Denkmalschutz, moderner Energiewirtschaft und öffentlicher Bauverwaltung. Trotz erheblicher finanzieller Hürden und einer komplexen Kostenentwicklung konnte das Projekt als Modellvorhaben realisiert werden. Der Einsatz innovativer Technologien wie einer komplexen Lüftungsanlage und einer Deckenheizung in Kombination mit der Zielsetzung, den Passivhausstandard zu erreichen, macht das Gebäude zu einer zukunftsweisenden Bildungsstätte. Die Erfahrungen aus Weißenfels werden zweifellos als wichtige Referenz für die Sanierung anderer historischer Gebäude in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus dienen.

Quellen

  1. Auspurg Löwenstein - Sanierung der Bergschule Weissenfels
  2. Gruppe Vier - Bergschule Weissenfels, Energetische Sanierung
  3. MZ - Weissenfels: Tauziehen um Sanierungskosten der Bergschule
  4. MZ - Weissenfels: Sanierung der Bergschule kann beginnen

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