Modernisierung von Eissportanlagen: Technische, energetische und organisatorische Aspekte von Sanierungsprojekten

Die Sanierung von Eissporthallen und Eisstadions stellt Bauherren, Kommunen und Vereine vor komplexe Herausforderungen. Es handelt sich dabei um hochspezialisierte Infrastrukturen, die nicht nur sportlichen Zwecken dienen, sondern oft auch als kulturelle und soziale Treffpunkte in den Gemeinden verankert sind. Die vorliegenden Informationen aus verschiedenen Sanierungsprojekten in Deutschland beleuchten die technischen Innovationen, energetischen Optimierungen und die komplexe Organisation von Baumaßnahmen im laufenden Betrieb. Dieser Artikel analysiert die strategischen Entscheidungen, technischen Spezifikationen und Finanzierungsmodelle, die für eine erfolgreiche Modernisierung dieser Anlagen entscheidend sind.

Analyse der Sanierungsnotwendigkeit und strategische Planung

Eissportanlagen, die oft Jahrzehnte im Einsatz sind, erreichen früher oder später den Punkt, an dem eine grundlegende Sanierung unumgänglich wird. Die Entscheidung zwischen einer kompletten Neugestaltung und einer Stilllegung fällt meins schwierig, da die Nutzungsintensität oft hoch ist.

Nutzungsdichte und gesellschaftliche Relevanz

Die Bedeutung solcher Anlagen für die lokale Gemeinschaft wird in den analysierten Projekten deutlich hervorgehoben. Im Fall der Eishalle Peiting betont der Bürgermeister Peter Ostenrieder, dass die Halle "Sommer wie Winter viel zu gut genutzt" wird. Sie dient als Heimat für ein Oberligateam, knapp 150 Kinder und Jugendliche im Nachwuchsbereich sowie zahlreiche Hobbymannschaften. Mit einer Kapazität von 2.600 Plätzen ist sie ein zentraler Bestandteil der sportlichen Infrastruktur. Ähnlich verhält es sich in Höchstadt an der Aisch, wo die Eissporthalle als Teil eines Sportzentrums (inklusive Mehrzweckhalle, Hallenbad und Freibad) ein integraler Bestandteil der sportlichen Infrastruktur ist und von allen Altersgruppen genutzt wird. In Dingolfing bezeichnet der Vereinsvorsitzende des EV Dingolfing die Eishalle als sein "zweites Wohnzimmer".

Die Entscheidung für die Sanierung

Die strategische Entscheidung fällt meist zugunsten der Sanierung, da eine Stilllegung den Verlust einer wertvollen Gemeindeinfrastruktur bedeuten würde. In Peiting formulierte der Bürgermeister die Grundentscheidung klar: "Wir haben nur zwei Möglichkeiten: entweder wir erhalten die gemeindliche Einrichtung Eishalle auf einem zeitgemäßen Stand, oder wir lassen sie verkommen und schließen sie zwangsläufig irgendwann." Diese Erkenntnis führt zu Investitionen in Millionenhöhe, die jedoch oft durch Förderprogramme abgefedert werden.

In Höchstadt belaufen sich die Gesamtkosten auf 8.493.573,90 €, wobei die Bundesförderung 2.000.000,00 € beträgt, was die Bedeutung dieser Projekte auf Bundesebene unterstreicht. Die verbleibenden Eigenmittel von 6.493.573,90 € muss die Kommune aufbringen.

Technische Spezifikationen und Innovationen der Eispiste

Das Herzstück jeder Eissporthalle ist die Eispiste selbst. Die moderne Sanierungstechnik hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt, insbesondere im Hinblick auf Energieeffizienz und Nutzungsflexibilität.

Eispistenkonstruktion und Flexibilität

Ein zentrales technisches Detail aus Dingolfing betrifft die Anpassungsfähigkeit der neuen Eispiste. Laut Martin Weber wird durch die neue Eispistenkonstruktion die Möglichkeit geschaffen, "ohne viel Aufwand auf NHL-Format gespielt werden kann". Das NHL-Format (North American Hockey League) ist kleiner als das in Europa übliche IIHF-Reglement (Internationale Eishockeyföderation) und ermöglicht ein dynamischeres Spiel. Dies zeigt, dass moderne Sanierungen nicht nur den aktuellen Bedarf decken, sondern auch zukünftige Nutzungsformen berücksichtigen.

Ein weiteres Projekt, das im Zusammenhang mit Sanierungen von Eissportanlagen erwähnt wird, nutzt das ICEGRID® System. Hier wird zwischen verschiedenen Varianten unterschieden: - ICEGRID® Classic: Nutzt Kunststoffverrohrung und weist bereits ein erhebliches Einsparpotenzial gegenüber herkömmlichen Sand-, Beton- oder EPDM-Eispisten auf. - ICEGRID® Plus+: Nutzt Edelstahlverrohrung mit höchster Energieleitfähigkeit und Lebensdauer. Dieses Upgrade wurde gewählt, um das "bestmögliche System hinsichtlich Eisqualität und nachhaltigen Betrieb" zu erreichen.

Sommernutzung und Belagstechnologie

Ein entscheidender Aspekt moderner Sanierungen ist die ganzjährige Nutzung. Das erwähnte System ermöglicht in Kombination mit einem speziellen Multifloor-Belag eine problemlose Sommernutzung. Der Belag wird einmalig verlegt und erfordert keinen aufwändigen Auf- oder Abbau zwischen den Jahreszeiten. Dies erlaubt die Nutzung für Inline-Hockey und viele andere Sportarten und steigert die Wirtschaftlichkeit der Anlage erheblich.

Energetische Optimierung und Nachhaltigkeit

Ein Haupttreiber für Sanierungen ist neben der Sicherheit die Energieeffizienz. Alte Kälteanlagen sind oft energieintensiv und umweltschädlich.

Energieeinsparungen und Kältetechnik

In Höchstadt an der Aisch wird explizit genannt, dass die Sanierung der Kältetechnik, Eispiste und Lüftungsanlage den Energieverbrauch um 30 Prozent senkt. Dies reduziert den Treibhausgasausstoß und entlastet Umwelt und Klima. Als Teil der Modernisierung wird ein neues Funktions- und Technikgebäude errichtet, in dem zukünftig die Kältetechnik untergebracht wird. Dies ermöglicht eine zentrale und effiziente Steuerung der Anlage.

Photovoltaik und Dachsanierung

Ein weiterer wichtiger Schritt zur Nachhaltigkeit ist die Integration erneuerbarer Energien. In Peiting wird das bestehende Dach, das bisher aus spezialangefertigten Dachplatten bestand, komplett neu in einer "Sandwichbauweise" erstellt. Diese Bauweise ermöglicht erst das Aufbringen einer großflächigen Photovoltaikanlage auf dem neuen Stadiondach. Solche Maßnahmen sind essenziell, um den Betrieb von Eissporthallen, die einen hohen Strombedarf haben, langfristig ökologisch und ökonomisch zu gestalten.

Barrierefreiheit und Infrastrukturmaßnahmen

Moderne Baumaßnahmen müssen den aktuellen gesellschaftlichen Standards entsprechen, zu denen die Barrierefreiheit zählt.

Inklusion und behindertengerechte Gestaltung

In Höchstadt wird im Zuge der Sanierung die Barrierefreiheit bei den Sanitäranlagen und der Erreichbarkeit der Tribünen umgesetzt. Ziel ist es, einen "diskriminierungsfreien Rahmen für die Nutzung der Eisporthalle" zu schaffen. Ähnliche Maßnahmen sind auch in Dingolfing geplant: Es wird eine behindertengerechte Toilette in beiden Geschossen geben.

Sanitäre Anlagen und Kabinen

Neben der Barrierefreiheit werden oft auch die sanitären Einrichtungen und Kabinen komplett erneuert. In Peiting sind neue Toilettenanlagen im Obergeschoss auf beiden Tribünenseiten vorgesehen. In Dingolfing werden die neu konzipierten Gastronomiebereiche und die Kabinen für Eishockeymannschaften, Trainer und Schiedsrichter ebenfalls modernisiert. Diese Upgrades dienen nicht nur der Ästhetik, sondern erhöhen auch den Komfort für Sportler und Besucher.

Organisation und Durchführung von Sanierungsprojekten

Die Durchführung von Sanierungen in bestehenden Eissporthallen ist eine logistische und organisatorische Herausforderung.

Sanierung im laufenden Betrieb

Besonders schwierig ist eine Sanierung, wenn die Anlage weiterhin genutzt werden muss. Der Bürgermeister von Dingolfing, Armin Grassinger, verwies darauf, "dass die Sanierung während eines Betriebs natürlich sportlich" sei. Dies erfordert eine genaue Planung von Bauabschnitten. In Höchstadt wird die Sanierung in unterschiedlichen Bauabschnitten abgewickelt, wobei ein Abschnitt durch das Bundesprogramm unterstützt wird. In Dingolfing plant man vier Bauabschnitte, um die Eishalle bis September 2028 fertigzustellen. Die Baustelleneinrichtung soll sich dabei auf der Sandbahn erstrecken, wo normalerweise Auto-Speedway oder Pferderennen stattfinden, um den Spielbetrieb der Eishockeyvereine so weit wie möglich aufrechtzuerhalten.

Zeitplanung und Spielbetrieb

Die Abstimmung mit dem Spielplan ist kritisch. In Dingolfing wurde die ursprüngliche Planung, die Eisfläche bereits im Frühjahr 2026 zu ersetzen, auf den "Mitte März" verschoben, da der EV Dingolfing in diesem Jahr Playoffs anstrebt, die erst im Februar beginnen. Eine Sperrung der Eisfläche im Februar hätte den Verein vor große Probleme gestellt.

Ehrenamt und Gemeinschaftsprojekte

Ein einzigartiger Aspekt, der in einem der Projekte genannt wird, ist die Einbindung des Ehrenamts. Im Fall der Sanierung des Eisstadions in Türkheim (ESV Türkheim) wurden rund 2.700 ehrenamtliche Stunden von den Vereinsmitgliedern geleistet. Der CEO von ISS (dem ausführenden Unternehmen) bezeichnet dies als "kommunales Gemeinschaftsprojekt", bei dem fast jede Familie im Ort beteiligt war. Dies zeigt, dass Sanierungen nicht nur technische, sondern auch soziale Prozesse sind, die den Zusammenhalt einer Gemeinschaft stärken können.

Kosten und Finanzierung

Die Finanzierung von Sanierungsprojekten in der Sparte Eissport ist komplex und oft von externen Förderungen abhängig.

Kostenexplosionen und Fördermittel

Die Projekte zeigen, dass die Kosten oft höher ausfallen als ursprünglich erwartet. In Dingolfing spricht der Stadtrat von einer "Kostenexplosion", die nicht nachvollziehbar sei. Gleichzeitig ist klar, dass die Sanierung notwendig ist, da der Sicherheitsstandard nach fast 50 Jahren nicht mehr gegeben ist und es zu Stromausfällen kommt. Die Förderung spielt eine entscheidende Rolle. In Peiting wurden zwei Millionen Euro als Förderung aus Berlin zugesagt. In Höchstadt beträgt die Bundesförderung zwei Millionen Euro bei Gesamtkosten von ca. 8,5 Millionen Euro. Diese Förderungen sind oft an Bedingungen geknüpft, wie z.B. die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen.

Wirtschaftliche Betrachtung

Die Investitionen in die Modernisierung sind letztlich eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Anlage. Die Senkung des Energieverbrauchs um 30% (wie in Höchstadt genannt) führt zu dauerhaften Betriebskosteneinsparungen. Die Möglichkeit der ganzjährigen Nutzung (Sommernutzung) erhöht die Einnahmequellen und rechtfertigt die Investition in hochwertige Technik wie den Multifloor-Belag.

Fazit

Die Sanierung von Eissporthallen und Eisstadions ist ein komplexes Unterfangen, das weit über das reine Ersetzen von Eisflächen hinausgeht. Die analysierten Projekte zeigen klare Trends:

  1. Technologischer Wandel: Der Einsatz moderner Kälteanlagen (z.B. ICEGRID® Systeme) und die Umstellung auf energieeffiziente Bauweisen (Sandwich-Dächer, PV-Anlagen) sind Standard, um den Energieverbrauch signifikant (bis zu 30%) zu senken.
  2. Flexibilität: Neue Eispisten ermöglichen die Anpassung an internationale Spielstandards (NHL-Format) und durch spezielle Beläge eine problemlose Nutzung auch im Sommer.
  3. Inklusion: Barrierefreiheit in Sanitäranlagen und Zuschauerbereichen wird zwingend erforderlich, um allen Bevölkerungsgruppen den Zugang zu ermöglichen.
  4. Organisation: Die Durchführung in Bauabschnitten und die Koordination mit dem Spielbetrieb erfordern eine präzise Terminplanung. Die Einbindung des Ehrenamts kann eine erfolgreiche Projektunterstützung sein.
  5. Finanzierung: Hohe Investitionssummen machen staatliche Förderungen notwendig, die oft an Nachhaltigkeitskriterien geknüpft sind.

Für Bauherren und Entscheidungsträger bedeutet dies: Eine Sanierung muss frühzeitig und umfassend geplant werden. Der Fokus darf nicht nur auf den reinen Erhalt des Bestands liegen, sondern muss die energetische Zukunftsfähigkeit, die Nutzungsflexibilität und die gesellschaftliche Inklusion in den Mittel stellen. Nur so können diese spezialisierten Sportstätten auch für kommende Generationen erhalten bleiben.

Quellen

  1. Sport-Jugend-Kultur: Eissporthalle Höchstadt
  2. EC Peiting: Sanierungspläne Eishalle
  3. PNP: Diskussionen um Sanierung Marco-Sturm-Halle
  4. Sportplatzwelt: Modernisierung von Eisbahnen

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