Sanierung des Dom Polski in Bochum: Historisches Zentrum wird moderner Begegnungsort

Die Sanierung und der Ausbau des „Dom Polski“ in Bochum stellen ein bedeutende Baumaßnahme dar, die nicht nur architektonische und denkmalpflegerische Aspekte umfasst, sondern auch eine hohe kulturelle und politische Relevanz besitzt. Das Projekt, für das ein Kooperationsvertrag zwischen dem Bund der Polen in Deutschland (Eigentümer) und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Projektsteuerer unterzeichnet wurde, dient der Sicherung und Aufwertung eines historisch gewachsenen Ensembles. Ziel der Maßnahme ist die Umwandlung des Gebäudes in einen Ort der Begegnung und Erinnerung, der zukünftig als Sitz für den Bund der Polen und die Dokumentationsstelle Porta Polonica dienen soll.

Dieser Artikel beleuchtet die Baumaßnahme aus der Perspektive von Bauwesen, Denkmalpflege und Finanzierung und fasst die verfügbaren Informationen zusammen, die in den bereitgestellten Quellen dargelegt wurden.

Die historische und bauliche Bedeutung des Gebäudes

Das Gebäude Dom Polski, gelegen an der Straße Am Kortländer (ehemals Klosterstraße), besitzt eine über 100-jährige Geschichte als Zentrum polnischen Lebens in Deutschland. Die Straße war einst bekannt als „Klein Warschau“ oder „Polnischer Querschlag“, ein Viertel, in dem bis zum Zweiten Weltkrieg fast ausschließlich Polnisch gesprochen wurde und in dem sich rund 25 polnische Organisationen, von Bäckereien über Banken bis hin zu Gewerkschaften, ansiedelten.

Das Haus selbst war das Zentrum dieser Gemeinschaft. Die historische Bedeutung manifestiert sich jedoch nicht nur in der sozialen Funktion, sondern auch in den Ereignissen, die das Gebäude überstanden hat. Im September 1939, unmittelbar nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, durchsuchte die Gestapo das Dom Polski. Dokumente und Materialien wurden konfisziert und teilweise vernichtet; Funktionäre und Mitglieder des Bundes der Polen wurden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht, wo viele umkamen. Trotz dieser Zerstörungen und Verfolgungen verblieb das Haus nach dem Krieg in polnischem Besitz. In den 1960er Jahren erfolgte eine erste, wenn auch nur notdürftige Renovierung. Seit 2016 hing ein Banner an der Fassade, das den geplanten Einzug von Porta Polonica ankündigte.

Für die Eigentümer, den Bund der Polen in Deutschland, ist die Sanierung mehr als nur eine Instandsetzung. Josef Malinowski (Quelle 4) betont, dass die Maßnahmen zwar als positives Beispiel für deutsches Engagement gesehen werden, von polnischer Seite aber auch als ein Stück Wiedergutmachung für historisches Unrecht gewertet werden. Verweise auf die Nichtumsetzung von 1991er Vereinbarungen über die Rechte der deutschen Minderheit in Polen unterstreichen den politischen Kontext der Baumaßnahme.

Planung und Zielsetzung der Baumaßnahme

Das Ziel der Sanierung ist die umfassende Restaurierung und der Ausbau des historischen Gebäudes zu einem „Ort der Begegnung und Erinnerung“ (Quelle 2). Architektonisch und funktional soll das Haus zukünftig zwei Hauptakteure beherbergen: 1. Den Bund der Polen in Deutschland, den Eigentümerverein, der die Räumlichkeiten nutzt. 2. Porta Polonica, die Dokumentationsstelle zur Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland.

Porta Polonica wurde 2013 vom Bund und dem LWL gegründet und hatte bisher seinen vorläufigen Sitz im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum. Der Umzug in das sanierte Dom Polski stellt die dauerhafte Etablierung dieser Institution dar. Das Projekt wird als „bundesweit einmaliges Projekt zur internationalen Verständigung zwischen Deutschland und Polen und zur Aufarbeitung der deutsch-polnischen Geschichte“ bewertet (Quelle 2).

Finanzierung der Sanierung

Ein zentraler Aspekt der Baumaßnahme ist die komplexe Finanzierung durch öffentliche Mittel. Die Gesamtkosten werden in den Quellen teils unterschiedlich beziffert, was auf eine dynamische Projektentwicklung hindeutet.

  • Gesamtkosten: In Quelle 1 werden die Kosten mit 1,2 Millionen Euro angegeben. In Quelle 4 werden Kosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro genannt. Diese Diskrepanz könnte auf eine Erweiterung des Sanierungsumfangs oder eine spätere Kostenschätzung hindeuten.
  • Fördermittel: Die Finanzierung erfolgt durch eine Kombination von Mitteln des Bundes, des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) und der NRW-Stiftung.

Die konkreten Zuschüsse nach Quelle 1 setzen sich wie folgt zusammen: * Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien: 700.000 Euro * NRW-Stiftung: 414.000 Euro * Land NRW: 116.000 Euro

Quelle 2 und Quelle 3 nennen spezifisch einen Zuschuss der NRW-Stiftung in Höhe von 314.000 Euro. Die Differenz zu den 414.000 Euro in Quelle 1 lässt sich aus den vorliegenden Texten nicht exakt klären, deutet aber darauf hin, dass die Förderlandschaft aus verschiedenen Töpfen (z. B. spezifische Förderprogramme der Stiftung und direkte Landesmittel) gespeist wird. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ist mit einem Betrag von (mindestens) 314.000 Euro bis hin zu 700.000 Euro (je nach Quelle) der größte Einzelförderer. Quelle 5 und 6 bestätigen die Mittel aus Bundes- und NRW-Töpfen allgemein.

Die Notwendigkeit der öffentlichen Förderung wird in Quelle 6 indirekt mit dem Hinweis auf „weiter bestehende polnische Reparationsforderungen“ begründet, was die politische Dimension der Investition unterstreicht.

Zeitplan und Umsetzung

Nach langen Jahren der Verhandlungen und Vorbereitung konnte die Sanierung offiziell beginnen. Die Unterzeichnung des Kooperationsvertrags markierte den Startschuss für die Maßnahme. Das Ziel ist die Wiedereröffnung des Hauses im Jahr 2026, wie in Quelle 5 und 6 beschrieben. Bis dahin soll das Haus aus seinem „Dornröschenschlaf“ geweckt werden. Der LWL als Projektsteuerer ist maßgeblich an der Steuerung der Baumaßnahme beteiligt.

Zusammenfassung der Baumaßnahme

Die Sanierung des Dom Polski in Bochum ist ein Vorhaben, das technische Restaurierung mit kultureller Aufarbeitung verbindet. Es handelt sich um ein denkmalgeschütztes oder zumindest historisch hochrelevantes Gebäude, dessen Substanz saniert und für eine moderne Nutzung als Begegnungszentrum und Dokumentationsstelle adaptiert wird. Die Finanzierung ist gesichert durch einen Mix aus Bundes-, Landes- und Stiftungsmitteln, wobei die Summen je nach Quelle zwischen 1,2 und 2,4 Millionen Euro liegen. Die Umsetzung erfolgt durch den LWL und den Bund der Polen in Deutschland mit dem Ziel der Fertigstellung bis 2026.

Fazit

Die Sanierung des Dom Polski in Bochum ist mehr als eine klassische Gebäudesanierung. Es ist ein Projekt zur Erinnerungskultur und zur Stärkung der polnischen Identität in Deutschland. Für die Bauwesen-Leserschaft ist das Vorhaben ein Beispiel dafür, wie historische Bausubstanz durch öffentliche Förderung und Kooperation von Eigentümern und Verwaltungsträgern gerettet und für zukünftige Generationen nutzbar gemacht wird. Die Kombination aus denkmalpflegerischer Sanierung und der Schaffung eines modernen Begegnungsortes (Porta Polonica) zeigt Wege auf, wie historische Gebäude in urbanen Kontexten neu belebt werden können. Die geplante Fertigstellung im Jahr 2026 markiert den Abschluss eines langen Prozesses, der das Haus wieder zu einem Knotenpunkt polnischen Lebens in Deutschland machen wird.

Quellen

  1. RVR.ruhr
  2. Westfälischer Spiegel
  3. Land NRW
  4. Kulturwest
  5. Headtopics
  6. Berliner Zeitung

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