Die Sanierung von Schwimmbädern stellt eine der komplexesten Aufgaben im modernen Baugewerbe dar. Sie verbinden hohe statische Anforderungen, empfindliche Haustechnik und spezielle wasserbauliche Aspekte zu einem anspruchsvollen Gesamtprojekt. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Modernisierung ist die Generalsanierung des Cosimabads im Münchner Stadtteil Bogenhausen. Dieses Projekt, durchgeführt von den Stadtwerken München (SWM), dient als Lehrbeispiel für die Herausforderungen, die bei der Revitalisierung von Baudenkmälern der 1970er Jahre entstehen. Der folgende Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Quellen den Prozess der Sanierung, die technischen Details, die Kostenstruktur sowie die anschließenden Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen.
Die Notwendigkeit der Sanierung: Ein Bad am Limit
Das Cosimabad, 1980 eröffnet und ursprünglich von Peter Seifert entworfen, war nach 34 Jahren Betrieb einem erheblichen Verschleiß ausgesetzt. Die Quellenlage ist hier eindeutig: Die technische Infrastruktur war in die Jahre gekommen, und das Hallenklima hatte massive Spuren am Bauwerk hinterlassen. Eine einfache Reparatur war nicht mehr ausreichend; die SWM sah sich gezwungen, eine grundlegende technische und energetische Sanierung durchzuführen, um den Betrieb des Bades langfristig zu sichern.
Die Mängelliste, die vor Beginn der Sanierung im Februar 2014 bekannt wurde, war lang und umfasste statische sowie funktionale Aspekte: * Statische Mängel: Das Tragwerk des Daches war marode und musste komplett erneuert werden. * Wasserverluste: Im Laufe der Jahre traten Leckagen auf, die zu Wassereintrag in die darunterliegenden Technikräume führten. * Veraltete Technik: Die Badewasser- und Haustechnik entsprach nicht mehr dem aktuellen Stand. * Bauliche Defizite: Die Fassade war sanierungsbedürftig, und das Wellenbecken sowie das Ausschwimmbecken mussten erneuert werden.
Die Entscheidung für eine Generalsanierung anstelle eines Neubaus fiel aus verständlichen wirtschaftlichen und städtebaulichen Gründen. Erhaltenswerte Strukturen sollten bewahrt, aber modernen Anforderungen angepasst werden.
Projektplanung und Kosten: Eine langfristige Investition
Die Planung für die Sanierung begann bereits im Juli 2012, also gut zwei Jahre vor der eigentlichen Schließung. Dies unterstreicht den komplexen Abstimmungsbedarf zwischen Architekten, Ingenieuren und dem Bauherrn. Die Baukosten beliefen sich auf stolze 13,0 Millionen Euro. Diese Summe spiegelt den Umfang der Maßnahmen wider, der weit über eine kosmetische Auffrischung hinausging.
Kennzahlen des Projekts
Laut den Projektunterlagen der Architekten KRIEGER | Ingenieure, die mit der Modernisierung beauftragt wurden, weist das Gebäude folgende Dimensionen auf:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Bebaute Fläche | 3.382,00 m² |
| Brutto-Rauminhalt | 29.012,00 m³ |
| Brutto-Grundfläche | 5.957,00 m² |
| Wasserfläche | 745,00 m² |
Diese Zahlen verdeutlichen die Größenordnung des Objekts. Die Bauzeit war ursprünglich auf eineinhalb Jahre (ca. 18 Monate) veranschlagt. Die Realität zeigte jedoch, dass solche Schätzungen bei Altbauten oft zu optimistisch sind. Die Schließung erfolgte am 1. August 2014, mit der Aussicht auf Wiedereröffnung im Herbst 2016. Tatsächlich zog sich die Sanierung bis Juli 2017 hin.
Technische Herausforderungen und Umsetzung
Die technische Umsetzung der Sanierung konzentrierte sich auf drei Hauptbereiche: Tragwerk, Fassade/Wasserbecken und Haustechnik.
1. Dachtragwerk und Fassade
Ein zentrales Problem war das marode Dachtragwerk. Um die Stabilität wiederherzustellen, musste das Dach komplett erneuert werden. Architekten KRIEGER legten Wert darauf, die gestalterischen Grundstrukturen des Entstehungszeitraumes (Baujahr 1980) zu erhalten und die Formensprache nur mit modernen Mitteln zu interpretieren. Dies zeigt sich in der Entscheidung, eine neue Glasfassade einzuzügen, die das Gebäude hell und zeitgemäß wirken lässt, ohne den ursprünglichen Charakter zu zerstören.
2. Das Herzstück: Das Wellenbecken
Das Wellenbecken ist dieSeele des Cosimabads. Es ist das einzige Wellenbad in den 18 von den Stadtwerken München betriebenen Bädern und zieht jährlich rund 235.000 Badegäste an. Die Sanierung des Beckens war technisch anspruchsvoll: * Auskleidung: Das Becken wurde mit Edelstahl ausgekleidet, was eine hohe Langlebigkeit und Hygienestandards garantiert. * Hubwand: Das Becken erhielt eine Hubwand. Dadurch kann es multifunktional genutzt werden: Als offenes Wellenbecken für Freizeitschwimmer oder als abgeteiltes Becken für Schwimmkurse. * Wellenbunker: Die Erzeugung der Welle erfolgt durch eine Maschine in einem sogenannten "Wellenbunker". Hier kam es im Zuge der Sanierung und späteren Wartung zu besonderen Herausforderungen.
Ein spezifisches Problem, das in den Quellen immer wieder auftaucht, ist die Wasserundichtigkeit. Bereits kurz nach der Wiedereröffnung im Juli 2017 musste das Bad für zwei Wochen schließen, weil ein Leck im brandneuen Wellenbecken festgestellt wurde. Wasser drang in die darunterliegenden Technikräume ein.
3. Weitere Becken und Außenbereich
Neben dem Wellenbecken wurden auch der Ausschwimm-Bereich ins Außenbecken erneuert und das Kinderbecken vergrößert. Der Außenbereich mit dem Warmwasseraußenbecken, Sprudelliegen und Nackenduschen blieb zwar erhalten, wurde aber energetisch saniert, um den Wärmeverlust zu minimieren.
Wartung, Reparaturen und der "Wellenbunker"
Die Sanierung war kein einmaliges Ereignis, sondern der Beginn eines fortlaufenden Prozesses. Die Quellen berichten von wiederkehrenden technischen Störungen, die das Bad in den Folgejahren erneut schlossen.
Ein wiederkehrendes Thema ist der "Wellenbunker". Ein SWM-Sprecher erklärte in einem Bericht: "Im Wellenbunker werden die Wellen gemacht." Wenn es hier zu Leckagen kommt, dringt Wasser in die darunterliegenden Technikräume ein und führt zu erheblichen Betriebsstörungen.
Chronologie der Nachsanierungen / Reparaturen
- 2017 (kurz nach Eröffnung): Schließung für zwei Wochen aufgrund eines Lecks im Wellenbecken.
- November/Dezember 2025 (Berichte von t-online und Abendzeitung): Wiederholte Schließung des gesamten Bades (inklusive Sauna) Ende November bis Mitte Dezember. Grund: Ein Leck im Wellenbecken führte zum Eindringen von Wasser in die Technikräume. Die Reparatur war so aufwendig, dass eine vollständige Schließung notwendig war.
- Sommer 2025 (Bericht von SZ): Eine Schließung wurde notwendig, weil eine Leckage im Wellenbunker festgestellt wurde. Es musste abgewartet werden, bis sich die Wasserbiologie wieder stabilisierte und Grenzwerte unterschritten waren, um einen sicheren Badbetrieb zu garantieren.
Diese Vorfälle zeigen, dass die Instandhaltung von Wellenbecken eine dauerhafte Herausforderung darstellt. Die komplexen Mechaniken der Wellenmaschine und die ständige Belastung durch schwankendes Wasser erfordern regelmäßige Überprüfungen.
Personal und Atmosphäre während der Schließungen
Während der langen Schließungszeiten – sowohl während der Generalsanierung als auch bei den kürzeren Reparaturstopps – musste das Personal der SWM umdisponieren. Die 18 Mitarbeiter des Cosimabades wurden in andere Bäder der Stadtwerke versetzt. Ein Bademeister äußerte sich dazu gelassen: "Von der Arbeit her ist es das Gleiche", merkte aber an, dass das Cosimabad durch seine familiäre Atmosphäre und den persönlicheren Kontakt zu den Badegästen auszeichnete.
Besucher äußerten sich besorgt über die Schließungen, lobten aber die Notwendigkeit der Renovierung ("Bevor das Dach einstürzt, dürfen sie es gerne renovieren"). Die Sicherheit der Badegäste stand stets im Vordergrund der Entscheidungen der SWM.
Fazit
Die Sanierung des Cosimabads in München-Bogenhausen ist ein Paradebeispiel für die Modernisierung von Schwimmbädern aus den 1970er und 80er Jahren. Mit einem Investitionsvolumen von 13,0 Millionen Euro und einer Planungs- und Bauzeit von über fünf Jahren (von 2012 bis 2017) wurde das Gebäude technisch und energetisch auf einen modernen Stand gebracht. Zentrale Elemente wie das Edelstahl-Wellenbecken mit Hubwand und die energetische Sanierung der Hülle zeigen, wie Denkmalschutz und zeitgemäße Badestandards vereinbar gemacht werden können.
Die Analyse der Quellen offenbart jedoch auch die Grenzen solcher Sanierungen. Trotz hochwertiger Materialien und professioneller Planung kam es immer wieder zu Leckagen, insbesondere im Bereich des Wellenbeckens und des Wellenbunkers. Diese technischen Störungen führten zu wiederholten Schließungen, die den Betrieb des Bades immer wieder unterbrachen. Sie verdeutlichen, dass die Instandhaltung von Schwimmbädern ein kontinuierlicher Prozess ist, der auch nach einer Generalsanierung hohe Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel erfordert.
Für Bauherren und Projektverantwortliche in der Baubranche lässt sich aus dem Cosimabad-Projekt ableiten: Die Sanierung von Wasserflächen und der darunterliegenden Technikräume ist risikoreich. Die Ursachenfindung bei Leckagen ist oft komplex ("Wellenbunker"), und die Folgekosten für Stillstände können erheblich sein. Dennoch bleibt das Cosimabad ein beliebter Anziehungspunkt für die Münchner Badegäste, die die einzigartige Welle und die familienfreundliche Atmosphäre zu schätzen wissen.
Quellen
- Architekt Krieger - Alle Projekte - Familienbäder - München
- Süddeutsche Zeitung - Wiedereröffnung des Cosimabads auf unbestimmte Zeit verschoben
- Süddeutsche Zeitung - Cosimabad schließt, Abschied von der Welle
- Süddeutsche Zeitung - München-Bogenhausen Cosimabad Schließung Reparaturen
- t-online München - Leck im Wellenbad, Cosimabad schließt bis Mitte Dezember
- Abendzeitung München - Leck gefunden, Cosimawellenbad muss vorerst schließen