Innovative Methoden zur BTEX-Sanierung: Thermische Verfahren und mikrobiologische Behandlungen im Vergleich

Einleitung

Die Sanierung von Altlasten, insbesondere von BTEX-Kontaminationen (Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylole), stellt eine zentrale Herausforderung im modernen Umweltmanagement und in der Bauwirtschaft dar. BTEX-Verbindungen sind häufige Schadstoffe auf ehemaligen Gewerbe- und Industrieflächen, die eine Gefahr für Boden, Grundwasser und letztlich die menschliche Gesundheit darstellen. Die Sanierung solcher Flächen ist nicht nur aus ökologischer Verantwortung notwendig, sondern oft auch eine Voraussetzung für eine städtebauliche Wiedernutzung oder die Errichtung neuer Gebäude. Die vorliegenden Informationen aus den zur Verfügung gestellten Quellen beleuchten zwei wesentliche Sanierungsansätze: die thermische in-situ Sanierung (THERIS-Verfahren) und die mikrobiologische Behandlung mittels Sauerstofffreisetzung (BIOx). Beide Verfahren zielen auf eine effiziente und wirtschaftliche Beseitigung der Schadstoffe ab, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Methodik, Anwendung und den damit verbundenen ökologischen und ökonomischen Auswirkungen. Dieser Artikel analysiert die technischen Grundlagen, die Wirksamkeit sowie die Vor- und Nachteile der genannten Verfahren, um Bauherren, Entscheidungsträger in der Immobilienwirtschaft und Fachplaner fundierte Einblicke in die Möglichkeiten der modernen Schadstoffsanierung zu geben.

Die Herausforderung: BTEX und CKW als Schadstoffe auf Altlastenflächen

BTEX-Verbindungen und chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) gehören zu den schwer abbaubaren Schadstoffkomplexen, die sich über Jahrzehnte im Boden halten können. Die Quellen beschreiben eine Problemstellung, bei der eine Altlastensanierung notwendig wurde, da die Schadstoffe bis in eine Tiefe von rund 19 Metern unter der Geländeoberkante nachgewiesen wurden. Die Kontamination war über einen langen Zeitraum durch eine konventionelle Bodenluftabsaugung und Grundwassersanierung behandelt worden. Trotz dieser Maßnahmen blieb ein signifikanter Schadstoffaustrag aus, und die Konzentrationen im Grundwasser überstiegen die Sanierungsziele wiederholt. Dies verdeutlicht die Grenzen herkömmlicher Sanierungsmethoden, insbesondere in bindigen Böden (Schuff- und tonige Bereiche), die eine schlechte Durchlässigkeit aufweisen. Eine detailliertere Untersuchung und eine Neubewertung der Sanierungsstrategie wurden daher vom zuständigen Regierungspräsidium angeregt. Die Notwendigkeit für effizientere Verfahren ist gegeben, da eine schnelle und vollständige Sanierung essentiell für die Flächennutzung und den Umweltschutz ist.

Thermische in-situ Sanierung: Das THERIS-Verfahren

Das THERIS-Verfahren stellt einen thermischen Sanierungsansatz dar, der Boden und Grundwasser direkt vor Ort (in-situ) erwärmt, um Schadstoffe zu mobilisieren und abzutragen. Dieses Verfahren wurde im Vergleich zu anderen Methoden (Bodenaushub, Weiterführung der bisherigen Bodenluftabsaugung) als die wirtschaftlichste und ökologischste Lösung identifiziert.

Funktionsweise und Technologie

Die thermische Sanierung nutzt elektrisch betriebene Heizelemente, um das kontaminierte Bodenvolumen auf Temperaturen zu erwärmen, die zur Verdampfung der Schadstoffe führen. Flüchtige Schadstoffe wie CKW und BTEX verdampfen bei erhöhten Temperaturen schnell und werden gezielt mit einer Bodenluftabsaugung (BLA) aus dem Boden entfernt. Für die Durchführung wurden im beschriebenen Fall Heizelemente, BLA-Pegel und Grundwasserbrunnen auf drei verschiedenen Geländehöhen installiert, um auch Bereiche unter einer Böschung mit 6 Metern Höhenversatz zu sanieren. Die Installationen mussten dabei erdverlegte Leitungen umgehen, was eine präzise Planung erforderte. Der Sanierungsbetrieb erfolgte in mehreren Teilflächen, wobei immer nur ein Bereich genutzt wurde, um eine sofortige Weiternutzung des Geländes zu ermöglichen.

Leistungsparameter und Anlagenkomponenten

Die technische Auslegung der Anlage war auf eine hohe Effizienz ausgelegt. Die Heiztechnik verfügte über eine Leistung von ca. 720 kW, während die Bodenluftabsaugung (BLA) mit einer Kapazität von bis zu 2.100 m³ Bodenluft pro Stunde inklusive Abluftreinigung installiert wurde. Zusätzlich wurde eine Grundwasserförderung von bis zu 2 m³ Wasser/h realisiert, wobei bestehende Stripptürme mit Filtern zur Grundwasserreinigung genutzt wurden. Ein entscheidender Aspekt war die Fernüberwachung und automatisierte Prozesssteuerung durch mobile Gaschromatographen. Diese ermöglichte eine kontinuierliche Überwachung von Temperatur, Druck, Förderraten sowie der Konzentrationen und Austragsraten in Boden, Bodenluft und Grundwasser. Eine Anpassung der Anlagenparameter je Betriebsphase war somit jederzeit möglich.

Ökologische und ökonomische Bilanz

Die Daten belegen eine massive Effizienzsteigerung gegenüber konventionellen Methoden. Innerhalb von 26 Monaten Sanierungsbetrieb mit dem THERIS-Verfahren wurden weitere 5.100 kg CKW und BTEX ausgetragen. Dies entspricht etwa einem 20-jährigen Sanierungsbetrieb mit einer konventionellen Bodenluftabsaugung oder einer Verkürzung der Sanierungszeit um mindestens 90 %. Im Vergleich zu einem Bodenaustausch (Großlochbohrungen) wären grob 96.000 Tonnen kontaminierter Aushub sowie ca. 5,1 GWh Stromenergie angefallen. Die spezifischen Kosten der thermischen in-situ Sanierung (TISS) lagen bei 730 €/kg, was etwa einem Drittel der Median-Kosten langlaufender Grundwassersicherungen (2.200 €/kg) entspricht. Der spezifische Energieverbrauch bewegte sich mit 1.020 kWh/kg in der Größenordnung von GW-Sicherungen (Median 850 kWh/kg). Zudem ermöglichte die Sanierung eine uneingeschränkte Weiternutzung des Gewerbestandortes während des Sanierungsbetriebs, was eine sofortige Flächennutzung und Minderung des Flächenverbrauchs fördert. Der Betrieb mit Strom aus 100 % regenerativen Quellen ist möglich.

Mikrobiologische Sanierung: Das BIOx-Verfahren

Als Alternative zur thermischen Sanierung bietet die mikrobiologische Behandlung einen Ansatz, der natürliche biologische Prozesse nutzt, um Schadstoffe abzubauen. Das hier vorgestellte Produkt BIOx fungiert als Sauerstoffspender zur Unterstützung der autochthonen Mikroflora.

Funktionsweise und Wirkprinzip

BIOx ist ein gebrauchsfertiges Produkt, das eine gleichmäßige Verteilung im Aquifer ermöglicht. Es setzt Sauerstoff über einen langen Zeitraum frei, um den mikrobiologischen Abbau von Schadstoffen zu stabilisieren. Dieser Prozess wird als mikrobiologische DNBA*-Behandlung (vermutlich: dynamische natürliche biologische Abwasserreinigung) bezeichnet. Das Verfahren eignet sich speziell für die Sanierung von BTEX, PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), Cyaniden, MTBE/ETBE und leicht abbaubaren Mineralölkohlenwasserstoffen (LHKW). Der Sauerstoff dient als Elektronenakzeptor für den mikrobiellen Stoffwechsel, wodurch der anaerobe Abbau von Schadstoffen in einen aeroben Prozess überführt wird, der effizienter abläuft.

Produkteigenschaften und Anwendungsvorteile

Ein wesentlicher Vorteil von BIOx ist die Gebrauchsfertigkeit. Es benötigt kein Anmischen vor Ort, was Staubentwicklung und zusätzlichen Arbeitsaufwand vermeidet. Die pH-Neutralität des Produkts verhindert unerwünschte Nebenreaktionen, wie die Bildung von HCN bei Cyanidkontaminationen. Die gleichmäßige Verteilung im Aquifer ist ideal für die Sanierung über Injektionsbohrungen und Direct-Push-Verfahren. Im Vergleich zur thermischen Sanierung zielt dieser Ansatz auf eine biologische Reinigung ab, die in der Regel weniger Energie in Form von Wärme benötigt, sondern vielmehr die chemischen und biologischen Bedingungen im Boden optimiert.

Vergleich der Verfahren und Anwendungsgebiete

Die Wahl des Sanierungsverfahrens hängt von den spezifischen Gegebenheiten des Standorts ab, insbesondere von der Art der Schadstoffe, der geologischen Beschaffenheit und den Zeitvorgaben.

Zeitfaktor und Effizienz

Das THERIS-Verfahren zeichnet sich durch eine extrem kurze Sanierungsdauer aus. Die Quellen sprechen von "wenigen Monaten" für eine in-situ Sanierung. Im beschriebenen Fall wurden in 26 Monaten 5.100 kg Schadstoffe entfernt. Die konventionelle Methode benötigte für 5.400 kg Schadstoffe seit den 1990er Jahren deutlich länger. Die Effizienzsteigerung ist hier massiv. Die mikrobiologische Sanierung mittels Sauerstofffreisetzung ist in der Regel ein langsamerer Prozess, da sie auf das Wachstum und die Aktivität von Mikroorganismen angewiesen ist. Sie eignet sich eher für großflächige, weniger akut gefährdete Kontaminationen, wo Zeit ein weniger kritischer Faktor ist.

Energieverbrauch und Umweltbilanz

Beim Energieverbrauch zeigt der Vergleich ein differenziertes Bild. Die thermische Sanierung benötigt hohe elektrische Leistungen (720 kW Heizleistung, 1.020 kWh/kg spezifischer Verbrauch), nutzt aber die Möglichkeit, regenerative Energien einzusetzen. Der Vergleich mit dem Bodenaustausch zeigt jedoch, dass die thermische In-situ-Methode deutlich energieeffizienter ist als der Abtransport von 96.000 Tonnen Aushub. Die mikrobiologische Methode (BIOx) verbraucht primär die Energie, die für die Herstellung und den Transport des Produkts sowie die Pumpenleistung benötigt wird. Sie ist physiologisch sanfter und vermeidet hohe thermische Belastungen des Bodens.

Wirtschaftlichkeit

Die thermische Sanierung wies im genannten Fall spezifische Kosten von 730 €/kg auf, was im Vergleich zu den 2.200 €/kg bei konventionellen Grundwassersicherungen eine enorme Kosteneinsparung darstellt. Die Kosten für BIOx werden in den Quellen nicht explizit genannt, aber das Produkt verspricht, den Arbeitsaufwand zu minimieren (kein Anmischen, kein Staub), was die Arbeitskosten senkt. Für eine vollständige Kostenanalyse fehlen jedoch Vergleichsdaten für eine komplette Sanierungskampagne mit BIOx.

Fazit

Die Sanierung von BTEX- und CKW-Kontaminationen erfordert eine sorgfältige Abwägung der verfügbaren Technologien. Die thermische in-situ Sanierung mittels THERIS-Verfahren bietet eine hochwirksame Lösung für stark belastete Standorte, die eine schnelle Wiedernutzung und eine hohe Effizienz bei der Schadstoffentfernung erfordern. Die Daten belegen, dass dieses Verfahren im Vergleich zu Bodenaustausch oder langlaufenden konventionellen Methoden sowohl ökonomisch als auch ökologisch überlegen sein kann, insbesondere durch die massive Verkürzung der Sanierungszeit und die Möglichkeit der sofortigen Flächennutzung. Die hohe Energieleistung wird durch die Effizienz des Austrags und die Verwendung regenerativer Energien kompensiert.

Die mikrobiologische Behandlung mit Sauerstoffspendern wie BIOx stellt einen sanften, kontinuierlichen Ansatz dar, der insbesondere für die Behandlung von PAK, Cyaniden und BTEX in Aquiferen geeignet ist. Der Vorteil liegt in der Gebrauchsfertigkeit und der Vermeidung von Staub und Arbeitsschutzproblemen. Während die thermische Sanierung die "Schocktherapie" darstellt, um Schadstoffe schnell aus dem System zu treiben, ist die biologische Methode eher eine "Dauertherapie", die die natürlichen Reinigungsprozesse stabilisiert.

Für Bauherren und Projektentwickler bedeutet dies: Bei akuten, tiefen und starken Kontaminationen unter Zeitdruck ist die thermische Sanierung oft der wirtschaftlichere Weg, da sie die Fläche schneller für die Bebauung freigibt. Bei großflächigeren, weniger konzentrierten Belastungen oder im Rahmen von Langzeitmonitoring kann die mikrobiologische Behandlung eine kostengünstige und umweltschonende Alternative sein. Die Entscheidung sollte immer auf Basis einer detaillierten Standortuntersuchung und eines Vergleichs der Sanierungsverfahren getroffen werden, wobei die spezifischen Kosten pro Kilogramm entfernten Schadstoffs und die Dauer der Nutzungsuntersagung die entscheidenden Kriterien sind.

Quellen

  1. Planreal - BIOx Sauerstoffspender
  2. Reconsite - Thermische Sanierung einer CKW/BTEX-Altlast
  3. Geobality - In-situ Sanierung von PAK/BTEX-Kohlenwasserstoffen

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