Innovative Sanierungsstrategien: Von der Freibadgestaltung in Bern bis zur seriellen Plattenbausanierung in Brandenburg

Die Bau- und Renovierungsbranche in Deutschland und der Schweiz befindet sich im Wandel. Zwei grundlegend verschiedene Projekte, die in den bereitgestellten Quellen beschrieben werden, illustrieren dies eindrücklich: Die Umgestaltung des historischen Freibads Marzili in Bern und die moderne, serielle Sanierung eines Plattenbaus in Ludwigsfelde. Während das eine Projekt auf die behutsame Weiterentwicklung einer bestehenden Kulturstätte abzielt, setzt das andere auf industrialisierte Bauweisen zur effizienten Klimawende. Dieser Artikel beleuchtet die Methoden, Technologien und Strategien hinter diesen Vorhaben und zieht Parallelen zur aktuellen Diskussion um Badsanierungen und Baugeboten.

Teil 1: Die Gesamtsanierung des Freibads Marzili in Bern – Eine Studie in behutsamer Transformation

Das Freibad Marzili, im Volksmund «der Marzer» genannt, ist eine Institution in Bern. Es liegt direkt an der Aare zu Füssen des Bundeshauses. Die vorliegenden Informationen stammen von der Website espazium.ch und beschreiben den Siegerentwurf für die Sanierung dieses Areals.

Historische Kontextualisierung und Ausgangslage

Ursprünglich war das Freibad eine Insel zwischen der Aare und dem Kanal der «Kleinen Aare», bekannt als «Löifu». Bei einer Umgestaltung im Jahr 1970 durch die Architekten Mäder Brüggemann wurde dieser Kanal jedoch aufgrund schlechter Wasserqualität zugeschüttet. Das Areal besteht heute aus dem «Bueber» (Männerbad), dem Frauenbad mit dem «Paradiesli» und einem Familienbad.

Ein erster wichtiger Schritt der Sanierung war bereits 2019 abgeschlossen: Die Entschlammung des «Buebers» und die Wiederinstandsetzung des Zugangskanals von der Aare aus. Dies zeigt, dass die Sanierung des Marzilis ein langfristiger Prozess ist, der in Etappen erfolgt.

Das Siegerprojekt: Sanierung und Erneuerung

Der Siegerentwurf der Generalplanerteams, realisiert durch Architekt Rolf Mühlethaler, w + s Landschaftsarchitekten und IUB Engineering, setzt auf eine «sanfte Transformation». Das Ziel ist es, den bestehenden Parkcharakter zu erhalten und gleichzeitig die Randbereiche des Bads zu stärken. Die Mitte des Areals bleibt als grosszügiger Park mit Liegewiese und Wasserbecken freigehalten.

Ein zentrales Element des Entwurfs ist die Reaktivierung der historischen Struktur. Der historische Verlauf des «Löifu» wird als neue Wegverbindung zwischen dem «Bueber» und dem Frauenbad nachgezeichnet. Dies geschieht nicht durch eine offizielle Wasserfläche, sondern durch eine gestalterische Linie aus neuen Baumgruppen und Liegepritschen, die den alten Flussverlauf im Areal wieder erkennbar machen.

Bauliche Massnahmen und Etappierung

Das Projekt ist in vier Etappen unterteilt, um die Funktionalität des Bads während der Bauzeit weitgehend zu gewährleisten:

  1. Erste Etappe: Erneuerung der Becken und der Bädertechnik sowie der Garderoben und Sanitäranlagen.
  2. Zweite Etappe: Neubau des Betriebsgebäudes und Umnutzung der Badewärterhäuser für die Gastronomie.
  3. Dritte Etappe: Errichtung des neuen Eingangsgebäudes und Anpassungen im Freiraum vom «Bueber» bis zur Dampfzentrale.
  4. Vierte Etappe: Umgestaltung des Bereichs «Spitzes», inklusive eines Bootshafens für die Auswasserung der Gummiboote («Aarebötler») und Erweiterung des Spiel- und Sportbereichs.

Das neue Eingangsgebäude ist zweigeschossig geplant und soll zwischen einer Bäckerei und dem Neubau liegen. Es beinhaltet eine Loge, Gastronomie, eine Dachterrasse und Betriebsräume. Der Entwurf zielt darauf ab, die Anbindung an das Quartier zu verbessern, da sich die öffentlichen Nutzungen dort bereits konzentrieren.

Bewertung der Nachhaltigkeit und Akzeptanz

Die Jury bewertet das Projekt als «unspektakulär, aber überzeugend». Es zeichnet sich durch ein sehr gutes Verständnis für vorhandene Qualitäten und Defizite aus. Die bestehenden qualitätsvollen Bauten werden sorgfältig angepasst und weitergenutzt. Um den Schattenmangel neuer Bäume auszugleichen, sollen vorübergehend Sonnensegel eingesetzt werden. Das Gesamtkonzept verspricht hohe Akzeptanz im Quartier.

Teil 2: Serielle Plattenbausanierung in Ludwigsfelde – Ein Modell für die Energiewende

Während Bern auf historische Kontinuität setzt, setzt Ludwigsfelde auf Industrialisierung und Skalierung. Die Quellen 2 und 3 (energiesprong.de) beschreiben die serielle Sanierung eines WBS 70-Plattenbaus.

Ausgangslage: Der WBS 70

Der WBS 70 ist der meistgebaute Plattenbautyp der DDR mit rund 600.000 Wohneinheiten. Diese Gebäude sind aufgrund ihrer seriellen Bauweise und des vordefinierten Fassadenrasters (6 x 2,80 Meter) ideal für eine industrielle Sanierung geeignet. Das Ziel der Sanierung in Ludwigsfelde ist die Erreichung des Neubauniveaus A+ und die Reduktion des Primärenergiebedarfs um ca. 65 Prozent.

Die Sanierungsmethode: Vorgefertigte Holzfassaden

Das Kernstück der Sanierung ist der Einsatz von 228 vorgefertigten Holzfassadenelementen. Diese Elemente werden im Werk komplett vorgefertigt – inklusive Wärmedämmung, dreifach verglasten Fenstern und einer Faserzement-Oberfläche. Auf der Baustelle werden sie nur noch montiert.

Diese Methode bietet entscheidende Vorteile: * Geschwindigkeit: Die Arbeiten vor Ort gehen schnell. * Wohnverträglichkeit: Der Eingriff in die Wohnungen ist minimal, weshalb die Sanierung in bewohntem Zustand durchgeführt werden kann. Die 82 Mietparteien bleiben während der Sanierung (bis April 2025) in ihren Wohnungen. * CO2-Bindung: Die Holzfassadenelemente binden dauerhaft über 100 Tonnen CO2.

Energetisches Konzept und Bilanz

Das Gebäude ist an das öffentliche Fernwärmenetz angeschlossen, welches derzeit noch fossil befeuert wird. Um dies auszugleichen, wird eine 82 kWp starke Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert. Diese erzeugt 17,9 kWh grünen Strom pro Quadratmeter Wohnfläche.

Obwohl ein Mieterstrommodell wirtschaftlich nicht umsetzbar war, wird die Energie ins öffentliche Netz eingespeist. Durch die Einspeisung werden die CO2-Emissionen der fossilen Fernwärme rechnerisch um 50 Prozent reduziert. In Kombination mit der Holzfassade wird das Gebäude als «Null-Emissionshaus» (bilanziell Netto-Null) bezeichnet.

Skalierungseffekte

Ein wesentlicher Aspekt ist die Übertragbarkeit der Lösung. Die für den WBS 70 entwickelte Sanierung lässt sich auf Plattenbautypen P2 und die QP-Serie übertragen. Dies betrifft mehr als 50 Prozent des ostdeutschen Plattenbaubestandes. Skalierungseffekte senken die Kosten bei hoher Anzahl gleichartiger Gebäude erheblich.

Teil 3: Sanierung von Promenaden und Uferbereichen – Das Beispiel Berlin-Wannsee

Eine dritte Quelle (entwicklungsstadt.de) beleuchtet die Sanierung der Ronnebypromenade am Berliner Wannsee. Auch hier stehen Erhalt und barrierefreier Zugang im Vordergrund.

Prinzip: Erhalt und Weiterentwicklung

Die Sanierung der Ronnebypromenade erfolgt in drei Bauphasen, wobei die Arbeiten bis Ende 2025 abgeschlossen sein sollen. Ein Kernprinzip ist der Erhalt der ursprünglichen Materialität. Die Promenade bleibt weitgehend bestehen, wird aber punktuell aufgewertet (z.B. durch neue Sitzauflagen auf Mauern oder zusätzliche Begrünung).

Barrierefreiheit und Infrastruktur

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Bereich «Alte Wannseeliebe». Durch den Bau einer neuen Rampe wird die bestehende Wassertreppe ergänzt, um einen barrierefreien Zugang zum Wasser zu schaffen. Zudem wird der Spielbereich (Hafenwiese) neu gestaltet mit Angeboten für verschiedene Altersgruppen (Klettern, Boule, Tischtennis).

Dieses Beispiel zeigt, wie bestehende Infrastruktur integriert wird (Kiosk, Ticketverkauf, Sanitäranlagen) und wie durchgängige Wanderwege (unter der Brücke entlang) geschaffen werden, wobei die Nutzbarkeit während der Bauzeit gewährleistet sein muss.

Vergleichende Analyse: Unterschiedliche Wege zum Ziel

Die betrachteten Projekte zeigen drei unterschiedliche Ansätze in der Bauwirtschaft, die jeweils für sich stehen, aber gemeinsam die Bandbreite moderner Renovierungsstrategien aufzeigen.

1. Ästhetik vs. Effizienz

Das Marzili-Projekt in Bern ist stark ästhetisch und kulturhistorisch motiviert. Es geht um die «sanfte Transformation» und die Einbindung in die städtische Identität. Materialien und Formen leiten sich aus der Geschichte des Ortes ab (Holzkabinen, Nachzeichnung des «Löifu»).

Im Gegensatz dazu steht die Effizienz im Vordergrund des Ludwigsfelde-Projekts. Hier sind Fertigung, Montage und energetische Bilanz entscheidend. Die Holzfassade dient primär der Dämmung und der CO2-Reduktion, nicht primär der historischen Anlehnung (auch wenn Holz ein traditionelles Material ist).

2. Nutzerintegration und Baustellenmanagement

Beide Projekte müssen mit der Nutzung vor Ort umgehen. Im Freibad Marzili bedeutet dies eine Etappierung, damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann. In Ludwigsfelde bedeutet es, dass die Mieter in den Wohnungen bleiben können. Dies ist ein entscheidender sozialer Aspekt der seriellen Sanierung, der in der Quelle explizit als «mieterfreundlich» hervorgehoben wird.

3. Skalierbarkeit

Ein entscheidender Unterschied liegt in der Skalierbarkeit. Die Sanierung des Marzilis ist ein Unikat. Jede Planung ist spezifisch für diesen Ort, das Klima und die historischen Gegebenheiten. Die Methoden sind kaum auf andere Freibäder übertragbar, ohne eine komplett neue Planung.

Die Plattenbausanierung hingegen ist als Serie konzipiert. Die Quelle betont, dass Skalierungseffekte die Kosten senken und die Methode auf tausende ähnliche Gebäude übertragbar ist. Dies ist ein Schlüssel zur Lösung des Energieproblems im Wohnungsbestand.

Fokus auf Badsanierung: Parallelen und Unterschiede

Da der Nutzer explizit nach «sanierung bueberseeli» suchte, lohnt ein genauerer Blick auf die Badsanierung im Marzili.

Der Bueber als Teil des Gesamtkonzepts

Der «Bueber» wird in den Quellen nicht isoliert betrachtet. Er ist Teil eines Geflechts aus Männerbad, Frauenbad (Paradiesli) und Familienbad. Die Sanierung des «Buebers» (Entschlammung 2019) war der erste Schritt, um das historische Gewässer wieder nutzbar zu machen. Das neue Projekt verbindet diese Teile nun wieder durch den «Löifuweg».

Technische Anforderungen an Badsanierungen

Die Sanierung von Badeflächen erfordert spezifische Techniken. Im Marzili-Projekt ist die Erneuerung der Beckentechnik und der Bädertechnik die erste Etappe. Dies umfasst vermutlich: * Abdichtungsarbeiten (Betoninstandsetzung). * Filter- und Umwälztechnik. * Beckenbelegung (Neugestaltung der Fliesen/Beckenoberflächen).

Die Quellen geben hierzu keine detaillierten technischen Spezifikationen, betonen aber die Notwendigkeit, die bestehenden Becken und Techniken zu erneuern, um den Betrieb sicherzustellen.

Die Rolle von Wasser und Erholung

Sowohl bei der Freibadsanierung als auch bei der Ufergestaltung am Wannsee steht die Beziehung zum Wasser im Zentrum. Im Freibad ist es das Beckenwasser, am Wannsee der See. In beiden Fällen wird versucht, den Zugang zum Wasser zu verbessern (Bootshafen am Spitz, Rampe am Wannsee). Dies unterstreicht den gesellschaftlichen Wert von Wassernähe in urbanen Räumen.

Fazit

Die Analyse der drei Quellen zeigt, dass die Bauindustrie nicht den einen Weg geht. Vielmehr müssen Strategien an den Kontext angepasst werden.

Das Berner Modell lehrt uns, wie man mit historischer Bausubstanz umgeht: Durch Respekt vor dem Bestand, behutsame Rekonstruktion verlorener Strukturen (wie des «Löifu») und eine klare, etappenweise Planung. Es ist ein Modell für den Denkmalschutz und die Quartiersentwicklung.

Das Ludwigsfelder Modell lehrt uns Industrialisierung. Durch die Nutzung von Vorfertigung und standardisierten Fassadenrastern wird die Sanierung grosser Gebäudebestände wirtschaftlich machbar und energieeffizient. Die Möglichkeit, in bewohnten Gebäuden zu sanieren, ist ein entscheidender Vorteil für die Gesellschaft.

Das Berliner Modell der Ufergestaltung zeigt schliesslich, wie öffentliche Räume aufgewertet werden: Durch barrierefreie Zugänge, multifunktionale Nutzungen (Spiel, Sport, Entspannung) und den Erhalt von Bestandsmaterialien.

Für Bauherren, Investoren und Planer bedeuten diese Erkenntnisse: 1. Kontext entscheidet: Sanierung von Freibädern erfordert individuelle, ästhetische Planung. Sanierung von Wohnblocks erfordert industrielle Skalierung. 2. Wohnverträglichkeit ist Kriterium: Methoden, die das Leben im Haus nicht stören (wie in Ludwigsfelde), erhöhen die Akzeptanz massiv. 3. Nachhaltigkeit hat viele Gesichter: Sie reicht von der CO2-Bindung durch Holz (Ludwigsfelde) über die energetische Bilanz bis hin zur sozialen Nachhaltigkeit der Erhaltung kultureller Treffpunkte (Bern).

Die Zukunft des Bauens liegt in der intelligenten Kombination dieser Ansätze: Technologische Effizienz dort, wo sie skaliert werden kann, und sensible Gestaltung dort, wo es um Identität und Einzigartigkeit geht.

Quellen

  1. Paradiesli, Löifu, Bueber – der neue Marzer
  2. Serielle Plattenbausanierung als Blaupause für die Wärmewende im Bestand
  3. Uferpark am Berliner Meer: Sanierung der Ronnebypromenade schreitet voran

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