Campussanierung der Ruhr-Universität Bochum: Moderner Ersatzneubau des NA-Gebäudes und Herausforderungen des Verkehrsbauwerks

Die Sanierung und Modernisierung großer Infrastrukturprojekte stellt eine der größten Herausforderungen im modernen Baugewerbe dar, insbesondere wenn diese während des laufenden Betriebs erfolgen müssen. Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) steht aktuell vor einem solchen Mammutprojekt. Im Zuge der umfassenden Campussanierung wird der Campus Schritt für Schritt modernisiert, um den Anforderungen einer modernen Forschungs- und Lehrstätte gerecht zu werden. Zwei zentrale Bauprojekte stehen dabei im Fokus der Öffentlichkeit und der Fachwelt: der Ersatzneubau des NA-Gebäudes (Naturwissenschaften) und die Sanierung des zentralen Verkehrsbauwerks. Diese Projekte bieten einzigartige Einblicke in moderne Bauplanung, Gebäudetechnik und die Logistik von Großbaustellen in sensiblen Umgebungen.

Dieser Artikel beleuchtet die technischen und organisatorischen Aspekte dieser Baumaßnahmen, basierend auf den offiziellen Informationen der Bauherren und Planer. Er richtet sich an Bauinteressierte, Immobilienbesitzer und Fachleute, die sich für Sanierungstechniken, nachhaltige Baustellenlogistik und moderne Hochbaukonzepte interessieren.

Der Ersatzneubau des NA-Gebäudes: Ein Meilenstein der Campus-Modernisierung

Der 22. Oktober 2024 markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der Baugeschichte der Ruhr-Universität Bochum. Mit der feierlichen Grundsteinlegung für den Ersatzneubau des NA-Gebäudes begann ein Projekt, das nicht nur architektonisch, sondern auch funktional neue Maßstäbe setzt. Das Vorhaben ist Teil einer langfristigen Strategie, die Infrastruktur der Hochschule an die Bedürfnisse von fast 40.000 Studierenden und Forschenden anzupassen.

Die Notwendigkeit des Rückbaus

Eine Sanierung ist nicht immer die wirtschaftlichste oder technisch sinnvollste Lösung. Untersuchungen am alten NA-Komplex, der in den 1960er Jahren errichtet wurde, ergaben, dass eine Sanierung des bestehenden Gebäudes nicht mehr möglich war. Daraufhin wurde der Rückbau des alten Komplexes notwendig. Dieser begann im Januar 2022 und umfasste komplexe Arbeiten wie Entkernung, Schadstoffsanierung und spezielle Tiefenenttrümmerungsarbeiten. Diese Maßnahmen waren zwingend erforderlich, um den Baugrund für den Neubau vorzubereiten und gleichzeitig die Sicherheit auf dem Campus zu gewährleisten.

Die Entscheidung für einen reinen Ersatzneubau anstelle einer Sanierung des Bestands ist ein häufiges Szenario in der Industrie- und Gewerbeimmobilienbranche, wenn die Bausubstanz stark geschädigt ist oder die energetischen und technischen Anforderungen durch eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich erreicht werden können.

Architektonische Einbindung und Gebäudeparameter

Ein wesentliches Ziel des Projektes ist die Harmonisierung von Moderne und Tradition. Trotz des kompletten Neubaus wird sich der Bau optisch an das alte NA-Gebäude anlehnen und sich nahtlos in das historische Ambiente des denkmalgeschützten Campus einfügen. Dies ist ein klassisches Beispiel für denkmalgerechtes Bauen im Kontext von Universitätsarchitektur.

Die Dimensionen des neuen Gebäudes sind beeindruckend: * Breite: 20 Meter * Länge: 100 Meter * Geschosse: 15 Etagen * Nutzfläche: Rund 27.000 Quadratmeter (inkl. Verkehrswege und Technik)

Diese Abmessungen definieren einen Hochbau, der in die Kategorie der Hochhäuser fällt und eine anspruchsvolle Tragwerksplanung sowie eine effiziente Erschließung erfordert.

Funktionale Raumaufteilung und Nutzergruppen

Der Neubau ist als Komplex für Naturwissenschaften konzipiert. Die Verteilung der Nutzerflächen zeigt eine strategische Zusammenlegung verschiedener Fachbereiche zur Förderung interdisziplinärer Forschung: * Fakultät für Physik und Astronomie * Institut für Neuroinformatik (Teil der Fakultät für Informatik) * Alfried Krupp-Schülerlabor der Wissenschaften (naturwissenschaftlich-technischer Bereich) * Arbeitsmedizinischer Dienst

Darüber hinaus sind umfangreiche Forschungslabore, Lernflächen, Bibliotheksflächen und eine Cafeteria geplant. Diese Mischung aus Labor- und Büroflächen sowie Sozialräumen erfordert eine hochkomplexe Haustechnikplanung, insbesondere für Labore, die spezielle Belüftungs- und Sicherheitssysteme benötigen.

Nachhaltigkeit und Gebäudetechnik

Das Projekt setzt auf moderne Nachhaltigkeitsstandards. Geplant sind unter anderem: * Eine Photovoltaik-Anlage zur Erzeugung regenerativer Energie. * Eine Dachbegrünung, die zur Verbesserung des Mikroklimas und des Starkregenmanagements beiträgt.

Diese Maßnahmen sind heutzutage Standard in der öffentlichen Bauwirtschaft und tragen dazu bei, den Betrieb des Gebäudes energieeffizienter zu gestalten.

Herausforderungen der Bauausführung: Bauen im laufenden Betrieb

Ein Aspekt, der das Projekt für Bauingenieure und Projektmanager besonders interessant macht, ist die Bauausführung während des laufenden Uni-Betriebs. Im Gegensatz zu Brachflächen in Gewerbegebieten ist der Campus ein hochfrequenzierter Ort, an dem wissenschaftlicher Alltag stattfindet.

Logistik und Platzverhältnisse

Die Quellen beschreiben die Platzverhältnisse als "beengt". Dies ist eine typische Herausforderung bei Innenstadtsanierungen oder Campus-Erweiterungen. Die Baustelle muss so organisiert sein, dass Zufahrtswege für Baufahrzeuge und Rettungswege für Studierende und Mitarbeiter permanent frei gehalten werden. Zudem laufen in unmittelbarer Nähe weitere Großprojekte, was die Logistik zusätzlich erschwert.

Ausweichquartiere und Betriebsunterbrechung

Um den Lehr- und Forschungsbetrieb aufrechtzuerhalten, mussten Ausweichquartiere geschaffen werden. Die Studierenden und Forschenden sind zwischenzeitlich in den Gebäuden IA und IB untergebracht. Dieses Konzept des "Bauens im Bestand" erfordert eine präzise Terminplanung, da die Übergabe der Ausweichflächen mit dem Rückbau des alten NA-Gebäudes koordiniert werden musste.

Das Verkehrsbauwerk: Sanierung zentraler Infrastruktur

Neben dem NA-Gebäude ist die Sanierung des Verkehrsbauwerks (VBW) ein weiterer zentraler Bestandteil der Campussanierung. Während der Neubau eine geplante Maßnahme darstellt, handelt es sich hier oft um Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten an bestehender Infrastruktur, die für die Erschließung des Campus unverzichtbar ist.

Die Bedeutung des Verkehrsbauwerks

Das Verkehrsbauwerk stellt eine zentrale Verkehrsader auf dem Campus dar. Seine Sanierung ist notwendig, um die Sicherheit und Barrierefreiheit auf dem Gelände zu gewährleisten. Da es sich um eine Verkehrsinfrastruktur handelt, gelten hier besonders strenge Sicherheitsvorschriften. Die Sanierung muss so durchgeführt werden, dass die Wegeführung für Fußgänger und evtl. Fahrzeuge jederzeit sichergestellt ist.

Technische Aspekte der VBW-Sanierung

Obwohl die Quellen hier detaillierter sind als bei anderen Themen, deutet der Kontext auf eine umfassende Maßnahme hin, die Teil der Gesamtsanierung ist. Solche Bauwerke erfordern oft Prüfungen auf Bauschäden, Korrosionsschutzmaßnahmen und die Erneuerung von Belägen und Geländern. Die Sanierung von Verkehrsbauwerken im Bestand ist technisch anspruchsvoll, da oft Tragwerksicherheit und Funktion parallel gewährleistet werden müssen.

Projektmanagement und Bauausführung

Die Organisation eines solchen Großprojekts erfordert ein professionelles Management. An den Projekten sind renommierte Institutionen beteiligt, was auf eine hohe Planungssicherheit hindeutet.

Die Beteiligten

  • Bauherr: Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW). Als öffentlicher Bauherr legt der BLB NRW Wert auf transparente und ordnungsgemäße Vergabe.
  • Generalunternehmer: Für den Neubau des NA-Gebäudes wurde ein Generalunternehmer beauftragt. Die erste Maßnahme war die Vorbereitung der Baugrube, gefolgt von der Errichtung von Fundamenten und Bodenplatten. Danach wächst der Komplex "nach und nach".
  • Öffentliche Hand: Das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch Ministerin Ina Brandes und Staatssekretär Dr. Dirk Günnewig, unterstützt das Projekt politisch und finanziell.

Die Logistik des "Nach und Nach Wachsens"

Der Begriff "nach und nach wachsen" beschreibt die klassische Bauabfolge bei Hochbauten. Nach der Gründung (Fundamente und Bodenplatten) folgt das Hochbauwerk. Bei einem 15-geschossigen Bau ist dies ein logistischer Kraftakt. Die Baustelle muss so organisiert sein, dass Beton, Stahl und andere Materialien just-in-time angeliefert werden, ohne den Campus zu überlasten.

Zeitkapsel als Symbol

Die Verlegung einer Zeitkapsel mit Gummistiefeln (als Symbol für die "bewegten Anfangszeiten" des Campus 1965) unterstreicht die historische Dimension. Es zeigt, dass Bauen nicht nur technisch, sondern auch kulturell verankert ist.

Fazit

Die Sanierung der Ruhr-Universität Bochum, konkretisiert durch den Ersatzneubau des NA-Gebäudes und die Sanierung des Verkehrsbauwerks, ist ein Paradebeispiel für modernes Hochschulbaumanagement. Das Projekt zeigt, wie durch den vollständigen Ersatz eines 1960er-Jahre-Gebäudes moderne Forschungsbedingungen (Labore, flexible Raumkonzepte) geschaffen werden können, dabei aber architektonisch in das historische Ensemble integriert wird.

Die technischen Herausforderungen – von der Schadstoffsanierung und Tiefenenttrümmerung über den Bau eines 15-geschossigen Hochhauses bis hin zur Logistik im laufenden Betrieb – erfordern eine hohe Professionalität aller Beteiligten. Für die Bauwirtschaft bietet das Projekt wertvolle Erkenntnisse zur Sanierung von Großstandorten, zur Nachhaltigkeit durch Photovoltaik und Dachbegrünung sowie zur Koordination von Generalunternehmern unter beengten Platzverhältnissen. Das Projekt verdeutlicht, dass der Erhalt und die Modernisierung von Bausubstanz oft nur durch konsequente Neubaumaßnahmen unter Beibehaltung der optischen Identität erreicht werden kann.

Quellen

  1. Übersicht Sanierung Verkehrsbauwerk
  2. RUB Ruhr-Universität Bochum: Grundsteinlegung am NA-Gebäude
  3. Meilenstein der Campus-Sanierung der Ruhr-Universität Bochum
  4. Ersatzneubau NA

Ähnliche Beiträge