Die Sanierung und Modernisierung historischer Gebäude im Berliner Stadtteil Wilmersdorf stellt Bauherren, Architekten und Immobilienverwalter vor besondere Herausforderungen. Insbesondere der Komplex um den Fehrbelliner Platz, ein bedeutendes Ensemble der Architekturgeschichte Berlins, steht derzeit im Fokus umfangreicher Baumaßnahmen. Diese Projekte vereinen den Erhalt von Baudenkmalen mit modernen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Arbeitsplatzgestaltung und Energieeffizienz. Der folgende Artikel beleuchtet die vielschichtigen Aspekte dieser Sanierungsprojekte, basierend auf den vorliegenden Informationen zu den Gebäuden der Deutschen Rentenversicherung Bund und anderen Verwaltungsbauten in diesem Areal.
Der historische Kontext und die Bedeutung des Areals
Das Gebiet zwischen Fehrbelliner Platz, Ruhrstraße und Konstanzer Straße in Berlin-Wilmersdorf zeichnet sich durch eine über 100-jährige Bauhistorie aus. Die Bauten, die größtenteils der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) als Dienstgebäude dienen, repräsentieren verschiedene Epochen der deutschen Architektur und des Bauwesens. Die Bedeutung dieses Areals unterstreicht die Tatsache, dass die DRV hier ihr Stammhaus hat, das im Jahr 1923 errichtet wurde. Der gesamte Gebäudekomplex, der sich über mehrere Straßenzüge erstreckt, bildet zusammen mit dem Campus Hohenzollerndamm das Herz des Standorts der DRV in Wilmersdorf.
Die Bauwerke selbst sind Zeugnisse der Architekturgeschichte. Aus dem Jahr 1921 ist ein Putzbau von Georg Richter an der Ruhrstraße 2 überliefert. Im Jahr 1929/30 entstand ein Klinkerbau von Georg Reuter an der Ruhrstraße 3-4. Ein weiterer historischer Bau ist der Backsteinbau von Heinz Behnke an der Konstanzer Straße 42 aus den Jahren 1957-59. Die 1960er und 1970er Jahre führten zu markanten Erweiterungen: 1965 entstand ein Hochhausbau von Heinz Kroh an der Brandenburgischen Straße 57, und zwischen 1970 und 1973 wurde das Bürohaus am Fehrbelliner Platz 5 von Jan und Rolf Rave errichtet. Dieses Gebäude ist ein sechsgeschossiger, kubischer Bau, der in Höhe und Proportionen der bisherigen Platzbebauung entspricht. Charakteristisch sind seine Fassade mit Sichtbetonecken und dazwischen liegenden Fensterbändern sowie die damals moderne Großraumbüros mit einer speziell entwickelten Klima-Licht-Decke. Ebenfalls erwähnenswert ist das 23-stöckige Hochhaus von Hans Schaefers und Hans-Jürgen Löffler am Hohenzollerndamm 47 aus den Jahren 1974-77, ein aluminiumverkleideter Stahlskelettbau.
Neben den Gebäuden der DRV befinden sich auf dem Areal auch andere historische Verwaltungsgebäude, die den Charakter des Fehrbelliner Platzes prägen. Ein Beispiel ist das 1939 errichtete Verwaltungsgebäude an der Platz 2, ein T-förmiger Stahlskelettbau mit einer konkav geschwungenen Fassade. Diese Fassade besteht aus Naturstein Nagelfluh mit Elementen aus Muschelkalk, Skulpturenschmuck und mintgrünen Holzfenstern. Dieses Gebäude ist ebenfalls in das denkmalgeschützte Gebäude-Ensemble des historischen Fehrbelliner Platzes eingebunden und steht exemplarisch für die architektonische Qualität des Areals.
Die Herausforderung: Sanierung unter Denkmalschutz
Die Sanierung von Baudenkmalen erfordert ein hohes Maß an Fachkenntnis und Sensibilität. Die Gebäude am Fehrbelliner Platz stehen unter Schutz, was bei allen Instandsetzungsarbeiten berücksichtigt werden muss. Ziel ist es, die historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig die Gebäude für die heutigen Nutzungen zu adaptieren.
Eine besonders aufwendige Maßnahme ist die Sanierung der Natursteinfassaden. Wie am Beispiel des Verwaltungsgebäudes am Fehrbelliner Platz 1 (Baujahr Philipp Schaefer, 1935–36) zu sehen ist, umfasst eine denkmalgerechte Fassadensanierung eine detaillierte Schadenskartierung und verschiedene Instandsetzungsarbeiten. Im Rahmen einer solchen Sanierung wurden Fugen instandgesetzt, Muschelkalk- und Tuffsteinplatten der Fassade ausgetauscht und Fensterstürze erneuert. Zudem wurden witterungsbedingte Verfärbungen der Fassade gereinigt. Die Sanierung dieses Gebäudes umfasste eine Fassadenfläche von 5.000 m² und erstreckte sich von 2015 bis 2018.
Bei einem anderen Gebäude am Fehrbelliner Platz 2, das 1939 errichtet wurde, bestehen die straßenseitigen Fassaden aus Naturstein Nagelfluh und Muschelkalk. Nach einer umfangreichen Bestandsaufnahme inklusive Schadenskartierung wurde die Fassade mittels Tragstruktur abgefangen und instand gesetzt. Ein entscheidender Aspekt hierbei war die Abstimmung mit der Denkmalpflege, um die historisch wertvollen Natursteinflächen zu erhalten. Beschädigte Bereiche wurden restauriert oder mit neuen originalgetreuen Platten aus Nagelfluh erneuert. Da der ursprüngliche Abbauort des Nagelfluhs noch in Betrieb ist, ist eine originalgetreue Materialbeschaffung möglich. Eine besondere Herausforderung stellte das stark sandende Original-Material dar, weshalb eine vollflächige Reinigung ohne chemische Stoffe durchgeführt wurde. Die Sanierung dieses Gebäudes mit einer Bruttogeschossfläche (BGF) von 13.000 m² wurde 2021 abgeschlossen.
Auch die Holzfenster spielen eine wichtige Rolle bei der Denkmalpflege. An dem genannten Gebäude konnten viele der nicht-originalen Bestandsfenster erhalten bleiben. Nur bei zu hohem Schadbefund wurden einzelne Fenster ausgetauscht. Dieses Vorgehen bewahrt die charakteristischen Holzfenster optisch, während gleichzeitig technische Optimierungen für eine verbesserte Gebäude-Energiewerte durchgeführt werden.
Das Großprojekt der Deutschen Rentenversicherung Bund
Das größte und langfristigste Sanierungsvorhaben im Areal ist die Modernisierung der Dienstgebäude der Deutschen Rentenversicherung Bund. Es handelt sich hierbei um das größte Bauvorhaben der DRV in den vergangenen 50 Jahren. Nach einer langen Planungsphase begannen die Arbeiten mit einem offiziellen Spatenstich.
Umfang und Zeitplanung
Das Projekt ist ein Langzeitprojekt mit einer geplanten Dauer bis ins Jahr 2032 oder 2033. Insgesamt sollen fünf Gebäude mit einer Bruttogrundfläche von 130.000 Quadratmetern modernisiert werden. Der komplexe Gebäudekomplex wird in zwei Hauptbauabschnitte unterteilt, um die Arbeiten zu strukturieren.
Der erste Bauabschnitt konzentriert sich auf das sogenannte Yorck-Haus entlang der Westfälischen Straße und einen Verbindungsbau. Diese Gebäude umfassen zusammen eine Bruttogeschossfläche von 33.000 Quadratmetern. Die Arbeiten hier sollen in den ersten vier Jahren des Projekts abgeschlossen sein.
Der zweite Bauabschnitt umfasst den Gebäudekomplex zwischen Ruhrstraße und Konstanzer Straße mit einer Bruttogeschossfläche von rund 100.000 Quadratmetern. Dieser Komplex beinhaltet auch das 1923 errichtete Stammhaus der DRV.
Ziele der Modernisierung
Die Modernisierung verfolgt mehrere strategische Ziele, die über eine reine Instandsetzung hinausgehen.
Schaffung moderner Arbeitswelten: Ein zentrales Ziel ist die Umgestaltung der alten Büros in zeitgemäße Arbeitswelten. Die Anzahl der Arbeitsplätze soll von 2.800 auf 3.500 erhöht werden. Dies wird durch eine optimierte Architektur und Flächenaufteilung erreicht. Die neuen Arbeitswelten sollen sowohl für gemeinschaftliches als auch für konzentriertes Arbeiten geeignet sein. Die alten Großraumbüros mit ihren speziellen Klima-Licht-Decken aus den 1970er Jahren werden hierfür einer Neukonzeption unterzogen.
Verbesserung der öffentlichen Zugänglichkeit: Ein neuer zentraler Eingangsbereich soll geschaffen werden. Dieser soll zum Hauptanlaufpunkt für die Besucher werden und die Kantine, die Bibliothek sowie die Auskunfts- und Beratungsstelle beherbergen. Die alte Fassade soll hierfür in einen modernen Eingangsbereich mit Angeboten für die Öffentlichkeit umgewandelt werden. Dies unterstreicht die Funktion der DRV als Anlaufstelle für die Versicherten.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz: Das Projekt legt großen Wert auf einen nachhaltigen Betrieb der modernisierten Bauten. Geplant sind die Installation von Photovoltaik auf den Dächern und ein eigenes Regenwasserbewirtschaftungskonzept. Angestrebt wird eine Nachhaltigkeitszertifizierung in der Kategorie „Silber“ für alle modernisierten Gebäude. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, den Energieverbrauch zu senken und den ökologischen Fußabdruck des Gebäudekomplexes zu verringern.
Brandschutz: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Gewährleistung des Brandschutzes. Das 1970-73 errichtete Bürohaus am Fehrbelliner Platz 5 wurde bereits im Juli 2007 leer gezogen, um eine umfassende Sanierung, unter anderem zur Sicherstellung des Brandschutzes, durchzuführen. Auch in den aktuellen Sanierungsplänen sind brandschutztechnische Aufrüstungen ein wesentlicher Bestandteil.
Planerische und logistische Besonderheiten
Die Durchführung von Sanierungsmaßnahmen in einem dicht bebauten und städtischen Umfeld erfordert eine sorgfältige Planung, insbesondere was die Logistik und die Minimierung von Beeinträchtigungen für die Mitarbeiter und die Umgebung angeht.
Bauabschnitte und Baustelleneinrichtung
Die Unterteilung der Sanierungsarbeiten in mehrere Bauabschnitte ist eine zentrale Strategie, um die Projekte handhabbar zu machen. Wie bei der Sanierung des Gebäudes am Fehrbelliner Platz 2 umgesetzt, ermöglicht eine solche Unterteilung die Reduzierung der Bau- und Logistikfläche (BE-Fläche). Aufgrund der beengten Grundstückssituation am Fehrbelliner Platz wurde eine kompakte Baustelleneinrichtung vorgesehen.
Vermeidung von Interimsbauten
Ein entscheidender Vorteil der strukturierten Bauabschnittsplanung ist die Möglichkeit, auf Interimsbauten zu verzichten. Durch den Gebäude-internen, sukzessiven Freizug von Räumen können die Mitarbeiter vor Ort bleiben und die Sanierung schrittweise erfolgen. Dies spart nicht nur Kosten für Interimsgebäude, sondern minimiert auch die Belastung für die Belegschaft durch Umzüge. Die DRV plant das Projekt als Langzeitprojekt, bei dem die Mitarbeiter über acht Jahre hinweg auf einen Umbau eingestellt sein müssen. Eine solche schrittweise Sanierung ist daher essenziell, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Technische Spezifikationen und Materialien
Die Auswahl der Materialien und die Umsetzung der technischen Details sind entscheidend für den Erfolg einer Sanierung unter Denkmalschutz.
Fassadenmaterialien
Die Verwendung von Natursteinen wie Nagelfluh und Muschelkalk prägt das Erscheinungsbild der historischen Gebäude. Die Möglichkeit, beschädigte Nagelfluh-Platten durch originalgetreue Platten vom ursprünglichen Abbauort zu ersetzen, ist ein Glücksfall für die Denkmalpflege. Die Reinigung der Fassaden ohne chemische Mittel, wie sie bei dem stark sandenden Nagelfluh angewendet wurde, zeigt das Bestreben, umweltschonende Methoden zu nutzen.
Fenster und Türen
Die Erneuerung der Fenster ist ein zentraler Hebel für die energetische Sanierung. Ziel ist es, die historische Optik der Fenster, wie die mintgrünen Holzfenster des Gebäudes am Fehrbelliner Platz 2, zu bewahren und gleichzeitig moderne Anforderungen an Wärmedämmung und Schallschutz zu erfüllen. Der Austausch erfolgt nur dort, wo der Schadbefund es erfordert.
Innenraumtechnik
Die ursprüngliche Ausstattung der Büros aus den 1970er Jahren, wie die speziell entwickelte Klima-Licht-Decke im Bürohaus am Fehrbelliner Platz 5, wird durch moderne, energieeffiziente Technologien ersetzt. Ziel ist die Schaffung von Arbeitsplätzen, die den aktuellen Standards entsprechen.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung
Die Sanierungsprojekte am Fehrbelliner Platz haben nicht nur technische, sondern auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz.
Investitionsumfang
Die Sanierung des gesamten DRV-Komplexes ist ein erhebliches Investitionsprojekt. Die DRV bezeichnet es als das größte Bauvorhaben der vergangenen 50 Jahre. Die Umsetzung über einen Zeitraum von acht Jahren erfordert eine langfristige finanzielle Planung und das Engagement der Bundesrepublik Deutschland als Träger der DRV.
Städtebauliche Wirkung
Die Sanierung und Modernisierung der historischen Gebäude trägt zur Aufwertung des gesamten Quartiers Wilmersdorf bei. Der Fehrbelliner Platz und seine Umgebung sind ein städtebauliches Ensemble von hohem Wert. Die Erhaltung und sorgfältige Instandsetzung dieser Bauten sichert den Charakter des Areals für die Zukunft.
Arbeitswelt der Zukunft
Die Umgestaltung der Arbeitswelten für rund 3.500 Mitarbeiter spiegelt den Wandel in der Arbeitskultur wider. Die Schaffung von Räumen für konzentriertes und gemeinschaftliches Arbeiten sowie die Integration von Serviceangeboten für die Öffentlichkeit zeigen eine moderne Ausrichtung der Verwaltung.
Zusammenfassung der Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierungsarbeiten im Areal Fehrbelliner Platz lassen sich in verschiedene Kategorien unterteilen, die exemplarisch für die Herausforderungen moderner Denkmalpflege stehen:
| Maßnahme | Beschreibung | Beispiele / Anmerkungen |
|---|---|---|
| Fassadensanierung | Instandsetzung und Reinigung von Natursteinfassaden (Nagelfluh, Muschelkalk, Tuffstein). | Austausch beschädigter Platten, Fugeninstandsetzung, Reinigung ohne Chemikalien. |
| Fenstersanierung | Erhalt und energetische Nachrüstung historischer Fenster. | Austausch nur bei hohem Schadbefund, Optimierung der Gebäude-Energiewerte. |
| Brandschutz | Aufrüstung der Gebäude auf aktuelle Brandschutzstandards. | Leerzug des Gebäudes Fehrbelliner Platz 5 im Jahr 2007. |
| Raumkonzepte | Umgestaltung von Großraumbüros zu modernen Arbeitswelten. | Schaffung von 3.500 Arbeitsplätzen durch Optimierung der Flächenaufteilung. |
| Nachhaltigkeit | Integration von erneuerbaren Energien und Ressourcenschonung. | Installation von Photovoltaik, Regenwasserbewirtschaftung, Nachhaltigkeitszertifizierung (Silber). |
| Logistik | Strukturierung der Baustelle in Bauabschnitte. | Vermeidung von Interimsbauten, kompakte Baustelleneinrichtung. |
Fazit
Die Sanierungs- und Modernisierungsprojekte am Fehrbelliner Platz in Berlin-Wilmersdorf sind ein Paradebeispiel für den Umgang mit historischer Bausubstanz im 21. Jahrhundert. Es zeigt sich, dass der Erhalt von Denkmälern und die Schaffung moderner, nachhaltiger und effizienter Nutzungskonzepte kein Widerspruch sein müssen. Die Deutsche Rentenversicherung Bund setzt mit ihrem Langzeitprojekt Maßstäbe, indem sie nicht nur ihre Dienstgebäude instand setzt, sondern auch eine klare Vision für die Arbeitswelt der Zukunft und einen nachhaltigen Betrieb entwickelt.
Die detaillierten Planungen, von der denkmalgerechten Fassadenreinigung über die energetische Fenstersanierung bis hin zur Installation von Photovoltaikanlagen, zeigen ein umfassendes Verständnis für die Anforderungen an ein solches Großprojekt. Die Entscheidung, die Sanierung in mehrere Bauabschnitte zu unterteilen und auf Interimsbauten zu verzichten, minimiert die Beeinträchtigungen für den laufenden Betrieb und die Mitarbeiter. Gleichzeitig sichert die sorgfältige Auswahl originalgetreuer Materialien die historische Authentizität der Gebäude.
Für Bauherren, Immobilienverwalter und Architekten bieten diese Projekte wertvolle Einblicke in bewährte Vorgehensweisen bei der Sanierung unter Denkmalschutz. Die Kombination aus fachlicher Expertise, langfristiger Planung und dem Willen zur Nachhaltigkeit ist entscheidend für den Erfolg solcher Vorhaben. Die Gebäude am Fehrbelliner Platz werden nach Abschluss der Sanierung nicht nur ihre historische Schönheit bewahren, sondern auch als moderne und zukunftsfähige Arbeits- und Serviceorte dienen.
Quellen
- Berlin.de - Gebäude und Anlagen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
- Entwicklungsstadt.de - Wilmersdorf: Denkmalgeschützte DRV-Gebäude werden umgebaut
- DHL Architekten - Landesverwaltungsamt Berlin: Denkmalgerechte Fassadensanierung
- JSP Architekten - Fassadensanierung Fehrbelliner Platz 2
- Entwicklungsstadt.de - Wilmersdorf: Modernisierung der DRV-Gebäude am Fehrbelliner Platz