Die Sanierung von öffentlichen Gebäuden, insbesondere von Schulen und Bildungszentren, stellt eine der zentralen Aufgaben für Kommunen dar. In Markgröningen, einer Stadt mit reicher Bautradition, stehen mehrere groß angelegte Sanierungsprojekte an, die nicht nur die Bausubstanz der 1970er Jahre erneuern, sondern auch auf die energetische Effizienz und die Anforderungen an eine moderne Lernumgebung abzielen. Diese Projekte sind geprägt von wirtschaftlichen Herausforderungen, logistischen Komplexitäten und der Notwendigkeit, den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Dieser Artikel beleuchtet die Sanierungsstrategien, technischen Maßnahmen und städtebaulichen Rahmenbedingungen am Beispiel der Bildungszentren in Markgröningen.
Das Bildungszentrum Benzberg: Ein Großprojekt in vier Bauabschnitten
Das Bildungszentrum Benzberg in Markgröningen umfasst das Hans-Grüninger-Gymnasium, die Realschule, zwei Sporthallen und eine Mensa. Die Gebäude entstanden in den 1970er Jahren in Betonskelettbauweise und unterlagen einem dringenden Sanierungsbedarf, um funktional neu strukturiert und technisch modernisiert zu werden.
Planung und Management
Für die Umsetzung der umfangreichen Grundsanierung wurde ein komplexes Projektmanagement erforderlich. Quellen zufolge erfolgte die Bearbeitung im Joint-Venture mit der wpm Projektmanagement GmbH. Ein entscheidender Schritt war die Durchführung eines Architektenwettbewerbs auf der Grundlage eines VOF-Verfahrens (Verfahren zur Auswahl von Angeboten für Dienstleistungen), um die beste Planungslösung zu ermitteln.
Eine besondere Herausforderung stellte die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs während der Baumaßnahmen dar. Um dies zu gewährleisten, wurde eine Realisierung in insgesamt vier Bauabschnitten geplant. Zusätzlich wurde eine temporäre Flächenerweiterung durch Raumcontainer als Interimslösung vorgesehen. Diese Strategie ermöglicht es, das Gebäude nach und nach zu sanieren, ohne den Unterrichtsbetrieb vollständig unterbrechen zu müssen.
Wirtschaftliche Faktoren und Marktdynamiken
Die Sanierung des Bildungszentrums Benzberg steht im Kontext allgemeiner wirtschaftlicher Herausforderungen im Baubereich. Berichte aus der Zeit der Projektplanung und -durchführung (2013–2016) machen deutlich, dass die explodierenden Baupreise ein erhebliches Risiko für kommunale Haushalte darstellten. Gleichzeitig mussten demografische Entwicklungen berücksichtigt werden. Rückläufige Schülerzahlen in der Region führten zu Diskussionen über die Notwendigkeit und den Umfang der Sanierung, da eine Überkapazität an Schulstandorten finanziell belastend wirken kann. Hinzu kamen konkurrierende Entwicklungen in Nachbargemeinden, wie die Gründung einer Gemeinschaftsschule in Schwieberdingen und Hemmingen, die potenziell negative Auswirkungen auf die Schülerzahlen am Hans-Grüninger-Gymnasium haben und damit die Finanzplanung beeinflussen konnten.
Die August-Hermann-Werner-Schule: Sukzessive Sanierung von Gebäude B und C1
Neben dem Bildungszentrum Benzberg ist die August-Hermann-Werner-Schule ein weiterer zentraler Sanierungsstandort in Markgröningen. Es handelt sich um ein Staatliches Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt für körperliche und motorische Entwicklung. Der Komplex wurde ebenfalls in den 1970er Jahren errichtet und besteht aus elf Gebäuden. Die Sanierung erfolgt hier sukzessive.
Sanierung des Gebäude B (Schwimmbad, Turnhalle, Therapiebereich)
Die Komplettsanierung des Gebäude B, das Schwimmbad, Turnhalle und Therapiebereich umfasst, wurde in zwei Bauabschnitten durchgeführt. Ziel war es, trotz der Baumaßnahme über einen langen Zeitraum immer eine Sportstätte zur Verfügung zu stellen. Das Raumprogramm blieb dabei größtenteils unverändert.
Ein zentrales Element der Sanierung war ein vorab geplantes Fassadenkonzept, das in dieser Maßnahme zum ersten Mal ausgeführt wurde und bei weiteren Gebäuden des Areals Anwendung finden soll. Die Ausstattungen sowie die Haustechnik wurden komplett ausgetauscht. Um die energetische Effizienz zu steigern, wurden auf dem Dach zwei Photovoltaikanlagen errichtet. Die Planung und Bauleitung erfolgten durch das Architekturbüro DUplus Hunzinger Krug Architekten aus Rastatt.
Sanierung des Gebäude C1 (Unterrichts-, Wohn- und Verwaltungsgebäude)
Das viergeschossige Gebäude C1, ursprünglich als Internat gebaut und heute als Unterrichts-, Wohn- und Verwaltungsgebäude genutzt, hat eine Größe von rund 1.900 Quadratmetern. Die Sanierung dieses Gebäudes wurde durch die Baufreigabe des Ministeriums für Finanzen ermöglicht. Vermögen und Bau Ludwigsburg leitet das Projekt, wobei das Land Baden-Württemberg rund 8,8 Millionen Euro investiert.
Die Sanierung umfasst sowohl die energetische Dach-, Fassaden- und Fenstersanierung als auch eine umfassende Innensanierung. Ein wichtiger technischer Aspekt ist die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach mit einer Fläche von rund 150 Quadratmetern und einer Leistung von etwa 30 Kilowatt Peak. Die Fertigstellung der Sanierung ist für das Jahr 2025 geplant.
Städtebauliche Rahmenbedingungen und Förderpolitik
Die Sanierung von Einzelgebäuden ist in Markgröningen eingebettet in eine umfassende Stadtkernsanierung. Die Stadt hat für die nächsten zehn Jahre ein Sanierungsverfahren für den „Stadtkern V“ geplant, umfangreiche Maßnahmen umzusetzen.
Maßnahmen des Sanierungsverfahrens
Zu den geplanten Maßnahmen gehören: - Gestaltung von Plätzen (Marktplatz, Platz am Vollandhaus/Ostergasse, Kirchplatz) mit Fokus auf Barrierefreiheit. - Verbesserung der Zugänge zur Innenstadt (Ostertor, Schnelltörle, Helenenstraße). - Verbesserung der Übersichtlichkeit und Nutzbarkeit des Kerns durch ein Parkleitsystem und klare Wegeführung. - Schaffung von Parkflächen. - Umsetzung eines energetischen Quartierskonzepts für die Innenstadt, beispielsweise durch den Ausbau eines Nahwärmenetzes und die energetische Sanierung städtischer Gebäude.
Förderrichtlinien und Anreize
Um die Sanierung voranzutreiben, hat der Gemeinderat Förderrichtlinien beschlossen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Stabilisierung der Haupteinkaufszone. Hierbei wird zwischen reinen Wohnbauvorhaben und Vorhaben mit gewerblichem Anteil unterschieden: - Die Förderquote für private Maßnahmen wurde auf maximal 15 % reduziert. - Vorhaben mit gewerblichem Anteil, die den Zielen der nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung dienen, erhalten einen Zuschlag von 5 % und werden damit mit maximal 20 % gefördert.
Ein Beispiel für die erfolgreiche Nutzung von Fördermitteln ist der Marktplatz: Zwei Gebäude wurden grundlegend saniert, ein weiteres folgt. Vier Gebäude erhielten eine Sanierung der Fassade, wobei drei im rein städtisch finanzierten Stadtbildprogramm gefördert wurden.
Analyse der Sanierungsstrategien
Die Sanierungsprojekte in Markgröningen zeigen exemplarisch, wie Kommunen mit begrenzten Ressourcen und hohen Anforderungen an die Bausubstanz umgehen. Die Strategie der sukzessiven Sanierung (Bauabschnitte) ist essenziell, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Dies erfordert eine präzise Logistik und Koordination, wie sie im Bildungszentrum Benzberg durch das Joint-Venture mit einem spezialisierten Projektmanagement-Unternehmen sichergestellt wurde.
Die energetische Sanierung steht im Vordergrund aller beschriebenen Maßnahmen. Die Installation von Photovoltaikanlagen (Gebäude B und C1), die Verbesserung der Fassaden und Fenster sowie die Integration in städtische Nahwärmenetze zeigen den Wandel von reinen Instandhaltungsmaßnahmen hin zu zukunftsfähigen Klimaschutzmaßnahmen. Die Dach- und Fassadensanierung dient dabei nicht nur der Energieeinsparung, sondern auch der Erhaltung der Bausubstast.
Die wirtschaftliche Planung steht unter Vorbehalt. Die explodierenden Baupreise, die in den Quellen für das Bildungszentrum Benzberg genannt werden, sind ein Warnsignal für alle Bauherren – seien es Kommunen oder Privatpersonen. Die Notwendigkeit, die Finanzierung immer wieder an veränderte Markbedingungen und Schülerzahlen anzupassen, illustriert die volatilen Rahmenbedingungen im öffentlichen Bauwesen.
Die architektonische und technische Weiterentwicklung wird anhand des Fassadenkonzepts der August-Hermann-Werner-Schule deutlich. Es wird nicht nur punktuell saniert, sondern ein Gesamtkonzept entwickelt, das auf nachfolgende Gebäude übertragen wird. Dies sichert eine einheitliche Ästhetik und technische Qualität über das gesamte Areal.
Fazit
Die Sanierungsmaßnahmen in Markgröningen, konkretisiert an den Beispielen Bildungszentrum Benzberg und August-Hermann-Werner-Schule, demonstrieren das komplexe Zusammenspiel von technischen Anforderungen, wirtschaftlichen Zwängen und städtebaulichen Visionen. Die Projekte zeigen, dass eine erfolgreiche Sanierung unter laufendem Betrieb nur durch eine detaillierte Planung in Bauabschnitten und die Einbindung spezialisierter Managementstrukturen möglich ist. Der Fokus liegt klar auf der energetischen Aufwertung und der Schaffung moderner, barrierefreier und funktionaler Räume. Die städtische Förderpolitik unterstützt diese Bestrebungen durch gezielte Anreize, die sowohl den Denkmalschutz als auch die wirtschaftliche Stabilität der Innenstadt fördern. Für Bauinteressenten und Immobilienbesitzer in der Region sind diese Entwicklungen ein Indikator für den Wert, der auf eine nachhaltige und zukunftsfähige Bausubstanz gelegt wird.