Analyse des gescheiterten Sanierungsvorhabens und der aktuellen Entwicklung des Bredero-Hochhauses in Hannover

Einleitung

Das Bredero-Hochhaus in Hannover, gelegen an der Hamburger Allee hinter dem Hauptbahnhof, stellt seit Jahrzehnten eine umstrittene architektonische Landmarke des Brutalismus dar. Ursprünglich als Bürokomplex konzipiert, befindet sich das Gebäude seit langem in einem Zustand der Vernachlässigung und ist Gegenstand kontroverser Sanierungsdebatten. Der vorliegende Artikel analysiert den aktuellen Status des Gebäudes, basierend auf den zur Verfügung gestellten Informationen aus lokalen Medienberichten. Der Fokus liegt auf den gescheiterten Umbauplänen, den rechtlichen und administrativen Hürden sowie den nunmehr umgesetzten Maßnahmen zur Instandhaltung.

Aktueller Status und Sanierungsmaßnahmen

Die Entwicklung des Bredero-Hochhauses ist von einem Wechselbad der Emotionen geprägt. Während ursprünglich ehrgeizige Pläne für eine komplette Transformation vorlagen, beschränken sich die aktuellen Aktivitäten auf grundlegende Instandhaltungsarbeiten.

Das Ende der großzügigen Umbaupläne

Laut der HAZ (Source 1) und weiteren Berichten (Source 4) ist die Sanierung des Hochhauses gescheitert. Der Großeigentümer, die Maxime Investment, hat es innerhalb von acht Jahren nicht geschafft, die Pläne für einen größeren Umbau umzusetzen. Konkret geplant war die Umwandlung leerstehender Büroetagen in Wohnungen sowie eine komplette Fassadensanierung (Source 2).

Ein wesentlicher Faktor für das Scheitern waren offenbar rechtliche Auseinandersetzungen. Medienberichten zufolge gab es Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Großeigentümer Maxime Investment und den Wohnungseigentümern im Gebäude (Source 2). Zudem signalisierte der Eigentümer der Stadt Hannover, dass eine Erneuerung nach den ursprünglichen Vorstellungen nicht möglich sei.

Administrative Konsequenzen

Als Reaktion auf das Scheitern der Umbaupläne plant die Stadt Hannover, den aktuellen Bebauungsplan für ungültig zu erklären (Source 2). Da alle Fristen für den Umbau ausgelaufen sind, muss die Ratspolitik nur noch zustimmen. Dem Vernehmen nach soll die Initiative zur Aufhebung der Baupläne sogar vom Eigentümer selbst ausgegangen sein (Source 2). Dieser Schritt bedeutet faktisch, dass die geplante Umwandlung von Büroflächen in Wohnungen sowie die Umgestaltung der Fassade formal zurückgenommen wird (Source 5).

Aktuelle Bauarbeiten: Fokus auf Fenster und Energiestandard

Anstelle einer vollständigen Transformation erfolgt nun eine sogenannte „Schmalspursanierung“ (Source 5). Laut der HAZ werden nun 780 neue Fenster für die Etagen 6 bis 17 eingebaut (Source 5). Das erklärte Ziel dieser Maßnahme ist die Verbesserung des Energiestandards des Hochhauses.

Entgegen ursprünglicher Gerüchte über eine Umwandlung in Wohnungen bleibt es bei der Nutzung als Büroflächen (Source 5). Die Büroturmetagen mit mehr als 12.500 Quadratmetern Fläche stehen bereits seit 2007 leer (Source 5).

Fassadensanierung: Zwischen Aluminiumoptik und Verzögerungen

Die Gestaltung der Fassade war ein zentraler Punkt der gescheiterten Pläne. Auch wenn die komplette Umwandlung gescheitert ist, beschäftigt sich der öffentliche Diskurs weiterhin mit dem Erscheinungsbild des Gebäudes.

ursprüngliche Visionen

Ein Artikel von Engel & Völkers (Source 6) erwähnt Pläne der IF Architecture GmbH für eine grundlegende Neugestaltung, die auf „zeitgemäße Elemente in modernem Look“ setzen sollte. Ziel war es, den als „trist und wenig einladend“ empfundenen Brutalismus aus den 1970er Jahren (Eröffnung 1975) zu überwinden (Source 6).

Konkrete Pläne und Verzögerungen

Laut Source 3 plante der Eigentümer Maxime Invest GmbH, rund 20 Millionen Euro in die Sanierung der Fassade zu investieren. Die Vision beinhaltete eine Aluminiumoptik sowie den Einbau von Balkonen. Die ursprüngliche Fertigstellung war für das Jahr 2017 vorgesehen.

Allerdings gab es erhebliche Verzögerungen. Die Stadt Hannover monierte fehlende Unterlagen und Informationen zur Fassadenkonstruktion, weshalb die Baugenehmigung zunächst nicht erteilt wurde (Source 3). Später wurde bekannt, dass Maxime ein anderes Material für die Fassade erwog, was eine Nachtragsänderung und weitere Verzögerungen nach sich zog (Source 3).

Eine Stellungnahme von Udo Lüttighaus von Maxime (Source 3) klärte jedoch, dass es bei einer Aluminiumfassade bleibt, wie im Bebauungsplan vorgesehen. Der Unterschied liegt in einer neuen Herstellungsmethode, durch die das Aluminium besser zu reinigen sei. Diese Information ist jedoch im Kontext der gescheiterten Gesamtpläne zu sehen.

Umfeld und soziale Aspekte

Die Desinvestition und der Stillstand am Hochhaus haben direkte Auswirkungen auf das umliegende Areal am Raschplatz.

Verwahrlosung des Umfeldes

Anlieger beklagen eine zunehmende Verwahrlosung des Umfeldes (Source 3). Obdachlose hätten die Passage neben der Diskothek Zaza als Nachtlager entdeckt und diese als öffentliche Toilette genutzt. Dies führt dazu, dass Gäste der nahen Gastronomie die Wände des Durchgangs benutzen und Flaschen zurücklassen, was wiederum die Flaschensammler-Szene anzieht. Ein Imbisswagen, der nur am Wochenende geöffnet hat, verstärkt die optische Beeinträchtigung laut einem anonymen Anlieger (Source 3).

Reaktionen des Eigentümers

Die Maxime Invest GmbH wies die Vorwürfe bezüglich der Verwahrlosung der Passage zurück. Udo Lüttighaus von Maxime (Source 3) verwies darauf, dass der Parkhaus-Wächter den Bereich einsehen könne und bei Problemen eingeschritten wäre. Zudem wurde angekündigt, dass im Zuge der (gescheiterten?) Fassadensanierung der Durchgang verschwinden soll. Diese Aussage steht im Widerspruch zum aktuellen Status der Sanierung.

Nutzungsänderung und neue Mieter

Trotz der gescheiterten Wohnraumwandlung gibt es Bewegung in der Vermietung der verbleibenden Büroflächen.

Hotelkette und neue Mieter

Es gibt konkrete Ansätze zur Belebung des Gebäudes. Die Hotelkette Holiday Inn Express zieht in das Gebäude ein und richtet gerade die Räume her (Source 3). Zudem hat die heinekingmedia GmbH die vierte Etage angemietet (Source 3).

Diese Entwicklungen zeigen, dass das Hochhaus weiterhin als Gewerbeimmobilie genutzt wird, auch wenn die Leerstände in den oberen Etagen weiterhin massiv sind (über 12.500 qm seit 2007, Source 5).

Architektonischer Hintergrund

Das Bredero-Hochhaus, auch bekannt als Lister Tor, wurde 1975 eröffnet (Source 6). Es gilt als klassisches Beispiel für die architektonische Stilrichtung des Brutalismus, gekennzeichnet durch unverkleideten Rohbeton und kantige Formgebung. Während diese Bauweise bei Entstehung als modern und funktional galt, wird sie heute von vielen Hannoveranern als trist empfunden (Source 6). Diese Wahrnehmung war der Treiber für die ursprünglichen Sanierungsabsichten.

Zusammenfassung der Entwicklungen

Die folgende Tabelle fasst den Kontrast zwischen den ursprünglichen Plänen und der Realität zusammen:

Aspekt Ursprüngliche Pläne (ca. 2016-2023) Aktueller Status (2024)
Nutzung Umwandlung Büro -> Wohnungen (über 100 WE) Verbleib als Bürofläche
Fassade Aluminiumoptik, Balkone, 20 Mio. € Investition Keine Fassadensanierung (gescheitert)
Fenster Teil der Gesamtfassadensanierung 780 neue Fenster (Energiestandard)
Rechtlicher Status Geltender Bebauungsplan Plan soll für ungültig erklärt werden
Zeitplan Fertigstellung ursprünglich 2017 Stillstand, Schmalspursanierung

Fazit

Die Sanierung des Bredero-Hochhauses in Hannover ist als gescheitert zu bewerten. Die ambitionierten Pläne des Eigentümers Maxime Investment, den Brutalismus-Bau aus den 1970er Jahren in ein modernes Wohn- und Geschäftsgebäude zu verwandeln, sind an rechtlichen Schwierigkeiten, administrativen Hürden und offenbar fehlender Durchsetzungskraft gescheitert.

Die Stadt Hannover reagiert auf den Stillstand mit dem Versuch, den Bebauungsplan für ungültig zu erklären, um die Weichen für eine eventuell andere Zukunft zu stellen. Aktuell beschränken sich die Baumaßnahmen auf den Einbau neuer Fenster zur Verbesserung der Energieeffizienz. Gleichzeitig versucht der Eigentümer, durch die Anmietung von Flächen durch einen Hotelbetreiber und bestehende Firmen, die Leerstände zu reduzieren. Das umliegende Areal leidet unterweilend unter der Präsenz von Obdachlosen und Vernachlässigung, was die Dringlichkeit einer zukünftigen Revitalisierung unterstreicht.

Quellen

  1. HAZ: Büros und Wohnungen: So läuft die Sanierung des Bredero-Hochhauses in Hannover
  2. Radio Hannover: Bredero-Hochhaus: Umbaupläne offenbar gescheitert
  3. Neue Presse: Bredero-Hochhaus: Wie geht es hier weiter?
  4. HAZ: Stillstand im Bredero-Hochhaus: Stadt Hannover will Baupläne für ungültig erklären
  5. Radio Hannover: Statt modernem Umbau jetzt Schmalspursanierung: Bredero-Hochhaus bekommt neue Fenster
  6. Engel & Völkers: Die Zukunft des Bredero-Hochhauses: Bringt die Sanierung die Wende?

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