Die energetische Sanierung und technische Modernisierung von Sport- und Kulturgebäuden stellt eine zentrale Herausforderung für Kommunen dar, die sowohl ökologische Verantwortung als auch wirtschaftliche Effizienz im Blick haben müssen. Die Stadt Ratingen hat vor diesem Hintergrund in den vergangenen Monaten ein umfassendes Sanierungsprojekt an ihrer Eissporthalle Am Sandbach realisiert, das weit über einen reinen Lampentausch hinausgeht. Die Maßnahmen umfassen die vollständige Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technologie, die Erneuerung der elektrischen Infrastruktur sowie die Beseitigung von Brandschutzmängeln und Schadstoffen. Parallel dazu erfolgt eine tiefgreifende Sanierung des angrenzenden Stadttheaters und der Sporthalle, die den gesamten Gebäudekomplex zukunftsfähig ausrichtet. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Details, die Investitionsvolumina und die strategischen Entscheidungen hinter diesen Baumaßnahmen, die als Vorbild für vergleichbare energetische Optimierungen in der Gebäudeinfrastruktur dienen können.
Die strategische Bedeutung der LED-Umrüstung in der Eissporthalle
Die Entscheidung der Stadt Ratingen, die gesamte Beleuchtung der Eissporthalle auf LED-Technologie umzurüsten, ist Resultat einer strategischen Planung, die auf mehreren Ebenen ansetzt. Der Rat der Stadt Ratingen stimmte in seiner Sitzung am 25. Februar der Bereitstellung der erforderlichen Mittel zu, wodurch der Start der Arbeiten Anfang April ermöglicht wurde. Die Investitionssumme beläuft sich auf rund 700.000 Euro. Diese Summe spiegelt nicht nur den Austausch der Leuchtmittel wider, sondern umfasst eine umfassende Modernisierung der gesamten elektrischen Infrastruktur.
Die Notwendigkeit dieser Sanierung ergab sich aus dem Zustand der vorhandenen Anlage. Die alte Beleuchtung entsprach weder in Bezug auf die Sicherheit noch auf die Lichtstärke den aktuellen technischen Standards. Eine Sanierung war aus Sicherheitsgründen ohnehin bald fällig gewesen. Wie von Patrick Anders, dem Ersten Beigeordneten und Sportdezernenten, betont wurde, ist in einem Objekt wie der Eissporthalle neben der Eisbereitung auch die Beleuchtung ein entscheidender Faktor für den Energieverbrauch. Der Ukraine-Krieg im Jahr 2022 und die daraus resultierenden konzertierten Energiesparaktionen haben die Dringlichkeit dieser Maßnahme zusätzlich beschleunigt.
Die Komplexität der Umrüstung liegt nicht nur im Austausch der Leuchtkörper begründet. Wie von Hochbaudezernent Martin Gentzsch angemerkt wurde, hört sich der Austausch von Lampen für Laien harmlos an, doch in einer so großen Halle wäre selbst die einfache Erneuerung der Leuchtkörper bereits sehr aufwendig. Die Maßnahme umfasste daher den Austausch der Leuchtmittel und -körper sowie die Erneuerung von Stromkreisverteiler und einem Großteil der Verkabelung. Dieser Kraftakt begann im April und konnte trotz einiger unvorhergesehener Hürden termingerecht abgeschlossen werden, sodass die Nutzung der Halle ohne Einschränkung möglich ist.
Energieeinsparpotenziale und Wirtschaftlichkeit
Die energetischen Auswirkungen der Modernisierung sind signifikant. Die Stadt investierte rund 700.000 Euro, um den Energieverbrauch um geschätzte zwei Drittel zu senken. Zusätzlich wird durch die Umrüstung ein direkter Kosteneinspareffekt von 25.000 Euro pro Jahr erzielt. Diese Zahlen belegen die Wirtschaftlichkeit der Investition über die Lebensdauer der neuen Anlage.
Die neue Elektrik befindet sich auf dem neuesten Stand der Technik und die Beleuchtung bringt mehr Leistung bei deutlich weniger Stromverbrauch. Dies ist besonders in einer Eissporthalle relevant, da hier neben der Kühlung die Beleuchtung zu den Hauptenergieverbrauchern zählt. Die Modernisierung ist somit ein Paradebeispiel für eine Investition, die sowohl ökologische als auch ökonomische Nachhaltigkeit vereint.
Technische Herausforderungen und unvorhergesehene Hindernisse
Die Umsetzung des Projekts in der eisfreien Zeit des Sommers stellte die Verantwortlichen vor enorme logistische und technische Herausforderungen. Wie von den Projektleitern Torsten Krannich und der Sachgebietsleiterin Technik, Sabine Tyburski, berichtet wurde, war von Anfang an klar, dass die eisfreie Zeit sehr knapp bemessen sein würde für dieses aufwendige Gesamtprojekt.
Asbestfund in Brandschutzklappen
Während der Umbaumaßnahmen kam es zu einer unerwarteten Komplikation, die die Arbeiten zusätzlich verkomplizierte: In den Brandschutzklappen wurde Asbest entdeckt. Dieser Fund machte eine sofortige fachgerechte Sanierung unter der Leitung von Vitas Lüneburger vom Amt für Gebäudemanagement der Stadt notwendig. Asbestsanierungen unterliegen strengen gesetzlichen Vorgaben und erfordern spezialisierte Firmen sowie besondere Sicherheitsmaßnahmen, was den Zeitplan und die Kosten zusätzlich beeinflusst.
Die Entdeckung von Asbest in älteren Gebäuden ist bei Sanierungen nicht ungewöhnlich, stellt aber eine erhebliche Herausforderung dar, da sie die Baustelle für eine gewisse Zeit stilllegt und Sicherheitsvorkehrungen im Umgang mit dem krebserregenden Material erfordert. Dass die Sanierung dennoch termingerecht abgeschlossen werden konnte, zeugt von einer professionellen Projektleitung.
Erneuerung der Infrastruktur
Die Arbeiten beschränkten sich nicht auf die Beleuchtung. Die gesamte elektrische Infrastruktur musste erneuert werden. Stromkreisverteiler und ein Großteil der Verkabelung wurden ausgetauscht. Diese Maßnahme war notwendig, um die Sicherheit zu gewährleisten und die neue, leistungsstärkere LED-Technologie betreiben zu können. Die alte Anlage entsprach nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards, weshalb eine Sanierung der gesamten Elektrik unabdingbar war.
Betriebsbereitschaft und Restarbeiten
Trotz der Komplexität der Maßnahmen konnte die termingerechte Inbetriebnahme gewährleistet werden. Die Ratinger Ice Aliens, der Eishockey-Regionalligist, konnte die Halle ab dem 1. September wie geplant nutzen. Die Öffentlichkeit erhielt ab dem 1. Oktober Zugang zur Halle.
Zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Hauptarbeiten waren noch einige Restarbeiten zu erledigen, diese betrafen jedoch überwiegend optische Aspekte und beeinträchtigten den Betrieb der Halle nicht mehr. Ein Punkt, der die Inbetriebnahme verzögert hätte, war die gastronomische Versorgung. In der sogenannten „Pistenbar“ musste die Imbissanlage ausgetauscht werden. Nach Lieferung des Küchenblocks Mitte September sollte diese jedoch wieder in Betrieb gehen können.
Parallelprojekt: Sanierung von Stadttheater und Sporthalle
Die Modernisierung der Eissporthalle ist Teil eines weit umfassenderen Projekts, das den gesamten Gebäudekomplex am Europaring betrifft. Parallel zur Umrüstung der Eissporthalle wurden das Stadttheater und die angrenzende Sporthalle einer tiefgreifenden Sanierung unterzogen. Diese Baumaßnahmen begannen im Mai 2023 und werden unter dem Label „Instandsetzung und Sanierung Stadttheater Ratingen und angrenzende Sporthalle“ geführt.
Entkernung und Schadstoffsanierung
Das Stadttheater wurde entkernt und einer Schadstoffsanierung unterzogen. Diese Vorarbeiten sind essenziell für eine nachhaltige Sanierung, da sie gesundheitsgefährdende Materialien entfernen und den Grundstein für neue technische Installationen legen.
Umfassende technische und optische Modernisierung
Die Sanierung umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die den Gebäudekomplex zukunftsfähig ausrichten: * Erneuerung der Gebäudetechnik: Sämtliche technische Anlagen werden erneuert. * Oberflächen und Ausstattung: Im Stadttheater werden neue Bestuhlung und eine akustisch wirksame Saalverkleidung installiert. * Sportbereich: In der Sporthalle wird ein neuer Sportboden und eine Wandverkleidung verlegt. * Sanitärbereiche: Die Sanitäranlagen werden komplett erneuert. * Fassade: Die Fassadensanierung umfasst die Erneuerung von Betonbauteilen, Fenstern und Außentüren. Dabei wird die markante Gebäudegestalt beibehalten.
Nachhaltigkeitskonzept: GreytoGreen®
Im Sinne des SSP-Labels GreytoGreen® wird eine energetische Optimierung durchgeführt. Diese umfasst: * Zeitgemäße Fenster und neue Gebäudetechnik. * Sanierung der Dachflächen mit teilweiser Begrünung. * Installation von Photovoltaikanlagen. * Eine Grünfassade an der Südseite der Sporthalle.
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Energieverbrauch zu senken, die Barrierefreiheit zu verbessern und die Aufenthaltsqualität zu steigern. Das Ziel ist es, das Stadttheater als attraktive Spielstätte und Kultureinrichtung mit nachhaltiger Qualität für die kommenden Jahrzehnte zu etablieren.
Vergabe und Auftragsänderungen
Die Durchführung dieser komplexen Sanierungen erfordert spezialisierte Handwerksbetriebe. Aus den verfügbaren Unterlagen geht hervor, dass die Stadt Ratingen als offizieller Auftraggeber fungiert. Im Zuge der Sanierung wurden Auftragsänderungen notwendig. Eine dieser Änderungen betraf die Gerüstbauarbeiten. Der Titel der Auftragsänderung lautet „Sanierung Stadttheater und Sporthalle am Europaring, Gerüstbauarbeiten“. Die Beschreibung des Auftrags bestätigt die umfassende Sanierung des Gebäudekomplexes, wobei im Teilprojekt Stadttheater und im Teilprojekt Sporthalle jeweils Schadstoffsanierungen, die Erneuerung von Außenfenstern und -türen sowie die Erneuerung der haustechnischen Ausstattung und der Oberflächen im Innenraum vorgesehen sind.
Die Notwendigkeit von Auftragsänderungen bei solch umfangreichen Sanierungsprojekten ist üblich, da während der Bauausführung oft zusätzliche Schäden oder Notwendigkeiten (wie der Asbestfund) zutage treten, die eine Anpassung des ursprünglichen Leistungsverzeichnisses erfordern.
Bewertung der Projektdurchführung
Die Sanierungsmaßnahmen in Ratingen lassen sich als Musterbeispiel für eine effiziente und zielgerichtete Kommunalpolitik im Bereich Bau- und Gebäudemanagement bewerten. Die Entscheidung, die knappe eisfreie Zeit für die technische Umrüstung der Eissporthalle zu nutzen, zeugt von guter Planung. Die Investition von 700.000 Euro in die LED-Umrüstung amortisiert sich über die Einsparungen von 25.000 Euro pro Jahr und senkt den Energieverbrauch um zwei Drittel.
Die Bewältigung unvorhergesehener Ereignisse, wie des Asbestfundes, demonstriert die Handlungsfähigkeit des Amtes für Gebäudemanagement unter der Leitung von Vitas Lüneburger. Die termingerechte Fertigstellung für die Saison der Ice Aliens und die Öffnung für die Öffentlichkeit zeigen, dass trotz Komplexität die Nutzerinteressen gewahrt werden konnten.
Die Parallelität der Sanierung des Kultur- und Sportbereichs am selben Standort bündelt Ressourcen und Synergien. Die Verwendung von Labels wie GreytoGreen® unterstreicht das Bekenntnis zu Nachhaltigkeitsstandards, die über die reine Energieeffizienz hinausgehen (z. B. Grünfassaden, Begrünung von Dachflächen).
Fazit
Die Modernisierung der Eissporthalle Ratingen und des angrenzenden Kultur- und Sportkomplexes stellt eine umfassende und notwendige Maßnahme dar, die sowohl technischen als auch energetischen Sanierungsbedarf adressiert. Die Investition von rund 700.000 Euro in die LED-Umrüstung und die Erneuerung der elektrischen Infrastruktur der Eissporthalle führt zu einer Reduzierung des Energieverbrauchs um zwei Drittel und einer jährlichen Kosteneinsparung von 25.000 Euro. Parallel dazu wird durch die Sanierung des Stadttheaters und der Sporthalle, die mit der Beseitigung von Schadstoffen, der Erneuerung der Fassade und der Installation von Photovoltaik sowie Grünfassaden einhergeht, ein nachhaltiger und zukunftsfähiger Gebäudekomplex geschaffen.
Die Projektleitung durch das Amt für Gebäudemanagement der Stadt Ratingen hat die Herausforderungen, darunter den Asbestfund und die knappen Zeitfenster, erfolgreich gemeistert. Für Bauherren und Entscheider in öffentlichen und privaten Bauprojekten zeigt dieses Vorhaben, wie wichtig eine detaillierte Vorplanung, die Berücksichtigung von Schadstoffen sowie die Integration moderner Nachhaltigkeitskriterien bei Sanierungen sind. Die Maßnahme dient als Leuchtturmprojekt für die energetische Optimierung von Hochbauten im kommunalen Bereich.