Sanierung eines denkmalgeschützten Gründerzeithauses: Die Kultur- und Begegnungsstätte 10aRium in Greiz

Einleitung

Die Sanierung und Umnutzung von denkmalgeschützter Bausubstanz stellt eine der anspruchsvollsten Aufgabenfelder im modernen Bauwesen dar. Sie verbindet technische Innovation mit dem Erhalt historischer Architektur und erfüllt gleichzeitig soziale und kulturelle Aufgaben. Ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Transformation ist die Kultur- und Begegnungsstätte „10aRium“ in Greiz, Thüringen. Der vorliegende Artikel beleuchtet die Sanierung dieses ehemaligen Wohn- und Gewerbebaus aus der Gründerzeit, der unter strenger Einhaltung denkmalpflegerischer Vorgaben zu einem modernen, barrierefreien und energetisch effizienten Kulturzentrum umgebaut wurde.

Das Projekt dient als Fallstudie für Bauherren, Planer und Renovierungsexperten, die sich für die Rekonsolidierung alter Bausubstanz, energetische Modernisierung und die Integration neuer Nutzungen in historische Ensembles interessieren. Die Sanierung umfasste umfassende Maßnahmen an Fassade, Dach, Fenstern sowie die Erneuerung der Gebäudeinfrastruktur und des Heizungssystems. Finanziert wurde das Vorhaben maßgeblich durch das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ mit einem Volumen von rund 1,67 Millionen Euro.

Historischer Kontext und Ausgangslage des Gebäudes

Das Gebäude „10aRium“ befindet sich in der Greizer Innenstadt und ist Teil eines Denkmalensembles. Es handelte sich ursprünglich um ein Wohn- und Gewerbehaus aus der Gründerzeit. In früheren Zeiten war im Hinterhaus des Anwesens ein Schmiedebetrieb angesiedelt, genauer eine Kupfer- und Kesselschmiede. Über lange Jahre stand das Gebäude leer, was zu einem weiteren Verfall der Bausubstanz führte und eine innerstädtische Immobilienentnahme durch Leerstand darstellte.

Die Ausgangslage für eine Sanierung war schwierig. Das Gebäude erfüllte die aktuellen gesetzlichen Vorgaben nicht mehr. Insbesondere im Hinblick auf Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit bestand erheblicher Nachholbedarf. Auch die Substanz und die Außenfassade waren stark sanierungsbedürftig. Das Ziel des Projektes war es, einerseits den Leerstand zu beleben und andererseits dem Bedarf nach einem lebendigen, sozialen Zentrum in der Stadt Rechnung zu tragen. Der Erhalt des ortstypischen Gebäudes als Teil des Ensembledenkmals stand dabei im Fokus der Planung.

Planung und Finanzierung: Ein Modellprojekt der Bundesförderung

Die Sanierung des 10aRium war ein langfristiges Vorhaben. Bereits im Jahr 2010 machte sich der Verein „the.aRter Greiz e.V.“ daran, das Gebäude für kreative Projekte zu nutzen. Aufgrund des baulichen Zustandes waren öffentliche Veranstaltungen jedoch zunächst nicht möglich. Die eigentliche Sanierung nahm nach einer Crowdfunding-Aktion im Jahr 2014 Fahrt auf, als das historische Tor der alten Likörfabrik Greiz gerettet werden konnte. Im Jahr 2017 begannen die umfassenden Bauarbeiten, die nach rund zwei Jahren Dauer im Jahr 2019 abgeschlossen wurden.

Finanzielle Rahmenbedingungen

Das Projekt wurde durch das Bundesbauministerium gefördert. Die Förderung belief sich auf 1.509.811,29 Euro aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Die Gesamtkosten betrugen 1.677.568,10 Euro. Die Differenz wurde durch Eigenmittel der Stadt Greiz in Höhe von 167.756,81 Euro gedeckt. Die Stadt Greiz fungierte als Zuwendungsempfänger und Bauherr.

Bundesbauministerin Barbara Hendricks betonte anlässlich der Förderung die Bedeutung des Projekts für den sozialen Zusammenhalt. Die Förderung erfolgte unter städtebaulichen, energetischen und barrierefreien Gesichtspunkten. Ziel war es, das Gebäude für die Bewohner Greizs und der angrenzenden Gemeinden zu einem sozialen Treffpunkt zu entwickeln.

Technische Durchführung der Sanierung

Die Sanierung war technisch anspruchsvoll, da sie den Erhalt denkmalgeschützter Substanz mit modernen Anforderungen an Energieeffizienz und Nutzbarkeit verbinden musste. Die Maßnahmen können in drei Hauptbereiche unterteilt werden: Gebäudehülle und Denkmalschutz, Infrastruktur und Technik sowie Barrierefreiheit.

1. Gebäudehülle und Denkmalschutz

Ein zentrales Element war die Sanierung der denkmalgeschützten Fassade. Trotz umfassender Modernisierung wurde die historische Fassade erhalten. Die Sanierung der Straßenfassade und die Erneuerung der Dächer waren notwendig. * Fassade: Die Arbeiten umfassten Putz- und Steinmetzarbeiten sowie Malerarbeiten. Besonderes Augenmerk lag auf der Einhaltung der Vorgaben des Denkmalschutzes bei der Auswahl von Materialien und Farben. Äußerlich zeigt sich das Gebäude heute in blauen Fenstern und einem strahlenden Gelb, was die Vielfalt des Hauses unterstreicht. * Dach: Ein neues Dach wurde installiert. * Fenster: Die Fenster wurden im Rahmen der Sanierung erneuert. * Dämmung und Abdichtung: Um Energieeinsparungen zu gewährleisten, erfolgten eine hochwertige Dämmung sowie Abdichtungsarbeiten.

2. Gebäudeinfrastruktur und Energieeffizienz

Das Gebäude wurde im Zuge der Sanierung vollständig entkernt. Dies war notwendig, um die veraltete Infrastruktur zu erneuern und Platz für die neue Nutzung zu schaffen. * Heizungsanlage: Die Erneuerung der Heizungsanlage war ein wesentlicher Bestandteil der Modernisierung. * Schallschutz: Der Schallschutz wurde erneuert, was für den geplanten Betrieb eines Veranstaltungssaales unerlässlich ist. * Brandschutz: Die Anforderungen an den Brandschutz, die zuvor nicht erfüllt wurden, wurden durch den Umbau sichergestellt.

3. Barrierefreiheit und Innenausbau

Ein Hauptziel der Sanierung war die Schaffung eines barrierefreien Ortes. Die Erreichbarkeit des Gebäudes und die interne Erschließung wurden entsprechend angepasst. * Veranstaltungssaal: Im Hinterhaus entstand ein neuer Veranstaltungssaal. Je nach Quelle fasst dieser Saal rund 200 Gäste (Quelle 1) oder bietet Platz für bis zu 120 Zuschauer (Quelle 5). Der Saal verfügt über eine Bühne und Technik für Proben und Auftritte. * Nutzungskonzept: Im Vorderhaus entstand ein „Haus der Vereine“ mit Platz für kulturelle und soziale Institutionen. Die Räume dienen der Begegnung und kulturellen Bildung.

Soziale und städtebauliche Bedeutung

Das 10aRium versteht sich nicht nur als saniertes Gebäude, sondern als sozialer Knotenpunkt. Es liegt strategisch günstig zwischen der historischen Altstadt und angrenzenden Wohnvierteln, die soziale Herausforderungen aufweisen. Durch die Lage an der Bundesstraße B94 und die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln dient es als Bindeglied.

Das Motto des Projekts lautet: „Bestehendes erhalten, Engagement fördern, Potenzial nutzen“. Das Gebäude steht allen Interessierten offen und soll integrativ wirken. Es bietet eine bisher fehlende Aufenthaltsmöglichkeit im Viertel. Künftig sollen hier Konzerte, Ausstellungen und Theateraufführungen stattfinden, bei denen Jung und Alt zusammenkommen. Der Verein the.aRter Greiz e.V., dessen Vorsitzender Stephan Marek die Vision vor zwölf Jahren am Küchentisch entwickelte, betont, dass die Begegnungsstätte für alle offensteht und ein bunter Anlaufpunkt für Vereine, Künstler und Kunstinteressierte sein soll.

Fazit

Die Sanierung der Kultur- und Begegnungsstätte 10aRium in Greiz ist ein lehrreiches Beispiel für die erfolgreiche Verbindung von Denkmalschutz, moderner Bautechnik und sozialer Stadtentwicklung. Das Projekt zeigt, wie ein jahrzehntelanger Leerstand durch eine gezielte Umnutzung und umfassende Sanierung in ein lebendiges Zentrum transformiert werden kann.

Für Bauherren und Planer sind dabei folgende Aspekte hervorzuheben: 1. Kombination von Fördermitteln: Die Nutzung von Bundesprogrammen ermöglichte eine qualitativ hochwertige Sanierung, die den Erhalt der Bausubstanz sicherte. 2. Respekt vor der Bausubstanz: Trotz umfassender Modernisierung (Dämmung, neues Dach, neue Heizung) blieb das denkmalgeschützte Erscheinungsbild erhalten. 3. Ganzheitlicher Ansatz: Die Sanierung beschränkte sich nicht auf das Gebäude, sondern schloss Barrierefreiheit, Energieeffizienz und soziale Integration ein.

Das 10aRium beweist, dass Altbauten durch Sanierung und Umnutzung eine neue, zeitgemäße Identität erhalten können, die wirtschaftlich sinnvoll und gesellschaftlich wertvoll ist. Die Erneuerung der Heizungsanlage, die hochwertige Dämmung und der Einbau eines Veranstaltungssaales mit Bühne machten das Gebäude zu einem attraktiven Ort für Kultur und Begegnung.

Quellen

  1. Vision vom Küchentisch wird Wirklichkeit
  2. Greiz: Kultur- und Begegnungsstätte „10aRium“
  3. Bundesbauministerium fördert den Umbau der Kultur- und Begegnungsstätte 10aRium in Greiz
  4. Das Projekt in Greiz
  5. Die Projektgeschichte

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