Denkmalpflegerische Sanierung und neue Nutzung: Die St. Jakobskapelle in Brandenburg an der Havel

Die Restaurierung der St. Jakobskapelle, im Volksmund auch als „Verrückte Kapelle“ bekannt, in Brandenburg an der Havel stellt ein herausragendes Beispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz, städtebaulicher Planung und zivilgesellschaftlichem Engagement dar. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und historischen Aspekte dieses Projekts, das durch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen nicht nur die bauhistorische Substanz gesichert, sondern auch eine neue kulturelle Nutzung ermöglicht hat. Für Bauherren, Immobilienbesitzer und Fachleute im Bereich Renovierung und Denkmalpflege bietet der Fall der Jakobskapelle wertvolle Erkenntnisse über die Finanzierung, Durchführung und Zielsetzung von Restaurierungsprojekten an historischen Gebäuden.

Historischer Kontext und bauliche Besonderheiten

Die St. Jakobskapelle ist ein mittelalterlicher Backsteinbau, dessen Ursprünge weit zurückreichen. Sie wurde erstmals im Jahr 1349 im Zusammenhang mit dem 1315 gegründeten Jakobsspital vor der Neustadt Brandenburg urkundlich erwähnt. Architektonisch handelt es sich um einen Saalbau aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, der mit einem steilen Satteldach versehen ist. Der Westturm, ein achteckiger Glockenturm mit einem gemauerten Turmhelm, wurde vermutlich im 15. Jahrhundert ergänzt.

Ein markantes Merkmal der Kapelle ist ihre historische Bewegung, die dem Bauwerk den Namen „Verrückte Kapelle“ einbrachte. Im Jahr 1892 wurde das Gebäude im Zuge eines Straßenausbauwesens um elf Meter nach Westen verschoben. Diese Maßnahme war notwendig, da die Stadtplaner die Jakobstraße begradigen wollten, die zuvor um die Kapelle herumgeführt hatte. Der Stadtbaurat Albert Krzyzagorski entwarf eine Holzkonstruktion, mit deren Hilfe sechs Arbeiter das Gebäude an seinen neuen Standort gleiten lassen konnten. Diese Translozierung zählte zu den ersten ihrer Art für ein Denkmal und stellt eine bemerkenswerte Ingenieursleistung dar.

Im Laufe der Zeit verlor das Gebäude seine ursprüngliche Funktion. Die Spitalgebäude wurden 1898 abgetragen. Nach der DDR-Zeit, in der das Stiftungsgeschehen ruhte, und einer Phase der Zweckentfremdung des Stiftungsvermögens, war die Kapelle Sanierungsbedürftig geworden.

Zielsetzung und Konzeption der Sanierung

Die Sanierungsarbeiten dienten primär der Wiederherstellung der bau- und kunsthistorischen Bedeutung der St. Jakobskapelle. Das Ziel war nicht nur die Instandsetzung der Bausubstanz, sondern auch die Sicherung des kulturellen Erbes für zukünftige Generationen. Wie von Ministerpräsident Dietmar Woidke hervorgehoben, ist der Denkmalschutz essenziell für das kulturelle Erbe der Region und des gesamten Landes Brandenburg.

Ein zentraler Aspekt der Projektplanung war die neue Nutzung. Die Kapelle soll in das pädagogische Konzept der Stiftung Wredowsche Zeichenschule integriert werden. Geplant ist die Einrichtung als Begegnungsstätte, die für Ausstellungen, Lesungen, Kleinkunstdarbietungen und Kunstunterricht genutzt wird. Diese Umnutzung von kirchlichen hin zu weltlichen Zwecken ermöglicht eine lebendige und zeitgemäße Erhaltung des Bauwerks. Der Kurator der Stiftung, Prof. Dr. Detlef Karg, beschrieb die gotische Kapelle als ein „Kleinod im wahrsten Sinne des Wortes“, durch das verborgene Dinge wieder erlebbar gemacht wurden.

Finanzierung und Förderung

Die Finanzierung eines Denkmalpflege-Projekts dieser Größenordnung erfordert eine komplexe Mischung aus öffentlichen Mitteln, Stiftungsgeldern und privaten Engagement. Die Gesamtkosten der Restaurierung beliefen sich auf ungefähr 330.000 Euro. Eine wesentliche Stütze der Finanzierung war die Denkmalhilfe von Bund und Land, die 190.000 Euro bereitstellte.

Zusätzliche Unterstützung kam von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die bereits in den Jahren 2001 und 2004 Arbeiten an der Kapelle gefördert hatte und im vorvergangenen Jahr weitere 13.000 Euro für die Sanierung bereitstellte. Diese Mittel stammen aus Spenden, Erträgen von Treuhandstiftungen sowie der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto.

Eine besondere Anerkennung erfuhr das Projekt durch die Übergabe eines Förderschecks über rund 26.500 Euro durch Ministerpräsident Dietmar Woidke. Diese Mittel aus Lotto-Mitteln wurden symbolisch im Dezember des Vorjahres übergeben und dienten der Finanzierung der Instandhaltungsarbeiten, insbesondere für die Heizung und das Licht. Woidke würdigte dabei das Engagement der Stiftung, die nach dem Ende der DDR mit enormem persönlichem Einsatz die Kunstschule wiederbelebt und die Kapelle im Jahr 2000 in ihr Eigentum überführt hat.

Durchführung der Restaurierungsmaßnahmen

Die Sanierung der St. Jakobskapelle war ein umfangreiches Projekt, das eine detaillierte Planung und Abstimmung erforderte. Architektin Heidrun Fleege vom Architekturbüro Fleege + Oeser, die auch Mitglied des Kuratoriums der Stiftung ist, erläuterte im Rahmen der Einweihung Details des Projekts. Sie veranschaulichte „die Kapelle im Wandel der Zeit“ und zeigte auf, wie durch das Engagement vieler Akteure verborgene Dinge wieder erlebbar gemacht wurden.

Die Arbeiten konzentrierten sich auf die Sicherung und Wiederherstellung der historischen Bausubstanz. Dabei ging es um die Instandsetzung von Mauerwerk, Dach, Fenstern und der technischen Infrastruktur. Die Integration moderner Anforderungen an Heizung und Beleuchtung in den historischen Kontext stellte eine besondere Herausforderung dar, die durch die zusätzlichen 26.500 Euro aus Lottomitteln ermöglicht wurde.

Der Erfolg der Maßnahme wurde am 25. August 2022 mit einer feierlichen Einweihung gewürdigt. Anwesend waren neben dem Ministerpräsidenten und dem Oberbürgermeister der Stadt Brandenburg an der Havel, Steffen Scheller, zahlreiche Vertreter aus Politik und Institutionen. Die Veranstaltung unterstrich die Bedeutung des Projekts für die Stadt und die Region.

Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen

Für Bauherren und Projektverantwortliche in der Denkmalpflege sind die organisatorischen Strukturen oft entscheidend. Bei der Jakobskapelle fungierte die Stiftung Wredowsche Zeichenschule als treibende Kraft und Eigentümerin. Die Stiftung hat sich nach der Wende neu aufgestellt und setzt sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung ihres kulturellen Erbes ein. Das Kuratorium, bestehend aus ehrenamtlichen Mitgliedern, und die Geschäftsführung unter Klaus Lietze tragen die Verantwortung für die Planung und Durchführung der Maßnahmen.

Die enge Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden und Förderinstitutionen war für den Erfolg des Projekts unerlässlich. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat hier eine Vorreiterrolle eingenommen, indem sie nicht nur finanzielle Mittel bereitstellte, sondern auch durch ihre Präsenz bei der Einweihung die Wichtigkeit des Denkmalschutzes propagierte.

Bedeutung für die Bauwirtschaft und Denkmalpflege

Die Sanierung der St. Jakobskapelle in Brandenburg an der Havel ist ein Praxisbeispiel für die erfolgreiche Umsetzung von Denkmalpflege im 21. Jahrhundert. Für die Bauwirtschaft zeigt sich, dass die Restaurierung historischer Gebäude eine hohe Fachkompetenz erfordert, die durch die Zusammenarbeit mit Architekten, Handwerkern und Denkmalschutzexperten gewährleistet wird.

Die Quellenlage bestätigt, dass die Finanzierung durch eine breite Streuung von Fördermitteln gesichert wurde. Dies ist ein typisches Modell für größere Denkmalprojekte. Die Kombination aus Mitteln des Bundes, des Landes, spezieller Denkmalschutzstiftungen und lotteriebasierter Förderung bietet eine Blaupause für ähnliche Vorhaben.

Für Immobilienbesitzer in historischen Gebäuden unter Denkmalschutz ist die Jakobskapelle ein positives Beispiel für die Chancen, die eine sanierte und neu genutzte Immobilie bietet. Die Umwandlung in eine Begegnungsstätte und Kulturlocation sichert nicht nur den Bestand des Gebäudes, sondern steigert auch den kulturellen Wert der Immobilie und ihrer Umgebung.

Fazit

Die Restaurierung der St. Jakobskapelle in Brandenburg an der Havel ist ein gelungenes Projekt, das die Bedeutung des Denkmalschutzes für das kulturelle Erbe einer Stadt unterstreicht. Durch die gezielte Sanierung und die innovative Umnutzung als Begegnungsstätte für Kunst und Kultur wird das historische Bauwerk für die Zukunft gesichert. Die Finanzierung durch Bund, Land, Stiftungen und Lotto-Mittel zeigt das hohe Engagement aller Beteiligten. Für die Bauwirtschaft und Immobilienbesitzer in Brandenburg und darüber hinaus liefert dieses Projekt wertvolle Impulse für die Planung und Umsetzung von Renovierungsmaßnahmen an denkmalgeschützten Objekten. Die Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Stiftung und Bürgerschaft hat hier ein Kleinod bewahrt und für neue Aufgaben geöffnet.

Quellen

  1. maz-online.de
  2. maz-online.de
  3. meetingpoint-brandenburg.de
  4. stadt-brandenburg.de
  5. stadt-brandenburg.de
  6. denkmalschutz.de
  7. denkmalschutz.de

Ähnliche Beiträge