Die Sanierung und der Umbau des Bürgerhauses in Bensheim stellen ein signifikantes Beispiel für die Revitalisierung veralteter Bauwerke aus den 1970er-Jahren dar. Der Prozess, der nach politischen Entscheidungen im Jahr 2018 begann, zielte darauf ab, ein über vier Jahrzehnte altes Gebäude in ein modernes Kultur- und Kongresszentrum (KUKO) zu transformieren. Diese Maßnahmen waren notwendig, da die bestehende Bausubstanz und die haustechnischen Anlagen erhebliche Defizite aufwiesen. Der folgende Artikel beleuchtet die Hintergründe, die technischen Durchführungen und die Ergebnisse dieser umfassenden Sanierungsmaßnahmen auf Basis der vorliegenden Informationen.
Hintergrund und Ausgangslage des Projekts
Das Bürgerhaus Bensheim, ursprünglich in den 1970er Jahren errichtet, stand vor der Sanierung vor erheblichen Herausforderungen. Die Struktur des Gebäudes wies Materialermüdungen auf, die eine vollständige Sanierung unumgänglich machten. Ebenso entsprachen die haustechnischen Anlagen nicht mehr den aktuellen technischen Standards, insbesondere im Hinblick auf Brandschutzanforderungen und die Funktionalität, die an ein modernes Bürgerhaus gestellt werden.
Ein zentraler Kritikpunkt war die energetische Bilanz des Gebäudes. Die in der Bauzeit verwendeten Materialien erfüllten nicht mehr die heutigen energetischen Anforderungen, was zu einem hohen Energieverbrauch im laufenden Betrieb führte. Diese Kombination aus baulichen und energetischen Mängeln machte eine grundlegende Ertüchtigung erforderlich.
Planung und Beteiligte
Die Planung für die Sanierung des Bürgerhauses Bensheim Mitte wurde von einem spezialisierten Büro durchgeführt, das von der MEGB (Marketing- und Entwicklungs- Gesellschaft Bensheim) beauftragt wurde. Im Zuge der Planung wurde ein Ergebnis inklusive einer Kostenberechnung nach DIN 276 termingerecht übergeben. Ein bemerkenswerter Aspekt der Planung war die Anwendung von Building Information Modeling (BIM), was auf einen modernen und effizienten Planungsansatz hindeutet.
Technische Maßnahmen und Sanierungsumfang
Die Sanierung umfasste eine Vielzahl von technischen und baulichen Eingriffen, die darauf abzielten, das Gebäude auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Die Maßnahmen lassen sich in verschiedene Bereiche unterteilen:
Baukonstruktion und Gebäudehülle
Zur Sanierung und umfassenden Ertüchtigung der Baukonstruktion wurden folgende Elemente erneuert: * Wände * Decken * Fenster * Dachverkleidungen * Wärmedämmungen
Diese Arbeiten wurden unter Berücksichtigung der Energieeinsparverordnung (EnEV) durchgeführt. Ziel war es, den Energieverbrauch signifikant zu senken und die thermische Hülle des Gebäudes zu optimieren.
Haustechnik und Energieeffizienz
Die Erneuerung der haustechnischen Anlagen war ein Kernbestandteil der Modernisierung. Nur eine Technik, die aktuellen Standards entspricht, ermöglicht im laufenden Betrieb einen sparsamen und sinnvollen Umgang mit Energie. Die alten Anlagen aus den 70er Jahren entsprachen nicht mehr den Anforderungen an den Brandschutz und die Energieeffizienz.
Barrierefreiheit und Städtebauliche Gestaltung
Neben den technischen Aspekten wurden auch Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit ergriffen. Ebenso wurde die städtebauliche Gestaltung des Baukörpers optimiert. Die plastische Ausgestaltung mit hell verkleideten Steinfassaden und großen eingeschnittenen Fensteröffnungen verbindet zeitgemäßes Design mit Bezügen zum Ort, zur Stadtmauer und dem alten Turm.
Technische Ausstattung für den Veranstaltungsbetrieb
Im Rahmen der Verbesserung und Optimierung der betrieblichen Abläufe wurde die Bühnen- und Lichttechnik erneuert. Auch Anforderungen an die zeitgemäße Akustik wurden berücksichtigt. Diese Maßnahmen ermöglichen nun unterschiedlichste Veranstaltungen, für die vielseitige Bestuhlungsvarianten und Bühnenkonstruktionen in drei unterschiedlich großen Sälen kombiniert werden können.
Architektonische und funktionale Neukonzeption
Das sanierte Gebäude wurde als Kultur- und Kongresszentrum KUKO neu positioniert. Der Charakter des neuen Baukörpers wird durch den großen Bürgersaal im 1. Obergeschoss, das transparente offene Foyer und die Kolonnade geprägt. Die Saalgestaltung als hohes achteckiges Volumen und die großzügige Verglasung des Foyers nach Süden und Norden schaffen eine moderne, einladende Architektur.
Synergien und zukünftige Perspektiven
Das Projekt ist Teil einer umfassenden Stadtentwicklung in Bensheim. Es gibt Pläne für einen Neubau der Stadthalle, die sich mit dem Parktheater zu einem architektonisch signifikanten, zusammenhängenden Baukörper verweben könnte. Eine solche Verbindung würde enorme Synergien im Foyer und bei den dienenden Funktionen wie Garderobe, Catering und Aufzug ermöglichen. Dabei würden mehrere eigenständige Eingänge und eine Teilbarkeit im südlichen Foyerbereich die Eigenständigkeit beider Institutionen sichern.
Wirtschaftliche Aspekte und Nutzung
Die Sanierung zielt nicht nur auf technische und ästhetische Verbesserungen ab, sondern auch auf eine wirtschaftliche Optimierung. Mit der Sanierung des Bürgerhauses kann ein wirtschaftlicherer Betrieb und eine größere Auslastung des Gebäudes erzielt werden. Dies hat wiederum Einfluss auf einen sinnvollen und sparsamen Umgang mit der zur Verfügung stehenden Energie.
Betrieb und Pacht
Im Juli 2021 wurde das Bürgerhaus an den neuen Pächter Bensheim Event GmbH eigenverantwortlich übergeben. Diese betreibt seitdem die beiden Gebäude Bürgerhaus und Dalberger Hof, die von Bensheimern, Vereinen und Firmen für private und öffentliche Veranstaltungen genutzt werden können. Die Kombination aus kultureller Bedeutung und wirtschaftlichem Betrieb durch die Bensheim Event GmbH sichert die nachhaltige Nutzung des Gebäudes.
Im Dalberger Hof, der Teil des Komplexes ist, hat die HESSISCHE TABBAS Bar neu geöffnet, was die Attraktivität des Standorts weiter erhöht.
Fazit
Die Sanierung des Bürgerhauses Bensheim ist ein gelungenes Beispiel für eine Altbausanierung, die bauliche Mängel und technische Defizite behoben hat. Durch die umfassende Modernisierung der Baukonstruktion, der Fenster, der Dachverkleidungen und der Wärmedämmungen nach EnEV sowie der Erneuerung der haustechnischen Anlagen entspricht das Gebäude nun den aktuellen Anforderungen an Energieeffizienz und Barrierefreiheit.
Die Transformation zum Kultur- und Kongresszentrum KUKO mit moderner Bühnen- und Lichttechnik sowie zeitgemäßer Akustik schafft einen zentralen Ort für das kulturelle Leben in Bensheim. Die architektonische Neukonzeption mit transparenten Foyern und hochwertigen Fassaden unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die städtebauliche Entwicklung. Die wirtschaftliche Verwertung durch die Bensheim Event GmbH gewährleistet die nachhaltige Nutzung und macht das Gebäude zu einem attraktiven Veranstaltungsort in der Region.