Die Sanierung historischer Kirchen ist eine komplexe Aufgabe, die weit über die reine Instandsetzung hinausgeht. Sie verbindet architektonische Herausforderungen, die Bewahrung von Kulturgut und die Einbindung einer engagierten Gemeinde. Die Sanierung der Veitskirche in Nehren dient als prädikatives Beispiel für die Gründlichkeit und Sorgfalt, die bei solchen Projekten notwendig sind. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Phasen der Sanierung, von der ersten Schadensanalyse bis zur abschließenden Fertigstellung, und bietet Einblicke in die Techniken und Materialien, die zum Einsatz kamen.
Die Notwendigkeit der Sanierung: Schadensbilder und Auslöser
Die Entscheidung zur Sanierung einer Kirche fällt selten über Nacht. Meist ist es eine Kumulation von Schäden über Jahre oder Jahrzehnte, die den Handlungsbedarf offensichtlich macht. Bei der Veitskirche war der Prozess ähnlich.
Erste Anzeichen und Bestandsaufnahme
Bereits im Jahr 2009 wurde im Rahmen einer Bauschau mit einer Vertreterin des Oberkirchenrates festgestellt, dass die Veitskirche saniert werden muss. Zu diesem Zeitpunkt war der Handlungsdruck jedoch noch nicht so hoch. Erst als der Putz am Fachwerkkirchturm nach dem kalten Winter 2012 zu bröckeln begann, änderte sich die Wahrnehmung. Eine Bestandsaufnahme durch einen Restaurator im August (Jahr nicht explizit genannt, aber Kontext lässt auf die Zeit vor Beginn der Arbeiten schließen) durch Herrn Körner, einen Sachverständigen für Insekten- und Pilzbefall, bestätigte den schlechten Zustand des Dachstuhls.
Ein entscheidender Wendepunkt war das Hagelunwetter im Jahr 2013. Dieses verursachte massive Schäden: * Das Dach wurde teilweise abgedeckt. * Der Mauerputz wurde beschädigt. * 10 Fensterscheiben wurden durchlöchert. * Wasser drang in die Kirche ein.
Diese Ereignisse führten zu einem Rundgang mit der Architektin des Kirchenbezirkes, der deutlich machte, dass größere Sanierungsmaßnahmen unumgänglich waren. Die Architektin des Kirchenbezirkes und der Architekt Hörz vom Büro Riehle und Partner erkannten, dass die Holzkonstruktion des Daches in einem äußerst schlechten Zustand war. Die Auflager waren fast alle stark geschädigt, und die Nordfassade wies bereits starke Risse auf. Auch die Abwasserleitungen rund um die Kirche mussten repariert werden.
Die Rolle der Denkmalschutzbehörde
Ein entscheidender Faktor bei der Sanierung ist die Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde. Der Anstoß zur professionellen Beschäftigung mit dem Zustand der Kirche kam durch ein Gemeindeglied, das sich an der westlichen Kirchentür störte, deren Holz stark mitgenommen und vom Wetter ausgebleicht war. Das ursprüngliche Angebot, die Tür in Eigenregie zu streichen, erwies sich als nicht ausreichend. Die Denkmalschutzbehörde wurde befragt und erteilte eine Sondergenehmigung für die professionelle Restaurierung. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass der Sandstein des Kirchenschiffs an einigen Stellen sehr schadhaft sei. Diese behördliche Einbindung ist typisch für denkmalschutzwürdige Gebäude und stellt hohe Anforderungen an die Planung und Ausführung.
Phase 1: Analyse und Planung
Bevor die ersten Handwerker die Baustelle betraten, stand eine intensive Planungsphase. Wie in Source [4] beschrieben, gestaltet sich der Ablauf bei solchen Projekten so, dass bei allen Teilabschnitten zunächst eine Schadensanalyse erfolgen muss, z.B. durch einen Restaurator.
Die Schadensanalyse
Die Analyse im August durch Herrn Körner war der Startschuss für die detaillierte Planung. Er prüfte den Dachstuhl auf Insekten- und Pilzbefall. Solche Untersuchungen sind essenziell, um das Ausmaß der Zerstörung zu quantifizieren und die richtigen Sanierungsmethoden zu wählen. Die Ergebnisse dieser Analyse führten zu der Erkenntnis, dass eine einfache Ausbesserung nicht ausreichen würde.
Die Planung der Sanierungsabschnitte
Basierend auf der Schadensanalyse wurde ein gestufter Plan entwickelt: 1. Ausbesserung der schadhaften Stellen im Dachstuhl: Priorisierung der statischen Sicherheit. 2. Behebung der Schäden an der Außenfassade: Schutz des Mauerwerks vor Witterung. 3. Innenrenovierung: Sicherung des Innenraums und der historischen Ausstattung.
Diese klare Strukturierung ermöglichte es, die Sanierung effizient und logisch aufeinander aufbauend durchzuführen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Architekten (Herr Hörz), der Denkmalschutzbehörde und der Kirchengemeinde wurde dabei als besonders positiv hervorgehoben. Die gute Zusammenarbeit wurde von mehreren Seiten hochgelobt.
Phase 2: Die Dach- und Dachstuhlsanierung
Der Dachbereich stellte eine der größten Herausforderungen dar. Die Holzkonstruktion war massiv geschädigt.
Stabilisierung und Instandsetzung des Dachstuhls
Die Arbeiten am Dachstuhl begannen bereits Ende des vergangenen Jahres vor dem Hauptstart (Kontext: vor dem Beginn der umfangreichen Sanierung im neuen Jahr). Stahlrohre wurden im Bereich des Dachfirstes eingezogen und zur statischen Stabilisierung mit einem Zugstab quer durch das Dach des Kirchenschiffs verbunden.
Im Januar begannen die Zimmerleute mit der Instandsetzung des Dachstuhls. Dabei kamen verschiedene Techniken zum Einsatz: * Einbau von Stahlteilen zur Stabilisierung: Dies ist eine gängige Methode, um alte Holzkonstruktionen zu verstärken, ohne die Substanz zu gefährden. * Aufdoppeln von Balken: Schwache Balken wurden verstärkt. * Ertüchtigung durch Überzüge und Abfangträger aus Holz: Diese Komponenten verteilen die Lasten und entlasten geschädigte Bereiche. * Komplette Erneuerung: Wo Holz stark beschädigt oder morsch war, musste es komplett ersetzt werden.
Der Zustand war so schlecht, dass eine Sanierung unumgänglich war. Die Auflager, also die Punkte, auf denen der Dachstuhl aufliegt, waren fast alle stark geschädigt. Ohne diese umfassende Sicherung hätte das Dach Einsturzgefahr geboten.
Die Dachdeckung
Neben dem Holzgerüst musste auch die eigentliche Dachhaut erneuert werden. Wie in Source [5] erwähnt, wurde das durch den Hagelschaden 2013 stark beschädigte Dach mit gebrannten Ziegeln neu gedeckt. Die Verwendung von gebrannten Ziegeln entspricht den Anforderungen an einen denkmalgeschützten Bau und sorgt für Langlebigkeit und Ästhetik. Die Arbeiten wurden so ausgeführt, dass die Kirche "auf Jahrzehnte wieder gegen Wind und Wetter gefeit" ist.
Phase 3: Fassadensanierung und Mauerwerksinstandsetzung
Parallel oder im Anschluss an die Dacharbeiten erfolgten die Maßnahmen an der Außenhülle. Die Veitskirche weist historisches Mauerwerk auf, das besondere Pflege benötigt.
Sandsteinsanierung
Ein zentraler Punkt war der Zustand des Sandsteins. Die Denkmalschutzbehörde hatte bereits auf die Schäden hingewiesen. Die Bestandsaufnahme bestätigte, dass der Sandstein an einigen Stellen sehr schadhaft war. In der Sanierungsphase wurde dies wie folgt gelöst: * Erneuerung poröser Sandsteine: Die porösen Sandsteine an Turm, Kirchenschiff und an den Strebepfeilern wurden durch neue, gehauene und gehämmerte Natursteine ersetzt. Dies ist eine aufwändige Handarbeit, die den Originalcharakter bewahrt.
Verputz und Stabilität
Auch der Putz spielte eine Rolle. Am Fachwerkturm war der Putz abfallend, was nach dem Winter 2012 besonders deutlich wurde. Er wurde erneuert. Ein spezieller Fugenmörtel kam zum Einsatz, um die haltlosen Strebepfeiler wieder fest mit dem Gemäuer zu verbinden. Diese Maßnahme ist entscheidend für die "gute Statik" des Gebäudes. Sie sorgt dafür, dass Turm und Kirchenschiff wieder "felsenfest" zusammenhalten.
Holzrahmen
Die Holzrahmen wurden mit Leinfarben neu gestrichen. Leinöl ist ein traditionelles Holzschutzmittel, das gut mit historischen Materialien harmoniert und Langlebigkeit bietet.
Phase 4: Innenrenovierung und weitere Maßnahmen
Obwohl der Fokus in den Berichten stark auf der Außensanierung liegt, wurde auch die Innenrenovierung als Teil des Plans genannt. Zudem gab es Arbeiten, die "hinter verschlossenen Türen" ausgeführt wurden, wie Elektro- oder Bodenlegearbeiten.
Elektroarbeiten und Bodenlegearbeiten
Diese Arbeiten fanden im Inneren der Kirche statt und waren für die Öffentlichkeit nicht sichtbar. Sie sind jedoch essenziell für den modernen Betrieb einer Kirche (Beleuchtung, Heizung, ggf. Ton- und Videotechnik). Da sie im Kontext der umfassenden Sanierung erwähnt werden, ist davon auszugehen, dass sie den aktuellen Standards entsprachen und in die Gesamtplanung integriert waren.
Die Westliche Kirchentür
Der Auslöser für die gesamte Überprüfung war die westliche Kirchentür. Sie wurde professionell restauriert. Dies zeigt, dass selbst kleinere Details bei einer denkmalgeschützten Kirche nicht einfach überstrichen, sondern fachgerecht instand gesetzt werden müssen.
Finanzierung und Förderung
Sanierungen dieser Größenordnung sind extrem kostenintensiv. Die Finanzierung spielt eine entscheidende Rolle.
Spenden und Gemeindearbeit
Die Gemeinde in Nehren hat sich engagiert. Mit Spendengeldern konnten im letzten Jahr die Außensanierung durchgeführt werden. Die Bereitschaft der Gemeinde, finanzielle Mittel bereitzustellen, war Voraussetzung für den Erfolg.
Stiftungen und Lotterien
Für die Veitskapelle in Stuttgart (nicht zu verwechseln mit der Kirche in Nehren, aber als Beispiel für die Veitskirche allgemein genannt) wurden Förderungen durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz aus Mitteln der GlücksSpirale (Rentenlotterie) in Höhe von fast 300.000 Euro für mehrere Bauabschnitte genannt. Für einen 4. Bauabschnitt (Sanierung der Umfassungsmauern) wurden knapp 45.000 Euro bereitgestellt. Diese Förderungen zeigen, wie wichtig staatliche und halbstaatliche Unterstützung für den Erhalt von Baudenkmälern ist.
Zeitlicher Ablauf und Fertigstellung
Die Sanierung der Veitskirche in Nehren dauerte insgesamt über elf Monate fachmännischer Arbeiten, "von den Drainagen bis hinauf zur Kirchturmspitze". Dies unterstreicht den Umfang der Maßnahmen.
Der Zeitplan
- 2009: Erste Feststellungen des Sanierungsbedarfs.
- Winter 2012/2013: Verschärfung der Schäden (bröckelnder Putz).
- 2013: Hagelschaden als Katalysator.
- Beginn der Sanierung: Nach umfangreichen Prüfungen und Planungen.
- Verlauf: Die Arbeiten wurden im Januar des Folgejahres mit der Instandsetzung des Dachstuhls fortgesetzt. Im Februar nahmen die Arbeiten deutlich an Fahrt auf.
- Abschluss: Nach über elf Monaten war die Sanierung so gut wie abgeschlossen. Dies wurde am zweiten Sonntag im Januar mit einem festlichen Gottesdienst gefeiert.
Witterungsbedingte Pausen
Wie in Source [3] erwähnt, ruhten zu Beginn des Jahres ein Teil der Arbeiten witterungsbedingt. Dies ist bei Außenarbeiten im Winter typisch. Dennoch wurde die Zeit genutzt, um interne Arbeiten (Elektro, Boden) durchzuführen.
Abschluss und Würdigung
Die Feierlichkeiten zum Abschluss der Sanierung waren ein Zeichen für die Verbundenheit der Gemeinde und die Anerkennung der geleisteten Arbeit. Ein festlicher Gottesdienst und eine Feier im Gemeindehaus mit Dankesreden, Urkunden und dem "Hochprozentigem" (im Sinne von hochwertigen Speisen und Getränken) Würdigung der Planer und Macher unterstrichen die Bedeutung des Ereignisses. Besonders die gute Zusammenarbeit wurde hervorgehoben. Der Bürgermeister Betz, Architekt Hörz und Malermeister Nill wurden in einem Videoclip gewürdigt.
Fazit
Die Sanierung der Veitskirche ist ein Musterbeispiel für die professionelle und denkmalgerechte Erneuerung eines historischen Sakralbaues. Vom ersten Hinweis auf Schäden über die akribische Schadensanalyse bis zur handwerklichen Ausführung wurden alle Schritte mit größter Sorgfalt durchgeführt. Die Verwendung von traditionellen Materialien wie gebrannten Ziegeln und Natursteinen in Kombination mit modernen Stabilisierungstechniken (Stahlverstärkungen) sichert die Bausubstanz für kommende Generationen. Die Finanzierung durch Spendengelder und Stiftungsmittel sowie die enge Zusammenarbeit mit Denkmalschutzbehörden und Architekten zeigen, dass der Erhalt von kulturellem Erbe eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Für Bauherren und Planer ist dieser Fall eine wertvolle Lektion in Geduld, Detailgenauigkeit und der Wichtigkeit einer umfassenden Schadensdiagnose vor Beginn jeglicher Sanierungsmaßnahme.