Die Sanierung von historischen Kirchenbauten stellt Bauherren, Architekten und Handwerker vor besondere Herausforderungen. Es ist ein Balanceakt zwischen der Bewahrung von Baudenkmalen und der Anpassung an moderne Nutzungsanforderungen. Ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Synergie aus Tradition und Innovation ist die kürzlich abgeschlossene Sanierung der Frauenfriedenskirche in Frankfurt-Bockenheim. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und gestalterischen Aspekte dieses Projekts, das mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis 2023 ausgezeichnet wurde und somit als Leuchtturmprojekt für die Denkmalpflege dient.
Der historische und architektonische Kontext
Die Frauenfriedenskirche ist einzigartig in Deutschland. Sie ist die einzige Kirche, die von katholischen Frauen initiiert und finanziert wurde. Initiatorin Hedwig Dransfeld entwickelte 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, die Vision einer Wallfahrtskirche als Gedächtnismal für die Gefallenen und einen Ort des Gebets für den Frieden. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass sich 18 katholische Frauenorganisationen zum Bau entschlossen. 1929 wurde die Kirche geweiht.
Architektonisch ist der Bau ein monumentaler Kirchenbau im Bauhausstil, entworfen vom Stuttgarter Architekten Hans Herkommer. Der Innenraum ist geprägt von Licht, klaren Linien und intensiven Farben. Besonders erwähnenswert sind die Mosaikwand im Altarraum mit Darstellungen heiliger Frauen sowie die zwölf Meter hohe Mosaikstatue der Friedenskönigin über dem Hauptportal. Diese Elemente bildeten den Kern der Erhaltungsmaßnahmen.
Umfang und Finanzierung der Sanierung
Die Sanierung war ein umfangreiches Projekt, das von 2018 bis 2020 andauerte und am 22. November 2020 mit der Weihe eines neuen Altars durch Bischof Georg feierlich abgeschlossen wurde. Die Gesamtkosten beliefen sich auf insgesamt 5 Millionen Euro.
Die Finanzierung stellt bei solchen Projekten oft die größte Hürde dar. In diesem Fall gelang es, die Mittel durch ein breites Bündnis zu sichern. Der Freundeskreis Frauenfrieden e.V., der sich speziell für den Erhalt des Ensembles einsetzt, spielte eine zentrale Rolle. Die Finanzierung setzte sich aus folgenden Quellen zusammen (laut Source [2]): * Bistum Limburg * Landesamt für Denkmalpflege Hessen * Deutsche Stiftung Denkmalschutz * Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt * Zahlreiche private Spender und Förderer
Dieses Modell einer öffentlich-privaten Partnerschaft ist für die Bauwirtschaft von großem Interesse, da es zeigt, wie durch die Bündelung von institutionellen und privaten Mitteln großformatige Denkmalsanierungen realisiert werden können.
Die Herausforderung: Farbrestaurierung und Substanzerhalt
Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die Wiederherstellung der originären Farbgebung. Die ursprüngliche Gestaltung durch Herkommer war weit entfernt von der heute oft als "kirchlich" wahrgenommenen Schlichtheit. Durch akribische Recherchen und Untersuchungen der Bausubstanz durch Restauratoren konnten die ursprünglichen Farbtöne identifiziert und wiederaufgetragen werden.
Laut der Vorsitzenden des Freundeskreises, Franziska Baumgartl, handelte es sich um stark leuchtende Farben: * Pompejanisch-Rot * Türkisgrün * Kobaltblau * Gold
Diese Farbpalette unterstreicht den Bauhaus-Charakter des Gebäudes und schafft eine einzigartige Atmosphäre. Die Restauratoren arbeiteten Stück für Stück daran, die alten Farben unter übermalten Schichten wieder hervorzuholen. Dieses Vorgehen ist ein Musterbeispiel für professionelle Restaurierung: Nicht Übermalen, sondern Freilegen und Konservieren.
Das Lichtkonzept: Gewinner des Deutschen Lichtdesign-Preises 2023
Der wohl technisch interessanteste Aspekt der Sanierung ist das Lichtkonzept, das 2023 mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis in der Kategorie "Sanierung" ausgezeichnet wurde. Verantwortlich zeichneten die Frankfurter Lichtgestalter Herbert Cybulska, Yvonne Standke und Antje Dietrich (Büro Cybulska und Partners).
Ausrichtung am Originalkonzept
Die Planer sahen sich vor die Aufgabe, die Lichtideen des Architekten von 1930 in die heutige Zeit zu übersetzen. Die Recherchen begannen im Architekturmuseum Frankfurt, um die Lichtwirkung des Bauwerks im Jahr 1930 zu verstehen. Das Ziel war es, die ursprüngliche Atmosphäre mit moderner Technik wiederherzustellen.
Technische Integration
Das Konzept überzeugte die Jury durch die intelligente Verknüpfung von Ästhetik und Technik: 1. Moderne Steuerungsmittel: Die Gemeinde erhält alle modernen Steuerungsmittel, was bedeutet, dass die Beleuchtung flexibel an Gottesdienste, Konzerte oder Ausstellungen angepasst werden kann. 2. Ergänzung statt Ersetzung: Die vorhandenen, vom Architekten entworfenen Leuchten wurden ergänzt und aufbereitet, anstatt durch Neukonzepte ersetzt zu werden. 3. Atmosphärische Übersetzung: Die Jury hob hervor, dass die gewünschte Atmosphäre nun durch aktuell geplantes Licht erzeugt wird, das den historischen Gedanken treu bleibt.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Besonders bemerkenswert ist die Arbeitsweise des Planungsteams. Herbert Cybulska berichtete von einer intensiven Zusammenarbeit über einen Zeitraum von drei Jahren. Das Team traf sich regelmäßig jeden zweiten Donnerstag. An diesen Sitzungen nahmen neben den Lichtgestaltern auch Historiker, Kunstgeschichtler, Elektroplaner, Sanierungsfachleute und Restauratoren teil. Diese interdisziplinäre Herangehensweise ist entscheidend für den Erfolg von Komplexsanierungen. Sie stellt sicher, dass technische Anforderungen (z. B. Elektroinstallation) nicht im Widerspruch zu denkmalpflegerischen Ansprüchen stehen.
Die Orgel als klanglicher Abschluss
Ein weiterer wichtiger Baustein der Sanierung war die Erneuerung der Hauptorgel. Im Juni 2023 wurde die sanierte Orgel durch Pfarrer Joachim Braun geweiht. Die Orgel ist ein zentrales Element der liturgischen Nutzung. Die Weihe unterstrich die Abgeschlossenheit der Sanierungsarbeiten und wurde musikalisch durch Organist Christos Theel sowie Orgelrecitals von Marta Chrozynska und Veronika Zillens begleitet. Die positive Resonanz auf den Klang der Orgel zeigt, dass die akustischen Anforderungen an einen Kirchenraum genauso wichtig sind wie die visuellen.
Die Bedeutung für die Bauwirtschaft und Denkmalpflege
Die Sanierung der Frauenfriedenskirche bietet mehrere Lernfelder für Bauexperten und Immobilienbesitzer:
1. Die Bedeutung von Licht in der Architektur
Das Projekt beweist, dass Licht nicht nur eine technische Notwendigkeit (Beleuchtung) ist, sondern ein entscheidendes gestalterisches Mittel. In der modernen Architekturplanung, insbesondere bei der Umnutzung oder Sanierung von Bauten, sollte die Lichtplanung frühzeitig im Entwurfsprozess einbezogen werden. Die Möglichkeit, durch Steuerungstechnik Stimmungen zu erzeugen, erhöht die Flexibilität von Gebäuden enorm.
2. Denkmalgerechte Sanierung vs. Modernisierung
Oft wird angenommen, dass Sanierung eine "Verniedlichung" des Bestands bedeutet. Hier wurde das Gegenteil bewiesen: Durch das Wiederaufleben lassen der kühnen Originalfarben (Pompejanisch-Rot, Türkisgrün) und der spezifischen Lichtwirkung wurde der Denkmalwert gesteigert. Für Bauherren bedeutet das: Investitionen in authentische Restaurierung zahlen sich aus – sowohl kulturell als auch (in diesem Fall durch Preise) reputativ.
3. Projektmanagement und Stakeholder-Management
Der Erfolg des Projekts basiert auch auf dem engagierten Stakeholder-Management. Der Freundeskreis Frauenfrieden e.V. fungierte als Motor für Spendenaquise und Öffentlichkeitsarbeit. Für Bauvorhaben mit hoher öffentlicher Relevanz (wie Kirchen, Gemeindehäuser oder historische öffentliche Gebäude) ist die Einbindung von Interessengemeinschaften unerlässlich. Die Zusammenarbeit mit dem Bistum Limburg und staatlichen Denkmalämtern zeigt zudem, wie wichtig frühzeitige Abstimmung mit Genehmigungsbehörden ist.
4. Nachhaltigkeit im Denkmalschutz
Die Finanzierung durch die Klimaschutzinitiative des Bundes deutet darauf hin, dass auch bei der Sanierung von Denkmälern Aspekte der Nachhaltigkeit eine Rolle spielten. Ob es sich um energetische Sanierung handelte oder um nachhaltige Materialien, geht aus den Quellen nicht hervor. Fest steht jedoch, dass der Erhalt von Bausubstanz per se eine Form der Nachhaltigkeit darstellt, da Ressourcen geschont werden, die für einen Neubau benötigt würden.
Zusammenfassung der technischen und gestalterischen Leistungen
Um die Leistungen der beteiligten Firmen und Planer strukturiert darzustellen, lassen sich folgende Kernbereiche der Sanierung zusammenfassen:
| Bereich | Maßnahme | Besonderheit |
|---|---|---|
| Farbgestaltung | Wiederherstellung der Originalfarben (Pompejanisch-Rot, Türkisgrün, Kobaltblau, Gold) | Recherche im Archiv, Arbeit der Restauratoren |
| Lichttechnik | Neukonzept durch Cybulska und Partners | Gewinner Deutscher Lichtdesign-Preis 2023, Nutzung moderner Steuerungstechnik |
| Liturgische Ausstattung | Neuer Altar, Weihe 2020 | Durch Bischof Georg |
| Musiktechnik | Sanierte Hauptorgel | Weihe 2023, klangliche Optimierung |
| Finanzierung | 5 Mio. Euro Gesamtkosten | Mix aus Bistum, Stiftungen, Staat, Privat |
Fazit
Die Sanierung der Frauenfriedenskirche in Frankfurt ist ein Musterbeispiel für die moderne Denkmalpflege. Sie zeigt, dass historische Bauten nicht museal erstarrt werden müssen, sondern durchaus lebendige, zeitgemäße Nutzungen erfahren können.
Der entscheidende Erfolgsfaktor war hierbei die Verschränkung von Disziplinen: Architekturgeschichte (Hans Herkommer), moderne Lichtgestaltung, handwerkliche Restaurierung und engagiertes Bürger- und Kirchentum. Für die Bauwirtschaft ist das Projekt ein Beweis dafür, dass hohe Qualität bei der Sanierung von Komplexen erreicht wird, wenn Planer (wie die Lichtgestalter) tief in die Recherche einsteigen und interdisziplinär mit Historikern und Handwerkern zusammenarbeiten.
Die Auszeichnung mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis unterstreicht zudem, dass Lichtkonzepte in der Architektur immer mehr an Bedeutung gewinnen. Es geht nicht mehr nur um die Frage "Wo hängt man die Lampe auf?", sondern darum, wie Licht Raum definiert, Emotionen steuert und historische Kontinuität sichert. Die Frauenfriedenskirche strahlt nun wieder – im wörtlichen und im übertragenen Sinne – und dient als Vorbild für zukünftige Sanierungsprojekte im Innen- und Außenbereich.