Sanierung und Entwicklung der Wandlitzstraße in Berlin-Karlshorst: Perspektiven für eine Fahrradstraße und verkehrstechnische Entlastung

Die Wandlitzstraße in Berlin-Karlshorst befindet sich an einem entscheidenden Punkt ihrer städtebaulichen und verkehrstechnischen Entwicklung. Als Teil eines dynamischen Stadtteils, der durch Neubauten und eine wachsende Bevölkerung geprägt ist, steht die Straße im Fokus von Sanierungsplänen, verkehrspolitischen Debatten und der Notwendigkeit, die Infrastruktur an moderne Anforderungen anzupassen. Die vorliegenden Informationen aus lokalen Initiativen, Bürgervereinen und städtischen Verwaltungsdokumenten zeichnen ein Bild einer Straße, die nicht nur saniert, sondern fundamental neu gedacht werden soll – insbesondere im Hinblick auf die Förderung des Radverkehrs und die Verkehrssicherheit.

Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Sanierungsmaßnahmen, die Vision einer Fahrradstraße und die komplexen Wechselwirkungen zwischen Wohnungsneubau, Verkehrsplanung und den Interessen der Anwohner.

Aktueller Zustand und Sanierungsbedarf

Die Wandlitzstraße ist eine Straße mit Geschichte und aktuellen Herausforderungen. Sie liegt zwischen der Wildensteiner Straße und der Treskowallee und war in der Vergangenheit Teil einer "endlosen Baustelle", die das tägliche Leben der Anwohner stark beeinträchtigte. Laut dem Bürgerverein Karlshorst e.V. wurde die Straße zwar im Dezember 2021 vorzeitig für den Verkehr geöffnet, was eine kurzfristige Entlastung der stark belasteten Ehrlichstraße und Treskowallee brachte. Dies war jedoch nur eine vorübergehende Maßnahme. Eine endgültige Lösung des Verkehrsproblems sieht der Bürgerverein nicht in der Wandlitzstraße selbst, sondern in einem geplanten Straßenzug ("TVO"), der den Nord-Süd-Durchgangsverkehr aus Karlshorst herausführen soll.

Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Verknüpfung mit der städtebaulichen Entwicklung. In unmittelbarer Nähe entsteht die "Parkstadt Karlshorst". Diese Wohnbebauung hat direkte Auswirkungen auf die Infrastruktur. Ein städtebaulicher Vertrag, der im Jahr 2019 zwischen der Stadtentwicklung und dem Investor geschlossen wurde, regelt die Verantwortlichkeiten. Demnach ist der Investor verpflichtet, ein Teilstück der Wandlitzstraße zu sanieren. Bisher ist diese Sanierung jedoch noch nicht erfolgt, was den Status quo der Straße beeinflusst.

Die Notwendigkeit einer Sanierung wird auch durch die geplanten Veränderungen im Straßenbild unterstrichen. Im August 2021 wurde im Protokoll der Verwaltung festgehalten, dass im Zuge des Wohnungsbaus die südliche Trautenauer Straße sowie der Hönower Wiesenweg ausgebaut werden sollen. Dies beinhaltet die Asphaltierung der Fahrbahn. Die Ausführungspläne hierfür liegen dem Straßen- und Grünflächenamt vor, müssen jedoch noch überarbeitet werden. Dies zeigt, dass die Sanierung der Wandlitzstraße nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern Teil eines größeren Komplexes ist, der die Anbindung an das Straßennetz neu ordnet.

Die Vision: Wandlitzstraße als Fahrradstraße

Ein zentraler Punkt der Debatten um die Wandlitzstraße ist die Idee, sie zu einer Fahrradstraße auszubauen. Dieser Vorschlag wird von verschiedenen Seiten vehement unterstützt.

Argumente für die Fahrradstraße

Der Vorschlag, die Wandlitzstraße zur Fahrradstraße zu sanieren, stammt aus der Bürgerschaft und wird von politischen Gremien aufgegriffen. Als Teil des Ergänzungsnetzes für den Radverkehrs soll die Straße eine wichtige Verbindung schaffen. Ein wesentlicher Grund ist die unzureichende Einbindung des Radverkehrs in Karlshorst. Besonders für Schüler der Karlshorster-Grundschule, der Kreativ-Grundschule und des Coppi-Gymnasiums sowie für Radpendler in Richtung Innenstadt ist die Situation verbesserungswürdig.

Zudem soll der Wegfall des Regionalbahnhaltepunktes Karlshorst und der damit verbundene Rückbau des ÖPNVs in Lichtenberg durch eine schnelle und fahrradtaugliche Anbindung an den Bahnhof Ostkreuz kompensiert werden. Die City-nahe Lage von Karlshorst bietet Potenzial für den Modal Shift weg vom Auto hin zum Fahrrad.

Ein konkreter Vorschlag aus dem Bürgervorschlag (Source 2) sieht vor, die Wandlitzstraße als alternativen Radfahrweg zur Umfahrung der Ehrlichstraße auszubauen. Dies würde nicht nur die Sicherheit für Radfahrer erhöhen, sondern auch den motorisierten Durchgangsverkehr in diesem Bereich reduzieren.

Politische Unterstützung und Umsetzungshürden

Die Idee hat politischen Rückhalt. Ein Dringlichkeitsantrag der SPD mit dem Titel "Wandlitzstraße soll Fahrradstraße werden" wurde in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 16.06.2022 beschlossen. Ein früherer Vorschlag zur Sanierung und Umwandlung wurde bereits am 19.08.2021 in der BVV beschlossen.

Trotz dieser Beschlüsse gestaltet sich die Umsetzung komplex. Auf einem Mobilitätsrat im Oktober 2024 wurde berichtet, dass der Projektentwickler noch offene Fragen mit den Berliner Wasserbetrieben (BWB) klären muss. Ein zentrales Problem ist die Enge der Straße und das Fehlen einer Entwässerung, was eine Asphaltierung erschwert. Die BWB hat die vorgelegten Vorschläge bisher nicht abgenommen.

Der Lichtenberger FahrRat sprach sich im Mai 2024 klar für die Umsetzung aus und verwies auf den unbestimmten Planungshorizont für die Ehrlichstraße. Die zuständige Bezirksstadträtin für Verkehr (BzStrIn) sagte daraufhin zu, erneut zu prüfen und Feedback zu geben.

Verwaltungsrechtliche Einordnung

Die Fachverwaltung sieht die Situation differenziert. Im März 2022 teilte das Fachamt mit, dass aufgrund einer geplanten Tempo-30-Zone nach StVO eine Radverkehrsanlage entbehrlich sei. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei das Mobilitätsgesetz. Da die Planung für die Parkstadt Karlshorst bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen und im Bebauungsplan festgesetzt wurde, können die aktuell gültigen Vorgaben aus dem Gesetz nicht mehr berücksichtigt werden. Hätte man das heutige Wissen und die heutigen Regularien damals angewandt, würden die Planungen sicherlich anders aussehen.

Weitere verkehrstechnische Maßnahmen und Anbindungen

Die Sanierung und Neugestaltung der Wandlitzstraße ist Teil eines umfassenderen Konzepts zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in Karlshorst.

Anbindung an das Radwegenetz

Der Fokus liegt auf der Schaffung von Lücken im bestehenden Netz. Ein zentraler Vorschlag ist die Anbindung der südlichen Abfahrt der Blockdammbrücke zur Wandlitzstraße. Dies soll durch eine Verbindung zwischen der Trautenauer Straße und dem Schmiedeberger Weg geschehen, die barrierefrei für Fußgänger und Radfahrer ausgestaltet wird und über das Gelände des Umspannwerkes Trautenauer Straße führt.

Ziel ist es, eine durchgehende Route von Karlshorst gen Westen zu schaffen, die als Fahrradstraße dient. Die Diskussion um die Wallensteinstraße (Fahrradstraße oder Radschutzstreifen) und die Dönhoffstraße (Radschutzstreifen oder Fahrradstraße) zeigt, dass über die Wandlitzstraße hinausgedacht wird.

Besonders interessant ist die geplante Asphaltierung der südlichen Trautenauer Straße und des Hönower Wiesenweges. Diese Maßnahme wird explizit im Kontext des Wohnungsbaus ("Parkstadt") genannt. Die Verbindung über die Liepnitzstraße zur Oskarstraße soll ebenfalls als Fahrradstraße oder mit Radwegen ausgebaut werden. Hier besteht jedoch ein Konflikt: Der Bereich ist eigentlich für den KFZ-Durchfahrtsverkehr gesperrt, was in der Realität jedoch oft ignoriert wird.

Einfluss der Bebauung auf die Verkehrssituation

Die neue Wohnbebauung entlang der Wandlitzstraße (siehe Source 4) hat direkte Auswirkungen auf die Verkehrssituation. Es entstanden 158 Wohneinheiten in sieben Gebäuden. Die Bauweise ist aufgrund der Lärmbelastung durch die Bahnanlagen der Deutschen Bahn im Norden besonders geschlossen und schalldicht ausgeführt. Die Gebäude fungieren gleichzeitig als Lärmschutzwand. Diese hohe Dichte an Wohnraum erhöht den Bedarf an alternativen Verkehrsmitteln und unterstreicht die Dringlichkeit der geplanten Verkehrsberuhigung.

Zusammenfassung der Maßnahmen und Prioritäten

Um die Komplexität der geplanten und diskutierten Maßnahmen zu strukturieren, lassen sich folgende Schwerpunkte identifizieren:

Maßnahme Ziel Status / Herausforderungen
Sanierung Wandlitzstraße Instandsetzung der Substanz, Verkehrssicherheit Abhängig vom Investor (Kaisergärten / Parkstadt). Noch nicht umgesetzt.
Umsetzung Fahrradstraße Verkehrssicherheit für Radfahrer, Entlastung Ehrlichstraße Politisch beschlossen (Dringlichkeitsantrag), aber technische Hürden (Entwässerung, Enge, BWB-Abstimmung).
Anbindung Blockdammbrücke Lückenschluss im Radnetz Vorgeschlagen (Trautenauer Str. / Schmiedeberger Weg). Planung abhängig von Umspannwerksgelände.
Ausbau Trautenauer Str. / Hönower Wiesenweg Anbindung Parkstadt, Radinfrastruktur Teil des städtebaulichen Vertrags, Pläne in Überarbeitung (Straßen- und Grünflächenamt).
Verkehrsentlastung Treskowallee Reduzierung von Staus Fokus auf Ampelsteuerung und den geplanten Straßenzug "TVO".

Fazit

Die Sanierung der Wandlitzstraße in Berlin-Karlshorst ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen moderner Stadtentwicklung. Es geht nicht nur um das Reparieren von Asphalt, sondern um die strategische Ausrichtung einer Infrastruktur auf die Zukunft. Die Wandlitzstraße steht im Schnittpunkt von Wohnungsneubau, dem Wunsch nach mehr Radverkehr und der Notwendigkeit, den motorisierten Verkehr zu regulieren.

Die Vision einer Fahrradstraße ist politisch gewollt und wird von der Bürgerschaft aktiv gefordert. Jedoch zeigen die Verwaltungsdokumente, dass die Umsetzung an bürokratischen und technischen Details scheitern kann. Der städtebauliche Vertrag mit dem Investor der Parkstadt Karlshorst ist hierbei der Schlüssel. Erst wenn der Investor seine Verpflichtungen zur Sanierung erfüllt, können die folgenden Schritte zur Gestaltung als Fahrradstraße und zur Verbesserung der Verkehrsführung zügig gehen.

Für Anwohner, Investoren und alle, die sich für die Entwicklung Karlshorst interessieren, bleibt abzuwarten, wie die Abstimmung zwischen Bezirksverwaltung, Wasserbetrieben und privaten Investoren in den kommenden Monaten verläuft. Fest steht jedoch: Die Weichen für eine verkehrsberuhigte, radfreundliche Wandlitzstraße sind gestellt. Die Umsetzung wird zeigen, wie effektiv die Mechanismen der Bürgerbeteiligung und der städtischen Planung in der Praxis funktionieren.

Quellen

  1. Bürgerverein Karlshorst e.V. - Neues zur Baustellen-Lage
  2. Bürgervorschlag - Ausbau Fahrradwege/Fahrradstraßen Karlshorst
  3. Radnetz für Karlshorst - Wandlitzstraße
  4. Kottmair Architekten - Wohnbebauung Wandlitzstraße Berlin

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