Die Sanierung und Erweiterung des Bürgerhauses Eidelstedt stellt ein signifikantes Beispiel für die revitalisierung historischer Bausubstanz dar, um modernen Anforderungen an Kultur, Bildung und Begegnung gerecht zu werden. Im Herzen des Hamburger Stadtteils Eidelstedt, direkt am Marktplatz gelegen, wurde das ehemalige Schulgebäude aus dem 19. Jahrhundert zu einem multifunktionalen Zentrum weiterentwickelt. Dieses Projekt illustriert auf eindrucksvolle Weise, wie durch gezielte Sanierung, Erweiterung und konzeptionelle Neuausrichtung die soziale und kulturelle Infrastruktur eines Stadtteils nachhaltig gestärkt werden kann.
Im Folgenden werden die architektonischen, technischen und konzeptionellen Aspekte dieses Vorhabens detailliert beleuchtet, wobei der Fokus auf den Prozessen und Lösungsansätzen liegt, die für Bauherren, Planer und Immobilienbesitzer von Interesse sein können.
Historischer Kontext und Ausgangslage
Das Gebäudeensemble am Eidelstedter Markt besitzt eine lange Geschichte. Der Ursprungsbau wurde als Schule in den 1880er-Jahren errichtet. Im Laufe der Jahrzehnte unterlag das Gebäude diversen Veränderungen. In den 1920er-Jahren erfolgte ein radikaler Umbau durch den Architekten Gustav Oelsner, der dem Gebäude eine moderne Grundform verlieh. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude in den 1940er-Jahren wiederaufgebaut und diente anschließend lange Zeit als Stadtteilkulturzentrum.
Zum Zeitpunkt der Planungsbegleitung war der Zustand des Gebäudes jedoch als dringend sanierungsbedürftig einzustufen. Die Bausubstanz entsprach nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen, und die Raumaufteilung sowie die Gestaltung waren veraltet. Insbesondere die Nutzung als Stadtteilkulturzentrum und Elternschule litt unter den räumlichen Defiziten. Eine große Herausforderung stellte zudem die Wahrnehmbarkeit des Hauses dar: Trotz der zentralen Lage direkt am Eidelstedt Center und Marktplatz war das Gebäude aufgrund der rückwärtigen Eingangssituation für Ortskundige kaum wahrnehmbar. Es fehlte dem Gebäude an einer eigenständig wirkenden äußeren Identität und an Transparenz gegenüber dem öffentlichen Raum.
Konzeption und Planung: Ein partizipativer Ansatz
Die Neuausrichtung des Bürgerhauses war nicht nur eine bautechnische, sondern auch eine konzeptionelle Aufgabe. Das Ziel war die Entwicklung eines „Stadtteilkulturzentrums neuen Typs“. Um diesem Ziel gerecht zu werden, fand ein umfassender Beteiligungsprozess statt, der im Auftrag des Bezirksamts Eimsbüttel durchgeführt wurde. Die Wünsche und Ideen der Eidelstedter Bevölkerung wurden aufgegriffen und in die Planung integriert. Dieser Ansatz sicherstellte, dass das Ergebnis den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer entspricht.
Das Konzept sah vor, das Haus zu einem offenen, lebendigen Ort zu entwickeln, der „kommuniziert“ und zu Besuchen einlädt. Dazu gehörte die inhaltliche und bauliche Verknüpfung der unterschiedlichen Nutzungen: des Stadtteilkulturzentrums, der Elternschule, einer öffentlichen Bücherhalle und eines Cafés. Ziel war es, „wichtige Freiräume für viele jüngere und ältere Menschen in Eidelstedt, ganz gleich, wie viel Geld sie haben“, zu schaffen.
Architektonische Lösungen und Erweiterung
Ein Kernstück der Sanierung war die architektonische Erweiterung und Neugestaltung des Gebäudes, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Die Erweiterung führte zu einer Vergrößerung der Gesamtfläche um etwa ein Drittel. Dies wurde durch eine partielle Aufsattlung und eine punktuell dreigeschossige Bauweise erreicht.
Die Glasfassade und städtebauliche Einbindung
Um die zuvor abgeschlossene Wirkung aufzubrechen, wurde das äußere Erscheinungsbild grundlegend verändert. Durch die Auflösung des äußeren Baukörpers mithilfe einer großflächigen Glasfassade in der Basis sowie durch einen Rücksprung des Oberbaus entsteht der optische Effekt, dass das Gebäude „scheinbar über dem öffentlichen Platz schwebt“. Diese transparente Bauweise öffnet sich gezielt zum Marktplatz hin und stellt attraktive städtebauliche Beziehungen zu den angrenzenden Geschäften her. Der neue, barrierefreie Eingangsbereich verbessert die Zugänglichkeit und Sichtbarkeit erheblich.
Die Nutzung der Fassadenfläche
Die Gestaltung der Fassade dient nicht nur ästhetischen Zwecken. Die Verglasung im Erdgeschoss, die den Büchereibereich (Bücherhalle) einrahmt, nutzt die Fassadenfläche, um die Funktion des Hauses nach außen zu tragen. Die hier vorgesehene Funktion als öffentliche Bücherhalle belebt den Platz durch Transparenz und Einladung.
Innenräumliche Strukturierung
Im Inneren des Hauses wurde eine klare Strukturierung vorgenommen, um die unterschiedlichen Nutzungen zu trennen und gleichzeitig zu verknüpfen. Der Veranstaltungssaal wurde modernisiert und vergrößert. Die Innenräume bekamen getrennte Bereiche, um den unterschiedlichen Nutzergruppen (Schule, Kultur, Bürgernutzung) ihre notwendigen Funktionsbereiche zu sichern. Das Ziel war es, eine verträgliche, aber gleichsam einprägsame und selbstbewusste Raumbildung zu erreichen.
Technische Aspekte der Sanierung
Sanierungen historischer Gebäude erfordern eine sorgfältige technische Planung, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Wie in den Quellen betont wurde, war es wichtig, „sorgfältig zu planen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden“. Die Sanierung umfasste die umfassende Instandsetzung der Bausubstanz.
Gebäudehülle und Statik
Bei einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert mit Umbauten in den 1920er und 1940er Jahren ist die Überprüfung der Statik und der Dämmung essenziell. Die Sanierung muss sicherstellen, dass die Anforderungen an den Wärmeschutz und die Standsicherheit erfüllt werden, ohne die historische Substanz zu gefährden. Die Quellen geben hierzu zwar keine detaillierten technischen Spezifikationen an, jedoch impliziert die umfassende Sanierung und Erweiterung den Einsatz moderner Baustoffe und Techniken, die den aktuellen Normen entsprechen.
Barrierefreiheit
Ein zentraler technischer und sozialer Aspekt war die Umsetzung der Barrierefreiheit. Der gesamte Eingangsbereich und wahrscheinlich auch die wesentlichen Bereiche des Hauses wurden neu gestaltet, um eine uneingeschränkte Zugänglichkeit für alle Bürger zu gewährleisten. Dies ist ein Standard moderner öffentlicher Gebäude, der bei der Sanierung zwingend berücksichtigt werden musste.
Zusammenarbeit und Finanzierung
Das Projekt Bürgerhaus Eidelstedt wurde als zentrales Vorhaben im Fördergebiet Eidelstedt-Mitte des Rahmenprogramms „Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE)“ realisiert. Es handelte sich um ein „Nationales Projekt des Städtebaus“, was die Bedeutung für die Stadtentwicklung unterstreicht.
Finanzmodell
Die Finanzierung des Vorhabens belief sich auf insgesamt rund 10,6 Millionen Euro. Diese Summe setzte sich zusammen aus Mitteln des Bundes und des Landes Hamburg sowie aus Mitteln der Bezirksversammlung Eimsbüttel. Spezifisch wurden für die konzeptionelle Weiterentwicklung in Verbindung mit Sanierung, Umbau und Erweiterung Bundesmittel in Höhe von 1,9 Millionen Euro bereitgestellt. Diese Förderung durch das Bundesprogramm für Städtebauförderung unterstreicht den Modellcharakter des Projekts für die Anpassung sozialer Infrastruktur an wandelnde Bedarfe.
Auftragsvergabe und Ausführung
Die Umsetzung des Vorhabens erfolgte durch die Sprinkenhof GmbH. Diese Bau- und Projektgesellschaft wurde vom Bezirksamt Eimsbüttel mit der Sanierung des bestehenden Gebäudes und dem Bau der Ergänzung beauftragt. Die Zusammenarbeit zwischen dem Bezirksamt als Auftraggeber, der Sprinkenhof als ausführendem Unternehmen und den politischen Vertretern, die sich für die Mittelbereitstellung einsetzten, war entscheidend für den Erfolg des Projekts. Der Abschluss der Arbeiten und die Übergabe an die Nutzer, die Hamburger Bücherhallen und den Bezirk, erfolgten wie geplant.
Nutzungsprofil und gesellschaftliche Wirkung
Das sanierte und erweiterte Bürgerhaus Eidelstedt trägt nun den neuen Namen „steeedt – Haus für Kultur, Bildung und Begegnung“. Dieser Name spiegelt das erweiterte Angebot wider. Es beheimatet nun: * Das Kulturhaus Eidelstedt (ehemals Stadtteilkulturzentrum). * Die Elternschule Eidelstedt. * Die Bücherhalle Eidelstedt. * Das Café steeedt.
Die Integration dieser Einrichtungen unter einem Dach schafft Synergien und macht das Haus zu einem sozialen und kulturellen Leuchtturm im Stadtteil. Besonders das Café und die großzügige Terrasse bieten neue Treffpunkte und tragen dazu bei, dass das Haus nicht nur genutzt, sondern auch erlebt wird. Die Schaffung eines solchen Zentrums stärkt den Zusammenhalt im Stadtteil und bietet Bildungs- und Kulturangebote für alle Bevölkerungsgruppen.
Übertragbarkeit des Konzepts
Ein Aspekt, der das Projekt besonders relevant für andere Kommunen und Bauherren macht, ist sein Modellcharakter. Das Projekt wurde als übertragbares Modell für die Anpassung der sozialen Infrastruktur an sich wandelnde Bedarfe konzipiert. Die Erfahrungen, die mit der Sanierung einer historischen Schule zu einem modernen Bürgerhaus gemacht wurden – von der Partizipation über die Finanzierung bis hin zur architektonischen Umsetzung – können als Blaupause für ähnliche Vorhaben dienen. Die Sanierung eines Bestandsgebäudes, anstatt Neubauflächen zu erschließen, ist zudem ein wichtiger Aspekt der nachhaltigen Stadtentwicklung.
Fazit
Die Sanierung und Erweiterung des Bürgerhauses Eidelstedt ist ein Paradebeispiel für gelungene Stadtteilentwicklung durch Bauen im Bestand. Durch die intelligente Verknüpfung von Denkmalschutz, moderner Architektur und partizipativer Planung ist ein entwicklungsfähiges, offenes und transparentes Zentrum entstanden, das die Lebensqualität im Stadtteil nachhaltig steigert.
Die technischen und architektonischen Lösungen – insbesondere die großflächige Glasfassade und die Erweiterung um ein Drittel der Fläche – zeigen, wie historische Bausubstahl modernen Nutzungsanforderungen angepasst werden kann, ohne ihre Identität zu verlieren. Die Finanzierung durch ein Bündnis aus Bundes-, Landes- und Bezirksmitteln beweist, dass große Sanierungsvorhaben durchaus realisierbar sind, wenn der politische Wille und die Notwendigkeit gegeben sind.
Für Bauinteressenten und Immobilienverantwortliche in öffentlicher Hand bleibt die Erkenntnis: Eine sorgfältige Planung, die Einbindung der späteren Nutzer und der Mut zu einer neuen, selbstbewussten Architektur sind die Schlüssel zum Erfolg bei der Revitalisierung von Altbauten.