Sanierung und Erweiterung des Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums in Ratingen: Ein umfassender Überblick über das Großprojekt

Die Sanierung und der Ausbau von Schulgebäuden stellen komplexe Aufgabenbereiche im modernen Baugewerbe dar, die eine sorgfältige Planung, umfangreiche Finanzierung und die Einhaltung zeitlicher Vorgaben erfordern. Ein herausragendes Beispiel für ein derartiges Großprojekt ist die Modernisierung des Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums in Ratingen. Dieses Vorhaben, das als eine der größten städtischen Baustellen seit Jahrzehnten gilt, umfasst nicht nur die Sanierung des bestehenden Gebäudebestands, sondern auch den Neubau von Erweiterungstrakten und die Renovierung von Sporthalle und Schulaula. Der folgende Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Projekts, basierend auf den verfügbaren Informationen aus öffentlichen Veröffentlichungen und Vergabeunterlagen.

Das Projekt und seine politische Dimension

Die Planung und Umsetzung des Vorhabens am Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasium war Gegenstand intensiver politischer Diskussionen und Beschlüsse. Bereits im Jahr 2019 wurde in einer Vorlage für den Bezirksausschuss Mitte deutlich, dass die Planungen umfangreicher waren, als ursprünglich in Teilbereichen ausgewiesen. Die Fraktion der Bürger-Union Ratingen beantragte damals eine Ergänzung des Baubeschlusses, da die geplante Sanierung der Schulaula (Stadttheater) und der Schulsporthalle von der Sanierung des Hauptgebäudes getrennt behandelt wurde. Laut einem Beschluss des Bau- und Vergabeausschusses vom 14. Dezember 2017 war die Planung des Umbaus und der Sanierung ursprünglich inklusive der Sporthalle und der Schulaula ausgeschrieben worden. In den folgenden Monaten wurden weitere Beschlüsse gefasst, jedoch umfasste die konkrete Vorlage zum Zeitpunkt der Diskussion nur die Schulgebäude aus den sechziger Jahren sowie laterale Pavillons, Außenanlagen und Freiflächen. Kritisch wurde angemerkt, dass die bereits vorliegenden Planungsergebnisse und -alternativen sowie die Kostenschätzungen für die Sporthalle und die Schulaula fehlten. Diese politischen Hintergründe unterstreichen die Komplexität der Koordination zwischen verschiedenen Bauleistungen innerhalb eines Großprojekts.

Finanzielle Rahmenbedingungen und Investitionsvolumen

Die finanzielle Dimension des Projekts ist beeindruckend und spiegelt den Stellenwert wider, den die Stadt Ratingen auf die Bildungsinfrastruktur legt. Laut Angaben des Ersten Beigeordneten und Schuldezernenten Patrick Anders investiert die Stadt Ratingen rund 32 Millionen Euro, um das Innenstadt-Gymnasium baulich fit für die Zukunft zu machen. Dieser Betrag stellt die höchste Investition in eine einzelne Baumaßnahme in der Geschichte der Stadt dar zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Für die Sanierung des Bestandsgebäudes sind separat betrachtete Kosten angefallen. Ein Beispiel für die laufenden Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten ist ein Auftrag für Maler- und Lackierarbeiten im Bestandsgebäude. Dieser Auftrag, vergeben am 8. Oktober 2021 durch die Stadt Ratingen, wurde an die A. + G. Koch GmbH & Co. KG vergeben. Die Auftragssumme belief sich auf 300.558,85 Euro. Das Vergabeverfahren wurde als offenes Verfahren durchgeführt, wobei vier Angebote eingereicht wurden. Diese Details zeigen, dass die Gesamtmaßnahme aus einer Vielzahl von Einzelaufträgen besteht, die nacheinander oder parallel vergeben und ausgeführt werden.

Der Neubau: Technische Spezifikationen und Architektur

Ein zentraler Bestandteil des Gesamtprojekts ist der Neubau des Erweiterungsbaus, der nach zweijähriger Bauzeit im April in Betrieb genommen wurde. Dieser Bauabschnitt stellt einen modernen Lernort dar, der den aktuellen pädagogischen Anforderungen gerecht wird.

Die technischen Spezifikationen des Neubaus sind im Rahmen der Projektinformationen detailliert dokumentiert. Das Gebäude weist eine beeindruckende Länge von 83,75 Metern auf, während die Breite zwischen 11,25 und 13,12 Metern variiert. Die Höhe beträgt 12,31 Meter. Die Bruttogrundfläche (BGF) des Neubaus beläuft sich auf 3.051 Quadratmeter, wovon eine Nutzfläche (NUF) von 1.595 Quadratmetern realisiert wurde. Die Baukosten für diesen Neubau wurden mit rund 10 Millionen Euro beziffert, was den hohen Standard der Ausstattung und Bauweise unterstreicht. Die Bauzeit belief sich auf ca. zwei Jahre.

In architektonischer und pädagogischer Hinsicht bietet der Neubau modernste Lernbedingungen. In den beiden Obergeschossen des barrierefreien Gebäudes sind die Jahrgänge der Unterstufe untergebracht, wobei die Jahrgänge jeweils sechszügig sind. Basierend auf neuen pädagogischen Konzepten wurden hier sogenannte „identitätsstiftende Lerncluster“ geschaffen. Diese Raumkonzepte fördern das Gemeinschaftsgefühl und ermöglichen flexible Lernformen.

Die technische Ausstattung ist nachhaltig und effizient gestaltet. Auf dem begrünten Dach des Neubaus wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die für die Erzeugung von nachhaltigem Strom sorgt. Ein besonderes Merkmal ist die Belüftung der Klassenräume. Diese wird über dezentrale Fassadenlüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung sichergestellt. Diese Technologie gewährleistet auch im Winter ein gesundes Raumklima ohne die Notwendigkeit großflächiger Fensteröffnungen. Dadurch konnten die Heizlasten im Vergleich zu einer freien Lüftung erheblich optimiert werden.

Zusätzlich zur eigentlichen Gebäudestruktur wurde eine Containeranlage mit zwei vollwertig ausgestatteten naturwissenschaftlichen Fachräumen aufgestellt, um den Unterricht während der Bauphase oder als dauerhafte Erweiterung sicherzustellen.

Sanierung des Bestandsgebäudes

Parallel zum Neubau wurde das bestehende Hauptgebäude, das teilweise aus den 1960er Jahren stammt, einer grundlegenden Sanierung unterzogen. Diese Maßnahme ist notwendig, um die Substanz des Gebäudes zu erhalten und den Energiestandard zu verbessern.

Der Sanierungsprozess ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Der erste Bauabschnitt zur Sanierung des Bestandsgebäudes konnte parallel zum Neubau weitgehend abgeschlossen werden, teilweise auch der zweite. Der Nordtrakt wurde entkernt und asbestsaniert. Asbestsanierungen sind kritische Arbeiten, die spezielle Sicherheitsvorkehrungen und fachgerechte Entsorgung erfordern, um die Gesundheit der Nutzer und Handwerker zu schützen. Nach der Entkernung und Asbestsanierung stehen weitere Arbeiten an, die bis zu den Herbstferien erledigt werden sollen. Der Zeitplan sieht vor, dass nacheinander der Süd-, Ost- und Westtrakt saniert werden. Die Gesamtmaßnahme soll voraussichtlich bis ins Jahr 2025 abgeschlossen sein.

Die Sanierung der Holzpavillons wurde ebenfalls bereits erwähnt. Diese wurden eigens saniert und in gute Lernorte für den laufenden Unterricht verwandelt, was die Notwendigkeit von Zwischenlösungen während umfangreicher Baumaßnahmen verdeutlicht.

Erweiterung um Sporthalle und Schulaula (Stadttheater)

Wie eingangs erwähnt, umfasst das Gesamtprojekt auch die Sanierung der angrenzenden Sporthalle und des Stadttheaters, das gleichzeitig als Schulaula fungiert. Diese Bereiche wurden in der ursprünglichen politischen Diskussion als Teilbereiche identifiziert, die gesondert betrachtet werden mussten. Laut den verfügbaren Informationen aus dem Jahr 2022 ist geplant, diese Gebäude ebenfalls bis zum Jahr 2025 von Grund auf zu sanieren.

Während detaillierte technische Spezifikationen für diese Bereiche in den vorliegenden Quellen nicht explizit aufgeführt sind, ist klar, dass sie integraler Bestandteil der Großbaustelle sind. Die Sanierung dieser Funktionsgebäude ist entscheidend für das Schulleben, da Sport und kulturelle Veranstaltungen wesentliche Bestandteile der schulischen Ausbildung sind. Die Integration dieser Bereiche in den Sanierungsplan zeigt die Ganzheitlichkeit des Ansatzes der Stadt Ratingen.

Zeitlicher Ablauf und Meilensteine

Das Projekt ist durch einen klaren Zeitplan geprägt, der sich an den Schulferien orientiert, um Störungen des Schulbetriebs zu minimieren.

  • April: Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus (Neubau) nach zweijähriger Bauzeit. Einweihungsfeier mit Einzug der Jahrgangsstufen 5 und 6.
  • Laufende Phase: Sanierung des Bestandsgebäudes. Der Nordtrakt wurde entkernt und asbestsaniert. Weitere Arbeiten laufen bis zu den Herbstferien.
  • Geplant bis 2025: Abschluss der Gesamtmaßnahme, inklusive Sanierung des Hauptgebäudes, der Sporthalle und des Stadttheaters.

Der Umzug der Erprobungsstufe in den neuen Bau markierte einen wichtigen Meilenstein. Durch den Umzug der Klassen 5 und 6 an den Standort Karl-Mücher-Weg 2 wurde die Schulgemeinde, wie von der Schulleiterin Andrea El Sherif betont, wieder komplett. Dies ermöglicht den Schülern eine aktivere Teilnahme am Schulleben.

Zusammenfassung der Bauleistungen und Vergabe

Die Durchführung eines solchen Projekts erfordert eine komplexe Vergabestrategie. Die Stadt Ratingen als öffentlicher Auftraggeber nutzt offene Verfahren (VOB/A), um Transparenz und Wettbewerb zu gewährleisten. Die Vergabe von Einzelaufträgen, wie den Malerarbeiten im Wert von über 300.000 Euro, folgt diesem Prinzip.

Das Projektmanagement muss sicherstellen, dass die verschiedenen Gewerke – von der Tragwerksplanung über die Asbestsanierung bis hin zur Installation von Fassadenlüftungsgeräten – koordiniert ablaufen. Die Tatsache, dass die Bauarbeiten voraussichtlich bis 2025 andauern, unterstreicht die Langfristigkeit und die Notwendigkeit einer stabilen Projektsteuerung.

Fazit

Die Sanierung und Erweiterung des Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums in Ratingen ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen und Chancen moderner Bildungsarchitektur. Das Projekt verbindet den Erhalt von Bausubstanz mit dem Bau von hochmodernen, nachhaltigen Erweiterungsbauten. Mit einem Investitionsvolumen von 32 Millionen Euro, einer Bruttogrundfläche von über 3.000 Quadratmetern im Neubau und einer klaren zeitlichen Planung bis 2025 setzt die Stadt Ratingen ein klares Zeichen für die Zukunft der Bildung.

Die Integration von barrierefreien Strukturen, identitätsstiftenden Lernclustern und modernster Haustechnik wie dezentralen Fassadenlüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung zeigt, dass moderne Schulbauten den gesteigerten Ansprüchen an Lernumgebungen gerecht werden müssen. Gleichzeitig erfordern die Sanierung alter Gebäude, die Asbestbeseitigung und die politische Abstimmung über Teilbereiche eine sorgfältige Planung und Kontrolle. Für Bauherren und Immobilienbesitzer, die sich für Renovierung und Sanierung interessieren, bietet dieses Projekt wertvolle Einblicke in die Dimensionen und Komplexitäten von Großbaustellen im öffentlichen Bereich.

Quellen

  1. Bürger-Union Ratingen - Baubeschluss zum Umbau/Sanierung
  2. Supertipp Online - Schüler beziehen Neubau
  3. Ratinger Zeitung - Neubau des Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasiums bezogen
  4. RP Online - Ratingen Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasium ist Großbaustelle
  5. SSP AG - Moderner Lernort - Artikel im CUBE Magazin
  6. Pressedienst Öffentliches Beschaffungswesen - Auftragsvergaben Malerarbeiten

Ähnliche Beiträge