Einleitung
Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) befinden sich derzeit in einer historisch beispiellosen Investitions- und Modernisierungsphase. Ein umfassendes Sanierungsprogramm, das sich über mehrere Jahre erstreckt, zielt darauf ab, den maroden Bestand an Hallen- und Freibädern in der deutschen Hauptstadt zu erneuern. Mit einem Gesamtvolumen von über 210 Millionen Euro für aktuelle und unmittelbar bevorstehende Bauprojekte plant die landeseigene Gesellschaft, die Bäderlandschaft nachhaltig zu revitalisieren. Dieser Prozess ist jedoch mit erheblichen Einschränkungen für Badegäste, Vereine und Schulen verbunden, da ein Fünftel der gesamten Kapazität durch gleichzeitige Baustellen blockiert ist. Der Vorstandsvorsitzende Johannes Kleinsorg bezeichnet den aktuellen Zeitpunkt als den „Höhepunkt“ der Sanierungswelle, der die Notwendigkeit langfristiger Planung und solider Finanzierung unterstreicht.
Der Umfang der Sanierungsmaßnahmen
Die gegenwärtige Investitionsstrategie der Berliner Bäderbetriebe konzentriert sich auf die Beseitigung von Bauschäden und die technische Modernisierung von Schwimmhallen und Außenanlagen. Laut Angaben des Vorstandes sind Bauvorhaben mit einem Volumen von rund 210 Millionen Euro in der Umsetzung. Dieser Betrag setzt sich aus laufenden Projekten sowie vier neuen Großbaustellen zusammen, die im Jahr 2024 starten sollen. Diese neuen Vorhaben umfassen ein Gesamtvolumen von fast 50 Millionen Euro.
Besonders hervorzuheben ist die Intensität der gleichzeitigen Arbeiten. In keinem anderen Jahr der Unternehmensgeschichte wurden so viele Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten parallel durchgeführt wie im aktuellen Zeitraum. Im Jahr 2023 wurden bereits in 13 Bädern Arbeiten angestoßen oder durchgeführt, darunter fünf Grund- und Teilsanierungen. Derzeit befinden sich laut Aussagen des Vorstands drei Bäder im aktiven Baustellenstatus. Diese hohe Dichte an Baustellen führt zu einer historisch einzigartigen Belastung für die Infrastruktur des Unternehmens, ermöglicht aber auch eine effizientere Ressourcenplanung durch gebündelte Maßnahmen.
Geplante Bauprojekte 2024
Im Zentrum der aktuellen Planung stehen vier spezifische Standorte, an denen die Arbeiten beginnen oder fortgesetzt werden. Diese Projekte verdeutlichen die Bandbreite der notwendigen Eingriffe – von der Grundsanierung bis zum Ergänzungsbau.
Kombibad Mariendorf
Ein zentrales Projekt ist die Grundsanierung des Kombibades Mariendorf. Ursprünglich war der Baubeginn für das Jahr 2025 vorgesehen. Durch ein unvorhergesehenes Ereignis wurde der Zeitplan jedoch vorgezogen: Im September 2022 brach im Keller des Bades ein Brand aus, der einen Stromausfall zur Folge hatte. Da der Schaden den Betrieb ohnehin lahmlegte, nutzten die Bäderbetriebe die Gelegenheit, die umfangreichen Sanierungsarbeiten früher als geplant aufzunehmen. Für das 1974 erbaute Kombibad sind Investitionen in Höhe von 32 Millionen Euro geplant. Das Konzept sieht eine Entkernung bis auf die Grundmauern vor, um das Bad vollständig neu auszustatten.
Stadtbad Schöneberg und Sommerbad Spandau Süd
Ebenfalls in das Sanierungsprogramm einbezogen sind das Stadtbad Schöneberg und das Sommerbad des Kombibades Spandau Süd. Während die genauen technischen Details der Sanierung in der zur Verfügung gestellten Datenlage nur allgemein umrissen werden, handelt es sich hierbei um klassische Bestandsbauten, deren Modernisierung notwendig geworden ist, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und den Komfort zu steigern.
Stadtbad Tiergarten
Im Stadtbad Tiergarten ist eine besondere Maßnahme geplant: der Bau eines Außenbeckens. Diese Ergänzung zielt darauf ab, das Bad auch in der warmen Jahreszeit attraktiver zu machen und das Angebot zu erweitern. Der Bau eines neuen Außenbeckens in einem etablierten Hallenbad stellt eine strategische Aufwertung der Immobilie dar und soll langfristig die Besucherzahlen stabilisieren.
Laufende Sanierungen und Modernisierungen
Neben den neuen Projekten laufen umfangreiche Sanierungen an bereits begonnenen Standorten, die einen erheblichen Teil des Budgets binden.
Wellenbad am Spreewaldplatz
Das Wellenbad am Spreewaldplatz gilt als ein „Modellprojekt“ für die Sanierung Berlins. Die Arbeiten hier umfassen einen modernen Ausbau, bei dem die alte Struktur in eine neue, moderne Halle überführt wird. Mit einem Kostenvolumen von 42 Millionen Euro ist dies das teuerste Einzelprojekt im aktuellen Portfolio. Ziel ist es, die veraltete Bausubstanz durch zeitgemäßes Design und effizientere Technik zu ersetzen.
Schwimmhalle Zingster Straße
In der Schwimmhalle Zingster Straße im Bezirk Hohenschönhausen wird bis 2025 ein neues Schwimmerbecken aus Edelstahl eingebaut. Die Wahl dieses Materials ist strategisch begründet: Edelstahl soll die Langlebigkeit der Anlage erhöhen, den Wartungsaufwand senken und das Erscheinungsbild modernisieren. Diese Maßnahme ist ein Beispiel für den Fokus auf Materialinnovationen, um die Betriebskosten zu senken und die Standzeit von Sanitärinstallationen zu verlängern.
Paracelsus-Bad
Die Sanierung des Paracelsus-Bades in Reinickendorf wird fortgesetzt. Auch hier handelt es sich um eine grundlegende Instandsetzung, die notwendig geworden ist, um den Badestandort dauerhaft zu sichern.
Herausforderungen durch die Bauaktivitäten
Die hohe Anzahl gleichzeitiger Baustellen führt zu massiven Einschränkungen beim Badegast. Der Vorstandsvorsitzende Johannes Kleinsorg räumt ein, dass sich Besucher auf Einschränkungen einstellen müssen.
Kapazitätsengpässe
Derzeit sind sieben Hallenbäder vollständig geschlossen. Das entspricht etwa einem Fünftel der gesamten Kapazität Berlins. Insgesamt sind laut Kleinsorg noch 30 Hallenbäder geöffnet. Der Verlust von Wasserfläche betrifft nicht nur den Freizeitsport, sondern auch den Vereins- und Schulsport. Es fehlen wichtige Trainingsstätten, was zu Engpässen in der Stadtteilversorgung führt. Die Bäderbetriebe versuchen zwar, die Schulversorgung sicherzustellen, doch die räumliche Verknappung stellt eine logistische Herausforderung dar.
Finanzielle Risiken und Haushaltsplanung
Trotz des aktuellen Aufbruchs drohen langfristig Risiken durch mögliche Sparmaßnahmen des Landes Berlin. In der Vergangenheit mussten bereits Projekte gestoppt oder neu bewertet werden. Ein Beispiel hierfür ist das geplante Spaßbad am Standort Spandau, das im Frühjahr 2022 abgesagt wurde, nachdem die Kosten für den Neubau aus dem Ruder gelaufen waren. Diese Erfahrung zeigt die Sensibilität der Finanzplanung im kommunalen Bäderbereich. Aktuell plant das Unternehmen jedoch optimistisch, die Vorhaben realisieren zu können.
Strategische Bedeutung der Modernisierung
Die Sanierungswelle ist mehr als nur Instandhaltung; sie ist eine strategische Antwort auf den Zustand der Bäder, die nach der Wiedervereinigung gebaut oder erweitert wurden und sich nun in einem kritischen Zustand befinden. Durch den Einsatz moderner Materialien wie Edelstahl und die Neugestaltung von Beckenanlagen versucht man, die Betriebskosten zu senken und die Attraktivität der Standorte zu steigern. Der Bau eines Außenbeckens in Tiergarten zeigt zudem, wie bestehende Immobilien durch neue Nutzungsangebote aufgewertet werden.
Fazit
Die Berliner Bäderbetriebe stehen vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte: Die Erneuerung eines überalterten und stark genutzten Bäderbestands unter laufendem Betrieb. Mit Investitionen von über 210 Millionen Euro wird eine massive Sanierungswelle eingeleitet, die bis 2025 andauern wird. Die Projekte in Mariendorf, Schöneberg, Spandau und Tiergarten sowie die laufenden Modernisierungen am Spreewaldplatz und in Zingster Straße sind entscheidend, um die Infrastruktur für den Schwimmsport in Berlin zu sichern. Allerdings bedeutet der „Höhepunkt“ der Sanierung für die Bürger auch eine Phase der Einschränkung: Mit sieben geschlossenen Hallenbädern fehlt ein beträchtlicher Teil der Kapazität. Die Balance zwischen notwendigem Investitionsstau, steigenden Kosten und der Sicherung des öffentlichen Angebots bleibt die zentrale Aufgabe für die Zukunft.