Die Sanierung von Sportstätten stellt Kommunen vor erhebliche planerische, technische und finanzielle Herausforderungen. Ein exemplarisches Beispiel für eine solche Runderneuerung ist das Hanfriedenstadion in Westerkappeln. Nach jahrelangen Diskussionen und kontroversen Debatten über die Zukunft der Anlage hat die Gemeinde nun konkrete Schritte zur Modernisierung eingeleitet. Der folgende Artikel beleuchtet die Hintergründe, die technischen Details des Vorhabens sowie die finanzielle und regulatorische Planung, basierend auf den vorliegenden Informationen lokaler Berichterstattung.
Hintergrund und Historie der Anlage
Das Hanfriedenstadion in Westerkappeln befindet sich seit über einem Jahrzehnt im Fokus öffentlicher Diskussionen. Die Notwendigkeit einer Sanierung ergab sich aus dem Zustand der bestehenden Anlagen, der eine Nutzung in der ursprünglichen Form zunehmend erschwerte. Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Stadions war die letzte Sanierung vor mehr als zehn Jahren, die als „Rückbau“ in die Erinnerung der Gemeinde einging.
Damals wurde die 400-Meter-Laufbahn auf lediglich 100 Meter verkürzt. Der Grund für diese drastische Maßnahme war eine Kontamination des Untergrunds. Die damals verwendete Kieselrotschlacke war mit Dioxinen belastet. Die Entsorgung dieses belasteten Materials kostete die Gemeinde Westerkappeln rund 100.000 Euro. Diese Maßnahme führte zu erheblicher Kritik. Sowohl der ansässige Sportverein als auch die lokale CDU warfen der damaligen Verwaltung vor, das Stadion „kaputt saniert“ zu haben. Es folgten hitzige Diskussionen über die komplette Aufgabe der Anlage und den Bau eines neuen Sportzentrums, die jedoch nicht realisiert wurden. Stattdessen entschied man sich nun, einen konzeptionellen Neuanfang zu wagen.
Das neue Sportstättenkonzept
Die Gemeinde Westerkappeln geht nun den Schritt zur Runderneuerung im Rahmen eines umfassenden Sportstättenkonzezes. Nachdem im Vorjahr bereits ein Kunstrasenplatz am Königsteich realisiert wurde, steht nun Teil B des Konzepts an, der sich auf das Hanfriedenstadion sowie weitere Sportflächen im Umfeld konzentriert.
Der Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde hat den Planungsauftrag für die Runderneuerung vergeben. Dieser obliegt dem Büro Grüning aus Osnabrück, welches bereits die Planung des zuvor erwähnten Kunstrasenplatzes begleitet hatte. Das Planungsbüro arbeitet dabei nicht „ins Blaue hinein“, da ein grobes Konzept bereits vorliegt. Ziel der Maßnahme ist es, endlich „Nägel mit Köpfen zu machen“ und die jahrelangen Unklarheiten zu beseitigen.
Das übergeordnete Konzept beinhaltet nicht nur die Sanierung des Hanfriedenstadions selbst, sondern auch die Aufwertung der umliegenden Sportflächen. Geplant ist unter anderem die Umwandlung des Tennplatzes am Schulzentrum in Kunstrasen sowie der Bau eines Basketball- und Multifunktionsplatzes zwischen den Schulen und der Dreifachhalle. Des Weiteren ist ein Multifunktionsfeld für Basketball und andere Sportarten vorgesehen, dessen Bau in diesem Jahr jedoch voraussichtlich nicht mehr beginnen wird.
Technische Planung und Bauleistungen
Die technische Umsetzung des Vorhabens ist komplex und gliedert sich in mehrere Abschnitte. Die Bauarbeiten haben inzwischen begonnen, symbolisch eingeleitet durch einen ersten Spatenstich der Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, des Vereinsvorsitzenden Wolf-Dietrich Häke (TSV Westfalia 06 Westerkappeln) sowie Vertretern der Planung und Ausführung.
Sanierung des Fußballfeldes
Ein zentraler Bestandteil der Runderneuerung ist die Erneuerung des Fußballfeldes. Die Arbeiten hieran sind bereits fortgeschritten. Die Grasnarbe wurde komplett abgeschoben. Es folgt die Auskofferung des Mutterbodens, der bis zu 60 Zentimeter tief in die Erde reicht. Laut Angaben des ausführenden Unternehmens Stockreiter aus Mettingen müssen über 1.000 Kubikmeter Erde abgefahren werden. Eine Wiederverwendung dieses Materials ist aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht vorgesehen.
Im Anschluss an die Bodenarbeiten erfolgt die Erneuerung der Drainage sowie die Verlegung von Schläuchen für eine geplante Beregnungsanlage. Ein wesentlicher technischer Aspekt ist die Bodenaufbereitung: Statt des bisherigen Mutterbodens wird der Platz mit einem wasserdurchlässigen Gemisch aus Boden, Sand und Lavastein aufgefüllt. Dies soll die Spielqualität und die Entwässerung verbessern.
Eine Entscheidung über die finale Oberfläche des Spielfeldes steht noch aus. Diskutiert werden Kunstrasen oder Rollrasen. Sollte man sich für Rollrasen entscheiden, sind Lieferzeiten zu berücksichtigen, die einen Einfluss auf den Zeitplan haben können. Ziel der Gemeinde ist es, die Sanierung des Fußballfeldes – wetterbedingt – bis zum Jahresende abzuschließen.
Leichtathletikanlagen
Ein Kernpunkt der Sanierung ist die Wiederherstellung einer vollwertigen Leichtathletikanlage. Das ursprüngliche Konzept sah eine abgespeckte Variante vor, doch nach einer erneuten Kalkulation durch das Planungsbüro Grüning wurde ein umfangreicheres Paket beschlossen.
Geplant ist der Bau einer sogenannten „Kampfbahn Typ C“ mit vier Kreisbogenbahnen. Damit wird die ursprüngliche 400-Meter-Laufbahn wiederhergestellt, die nach dem Rückbau verloren ging. Die Laufbahnen werden dabei in mehreren Schichten aufgebaut: Zunächst erfolgt eine Asphaltierung, darauf wird eine kleine Gummischicht aufgebracht, und als abschließende Deckschicht kommt ein roter Tartanbelag zum Einsatz.
Neben der Laufbahn umfasst das Paket neue Hochsprung- und Weitsprunganlagen. Für den Weitsprung sind zwei neue Anlaufbahnen vorgesehen, die ebenfalls aus Kunststoff bestehen sollen. Auf Wunsch der örtlichen Schulen ist zudem die Planung einer zusätzlichen Sprunggrube vorgesehen. Die Anlagen für Diskus- und Kugelstoß (Diskus- und Sperrwurfanlage) sollen im bestehenden Zustand erhalten bleiben, da die vorhandene Ausstattung laut Planung als ausreichend erachtet wird. Die Flutlichtanlage im Stadion bleibt ebenfalls erhalten.
Regulatorische Hürden: Das Lärmschutzthema
Ein wesentlicher Aspekt, der die Diskussion um die Sanierung des Hanfriedenstadions maßgeblich beeinflusst hat, ist der Lärmschutz. Lange Zeit bestand die Befürchtung, dass eine umfassende Sanierung des Stadions rechtlich als Neubau gewertet werden könnte. Dies hätte zur Folge gehabt, dass die zulässigen Immissionsrichtwerte überschritten worden wären. Ein solcher Szenario hätte erhebliche Auswirkungen auf die Nutzbarkeit der Anlage gehabt, da die Fußballer, Leichtathleten und Schulen für Training und Sportunterricht teilweise auf externe Plätze hätten ausweichen müssen, was mit erheblichen Kosten verbunden gewesen wäre. Zudem wäre bei einer Sperrung des Fußballplatzes auch der Leichtathletikbetrieb unmöglich gewesen.
Die Entscheidung für die Sanierung fiel letztlich auch vor dem Hintergrund, dass eine Lösung gefunden wurde, die die Lärmschutzvorgaben einhält. Die Verwaltung empfahl dem Rat schließlich, das Stadion doch zu sanieren, da offenbar eine konsensfähige Lösung vorlag, die die regulatorischen Risiken minimierte.
Finanzielle Aspekte und Förderung
Die Finanzierung des Vorhabens ist ein zentraler Punkt der Planung. Die Sanierung des Hanfriedenstadions beläuft sich laut Kalkulation des Planungsbüros auf voraussichtlich 625.000 Euro. Im Kommunalhaushalt ist für die Modernisierung des Sportstättenkonzepts (inklusive der weiteren geplanten Anlagen) ein Gesamtvolumen von 700.000 Euro veranschlagt.
Die Gemeinde Westerkappeln ist finanziell gut aufgestellt, um diese Maßnahme durchzuführen. Die Bürgermeisterin betonte, dass im Haushalt „Luft“ vorhanden sei. Um die finanzielle Belastung zu minimieren, strebt die Verwaltung jedoch Zuschüsse an. Ein Antrag wurde beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gestellt. Dort existiert ein Förderprogramm für die Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur. Laut Angaben der Wirtschaftsförderung ist eine Kostenübernahme von bis zu 45 Prozent der Kosten möglich. Eine Entscheidung über die Bewilligung wird für den Monat März erwartet.
Weitere Baumaßnahmen im Umfeld
Die Modernisierung beschränkt sich nicht nur auf das Stadion. Im Zuge des Sportstättenkonzepts sind weitere Projekte geplant, die jedoch teilweise einen separaten Zeitplan haben.
- Multifunktionsplatz: Der Bau eines Basketball- und Multifunktionsplatzes zwischen den Schulen und der Dreifachhalle ist geplant. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 120.000 Euro, jedoch wird der Bau voraussichtlich nicht mehr in diesem Jahr beginnen.
- Skateranlage: Offen ist noch die Frage nach der Skateranlage. Diese Elemente waren im Zuge der Erweiterung des Betreuungsgebäudes für den Offenen Ganztag entfernt worden. Die Bürgermeisterin hat jedoch zugesichert, dass die Anlage definitiv wieder aufgestellt werden soll.
Fazit
Die Sanierung des Hanfriedenstadions in Westerkappeln markiert das Ende einer jahrelangen Phase der Unsicherheit und das Beginn einer konkreten Umsetzungsphase. Das Vorhaben ist ein Musterbeispiel für die Komplexität moderner Bauprojekte im kommunalen Bereich. Es verbindet technische Notwendigkeiten – wie die Beseitigung von Altlasten und die Schaffung zeitgemäßer Sportflächen – mit regulatorischen Anforderungen (Lärmschutz) und finanziellen Kalkulationen (Fördermittel).
Durch die Wiederherstellung einer 400-Meter-Laufbahn mit Kunststoffbelag und modernen Sprunganlagen wird die Leistungsfähigkeit der Sportstätte erheblich gesteigert. Gleichzeitig zeigt die Entscheidung für die Sanierung statt eines Neubaus die wirtschaftliche Vernunft der Gemeinde, auch wenn der Weg dorthin steinig war. Die Umsetzung der Arbeiten, die bereits begonnen hat, wird die Sportlandschaft in Westerkappeln nach Abschluss signifikant aufwerten und den lokalen Vereinen sowie den Schulen neue Perspektiven eröffnen.