Sanierung und Modernisierung von Feuerwehrstandorten: Ein Fallbeispiel für effiziente Baumaßnahmen in Rostock

Die Sanierung und der Umbau von Infrastruktur, insbesondere von kritischen Einrichtungen wie Feuerwehrwachen, stellen Bauherren und Planer vor spezifische Herausforderungen. Im Gegensatz zu privaten Wohngebäuden oder gewerblichen Immobilien müssen hier Funktionalität, Einsatzbereitschaft und Arbeitsschutz unter einem strengen Zeit- und Kostendruck optimiert werden. Ein exemplarisches Projekt für eine solche Modernisierung ist die Sanierung der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Gehlsdorf in Rostock, die im Jahr 2018 abgeschlossen wurde. Dieser Umbau dient als praxisnahes Lehrbeispiel für die Planung und Durchführung von Baumaßnahmen im Bestand, bei denen Strukturveränderungen, technische Aufrüstung und Nutzeranforderungen zusammentreffen.

Analyse der Ausgangssituation: Sanierungsbedarf im Bestand

Die Notwendigkeit einer Sanierung ergab sich aus der baulichen Struktur und der Nutzungsdichte der Liegenschaft in der Drostenstraße. Die Freiwillige Feuerwehr Gehlsdorf verfügt über 43 aktive Mitglieder und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Brand- und Katastrophenschutz in Rostock. Wie die Quellen darlegen, führte das Team im Jahr 2018 bis zum Zeitpunkt der Sanierung bereits 114 Einsätze durch, darunter Großbrände bei einem Recyclingunternehmen. Diese hohe Einsatzfrequenz unterstreicht die Bedeutung einer uneingeschränkten Betriebsbereitschaft der Liegenschaft.

Das Gebäudeensemble bestand aus zwei separaten Gebäudeteilen: einem Altbau aus dem Jahr 1967 und einem Neubau aus dem Jahr 1999. Diese Trennung führte zu funktionalen Einschränkungen. Ein Teil des Gebäudes konnte, wie in den Quellen beschrieben, lediglich als Lagerraum genutzt werden, da die beiden Baukörper nicht direkt miteinander verbunden waren. Für die Einsatzkräfte bedeutete dies lange Wege und einen erschwerten Zugang zu den Fahrzeugen und der Ausrüstung, was im Ernstfall wertvolle Sekunden kosten kann. Zudem entsprachen die Sanitär- und Umkleidebereiche sowie die Büroflächen nicht mehr den aktuellen Anforderungen einer modernen Feuerwehr, insbesondere im Hinblick auf die Integration der Jugendfeuerwehr.

Planung und Finanzierung: Öffentliche Aufgabe und Investitionszuschüsse

Die Sanierung einer Feuerwehrwache ist eine öffentliche Aufgabe, die der Sicherheitsversorgung einer Stadt dient. Die Quellen nennen Kosten in Höhe von 504.000 Euro (laut Quelle 2) bzw. 509.000 Euro (laut Quelle 1) für die Sanierung in Gehlsdorf. Diese Diskrepanz in den genannten Beträgen deutet auf leichte Schwankungen in den Berichterstattungen hin. Es handelt sich hierbei um einen Investitionszuschuss aus dem Haushalt der Hanse- und Universitätsstadt Rostock. Die Finanzierung durch öffentliche Mittel unterstreicht die Bedeutung, die der Erhaltung dieser Infrastruktur beigemessen wird.

Für Bauherren und Projektverantwortliche in öffentlichen wie privaten Bereichen ist die Koordination mit den Nutzern ein zentraler Faktor. In diesem Projekt lag der Fokus auf der Umsetzung der spezifischen Wünsche der Freiwilligen Feuerwehr, um den Arbeitsalltag zu verbessern. Die Zuständigkeit lag beim Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE), der im Auftrag des zuständigen Senators handelte. Dieses Modell der zentralen Immobilienverwaltung ist vergleichbar mit Facility-Management-Strukturen in größeren Unternehmen und gewährleistet eine professionelle Abwicklung von Instandhaltungsmaßnahmen.

Konkrete Sanierungsmaßnahmen: Vom Wanddurchbruch bis zur Haustechnik

Die Kernmaßnahme des Umbaus war die strukturelle Veränderung des Gebäudeensembles. Um die zuvor separate Nutzung aufzulösen, wurde ein Wanddurchbruch zwischen dem Altbau (1967) und dem Neubau (1999) realisiert. Diese Maßnahme ist für Sanierungen im Bestand typisch: Sie schafft neue Verkehrswege und ermöglicht eine effiziente Raumnutzung. Durch die Verbindung verkürzten sich die Wege zur Fahrzeughalle erheblich, was die Einsatzbereitschaft direkt verbesserte.

Im Zuge der strukturellen Anpassungen wurden folgende bauliche Veränderungen vorgenommen:

  • Raumverlagerung und Neustrukturierung: Die Sanitär- und Umkleidebereiche wurden vergrößert und aus dem Neubau in den Altbau verlagert. Diese Verlagerung war notwendig, um im Neubau neue Flächen zu schaffen, beispielsweise für einen separaten Umkleidebereich der Jugendfeuerwehr.
  • Schaffung neuer Funktionsräume: Für die Jugendfeuerwehr wurde ein eigener Arbeitsraum eingerichtet. Zudem erhielten der Jugendwart und sein Stellvertreter eigene Büros. Dies unterstreicht die Bedeutung der Nachwuchsarbeit und zeigt, wie spezifische Nutzergruppen in die Raumplanung integriert werden müssen.
  • Ersatz und Modernisierung der Haustechnik: Eine umfassende Sanierung umfasst fast immer den Austausch veralteter Technik. In Gehlsdorf wurden die Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik (HLZ) ersetzt. Alte Elektrotechnik wurde entfernt und komplett neu verbaut. Diese Maßnahmen sind essenziell für den Energieeffizienzgrad eines Gebäudes und die Betriebssicherheit.
  • Instandsetzung von Bausubstanz: Außen- und Innenwände wurden saniert und neu beschichtet. Decken und Fußböden wurden erneuert. Eine neue Treppenanlage installiert und die bestehende aufbereitet. Zusätzlich wurde das Gebäude malermäßig instandgesetzt.

Diese umfassende Palette an Maßnahmen zeigt, dass eine Sanierung nicht nur die Fassade betrifft, sondern das Gebäude in seiner gesamten Tiefenwirkung erneuert.

Zeitplanung und Ablauf

Die Planung und Durchführung von Baumaßnahmen im laufenden Betrieb erfordert eine exakte Terminierung. Die Arbeiten an der Wache Gehlsdorf begannen Ende März und waren Anfang November abgeschlossen. Dies entspricht einer Bauzeit von rund sieben bis acht Monaten. Für vergleichbare Projekte ist diese Zeitspanne realistisch, wenn die Maßnahmen gut koordiniert sind. Die Inbetriebnahme ermöglichte es der Feuerwehr, die neuen Räume vor dem Winter zu nutzen.

In einem Parallelprojekt in Rostock, dem Neubau der Feuer- und Rettungswache 3 in Dierkow, wird die Wichtigkeit der Terminierung im Kontext der Einsatzbereitschaft verdeutlicht. Ziel war es, im November den Grundstein für den Rohbau zu legen, um die neue Wache schnellstmöglich zu realisieren. Der Neubau in Dierkow ist ein Beispiel für eine Investition in eine komplett neue Infrastruktur, während der Umbau in Gehlsdorf die Wertschöpfung im bestehenden Gebäudebestand zeigt.

Vergleich von Sanierung und Neubau am Beispiel Rostock

Um die Dimensionen der Sanierung in Gehlsdorf einzuordnen, ist der Blick auf den Neubau der Feuer- und Rettungswache 3 in Dierkow sinnvoll. Während die Sanierung in Gehlsdorf mit rund 500.000 Euro veranschlagt war, belaufen sich die Kosten für den Neubau in Dierkow auf 28,2 Millionen Euro. Dieser enorme Preisunterschied verdeutlicht den wirtschaftlichen Vorteil von Sanierungen, sofern die Bausubstanz dies zulässt.

Der Neubau in Dierkow ist ein Mega-Projekt: Es entsteht ein dreigeschossiger Gebäudekomplex mit einer Gesamtnutzfläche von rund 6.500 Quadratmetern. Hier werden Berufsfeuerwehr, eine zentrale Rettungswache und eine neue Freiwillige Feuerwehr integriert. Der Neubau ist für mehr als 200 Nutzer im Schichtbetrieb ausgelegt. Im Vergleich dazu ist die Wache in Gehlsdorf deutlich kleiner und dient primär einer Freiwilligen Feuerwehr mit 43 aktiven Mitgliedern.

Für Bauinteressierte und Investoren lässt sich folgende Erkenntnis ableiten: 1. Sanierung: Ideal, wenn die Grundstruktur intakt ist und spezifische Anpassungen (wie Wanddurchbrüche) die Funktionalität deutlich verbessern. Kosten sind kalkulierbar und deutlich niedriger. 2. Neubau: Notwendig, wenn die bestehende Substanz nicht mehr sinnvoll genutzt werden kann oder wenn die Anforderungen an die Fläche und Technik (wie bei einer zentralen Rettungswache mit Schichtbetrieb) den Rahmen des Bestands sprengen.

Die Sanierung der FF Gehlsdorf ist somit ein Paradebeispiel für eine "Lean Renovation", bei der mit begrenztem Budget ein maximaler funktionaler Nutzen erzielt wurde.

Aspekte des Arbeitsschutzes und der Sicherheit

Ein oft unterschätzter Aspekt bei der Sanierung von Feuerwehrwachen ist der Arbeitsschutz. Die Quellen betonen, dass die Kameraden "unter hoher eigener Gefährdung" Menschen retten. Daraus leitet sich die Notwendigkeit ab, dass die Arbeitsumgebung selbst sicher sein muss. Die Erneuerung der Elektrotechnik beugt Brandgefahren vor. Die Vergrößerung der Umkleidebereiche und die Schaffung von Ruheräumen (durch die Bürozuweisung für den Jugendwart) tragen zur psychischen und physischen Erholung bei.

Auch die Verkehrssicherheit im Gebäude wurde durch die neue Treppenanlage und die Aufbereitung der bestehenden Treppen gewährleistet. In einem Gebäude, das im Einsatzfall unter Zeitdruck genutzt wird, müssen Verkehrswege frei, stufenlos und sicher sein. Die Sanierung der Fußböden spielt hierbei eine ebenso wichtige Rolle wie die Statik der Treppen.

Fazit

Die Sanierung der Freiwilligen Feuerwehr Gehlsdorf in Rostock zeigt eindrucksvoll, wie Bestandsimmobilien durch gezielte Maßnahmen modernisiert und an zeitgemäße Anforderungen angepasst werden können. Der entscheidende Schlag war hierbei der Wanddurchbruch, der zwei getrennte Gebäude zu einer funktionale Einheit verband. Durch die Verlagerung und Vergrößerung von Sanitär- und Umkleidebereichen sowie die Einrichtung von Büros für die Jugendfeuerwehr wurde direkter Mehrwert für die Nutzer geschaffen.

Finanziert wurde das Projekt durch einen Investitionszuschuss der Stadt Rostock in Höhe von rund 500.000 Euro. Im Vergleich zum millionenteuren Neubau einer neuen Feuerwache (wie in Dierkow) demonstriert dieses Projekt die Wirtschaftlichkeit von Sanierungen. Für Bauherren und Immobilienbesitzer bleibt die Kernbotschaft: Eine sorgfältige Bestandsaufnahme, die Identifikation von "Baulücken" (wie die Trennung von Baukörpern) und die konsequente Modernisierung der Haustechnik sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen und kosteneffizienten Instandhaltung von Immobilien. Die Maßnahmen wurden Ende 2018 abgeschlossen und ermöglichen der Feuerwehr Gehlsdorf seitdem einen modernen und effizienten Betrieb.

Quellen

  1. Nach Umbau: FFW Gehlsdorf freut sich über sanierte Wache
  2. Nach Umbau: Freiwillige Feuerwehr Gehlsdorf freut sich über sanierte Wache
  3. Feuer-rettungswache 3 Dierkow Neubau

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